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SXEU31 DWAV 261800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 26.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Vor allem im Süden in den nächsten Stunden erhöhte Gefahr ergiebigen Starkregens
(Unwetter). Am Montag nur noch im Osten einzelne Gewitter. Am Dienstag
Zwischenhocheinfluss. Kühler.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … etabliert sich in den nächsten Stunden ein klassisches Omega-Regime,
das allerdings in seiner horizontalen Achse sehr weit nördlich ansetzt (Tief
Südrussland, Hoch Finnland, Tief Island). So befindet sich Deutschland bereits
am „Fuße des Omegas“ an der Spitze des auf den Englischen Kanal übergreifenden
Troges.

Viel entscheidender ist allerdings ein vorgelagerter Randtrog, der aus Resten
eines ehemaligen Cut-Offs über Südfrankreich resultiert und in im Laufe der
Nacht über Westdeutschland nordostwärts und ein weiterer Ast über dem Alpenraum
und Oberitalien ostwärts gesteuert wird. Vor allem der südliche hat es
hebungstechnisch doch ganz schön in sich, wenn man sich anhand der aktuellen
Stelliten- und Radarprodukte das Geschehen über im beschriebenen Gebiet
verdeutlicht. So kommt es derzeit auch im Alpenvorland vermehrt zur Auslöse
kleinräumiger, aber durchaus intensiver Gewitter, die im Laufe der ersten
Nachthälfte im Bereich eines Mesotiefs zu einem größeren Komplex zusammenwachsen
sollen. Die konvektionserlaubenden Modelle simulieren dabei recht
übereinstimmend Mengen bis in den Unwetterbereich hinein, was angesichts von
PPW’s zwischen 30 und 35 mm bei nur langsamer Verlagerung auch nicht verwundert.
Allerdings bestehen größere Diskrepanzen in der räumlichen Einordnung und
Ausdehnung, ein gemeinsamer Schwerpunkt von den Alpen bis nach Mittelfranken
lässt sich aber nicht leugnen. Insofern liegt diese Region in den kommenden
Stunden verstärkt im Fokus.

Der nördliche Ast ist am Boden an eine schwache Tiefdruckrinne samt schwacher
bodennaher Windkonvergenz gebunden, in der ebenfalls einzelne Gewitter, teils
linienhaft angeordnet auftreten können. Unwetter lassen sich somit auch von
Thüringen über Niedersachsen und Sachsen-Anhalt lokal nicht ausschließen, die
Gefahr ist im Süden aber durch die verstärkte Verclusterung aber höher. Das
sieht auch ICON-D2 EPS so, dass mit 90% südlich von München für mehr als 35 mm
binnen 6 h bis Mitternacht ein erhebliches Signal setzt, im Osten Niedersachsens
hingegen nur 20-40%. Allerdings gab es da laufübergreifende auch leichte
Inkonsistenzen. Ob und wo Unwetter auftreten, kann letztlich leider nur im
Nowcast geklärt werden.

Unterdessen bleiben die Gebiete östlich der Elbe im Randbereich des Hochs
weitgehend trocken bleiben und auch im Westen klingen vereinzelte Schauer und
Gewitter, die noch unterwegs sind, rückseitig des Troges NVA- und
tagesgangbedingt rasch ab und es bilden sich nach frischem Feuchteeintrag teils
großräumige dichte Nebelfelder aus. Es bleibt landesweit eine vergleichbar milde
Nacht mit Tiefstwerten zwischen 17 und 10 Grad.

Montag … beruhigt sich das Wetter allmählich wieder. Die Zone mit der feuchten
und potentiell instabil geschichteten Luftmasse wird mitsamt der Tiefdruckrinne,
die im Tagesverlauf immer mehr abgebaut wird weiter nach Osten verfrachtet. So
konzentrieren sich die schauerartigen und teils gewittrigen Regenfälle zunehmend
auf die Gebiete östlich der Elbe sowie auf die Osthälfte Bayerns. Je weiter sie
sich allerdings dem Hoch mit immerhin über 1030 hPa über Finnland annähert,
verursacht die mit dem Südostwind eingemischte trockenere Luft ein Aufzehren des
ML CAPE’s, wo gerade noch 200-300 J/kg übrigbleiben. Zwar sind die PPW’s mit 35
mm noch recht hoch, hemmend zieht aber am Nachmittag nach Abzug des Troges
ebenfalls noch seichte NVA über den Osten und vielfach starke Bewölkung wird
auch vorhanden sein, was die ML Cape Generierung erschwert.

Kurzum: einzelne Gewitter sicherlich, aber nur vereinzelt mit lokalem Starkregen
und erst recht nicht mehr unwetterverdächtig.

Zum späten Nachmittag greift von Westen die Kaltfront eines umfangreichen
Nordmeertiefkomplexes über. Dahinter ersetzt subpolare Meeresluft mit T850 < 5
Grad kontinuierlich die schwül-warme Subtropikluft mit T850 von rund 10 Grad.
Die Schichtung mit Übergreifen der Front ist recht stabil, so dass leichte,
teils mäßige Regenfälle mit 5 bis 10 l/qm binnen 6h zwischen Mosel und Nordsee
zu erwarten sind.

Dazwischen dominiert kompensatorisches Absinken mit einem freundlichen Mix aus
Sonne und Wolken. Die Höchstwerte liegen bei angenehmen, im Osten
leicht schwülen 19 bis 25 Grad.

In der Nacht zum Dienstag rauscht die o.e. Kaltfront bis in den Osten durch,
wird im Südteil allerdings etwas zurückgehalten. Meist sind mit Passage nur
leichte Regenfälle verbunden, die Hebung der feucht-labilen Luftmasse im Osten
führt aber vor allem entlang von Oder und Neiße noch zu einer teils gewittrigen
Verstärkung der Niederschläge, potentiell bis in den markanten Starkregenbereich
hinein.

Rückseitig lockert es im Nordwesten und Westen wieder auf, bei den zu
erwartenden einstelligen Taupunkten ist die Nebelneigung aber nur gering (meist
nur flache Nebelfelder in Gewässernähe). An der Nordsee können kurzzeitig starke
bis stürmische Böen auftreten, wobei sich der anfangs doch scharfe Trog, in dem
die Kaltfront eingebettet ist, auf dem Weg nach Osten rasch verliert. Die
Tiefstwerte liegen zwischen 14 Grad im Osten und teils einstelligen Werten im
Westen.

Dienstag … steht ganz im Zeichen eines Zwischenhochs, das sich rückseitig der
abgezogenen Kaltfront mit mehr als 1020 hPa quer über Deutschland breitmacht.
Aus der Höhe erfährt es keinerlei Unterstützung (noch Trogvorderseite des
Atlantiktroges mit einer indifferenten südwestlichen Höhenströmung), sondern ist
reines niedertroposphärisches Resultat postfrontalen Absinkens in der
eingeflossenen Meeresluft, die zunehmend in eine Mischluftmasse (xPs)
umgewandelt wird.

So ganz ohne Einschränkungen geht es denn aber doch nicht. Zum einen hängen an
der Ostflanke des Hochs in einem Streifen von der Oder über das Vogtland bis zum
Bodensee noch zähe Restbewölkung der abgezogenen Front, aus der vereinzelt auch
noch ein paar Tropfen fallen. Zum anderen nähert sich über der Nordsee ein
vorauseilender flacher Randtrog, der in Verbindung mit dem warmen Wasser für
einzelne flache Schauer auf den Nordfriesischen Inseln gut sein kann.

Die Temperaturen liegen entsprechend der eingeströmten Luftmasse etwas unter dem
Niveau der Vortage und pendeln sich zwischen 16 und 21 Grad tagsüber ein.

In der Nacht zum Mittwoch bewahrheitet sich, dass es sich bei dem Hoch um ein
äußerst fragiles Gebilde der Marke „Zwischenhoch“ handelt. Mit Übergreifen eines
markanten scharfen Troges auf Benelux aus dem Hauptdrehzentrum bei Island
heraus, setzt von Westen rasch Druckfall ein. Durch die starke Amplifizierung
des Troges entwickelt sich daraus ein Cut-Off über der südwestlichen Nordsee.
Dieser Vorgang geht auch mit einer stattlichen Ausprägung eines Bodentiefs mit
Kerndruck nahe 1000 hPa über der Doggerbank einher. Bei einer Vertiefung von
rund 10hPa binnen 24 Stunden von einer rapiden Zyklogenese zu sprechen wäre
sicherlich übertrieben, aber die Entwicklung ist schon beeindruckend, da auch
Versatz zum Höhentief, diffluente Vorderseite und linker Jetausgang also alle
gängigen dynamische Faktoren hebungsfördernd sind.

Die korrespondierende Kaltfrontokklusion erreicht in den Frühstunden den
äußersten Westen des Landes. Die Schichtung wird aufgrund der Abkühlung in der
Höhe auch wieder etwas labiler, weshalb die Regenfälle auch schauerartig
verstärkt sein dürften. Signifikante Mengen kommen aber zumindest bis 06 UTC
wohl noch nicht zustande, sondern beginnen gerade erst.

A propos Labilität: Durch die zunehmende südliche Strömung werden Reste der noch
nicht vollständig abgedrängten milderen Luftmasse, die noch im Alpenvorland
lagern nach Norden geführt und durch die Trogannäherung gleichzeitig auch
gehoben, was sich in Form einzelner entstehender Schauer und Gewitter in der
zweiten Nachthälfte südlich der Donau äußert. Die Gefahr für „ocker“ Starkregen
besteht dabei vor allem mehrstündig, da die zu erwartende Hebung doch großräumig
und länger andauernd sein wird. GFS simuliert beispielsweise im Raum Ingolstadt
bis an die 50 l/qm binnen 6h, was ein erstes Alarmsignal darstellt. ICON und IFS
sind da mit maximal 10 l/qm (noch?) deutlich defensiver.

Im großen Rest des Landes verläuft die Nacht teils wolkig, teils gering bewölkt
mit vereinzelten Nebelfeldern im Osten, wo der Wind noch sehr schwach unterwegs
ist. Im Westen frischt er zum morgen sprübar auf, auf der freien Nordsee treten
erste Windböen (Bft 7) auf.

Mittwoch … greift der o.e. scharfe Kurzwellentrog auf der Vorderseite des sich
abschnürenden Cut-Offs über den Niederlanden vollends auf Deutschland über. An
der von Westen übergreifenden Kaltfrontokklusion des korrespondierenden Tiefs
mit kleinräumigem, aber giftigen Sturmfeld an dessen Südflanke, kommt es zu
weiteren meist leichten Regenfällen. Diese arbeiten sich im Tagesverlauf etwa
bis zur Saale ostwärts vor.

Aber auch an der an der vorgelagerten Luftmassegrenze bei der die Reste der
(zumeist abgehobenen) Warmluft von Bayern nordwärts bis nach Vorpommern
transportiert werden, kommt es zu schauerartig verstärkten
Regenfällen. Einzelne Gewitter sind bevorzugt im Südosten und Osten (eventuell
mit Starkregen) sowie in der mit Höhenkaltluft (T500 immerhin -25 bis -28 Grad
im Westen und Nordwesten) in Verbindung stehenden Konvektion (eventuell mit
Sturmböen) möglich. Auch abseits der
Schauer und Gewitter sind rund um die Nordsee Sturmböen (Bft 8-9)
wahrscheinlich, höhere Windgeschwindigkeiten (Bft 10, exponiert Bft 11) je nach
Ausprägung und Position des Tiefs nicht ausgeschlossen. Es könnte aber auch
„lediglich“ die freie Nordsee, die Küste der Niederlande oder Dänemarks
betreffen. Diesbezüglich bestehen noch größere Unschärfen.

Die Temperaturen ändern sich dabei tagsüber kaum. In der Nacht zum Donnerstag
dürfte es bei Aufklaren mit 7 bis 2 Grad ziemlich frisch werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Gewitterlage in den nächsten Stunden wurde bereits oben im Text ausgiebig
diskutiert.
Eine potentielle Sturmlage zum Mittwoch ist noch mit Unsicherheiten behaftet. In
der Ausprägung des Tiefs mit einem kleinräumigen, aber intensiven Sturmfeld an
der Südflanke mit teils orkanartigen Böen besteht weitestgehend Einigkeit.
Problematisch ist allerdings noch die genaue Position, die von Fischer (GFS,
IFS) bis Westfriesland (ICON 06z) variiert. Der neue ICON 12z Lauf hat bereits
nach Norden korrigiert. Gerade die Nordfriesische Küste wäre dabei aber noch
inmitten des potentiellen BFT 11er Bereichs. Zumindest Sturmböen dürften doch
sehr wahrscheinlich sein.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen