#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Dienstag, den 12.10.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 12.10.2021 um 10.30 UTC

Am Wochenende ruhiges Herbstwetter, danach unbeständiger.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 19.10.2021

Am Freitag, dem ersten Tag der Mittelfrist, überquert vorderseitig eines
Höhenrückens über dem Nordostatlantik ein markanter Höhentrog Deutschland von
Nordwest nach Südost. Die zugehörige Kaltfront eines Tiefs über Südskandinavien
lenkt im Tagesverlauf einen Schwall frischer Meereskaltluft zu uns, in der die
850 hPa Temperatur über der Nordhälfte unter 0°C zurückgeht. Vor allem an den
Küsten frischt der auf Nordwest drehende Wind zeitweise stark bis stürmisch auf
und außer im Südwesten treten vorübergehend schauerartige Niederschläge auf.
Am Samstag nähert sich über Westeuropa ein breiter, aber flacher Höhenrücken,
dessen Absinken eine Bodenhochdruckzone über Deutschland stützt. Die
eingeflossene Kaltluft kommt unter Absinken zur Ruhe. Der äußerste Norden
verbleibt zumindest am Rand der Frontalzone, nennenswerte Niederschläge gibt es
wahrscheinlich aber auch dort kaum. Der Wind ist wohl lediglich an den Küsten
etwas flotter unterwegs. In den Nächten nimmt die Frostgefahr zu, gebietsweise
bildet sich Nebel.
Am Sonntag verhält sich das Strömungsmuster insgesamt weiter progressiv. Der
Höhenrücken greift auf Deutschland über, während sich das Bodenhochdruckgebiet
schon wieder zum Balkan verabschiedet. Auf den Norden greift die
Warmluftadvektion vor der Warmfront eines zum Nordmeer ziehenden Tiefs über und
löst dort leichte Regenfälle aus. Niedertroposphärisch gelangt mildere Luft nach
Deutschland, was sich mangels Gradient am Boden aber zunächst mal kaum in einer
Erwärmung niederschlägt.
Am Montag schwenkt die Rückenachse durch und wir gelangen unter eine
westsüdwestliche Strömung an der Südostflanke eines hochreichenden
Tiefdrucksystems über dem Nordatlantik. Warmluftadvektion und kurzwellige Tröge
lösen von Westen her zeitweilige Regenfälle aus und auch der Südwestwind legt
etwas zu. Nachtfröste sind in der Folge kein großes Thema mehr.
Am Dienstag schwenkt ein Langwellentrog bis vor die Tore des europäischen
Festlands. Die Strömung dreht nach Südwest zurück und ist vor allem nach Süden
hin antizyklonal ausgerichtet. Weitere Tiefausläufer lösen meist leichte
Regenfälle aus und vor allem im Bergland und an den Küsten frischt der Süd- bis
Südwestwind etwas auf. Dabei gelangt sehr milde Meeresluft subtropischen
Ursprungs nach Deutschland, in der die Temperatur teilweise über +10°C in 850
hPa steigen kann. Nach Südosten hin kann sich eine Hochdruckzone über
Südosteuropa mit leichtem Absinken und Erwärmung, teils föhnig gestützt
auswirken.
In der erweiterten Mittelfrist nähert sich der Trog, was die Strömung weiter
nach Süd drehen ließe. Es bleibt sehr mild, mit Föhn in den Alpen und
wechselhaftem Wetter vor allem nach Westen und Nordwesten hin.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des europäischen Modells ist bis einschließlich Wochenende gut.
Danach simuliert der aktuelle Lauf progressiver. Während die Vorläufe, vor allem
der gestrige 00z Lauf den Hochdruckeinfluss bis über den Wochenwechsel hinaus
andauern ließen, setzt der neue Lauf auf dessen rascheres Ende. Schon am Montag
könnten Tiefausläufer demnach einen unbeständigen und zunächst milden
Wetterabschnitt einläuten. Eine signifikante Wind- bzw. Sturmlage deutet sich
aber nicht an, wenn man mal von möglichem Föhn zum Ende und in der erweiterten
Mittelfrist in den Alpen absieht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen globalen Modelle zeigen bis einschließlich dem Wochenende keine
alternativen Entwicklungen auf. Es gibt nur recht geringe Abweichungen in
Ausprägung und Timing der kurzen Wellen. Der mit Wochenwechsel anstehende
Übergang zur zyklonaleren West- bis Südwestlage und somit zu unbeständigem
Wetter wird vom europäischen Modell am schnellsten propagiert. ICON und GFS
ähneln eher der gestrigen 12z Lösung des IFS mit einem verzögerten Übergreifen
der Tiefausläufer; das Ende des Hochdruckeinflusses haben aber alle Modelle im
Programm.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Ensembles stützen weitgehend die Aussagen der ungestörten Läufe. Die Kurven
(T850, Geo 500) verlaufen mit recht geringem Spread bis zum Ende der
Mittelfrist. Kleine Fragezeichen steigen hinter der Frage, wie weit sich die
Kaltluft ab Freitag über Deutschland nach Süden ausbreitet. Hier fächert die
Kurvenschar T850 über der Mitte vorübergehend (Freitag bis Sonntag) auf, um sich
in der Folge wieder anzunähern. Niederschlagssignale sind landesweit wieder ab
Montag der nächsten Woche zu erkennen, wobei in der Folge auch das Geopotential
beginnt zu fallen und die Temperaturen in der unteren Troposphäre.
Für den kommenden Freitag werden gleich 5 Cluster gebildet, die sich allesamt
nur wenig unterscheiden. Lediglich hinter der Ausprägung des Kurzwellentroges
und im Timing sind leichte Diskrepanzen erkennbar.
Im Hauptmittelfristzeitraum (bis +168h) wird lediglich ein Cluster angeboten,
der die Verlagerung des Rückens über Europa nach Osten darstellt, Muster
positive NAO.
Allerdings fällt auf, dass das repräsentative Member, recht hohes Geopotential
auch nach Wochenwechsel bei uns simuliert und die antizyklonale Kontur der
Strömung weit nach Norden reicht. Eventuell ist der Wirkungsradius der
Hochdruckzone weiter nach Nordwesten ausgedehnt, als der Hauptlauf andeutet.
In der erweiterten Mittelfrist setzt ein Großteil der Ensembleschar auf ein
westliches Strömungsregime, sodass die 5 Cluster meist der positiven NAO
zugeordnet werden. Die überwiegend zyklonalen Lösungen mit einem Trog über
Mitteleuropa oder der erwähnten westlichen Strömung sprechen für unbeständiges,
mildes bis durchschnittlich temperiertes Wetter.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Von gewisser warntechnischer Relevanz ist einzig der Wind im
Mittelfristzeitraum. Am Freitag sind an den Küsten stürmische Böen oder
Sturmböen möglich; mit Hinweisen aus dem Mos und der Probabilistik. Zum Ende
könnte Föhn in den Alpen eine Rolle spielen, siehe auch im Mos. Das EFI zeigt
keine Hinweise auf größere Abweichungen vom Modellklima.

Basis für Mittelfristvorhersage
MosMix, IFS (auch Eps)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner