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SXEU31 DWAV 011800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 01.10.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Südwestlage, zeitweise windig, vor allem im Bergland, in den Alpen Föhn. Im
Nordwesten häufiger Regen. Sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … liegt ein umfangreicher Langwellentrog über dem Ostatlantik und den
Britischen Inseln. Seine markanteste Achse schwenkt derzeit von England
nordostwärts in Richtung Nordsee. Bodennah befindet sich ein Tiefdruckkomplex
mit seinen Zentren „Zachäus“ und „Ayk“ im Seegebiet nördlich von Schottland.
Diesem Komplex gegenüber steht hohes Geopotential im gesamten osteuropäischen
Raum, wobei ein Rücken über Südostmitteleuropa von einem Höhenhoch über Russland
durch ein eingebettetes Höhentief abgetrennt ist. Über Deutschland ist dabei im
Südosten nur eine schwache südwestliche Höhenströmung zu finden, über dem
Nordwesten ist diese deutlich straffer. Über dem Südosten ist auch noch
Hochdruckeinfluss wetterwirksam, in Gestalt des Hochkeils „Merle“, der zu einem
blockierenden Hoch („Lioba“) über Russland gehört. In den Nordwesten des Landes
gelangt jedoch in den Abendstunden die Kaltfront des Tiefs „Ayk“ und bringt dort
teils schauerartige Regenfälle, wobei vor allem im Nordseebereich leichte
Ansätze von Labilität zu finden sind. Der Gradient im Bodendruckfeld ist nach
Norden zu mäßig stark, was an der Nordsee noch zu steifen Böen führt. Im Vorfeld
der Kaltfront ziehen schon mittelhohe und hohe Wolkenfelder etwas weiter
südostwärts, Richtung Südosten ist aber heute Abend der Himmel klar.

In der Nacht zum Samstag schwenkt die oben erwähnte Trogachse über der Nordsee
nordwärts, was durch markante Hebung das Bodentief „Ayk“ noch einmal verstärkt,
wobei dieses trogvorderseitig flott nach Norden abzieht. An der Westflanke des
Tiefdruckkomplexes stößt dagegen Kaltluft gen Süden vor, so dass sich die
markanteste Achse des Langwellentroges zunehmend westlich von Irland neu
formiert. Hier wird im Bereich der Frontalzone Hebung generiert, so dass sich
dort eine Frontalwelle bildet, die sich in den Frühstunden der Keltischen See
nähert. Die Kaltfront von „Ayk“ kommt langsam ostwärts voran und erreicht am
Morgen in etwas eine gebogene Linie von Westmecklenburg zur Pfalz. Allerdings
gelangt sie zunächst in Bereiche mit wenig Hebungsimpuls und auch an eine starke
frontale Querzirkulation ist bei der thermisch nur schwach ausgeprägten Front
kaum zu denken. Somit schwächen sich die Niederschläge im Laufe der Nacht immer
mehr ab und vielfach fallen nur ein paar Tropfen. Im Vorfeld der Kaltfront wird
mit der südwestlichen Strömung eine oberhalb der Grenzschicht leicht labile
Luftmasse von der Schweiz her nach Baden-Württemberg und Bayern gesteuert, so
dass auch dort leichtere schauerartige Regenfälle auftreten können. Ansonsten
ist es ganz im Osten und Südosten unter Hochdruckeinfluss noch länger klar,
bevor in der zweiten Nachthälfte mehrschichtige Bewölkung aufzieht. Nur noch
ganz im Südosten wird es mit Tiefstwerten um 5°C noch ziemlich kühl, aber
Bodenfrost ist dort auch kein Thema mehr. Ansonsten verläuft die Nacht sehr mild
mit Tiefstwerten meist zwischen 12 und 7°C, mit den mildesten Werten an der
Nordsee. Noch ein paar Worte zum Wind: Mit Durchschwenken der Kaltfront dreht
dieser im Nordwesten von Süd auf Südwest bis West. Durch Abzug des Tiefs „Ayk“
nach Norden fächert der Gradient auf, so dass der Wind auch im Nordwesten und
Westen im Verlauf der Nacht meist nur noch mäßig weht. Richtung Südosten ist es
schwachwindig, dort kann es bei noch länger klarem Himmel örtlich auch noch
einmal Nebelfelder geben.

Am Samstag … stößt der Trog über dem Ostatlantik immer weiter nach Süden vor
und seine neue Hauptachse tritt immer stärker in Erscheinung. Sie nähert sich am
Abend der Biskaya. Auf ihrer Vorderseite gibt es nicht nur kräftige
Warmluftadvektion, die auf England, Frankreich und die Nordsee übergreift, auch
markante PVA ist zu finden. Das erlaubt der Frontalwelle sich zu Tief „Benni“ zu
entwickeln und am Nachmittag über England hinweg nordostwärts zu ziehen. Damit
fällt über Westeuropa der Druck deutlich, was trotz eines allmählichen Rückzugs
von Hochkeil „Merle“ zu einer deutlichen Gradientverschärfung über Deutschland
führt. Gleichzeitig sorgt aber niedertroposphärische Warmluftadvektion für eine
Stabilisierung der Schichtung, so dass sich die am Abend auf den Westen
übergreifenden starken Höhenwinde nicht in tiefere Lagen durchsetzen können.
Lediglich in höheren Lagen des westlichen Berglandes und in den nordwestlich
gelegenen Leelagen (der Wind dreht auf Südost zurück) kann es dann steife Böen
geben, in einzelnen exponierten Lagen auch stürmische Böen. Nur der Brocken
macht seinem Ruf als stürmischster Berg Deutschlands alle Ehre und steigert sich
bis zum Abend schon auf Sturmböen. Auch im übrigen Land wird man den südlichen,
später südwestlichen Wind im Tagesverlauf spüren.
Die Kaltfront kommt kaum noch nach Südosten voran und löst sich im Tagesverlauf
vollkommen auf, so dass in der Südosthälfte des Landes sogar wieder die Sonne
zum Vorschein kommt. Regen fällt an ihr höchstens noch in den Frühstunden. Die
schon erwähnte Warmluftadvektion lässt die Temperatur in 850 hPa bis zum Abend
auf 6°C über Nordfriesland und 14°C über Oberbayern steigen. Diese WLA ist es,
die auch von Westen rasch wieder mehrschichtige Bewölkung aufziehen lässt,
weswegen auch im Westen und Nordwesten am Samstag die Sonne kaum zu sehen sein
wird. Am Abend kann es ganz im Westen auch erste Regentropfen geben.
In der Nordwesthälfte bleibt es dann unter Wolken auch etwas kühler als im
Südosten mit für Anfang Oktober aber auch nicht schlechten 16 bis 19°C, sonst
werden es meist 19 bis 23°C. Vereinzelt kann es in Leelagen des Südwestens sogar
noch etwas milder werden.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Langwellentrog unter weiterer Ausweitung
nach Süden ostwärts und seine Achse erreicht das Seegebiet westlich der
Iberischen Halbinsel. Dabei beginnt sich der Rücken über dem östlichen
Mitteleuropa und Osteuropa noch weiter aufzuwölben und Deutschland gelangt immer
stärker in eine aufsteilende und recht starke Höhenströmung. Ein Kurzwellentrog,
der über England nordostwärts gesteuert wird sorgt bei Tief „Benni“ für eine
weitere deutliche Vertiefung, so dass es mit unter 965 hPa nordöstlich von
Schottland ankommt. Seine Warmfront überquert mit Regenfällen den Nordwesten
Deutschlands in der Nacht nordostwärts und später nähert sich die Kaltfront
unserem Land. In den Frühstunden wird diese aber durch schwache Wellenbildung
aufgehalten. Der Wellenscheitel wird dabei nach der aktuellen Prognose in den
Frühstunden im Bereich der Île der France erwartet. Vor allem im Bereich der
Warmfront herrscht in der Nacht vorübergehend ein sehr starker Gradient über dem
Nordwesten Deutschlands, allerdings ist die Schichtung sehr stabil. Somit wird
der Mittelwind mit deutlich über 100 km/h in 850 hPa über dem Nordwesten
Deutschlands nicht heruntergemischt, allerdings muss in den Hochlagen des
westlichen Berglands zumindest mit stürmischen Böen / Sturmböen aus Süd
gerechnet werden, in den Leelagen mit steifen Böen. An der Nordsee gibt es Dank
des ablandigen Windes nur stürmische Böen aus Südost, in exponierten Lagen und
auf Helgoland Sturmböen. Rund um das Sächsische Elbtal springt der Böhmische
Wind aus Südost etwas an und auf dem Brocken, der am Rande der starken
Höhenströmung liegt, kommt es zu orkanartigen Böen. Zudem baut sich an den Alpen
zunehmend eine Föhnlage auf, diese ist aber nicht so stark, da die Alpen
außerhalb der starken Höhenströmung verbleiben. Da aber ein Druckgradient von
etwa 8 hPa im Westen, etwas weniger im Osten, aufgebaut wird, kann es auf jeden
Fall zu Sturmböen oder schweren Sturmböen auf höheren Bergen und in
Grateinschnitten kommen. Auch ein Durchbruch mit zumindest steifen Böen in die
Föhntäler ist vorstellbar.
Der Himmel wird in der Südosthälfte von hohen und mittelhohen Wolken überquert,
es bleibt aber bei ruhigem Wetter. Die Temperatur geht auf Werte zwischen 15°C
im Westen und 5°C im Südosten zurück. Auch in Föhntälern könnte es deutlich
milder werden. Es kann aber sein, dass sich schon eine Inversion bildet, bevor
der Föhn durchgreifen kann, dann könnte es auch in den Föhntälern und kühl und
windarm bleiben.

Am Tag der Deutschen Einheit … kommt der noch etwas weiter nach Süden
austrogende Langwellentrog deutlich nach Osten voran. Seine Achse erreicht am
Abend eine Linie von England bis zur Mitte der Iberischen Halbinsel. Über dem
östlichen Mitteleuropa verstärkt sich im Gegenzug der Rücken und die
südsüdwestliche Höhenströmung steilt noch etwas auf und verstärkt sich auch noch
etwas. Trotz äußerst raschen Abzugs der Welle nach Norden (über die Niederlande
hinweg in Richtung Oslofjord) kommt in dieser steilen Höhenströmung die
Kaltfront nur sehr langsam gen Deutschland voran. Sie greift aber am Nachmittag
auf den Nordwesten über und erreicht bis zum Abend eine Linie von Sylt bis
Freiburg. Auf ihrer Vorderseite verstärkt sich bis zum Mittag der Gradient noch
etwas über dem Westen des Landes, fächert dann aber mit Druckanstieg über der
Nordsee auf, vor allem auf der Rückseite der Kaltfront. Für den Wind hat das zur
Folge, dass dieser zunächst vor allem im Mittelgebirgsraum noch etwas zulegt,
zumal tagsüber bei etwas besserer Durchmischung dann auch Böen vermehrt in die
Täler durchgreifen können, so dass es im westlichen Bergland vielfach steife bis
stürmische Böen gibt, wobei der Wind auf Süd bis Südwest dreht. Auf den Bergen
gibt es dann Sturmböen und auch im nordwestlichen Binnenland einzelne Windböen.
Am Nachmittag nimmt der Wind dann von der Nordsee her und später auch im
westlichen Mittelgebirgsraum deutlich ab. Auf dem Brocken steigert er sich
dagegen vorübergehend bis auf Orkanstärke und auch der Föhn an den Alpen legt
weiter zu, so dass es im Bereich der Kammlagen und in Föhnschneisen durchaus
orkanartige Böen geben kann, wobei der Wind auf den Bergen aus Südwest kommt. In
Föhntälern kann es starke bis stürmische Böen geben, da der Druckunterschied
zwischen Süden und Norden noch etwas zulegt, zwischen Lugano und Zürich sollen
sogar 13 hPa erreicht werden, nach Osten hin aber deutlich weniger. An der
Kaltfront kommt es weiterhin zu Regenfällen, wobei etwas größere Summen zwischen
5 und 15 l/m² vor allem in den Gebieten westlich des Rheins, im Münsterland und
um die Nordsee zu erwarten sind. Im Vorfeld der Kaltfront ziehen zwar reichlich
hohe und mittelhohe Wolken über den Himmel, von den Alpen bis zur Lausitz kommen
aber wieder viele Stunden Sonne zusammen. Zudem treibt die niedertroposphärische
Warmluftadvektion (in der Osthälfte am Nachmittag 12 bis 17° in 850 hPa) die
bodennahen Temperaturen in die Höhe. MOSMIX hat folglich im Süden verbreitet 23
bis 26°C im Angebot, bei Föhn kann es noch etwas darüber gehen. Im Nordwesten
unter den Wolken werden es dagegen „nur“ 17 bis 22°C.

In der Nacht zum Montag kommt die Achse des Langwellentroges weiter bis
Katalonien voran, wobei sich dort ein Abtropfprozess abzeichnet, der die
Progression des gesamten Systems entschleunigt. Der Höhenrücken verharrt dagegen
weiterhin über dem Osten Mitteleuropas. Somit steilt die Strömung noch weiter
auf. Das föhnige Leetief an den Alpen verlagert sich in der Nacht nach Osten, so
dass sich der Föhn abschwächt und etwas kühlere Luft sich von Westen an den
Alpen und im Alpenvorland durchsetzt. Die eigentliche Kaltfront mit den
Regenfällen kommt aber weiterhin in der sehr steilen Südsüdwestströmung nur sehr
langsam ostwärts voran. Sie erreicht etwa eine Linie von Westmecklenburg bis zum
Schwarzwald. Vor allem im Bereich des Oberrheins kann es dabei auch etwas
stärker regnen, nach IFS sind dort über 10 l/m² zu erwarten, ansonsten fällt der
Regen an der Kaltfront schwächer aus. Ganz im Südosten bleibt es noch gering
bewölkt, ansonsten herrscht vielfach starke Bewölkung. Die Tiefstwerte werden
bei unspektakulären 13 bis 7 °C erwartet. Mit dem weiteren Abzug der Welle nach
Norden nimmt der Gradient generell ab, so dass sich der Wind allgemein
abschwächt und meist auf Südwest bis West dreht.

Am Montag … kommt es dann im Bereich der Pyrenäen zum Abtropfen eines kleinen
Höhentiefs. Das Trogresiduum kommt aber weiter kaum nach Osten voran,
stattdessen läuft ein weiterer kurzwelliger Anteil über der Nordsee
nordostwärts, während sich der Langwellentrog westlich von Irland einmal mehr
regeneriert. Da die etwas abgeschwächte Höhenströmung weiter aus Südwest kommt,
fehlt der Kaltfront nach wie vor die Schubkomponente. Sie verlagert sich kaum
noch nach Osten und nachdem der oben erwähnte Kurzellentrog abgezogen ist, fehlt
es auch an Hebungsantrieb, zumal einmal mehr der Temperaturgradient fehlt, weil
die bodennahen Westwinde in der Nacht die warme Föhnluft weggeblasen haben.
Damit werden an ihr die Regenfälle schwächer. Im Südosten steigt der Druck sogar
und es stellt sich schwacher Hochdruckeinfluss ein, auch wenn im Vorfeld der
Front weiterhin viele Wolken über den Himmel ziehen. Rückseitig lockern dagegen
die Wolken etwas auf, der äußerste Nordwesten gelangt aber am Rande des
Langwellentroges in den Bereich höhenkalter Luft, so dass es dort Schauer geben
kann, über der Nordsee reicht es mitunter für ein Gewitter. Zudem gerät der
Nordwesten auch vorübergehend wieder in den Bereich eines etwas stärkeren
Druckgradienten, so dass dort der Südsüdwestwind auflebt. Das dürfte an der
Küste Ostfrieslands für steife Böen reichen, auf der Nordsee und in
Nordfriesland auch für stürmische Böen. Mit etwas kühlerer Luftmasse, viel
Bewölkung und weniger Durchmischung sinkt aber das Temperaturniveau im Vergleich
zum Vortag deutlich ab. Meist werden noch 16 bis 19°C erreicht, im Südwesten bei
vielleicht etwas mehr Regen bleibt es noch kühler, ganz im Südosten kann es auch
noch einmal wärmer werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis zur Nacht zum Montag sind sich die vorliegenden Modelle recht einig.
Anschließend zeigt IFS die Abtropftendenz des Troges nicht, stattdessen ist der
Trog etwas progressiver und die Kaltfront geht am Montag im Süden etwas
schneller und mit mehr Schmackes durch, während sie im Norden sogar weniger
schnell vorankommt als ICON und GFS, bei denen im Norden mehr Schubkomponente im
Spiel ist und im Süden die Front stark zurückhängt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann