#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Samstag, den 09.10.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 09.10.2021 um 10.30 UTC

Wechselhaft, an den Alpen länger anhaltende Niederschläge, in den Hochlagen
markante Neuschneemengen. Insgesamt kühl.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 16.10.2021

Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag zeigt sich über Europa ein stark
meridional ausgeprägtes Strömungsmuster mit einem kräftigen Höhenrücken über dem
nahen Ostatlantik, der in seinem Nordteil bis in die Irmingersee reicht.
Demgegenüber liegt ein sich süd-/südostwärts ausweitender Langwellentrog, der
Dienstagabend etwa von der Grönlandsee über Skandinavien und Mitteleuropa hinweg
bis nach Südosteuropa reicht. Damit verbunden ist ein Tief mit Kern über der
Ostsee, dessen Ausläufer Deutschland am Vortag südwärts überquert hat und nun an
den Alpen liegt, wo damit verbunden länger anhaltende Niederschläge einsetzen.
Postfrontal sickert mit einer nordwestlichen Strömung deutlich kühlere Luft zu
uns ein mit Temperaturen in 850 hPa um null Grad. Dadurch sinkt auch die
Schneefallgrenze an den Alpen allmählich ab, sodass in höheren Lagen der Alpen
mit einigen Zentimetern Neuschnee zu rechnen ist. Im übrigen Land kommt es im
Trogbereich zu einzelnen Schauern. Über dem Norden nimmt der Druckgradient
zwischen dem Tief und einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkt bei Irland etwas
zu, sodass an der Nordsee stürmischer Wind weht.

Am Mittwoch kommt der Höhenrücken etwas ostwärts voran, wodurch der Trog
zunächst nach Osten abgedrängt wird. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt
von Irland Richtung Frankreich. Deutschland verbleibt an dessen Nordostflanke in
einer nordwestlichen Strömung. In diese Strömung eingelagert ist die Warmfront
eines von Island Richtung Norwegen ziehenden Tiefs, die im Tagesverlauf auf den
Nordwesten und Westen Deutschlands mit leichten Niederschlägen übergreift.
Dadurch steigt auch die 850 hPa-Temperatur allmählich von Westen wieder an. Die
Staukomponente an den Alpen hält an, sodass es oberhalb von etwa 1000 m zu
weiteren Schneefällen kommt.

Am Donnerstag kommt die Warmfront über Deutschland weiter ostwärts voran,
rückseitig setzt vorübergehend eine Wetterberuhigung ein und auch an den Alpen
lassen die Schneefälle von Westen ganz allmählich nach. Insgesamt bleibt die
Strömung über Deutschland aber zyklonal geprägt, denn das norwegische Tief zieht
auf Basis des IFS unter weiterer Intensivierung über Mittelschweden hinweg und
erreicht in der Nacht zum Freitag den Bottnischen Meerbusen. Die Kaltfront des
Tiefs greift Freitagfrüh auf den Norden Deutschlands mit leichten bis mäßigen
Regenfällen über. Die rückseitige Kaltluftzufuhr lässt einen Höhentrog von der
Norwegischen See südwärts über Skandinavien und die Nordsee ausweiten.

Am Freitag kommen die Kaltfront und der nachfolgende Höhentrog über Deutschland
bzw. Mitteleuropa weiter südwärts voran, wobei die Kaltfront in der Nacht zum
Samstag die Alpen erreicht. Rückseitig gelangt erneut ein Schwall kälterer Luft
zu uns mit Temperaturen in 850 hPa bis minus 3 Grad. Entsprechend kann an den
Alpen erneut Schneefall einsetzen. Sonst kommt es im Trogbereich nur noch zu
einzelnen Schauern.

Am Samstag schwenkt der Trog weiter südostwärts. Deutschland gelangt zwar
zunehmend unter Hochdruckeinfluss, allerdings bleibt die Strömung in der Höhe
über dem Osten und Südosten noch leicht zyklonal gekrümmt, sodass dort
gebietsweise sowie an den Alpen weitere leichte Niederschläge auftreten. Auch
sonst bleiben die Sonnenanteile eher gering.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Donnerstag kann die Konsistenz des EZMW-Modells als sehr gut
bezeichnet werden.
Ab Freitag lässt die Konsistenz nach. Das Tief nebst Frontensystem greift nach
dem heutigen 00 UTC Lauf deutlich rascher von Norden über, als in den Vorläufen.
Das nachfolgende Hochdruckgebiet ab Samstag wurde in den Vorläufen ebenfalls
gezeigt, wenngleich der Luftdruck nun etwas früher ansteigt als gestern noch
prognostiziert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Modellunterschiede nehmen bereits ab Donnerstag deutlich zu. So hat das
Tief, dessen Warmfront im Tagesverlauf übergreifen soll auf Basis von ICON, GFS
und IFS unterschiedliche Zugbahnen. Auf Basis des IFS erfolgt die Zugbahn am
südlichsten, nach ICON deutlich weiter nördlich, zudem ist das Tief deutlich
schwächer ausgeprägt. GFS stellt eine Zwischenlösung dar. Entsprechend sind auch
die Niederschläge an der Warmfront bei GFS und ICON über Deutschland schwächer
ausgeprägt. Somit ist auch noch unsicher, wie lange die Niederschläge an den
Alpen tatsächlich anhalten.
In den darauffolgenden Tagen setzen sich die Unterschiede im Zusammenhang mit
diesem Tief weiter fort. IFS bleibt dabei das Modell mit dem deutlich
zyklonaleren Einfluss. Bei ICON hingegen tritt das Tief kaum in Erscheinung.
Vielmehr kann sich auf dessen Basis bereits am Freitag von Westen
Hochdruckeinfluss durchsetzen und damit deutlich früher als bei IFS. GFS
verbleibt euch hierbei eine Zwischenlösung. Allerdings gibt es auch bei ICON
eine Einschränkung in Form eines Randtroges, der am Freitag in der Osthälfte
gebietsweise etwas Regen bringt. Landesweit ruhiges Hochdruckwetter ist also
auch nach diesem Modell nicht zu erwarten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahne für Offenbach zeigt sowohl bei der T850 hPa als auch beim Geopot
500 hPa bis einschließlich Mittwoch einen engen Verlauf. Beide Größen zeigen
eine Abnahme bis Mittwoch, gefolgt von einem deutlichen Anstieg. Dabei nimmt
auch der Spread zu, was die bereits angesprochenen Unsicherheiten bezüglich des
Tiefs und dessen Fronten nochmals verdeutlicht. So ist der T-Anstieg bei Haupt-
und Kontrolllauf stärker ausgeprägt als bei der Mehrheit der Member. Gleiches
gilt für den erneuten T-Rückgang am Freitag mit dem möglichen Übergreifen der
Kaltfront. Der erneute Anstieg des Geopotentials und der Temperatur zum Ende der
Mittelfrist wird hingegen vom gesamten Ensemble mitgetragen.

Die Clusterung des EZMW besitzt für den Zeitraum von t+72 bis 96 Stunden nur ein
Cluster. Für den Zeitraum von Donnerstag bis Samstag gibt es vier Cluster. Die
Großwetterlage sieht in allen Fällen ähnlich aus mit dem blockierenden
Höhenrücken über dem nahen Ostatlantik. Unterschiede gibt es bezüglich des
Langwellentroges. Dabei bleibt die Höhenströmung bei der Mehrheit der Cluster
über Mitteleuropa auch am Wochenende eher zyklonal geprägt, sodass sich das
Bodenhoch nicht nachhaltig und überall bemerkbar machen wird.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag sind an der Nordsee stürmische Böen (Bft 8) aus Nordwest
wahrscheinlich. Nachfolgend schwächt sich der Wind wieder ab, bevor am Freitag
erneut an der Nordsee mit stürmischen Böen Bft 8 um West zu rechnen ist.

In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze am Dienstag allmählich ab, oberhalb von
etwa 1000 m fallen bis Mittwochfrüh 10 bis 15, in Staulagen bis 25 cm Neuschnee.
Am Mittwoch halten die Niederschläge an den Alpen weiter an. In Lagen oberhalb
von 1000 m gibt es nochmals 10 bis 20 cm Neuschnee. Am Donnerstag lassen die
Niederschläge allmählich nach, markante Neuschneemengen sind nicht mehr zu
erwarten. Ob am Freitag in den Alpen erneut Schneefälle aufkommen ist noch
unsicher.

In tieferen Lagen und teils bis in das südliche Alpenvorland hinein ist von
Dienstag bis Donnerstag markanter Dauerregen mit Mengen zwischen 40 und 60 l/m²
in 48 Stunden nicht ausgeschlossen. Dies zeigt insbesondere das deterministische
ICON. Aber auch COSMO-Leps und ICON-EPS zeigen erhöhte Wahrscheinlichkeiten
(teils über 40%) für Mengen über 40 l/m² innerhalb von 48 Stunden. Bei EZMW-EPS
sind die Wahrscheinlichkeiten deutlich geringer. Bei ICON-EPS sind sogar für
Mengen >60 l/m² noch Hinweise (unter 20%) vorhanden.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger