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SXEU31 DWAV 201800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 20.10.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Kommende Nacht und am Donnerstag teils schwere Sturmböen, in Gipfellagen sowie
in Schauer- bzw. Gewitternähe auch orkanartige Böen oder Orkanböen möglich
(UNWETTER). Im Schwarzwald vorübergehend Dauerregen.
Am Freitag im Norden und in der Mitte nochmals stürmische Böen oder Sturmböen,
ansonsten Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … steht eine ausgewachsene Sturmlage ins Haus, die sich im Laufe der
zweiten Nachthälfte und des morgigen Vormittags/Mittags vielleicht auch in den
Warnkarten insofern niederschlägt, dass die rote Farbe (UNWETTER) einen größeren
Flächenanteil in Anspruch nimmt, als es derzeit noch der Fall ist.
Bei dem nach ganz strenger Auslegung der entsprechenden Warnkriterien
gebietsweise vielleicht etwas übertrieben erscheinenden Warnkonzept spielt vor
allem auch der Impact-Gedanke eine Rolle, denn – wie gesagt -, es ist der erste
Herbststurm der Saison, der weite Landesteile betrifft. Die meisten Bäume sind
noch verhältnismäßig dicht belaubt, bieten dem Wind somit eine größere
Angriffsfläche und kippen daher eher um, als es bei einem Sturm ähnlicher
Größenordnung im Winter der Fall wäre.
Doch nun zu dem für diese Jahreszeit typischen synoptischen Setup, das zu dieser
interessanten Wetterentwicklung führt:
Deutschland befindet sich aktuell vorderseitig eines umfangreichen
Langwellentroges, der sich – ausgestattet mit positiver Achsneigung – vom
Nordmeer über die Britischen Inseln bis zur westlichen Biskaya erstreckt,
unterhalb einer kräftigen südwestlichen Höhenströmung. Diese ist heute Abend
zunächst noch relativ glatt konturiert, lediglich über den Nordwesten schwenkt
ein flacher Kurzwellentrog hinweg, wobei sich dort innerhalb der recht
hochreichend labilen Schichtung (bis etwa 400 hPa) bei sehr markanter Scherung
(LLS: 15 bis 20 m/s, DLS: um 30 m/s) und mehreren 100 J/kg ML-Cape einige
Schauer und Gewitter entwickelt haben, die im Laufe des Abends und der ersten
Nachthälfte über die Nordhälfte hinweg ostsüdostwärts ziehen, sich dabei aber
mit Abzug des Troges, aber auch tagesgangbedingt allmählich abschwächen. Bei
Oberwinden von teils über 50 kn in 850 hPa spielt als Begleiterscheinung
vorwiegend der Wind eine Rolle, einzelne Böen Bft 8 bis 9, im Extremfall
eingangs der Nacht vielleicht auch noch eine Bft 10 sind in den kräftigeren
Entwicklungen (so sie denn noch auftreten sollten) durchaus in Betracht zu
ziehen.
Weiter südlich hat die Kaltfront eines Tiefs über dem Bottnischen Meerbusen
inzwischen die mittleren Landesteile erreicht. Mangels Schubkomponente aufgrund
höhenströmungsparalleler Exposition kommt sie nach wie vor nur langsam nach
Südosten voran, woran an ihr im Laufe der Nacht noch einmal eine flache Welle
abläuft, die vor allem im Südwesten zu einer deutlichen Intensivierung der
Niederschläge im Frontbereich führt. Morgens erreicht sie in etwa eine Linie
Oberschwaben-Oberpfälzer Wald. Vom Schwarzwald bis nach Oberfranken werden dabei
verbreitet 10 bis 20 l/qm in 12 Stunden simuliert, im Schwarzwald auch um 30
l/qm (Dauerregen), in Staulagen seitens des ICON-EU sogar gebietsweise über 40
l/qm, was aber im Modellvergleich etwas übertrieben erscheint.
Ein wirklich markanter Luftmassenwechsel findet aber auch postfrontal nicht
statt, auch niedertroposphärisch bleibt es noch bei einer kräftigen
Südwestströmung, so dass die 850 hPa-Temperatur lediglich auf 8 bis 5 Grad
sinkt.
Wetter- vor allem sturmtechnisch richtig interessant wird es dann aber im Laufe
der zweiten Nachthälfte. Durch einen von Westen einlaufenden markanten
Kurzwellentrog, der aktuell in etwa die Südwestspitze Englands erreicht hat,
wird der Langwellentrog regeneriert und nimmt vor allem mit seinem Südteil
deutlich an Fahrt auf. Der Kurzwellentrog überquert Nordfrankreich und Benelux
rasch ostnordostwärts und greift morgens bereits auf Nordwestdeutschland über.
Trogvorderseitig wird markante PVA wirksam, die Höhenströmung steilt etwas auf
und ein dem Trog unmittelbar vorlaufender Bodentrog samt kleinräumigem
Tiefdruckgebiet geraten zunehmend in den linken Ausgang des über Deutschland
hinweglaufenden Jetstreams (bis 130 kn in 300 hPa). Tief und Bodentrog können
sich im Laufe der Nacht entsprechend deutlich intensivieren, kommen ebenfalls
rasch nach Osten voran, morgens schlägt das Bodentief mit einem Kerndruck von
ca. 980 hPa über dem südlichen Schleswig-Holstein auf.
Bereits im Vorfeld verschärft sich der bereits heute schon üppige Gradient über
dem Vorhersagegebiet erheblich und der Wind nimmt vor allem ab Mitternacht von
Westen her deutlich an Fahrt auf. Die Kaltfront des Tiefs greift eingangs der
zweiten Nachthälfte auf den Westen des Landes über und kommt rasch nach Osten
voran, morgens holt sie dann schließlich auch die vorlaufende Kaltfront des
inzwischen nach Lappland abgezogenen Tiefs quasi eingeholt und reicht in etwa
von Westmecklenburg bis zum Bodensee. Die ihr folgende erwärmte Polarluft ist
noch nicht sonderlich hochreichend labil geschichtet (bis etwa 600 hPa), dennoch
reichen die konvektiven Umlagerungen für einzelne Schauer, vielleicht auch kurze
Gewitter, die rasch ostwärts ziehen. Zusammen mit dem scharfen Gradienten und
dem kräftigen Oberstrom (teilweise über 60 kn in 850 hPa) markiert die Front den
ersten Höhepunkt der Windentwicklung. Die Scherung im Frontbereich ist unterhalb
des Jets erheblich (LLS: 20 bis 25 m/s, DLS: über 40 m/s), dazu kommt auch noch
eine bodennahe Richtungsscherung, die für gekrümmte Hodografen in den unteren 1
bis 1,5 km sorgt. Zwar fehlt es etwas an Labilität, dennoch simulieren einige
Konvektion erlaubende Modelle vor allem in der Mitte und im Norden auch einzelne
Gewitter. Bereits „ungewittrig“, also rein vom Gradienten her, reicht es mit
Frontpassage verbreitet für stürmische Böen bzw. Sturmböen aus Südwest (Bft 8
bis 9), in auftretenden Schauern und Gewittern kann es schwere Sturmböen geben
(Bft 10), bei organisierten Strukturen (bis hin zu low topped Superzellen, die
aufgrund der Scherung durchaus in Betracht zu ziehen sind) müssen auf jeden Fall
auch orkanartige Böen bzw. Orkanböen (Bft 11 bis 12) in Betracht gezogen werden,
kurzlebige Tornados sind ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Etwas au0en vor von dieser Entwicklung bleibt zunächst der äußerste Norden, im
Bereich der Zugbahn des Tiefs, Dort werden allerdings die intensivsten
Niederschläge (aufgrund der kräftigen Hebung teilweise gewittrig durchsetzt)
simuliert, wobei vor allem von Ostfriesland bis ins südliche Schleswig-Holstein
durchaus auch Starkregen (mehr als 20 l/qm in 6 Stunden) auftreten kann.
Auch im äußersten Osten und Südosten spielt die Windentwicklung präfrontal noch
keine so große Rolle.
Nebenbei sei erwähnt, dass in den Kamm- und Gipfellagen der meisten
Mittelgebirge recht verbreitet orkanartige Böen bzw. Orkanböen auftreten, auf
dem Brocken auch extreme Orkanböen (über 140 km/h).
Ein zweiter, ähnlich scharfer Bodentrog, der sich in etwa unterhalb der Achse
des kurzwelligen Höhentroges befindet, erreicht – wohl zusammen mit einer
eingebetteten „backbend“ Okklusion – in den Frühstunden den äußersten Nordwesten
und Westen des Landes. Somit flaut der Wind nach Passage der Kaltfront nur kurz
ab, frischt aber bald wieder auf und erreicht ähnliche Geschwindigkeiten im
Bereich des Bodentroges, wobei auch dort vor allem nach Norden zu Konvektion
simuliert wird, mit ähnlichen Begleiterscheinungen wie an der Kaltfront.

Donnerstag … zieht der Kurzwellentrog unter Konturverlust rasch nach Nordosten
ab. Der nun meridional ausgerichtete Langwellentrog kommt dadurch ebenfalls
rascher nach Osten voran und reicht abends über Skandinavien und Mitteleuropa
hinweg südsüdwestwärts bis zur Iberischen Halbinsel, wobei die Hauptachse des
Troges am Nachmittag auf den Nordwesten und Westen Deutschlands übergreift.
Das kleinräumige Bodentief kommt ebenfalls sehr rasch nordostwärts voran, kann
sich noch weiter vertiefen und erreicht abends bereits den Westausgang des
Finnischen Meerbusens. Entsprechend rasch überquert bis zum frühen Nachmittag
der Bodentrog samt eingelagerter Okklusion das Vorhersagegebiet rasch ostwärts.
Die höchsten Windgeschwindigkeiten werden weiterhin mit Passage des Bodentroges
simuliert, vor allem nun in den mittleren und östlichen Landesteilen. Nach wie
vor muss dort recht verbreitet von Sturmböen (Bft 9) aus West ausgegangen
werden, in Schauern, die relativ verbreitet auftreten, auch von schweren
Sturmböen (Bft 10). Potenzial für mehr ist nach wie vor vorhanden, vor allem bei
Gewittern, wobei diese nur vereinzelt simuliert werden. Dann kann es nach wie
vor auch orkanartige Böen geben, eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür
besteht am ehesten noch vom westlichen Sachsen über Teile von Sachsen-Anhalt und
Brandenburg bis nach Vorpommern. Nach wie vor bleibt aufgrund der markanten
Scherung das Potenzial für flache Superzellen erhöht, dann sind auch kurzlebige
Tornados nicht ausgeschlossen.
Etwas ausgenommen von dieser Entwicklung bleibt eigentlich weiterhin nur der
äußerste Süden (südlicher Oberrheingraben, südlich der Donau), dort reicht es
bei etwas aufgefächerterem Gradienten meist nur für Böen Bft 7 bis 8, im
Alpenvorland vielleicht auch Bft 9, in den Hochlagen Bft 9 bis 10.
Postfrontal gelangt ein Schwall maritimer Polarluft ins Vorhersagegebiet, wobei
die 850 hPa-Temperatur im Norden und in der Mitte bis zum Abend auf etwa 0 bis
-3 Grad sinkt. Der Trogachse vorgeschaltet ist eine weitere Kaltfront, die mit
Schauern und auch kurzen (Graupel-)Gewittern auf den Nordwesten Deutschlands
übergreift und abends in etwa die mittleren Landesteile erreicht. Dabei fächert
der Gradient nur wenig auf, allerdings nehmen Höhenwind und Scherung allmählich
ab. Dennoch gibt es nach wie vor bis in den späten Nachmittag hinein stürmische
Böen, in Schauer- und Gewitternähe auch Sturmböen, schwere Sturmböen nicht
ausgeschlossen. Auf einigen Gipfeln muss weiterhin mit orkanartigen Böen, auf
dem Brocken mit Orkanböen gerechnet werden. Der Wind dreht allmählich auf West
bis Nordwest und im Tagesverlauf sind dann auch der äußerste Norden und
Nordwesten (Nordsee, Schleswig-Holstein) zunehmend betroffen. Vor allem im
Nordseeumfeld gibt es auch außerhalb der Schauer verbreitet Sturmböen,
vereinzelt auch schwere Sturmböen.
Nachdem die erste, vormals wellende Kaltfront auch Süddeutschland am Vormittag
rasch überquert hat, lockern die Wolken dort vorübergehend auf, vor allem im
Vorfeld zur weiteren Kaltfront, die ja den eigentlichen Luftmassenwechsel
markiert, setzt sich in erster Linie im Alpenvorland – begünstigt durch den
Leitplankeneffekt – nochmal länger die Sonne durch und es bleibt trocken.
Aufgrund der guten Durchmischung der Luftmasse steht mit Höchstwerten zwischen
12 und 17 Grad, im Alpenvorland und in der Lausitz bis nahe 19 Grad nochmals ein
recht milder Tag ins Haus – trotz der meist dichten Wolken vor allem im
Nordosten und in der Mitte.

In der Nacht zum Freitag kommt der Langwellentrog zögernd nach Osten voran, wird
aber durch von Nordwesten her einlaufende kurzwellige Troganteile immer wieder
regeneriert. Die Haupttrogachse zieht rasch über das Vorhersagegebiet hinweg
ostnordostwärts, ein weiterer, recht markanter Kurzwellentrog erreicht morgens
die Deutsche Bucht.
Im Bodenfeld zieht die Kaltfront des nach Südfinnland ziehenden
Tiefdruckgebietes über Süddeutschland allmählich Richtung Alpenvorland, gerät
aber in den Einflussbereich eines sich von Frankreich nach Süddeutschland
ausweitenden zonal ausgerichteten Hochkeiles und verliert an Wetterwirksamkeit.
Einige Modell(läufe) lassen sie noch einmal verwellen, wobei vor allem im
Schwarzwald nochmals gebietsweise 10 bis 20 l/qm fallen können, meist sind es
aber weniger als 5 l/qm und morgens beschränken sich die Regenfälle wohl nur
noch auf das Alpenvorland. Selbst in den Frühstunden hat sie noch nicht die
Alpen erreicht, so dass dort bei einsetzenden leichten Niederschlägen, die
Schneefallgrenze wohl noch über 1500 m liegt.
Im übrigen Land klingen die Schauer nach Abzug der Trogachse und auch
tagesgangbedingt rasch ab und die Wolken lockern auf. Mit Ausweitung des
Höhentroges nach Süden macht sich Höhenkaltluft rückseitig der Achse nun auch
auf den Weg nach Norddeutschland, die 500 hPa-Temperatur sinkt dort auf -27 bis
-30 Grad bei etwa -1 Grad in 850 hPa (dort steigt sie vorderseitig des neuen
Kurzwellenanteils sogar ein wenig an). Diese zunehmende Labilisierung sorgt an
den Küsten und in Schleswig-Holstein vor allem im Laufe der zweiten Nachthälfte
erneut für ein erhöhtes Schauer- und Gewitterpotenzial.
Der Wind nimmt vor allem im Binnenland von Südwest nach Ost deutlich ab, morgens
reicht es lediglich im Norden und Nordosten für steife Böen. An den Küsten
bleibt es aber stürmisch mit Böen Bft 9, vereinzelt auch Bft 10, wobei der Wind
vorübergehend auf West zurückdreht. Auch in einigen Hochlagen vor allem der
nördlichen und östlichen Mittelgebirge gibt es noch Sturmböen.
Die Nacht fällt nun deutlich frischer aus als die Vornächte. In der Mitte ist es
teils gering bewölkt und auch der Wind schläft dort regelrecht ein. So kann es
dort vielerorts Bodenfrost, in ungünstigen Lagen vielleicht sogar leichten
Luftfrost geben. Im Süden bleibt es dafür noch zu bewölkt, ebenso im Norden,
wobei es dort zusätzlich noch zu windig bleibt.

Freitag … kommt der Kurzwellentrog von der Nordsee her rasch über Nord- und
Ostdeutschland nach Osten voran und markiert letztendlich auch die
Haupttrogachse. Dahinter dreht die Höhenströmung auf Nordwest und bleibt relativ
glatt konturiert. Weite Teile Nord- und Ostdeutschlands werden von hochreichend
labiler Höhenkaltluft geflutet (-25 bis -31 Grad in 500 hPa, bis -3 Grad in 850
hPa) und unterstützt durch den Tagesgang entwickeln sich insbesondere entlang
einer in einen flachen Bodentrog eingelagerten Konvergenz verbreitet Schauer und
auch kurze Graupelgewitter, die bis in die mittleren Landesteile vorankommen.
Der nach Süddeutschland gerichtete Bodenhochkeil kann sich noch etwas verstärken
und somit bleibt zwischen dem nur langsam Richtung Karelien ziehenden
Tiefdruckgebiet über dem Norden, Osten und der Mitte ein veritabler Gradient
aufrecht, der sich vor allem in der Mitte vorübergehend noch etwas verschärft.
Somit treten vor allem in Schauer- und Gewitternähe auch im Binnenland nochmals
verbreitet steife bis stürmische Böen, vereinzelt auch Sturmböen aus West bis
Nordwest auf. An den Küsten sowie in den Gipfellagen der zentralen und östlichen
Mittelgebirge gibt es häufiger Sturmböen, exponiert vielleicht sogar auch
schwere Sturmböen.
Im Westen reicht es wohl meist nur für steife Böen, im Bereich des Hochkeils im
Südwesten und Süden des Landes ist der Wind dagegen nicht mehr warnrelevant.
Die Kaltfront erreicht schließlich die Alpen und löst sich dort mehr oder
weniger auf, so dass es auch an den Alpen und im Vorland keine nennenswerten
Niederschläge mehr gibt (maximal wenige l/qm). Ansonsten setzt sich in
Süddeutschland und auch im Südwesten vielerorts die Sonne durch und es bleibt
trocken. Auch ganz im Norden sowie im Nordosten scheint nach Abzug der
Konvergenz am Nachmittag noch gebietsweise die Sonne, dort erweist sich der
Skandinavienföhn als wirksam.
Insgesamt gelangt nun maritime Polarluft auf direkterem Wege vom Nordmeer aus
nach Deutschland, die Temperatur in 850 hPa sinkt auf 0 bis -3 Grad. Somit
liegen die Höchstwerte „nur noch“ zwischen 9 und 13 Grad.

In der Nacht zum Samstag verlagert sich der Langwellentrog weiter nach Osten, so
dass ein weiterer Kurzwellentrog, der an dessen Westflanke über Skandinavien und
die südliche Ostsee hinweg südostwärts abläuft, östlich des Vorhersagegebietes
bleibt. Von den Britischen Inseln greift ein markanter Höhenkeil bis Samstagfrüh
auf die westliche Nordsee und die Biskaya über, auf dessen Vorderseite die
nordwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet zögernd auffächert und
aufgrund von NVA Absinken überwiegt.
Somit kann sich auch im Bodenfeld der Hochdruckeinfluss verstärken und nach
Nordosten ausweiten. Die Konvergenz mit den Schauern, anfangs auch Gewittern
kommt noch bis etwa zur Eifel bzw. ins Vogtland voran und löst sich dort mehr
oder weniger auf, im Laufe der zweiten Nachthälfte gibt es kaum mehr
nennenswerte Niederschläge, auf dem Erzgebirgskamm reicht es eventuell noch für
ein paar Schneeflocken. Ansonsten kann sich unterhalb einer sich bei etwa 700
hPa verstärkenden Absinkinversion gebietsweise dichtere SC-Bewölkung ausbreiten,
vor allem in der Mitte und im Nordwesten. Auch in Süddeutschland werden die
Wolken etwas dichter, lediglich im Südwesten und südlich der Donau bleibt es
wohl aufgelockert bis gering bewölkt. Vor allem dort kann es in ungünstigen
Lagen Bodenfrost oder gar Luftfrost geben. Aber auch sonst wird es im
Einflussbereich der eingeflossenen Polarluft mit Tiefstwerten zwischen 7 und 2
Grad recht frisch, etwas milder bleibt es wohl nur an den Küsten.
Der Wind flaut im Laufe der Nacht mit Gradientauffächerung von Südwesten her
deutlich ab. Lediglich an den Küsten und auf einigen Gipfeln gibt es noch
längere Zeit stürmische Böen aus Nordwest, entlang der vorpommerschen Küste
eventuell noch bis in die Frühstunden.

Samstag … rückt der Höhenkeil über der Nordsee und Frankreich allmählich nach
Osten vor und stützt ein Bodenhoch, das seinen Schwerpunkt nach Süddeutschland
verlagert und sich noch verstärkt. An dessen Ostflanke kann der Wind –
unterstützt durch den Tagesgang – im Nordosten im Tagesverlauf noch einmal mit
einzelnen Böen Bft 6 bis 7 aus Nordwest auffrischen, ehe er spätestens am
Nachmittag auch dort abflaut.
Ansonsten steht ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Die Absinkinversion
sinkt allmählich auf etwa 800 hPa, im Südwesten auch darunter, wobei sich aus
der SC-Bewölkung flache Quellwolken ausbilden können. Vor allem in den mittleren
Landesteilen kann diese sich auch noch an den Nordhängen der Mittelgebirge
stauen, so dass die Sonne dort nicht so zum Zuge kommt. Ansonsten wechseln sich
Sonne und Wolken ab und es bleibt trocken, am sonnigsten wird es wohl ganz im
Südwesten sowie an den Alpen und an der Ostsee.
Niedertroposphärisch ändert sich an den Temperaturen nur wenig, somit bleibt es
bei Höchstwerten zwischen 8 und 13 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die groben synoptischen Strukturen werden von allen Modellen sehr ähnlich
simuliert. Auch im Detail sind die Modelle einigermaßen kongruent, in erster
Linie die kleinräumige Tiefdruckentwicklung in der kommenden Nacht bzw. am
Donnerstag betreffend sowie die Passage der Kaltfront und dem nachfolgenden
Bodentrog (samt „backbend occlusion“). Rein aus dem Gradienten ergibt sich
insbesondere für die Mitte und den Norden (zunächst abgesehen von Nordseeumfeld
und Schleswig-Holstein) ein hohe Potenzial für Sturmböen, in exponierten Lagen
auch für schwere Sturmböen.
Unklar ist hingegen noch, was sich konvektionstechnisch an beiden Systemen
abspielt. Da gehen auch die Konvektion erlaubenden Modelle noch etwas
auseinander und agieren, was Konvektion angeht, mangels Labilität eher
zurückhaltend. Aufgrund der markanten Scherung müssen aber lokal eng begrenzt
durchaus auch unwetterartige Begleiterscheinungen in Form von Böen Bft 11 bis 12
in Betracht gezogen werden, vor allem im Bereich flacher Superzellen, wobei
aufgrund bodennaher Richtungsscherung („gekrümmte Hodografen“) auch kurzlebige
Tornados möglich sind.
Da diese Ereignisse nur sehr lokal und kleinräumig auftreten, drängt sich eine
Vorabinformation aktuell allerdings nicht auf.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff