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SXEU31 DWAV 171800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 17.10.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst ruhiges, teils unbeständiges Herbstwetter. Ab Dienstagabend zunehmend
windig bis stürmisch mit Schauer und Gewittern. Mild bis sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … belauern sich ein Rücken über dem Ostatlantik bzw. der Iberischen
Halbinsel und ein Langwellentrog über Skandinavien. Die Achse des Rückens
erstreckt sich dabei über die Britischen Inseln hinweg nordwärts, während die
Trogachse am Abend über dem östlichen Mitteleuropa bis zur Türkei verläuft. Die
Kontaktaufnahme beider Geopotentialgebilde bei schwachen Gegensätzen findet
dabei zwischen einem Höhenkeil und einem Kurzwellentrog statt. Der Keil kann
sich über Süddeutschland und den Alpenraum ostwärts ausbreiten, während der
Kurzwellentrog von der Ostsee bis nach Westdeutschland verläuft und von da aus
südostwärts schwenkt. Einhergehend wird der Keil abgehobelt und südwärts
gedrückt. Gleichzeitig kann sich der Rücken über dem Ostatlantik wieder stärken
und seine Amplitude, befeuert von der WLA auf der Vorderseite eines atlantischen
Langwellentroges, wieder deutlich vergrößern. Das zum Rücken korrelierende
Bodenhoch PHILINE schwächelt dabei nur vorübergehend etwas. Mit der Kräftigung
des Rückens, sowie dessen allmählichen ostwärtigen Verlagerung, kann sich
PHILINE wieder regenerieren und den Einflussbereich ausbauen.

Am Abend und in der Nacht schafft es PHILINE aber nicht, das gesamte
Bundesgebiet sauber bzw. trocken zu halten. Ausgehend von einem Tiefdruckkomplex
über dem Atlantik, der zum Langwellentrog in der Höhe gehört, kann sich um den
Rücken herum WLA bis in den Norden und Osten vorarbeiten. Zusammen mit dem
Kurzwellentrog, der die Nordosthälfte überquert, reichen die Hebungsimpulse
schließlich aus Regenfälle zu induzieren. Im Süden und Südwesten, wo PHILINE
regiert, führt das ruhige Herbstwetter schließlich wieder zu teils dichtem Nebel
und lokalem Frost.
Montag … drückt der atlantische Langwellentrog den Rücken auf seiner
Nordflanke zunehmend gen Osten. Dabei kann der Rücken seine Amplitude durch noch
intensivere WLA auf der Vorderseite des Troges weiter ausbauen. Der Rücken in
Schieflage erstreckt sich somit von den Kanaren bzw. Nordwestafrika bis in die
Nordsee und dem östlichen Mitteleuropa. Der vormals über Skandinavien und dem
östlichen Mitteleuropa liegende Langwellentrog wird seinerseits verdrängt und
befindet sich am Montag über Osteuropa. Entsprechend ist zum Rücken korrelierend
am Boden Hoch PHILINE Trumpf. Allenfalls über Nordostdeutschland macht sich noch
die nahe Frontalzone bemerkbar, indem dort die Kaltfront des Tiefs GEROLD über
Nordwestrussland schleift und für etwas Regen sorgt. Ansonsten dominiert
zunächst Absinken vor, sodass einem freundlichen und milden Herbsttag nur der
Nebel und Hochnebel gebietsweise im Wege steht.

In der Nacht verabschiedet sich Hoch PHILINE leider und wandert langsam nach
Südosteuropa weiter. Verantwortlich dafür ist der kräftige Tiefdruckkomplex über
dem Atlantik, der allmählich ernst macht und seine Randtiefs und dessen
Ausläufer Richtung Mitteleuropa schickt. Eingebettet in die Südwestdröhnung
zwischen Hoch PHILINE und dem Komplex kann sich ein Frontenzug nordostwärts
verlagern. Die Warmfront soll demnach den Nordwesten und Norden ausgangs der
Nacht erreichen, wobei die vorlaufende WLA das Land schon früher einnimmt.
Resultierend werden von der Modellwelt vom Westen in den Norden übereinstimmend
leichte skalige Niederschläge simuliert. Im Süden und Südosten, dort, wo das
Hoch PHILINE noch ausreichend stark daherkommt, sind weiter die typischen
herbstlichen Wetterphänomene wie Nebel und Bodenfrost an der Nachtordnung.
Dienstag … bleibt noch warnarm, aber aus Wettersicht nicht langweilig. Da der
Langwellentrog samt dem korrelierenden Tiefdruckkomplex über dem Atlantik
wirbelt und dabei die Muskeln spielen lassen, gibt der Rücken allmählich klein
bei. Unter dem Druck des Troges wird dieser südostwärts gedrückt und verliert
dabei an Amplitude. Die Achse des Rückens schwenkt in der Folge über Deutschland
hinweg, sodass das Land zunehmend den Randtiefs und dessen Frontenzügen
ausgeliefert ist. Mit der auflebenden Südwestströmung wird die Warmfront samt
WLA aus der Nacht nun ostwärts über Deutschland hinweg geschoben. Entsprechend
werden nördlich der Donau WLA und frontogenetisch induziert meist skalige
Regenfälle von West nach Ost geführt. Im Nordseeumfeld macht sich zudem die
Gradientverschärfung bemerkbar, indem dort der Wind zulegt und dort sowie in den
Kammlagen der Berge erste steife Böen aufkommen. Hoch PHILINE hat in
Mitteleuropa ausgespielt und verlagert ihren Wirkungsraum nun endgültig nach
Südosteuropa, von wo aus sie fast den gesamten Mittelmeerraum regiert.

In der Nacht hat die Warmluft schließlich das ganze Land geflutet. Im Südwesten
sollen die Temperaturen in 850 hPa auf bis zu 15 Grad ansteigen und selbst nahe
Dänemark 8 Grad erreichen. Nachdem die Warmfront mit ihren vorgelagerten
Niederschlägen nordostwärts abgezogen ist, bleibt es im Warmsektor vorübergehend
ruhig. Nur der Wind, das himmlische Kind, legt weiter zu. Durch die zulegende
Verschärfung des Gradienten werden im Küstenumfeld sowie in Kammlagen schon
stürmische Böen, exponiert Sturmböen erwartet. Im Bergland und im Lee dieses
sind es steife Böen, die den windigen Charakter prägen. Auf dem Brocken tobt wie
so häufig schwerer Sturm.
Mittwoch … ist dann nur noch der Langwellentrog mit seinen kurzwelligen
Anteilen sowie den korrelierenden Bodentiefs und deren Fronten hierzulande
wetterbestimmend. Der Langwellentrog kann sich bis zu den Britischen Inseln
vorarbeiten. Dessen Achse erstreckt sich dabei südwärts bis zur Iberischen
Halbinsel. Das Höhentief bei Nordirland korreliert mit einem Bodentief über
Schottland und spannt zusammen mit den Tiefs über Nordschweden und Südnorwegen
eine größere Tiefdruckzone auf. Mitteleuropa und somit auch Deutschland liegen
dabei weiter in einer hochreichend strammen südwestlichen Grundströmung. Dabei
knabbert die Kaltfront der Tiefs über Skandinavien gerade so im Nordwesten des
Landes. Ansonsten dominiert weiter einfließende Luft subtropischen Ursprungs.
Allerdings sorgen die in die Strömung induzierten kurzwelligen Anteile für
Hebungsimpulse durch PVA, sodass sich vom Südwesten und Westen im Tagesverlauf
schauerartige Niederschläge nordostwärts ausbreiten. Im Nordseeumfeld mit Nähe
zur Kaltfront sind sogar kurze Gewitter möglich. Gestützt werden diese dort
durch geringe Cape-Werte sowie einem landesweit hohen SRH. Auch die PPW sind im
Nordwesten bei Werten bis 34 mm nicht zu unterschätzen. Die Warmluft aus
südlichen Gefilden ist demnach ein ausgezeichneter Feuchtespeicher. Die
Temperaturen auf 850 hPa liegen dabei weiter zwischen 8 und 16 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das Tief über Schottland, gestützt
von der ostwärtigen Progression des Langwellentroges in der Höhe nach Norwegen.
Einhergehend dreht die Grundströmung auf westliche Richtungen, sodass auf der
Südflanke des Tiefs rückseitig der Kaltfront erwärmte Luft polaren Ursprungs
einfließen und das Land fluten kann. Bis zum Ende der Nacht purzeln so die
Temperaturen auf 850 hPa auf 0 bis 7 Grad. Auch bei den Niederschlägen scheint
es turbulent weiter zu gehen. Cape-Werte bis 200 J/kg, PPW bis 35 mm und viel
Geschwindigkeitsscherung sowie das Übergreifen des Troges mit PVA lassen
konvektive Niederschläge sprudeln. Kräftige Schauer und einzelne Gewitter mit
Starkregenpotential sind die Folge. Im Südwesten deutet sich zudem eine schwache
Gegenstromlage mit konvergenten Strukturen an, was das aktuelle ICON mit
Starkregen bis an die Unwetterschwelle heran honoriert. Nicht zu letzt muss der
Wind genannt werden. Auf der Südflanke des Tiefdrucksystems von Skandinavien bis
zu den Britischen Inseln ist weiter ein starker Gradient aktiv. Entsprechend
muss mit steifen, im Bergland an der See sowie in exponierten Tallagen mit
Sturmböen gerechnet werden. In Gipfellagen ist auch schwerer Sturm, vereinzelt
auch Orkan zu erwarten. In konvektiven Systemen bekommt der Wind dann noch einen
gesonderten Aufschlag, da der Jet über dem Land ausreichend Höhenwinde zum
runtermischen auf Vorrat hat.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis einschließlich Dienstag beschreiben die verschiedenen Globalmodelle (IFS,
ICON, GFS, UKMO) die Geopotential- und Luftdruckstrukturen fast bis ins Detail
vergleichbar. Lediglich bei der Verlagerung der Niederschlagsfelder ab Dienstag
ergibt sich eine geringe Abweichung. Demnach läuft das GFS voraus und das ICON
etwas hinterher, während das IFS den Mittelweg stellt. Am Mittwoch nehmen die
Modellunterschiede zu, wobei die Grundstrukturen weiter identisch sind. Geringe
Abweichungen im Luftdruckfeld führen zu Verschiebungen bei der Lage der
Niederschlagsfelder. Leicht verschiedene Strömungseigenschaften sorgen für
abweichende Niederschlags- und Windintensitäten. Das IFS ist dabei am stärksten
zyklonal aufgestellt und weist auch den schärfsten Gradienten auf. Das GFS kommt
dagegen vor allem im Süden noch hochreichend antizyklonal daher. Für
vorhersagetag 3 bis 4 sind die Abweichungen allerdings völlig im grünen Bereich.
Derzeit scheint das IFS beim Wind etwas zu übertreiben, während das ICON wohl
die Niederschläge etwas überschätzt. Grundsätzlich sehr passiv zeigen sich die
Modelle auch bisher aufgrund der groben Auflösung beim Thema Gewitter.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchübel