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SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 25.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Vorerst keine markanten Wettergefahren. Am Sonntag von Südwesten aufkommend und
in der ersten Nachthälfte der Nacht zum Montag bis in die Mitte Gewitter mit
Starkregen, örtlich eng begrenzt Unwetter (nachts teils durch heftigen
mehrstündigen Starkregen) nicht auszuschließen.
Montag von Schleswig-Holstein bis in den zentralen Mittelgebirgsraum hinein
erneut Gewitter mit Starkregen, dabei nur noch geringe Unwettergefahr, in der
Nacht zum Dienstag noch mit örtlichem Starkregen (auch mehrstündig) auf die
Gebiete zwischen Vorpommern und Lausitz übergreifend.
Am Dienstag wahrscheinlich keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter einem breiten Höhenrücken. Absinken in
dessen Bereich unterbindet vom Mittelgebirgsraus aus südwärts weitgehend die
Bildung von Bewölkung. Über dem Norden und Nordosten halten sich noch
Wolkenfelder, die aus einer sich auflösenden Kaltfront resultieren. Mit dem
Übergreifen der Achse des Rückens dürfte Absinken von der Küste her dann auch in
diesen Gebieten landeinwärts ein paar Auflockerungen ermöglichen.
In der Nacht zum Sonntag erreicht die Achse des sich dann in einen Keil
umwandelnden Höhenrückens Westpolen. Zwischen diesem zunächst noch breiten Keil
und einem über dem nahen Ostatlantik liegenden Langwellentrog stellt sich eine
süd-südwestliche Strömung ein. Ein darin eingelagerter Kurzwellentrog greift auf
Frankreich über, was die leicht mäandrierende Strömung noch etwas aufsteilen
lässt. Mit dieser dringt feuchtlabile Luft mit einem Gehalt an niederschlagbaren
Wasser um 30 mm in den gesamten Westen, Südwesten und in Teile der Mitte vor.
Hebung lässt sich kaum finden; vielmehr wird die Strömung vorübergehend etwas
antizyklonaler, so dass konvektive Umlagerungen wahrscheinlich noch ausbleiben
dürften.
Somit hält sich noch antizyklonaler Einfluss. Abgesehen von Gebieten mit
stärkerer Bewölkung kann sich bei geringen Luftdruckgegensätzen in der feuchter
werdenden Luft erneut teils dichter Nebel bilden.

Sonntag … verlagert sich das gesamte Zirkulationsmuster unter Verkürzung der
Wellenlänge nach Osten. Der wetterbestimmende Keil erstreckt sich am Abend von
der Ungarischen Tiefebene bis nach Lappland, der nachfolgende Kurzwellentrog
erreicht mit seiner Achse die Westalpen und die Rheinmündung und der Haupttrog
rückt ebenfalls leicht nach Osten vor. Mit der Annäherung des Kurzwellentroges
legt die süd-südwestliche Strömung etwas zu, wodurch die feuchtwarme Luft mit
einem Flüssigwassergehalt bis 35 mm bis nach Schleswig-Holstein, in die Mitte
Deutschlands und in den gesamten Südwesten ausgreift. Abgesehen vom Nordosten
ist die Schichtung überall labil. CAPE (MU, KK) erreicht ca. 1000 J/kg,
allerdings ist die Hebung, die durch die Dynamik geboten wird, nur schwach, so
dass für die Auslösung hochreichender Konvektion die Orografie meist herhalten
muss. Im Westen und Südwesten liegt die Auslösetemperatur bei 22 bis 25 Grad. Ob
diese Werte erreicht werden, ist abhängig von der Bewölkung, die von der Nacht
zuvor noch vorhanden sein dürfte. Bei größeren Auflockerungen dürften diese
Werte jedoch mühelos erreichbar sein. Sollten konvektive Umlagerungen zustande
kommen, was am ehesten im Westen und Südwesten Deutschlands und dort über dem
Bergland vorstellbar ist, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Starkregen
gerechnet werden; auch unwetterartige Regenmengen um 30 mm innerhalb kurzer Zeit
sind aufgrund der langsamen Verlagerung der Konvektionszellen nicht
auszuschließen. Da die Scherung nur schwach ausgeprägt ist, sind Superzellen
eher unwahrscheinlich; für Hagel sollte es daher nicht reichen.
Gegenüber weiter zurückliegenden Modellläufen ergibt sich somit eine leichte
Verzögerung der Entwicklung.
Der Osten sowie größtenteils auch die mittleren Regionen bleiben von derartigen
Entwicklungen noch verschont. Dort hält sich der Einfluss des dann über der
Ostsee liegenden Bodenhochs. Großräumiges Absinken hat dort längere sonnige
Abschnitte zur Folge. In diesen Gebieten wird es mit 22 bis 26 Grad am wärmsten,
wogegen sonst in Abhängigkeit von der Bewölkung 17 bis 23 Grad zu erwarten sind.

In der Nacht zum Montag greift der vorlaufende Kurzwellentrog auf Deutschland
über und wird dabei weitgehend zugeschüttet. Demzufolge bringt dieser
Kurzwellentrog kaum noch Hebung zustande. Der nachfolgende Haupttrog verschärft
sich; dessen „Spitze“ nähert sich bis Montagfrüh der Bretagne. Mit dem
Übergreifen des Kurzwellentroges arbeiten sich die zumindest anfangs noch von
Gewittern begleitete Niederschläge in die Mitte Deutschlands vor. Dabei können
weiterhin Starkniederschläge, teils auch durch mehrstündige Ereignisse,
auftreten. Die Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Niederschlagsmengen ist nur
noch gering, aber in der ersten Nachthälfte noch gegeben. Wahrscheinlich bleibt
es von der Ostsee bis in den östlichen Mittelgebirgsraum hinein noch trocken.
An der Rückseite des vorlaufenden Kurzwellentroges, d.h. vom Emsland bis zum
Hochrhein und zum Bodensee, sind kaum noch Niederschläge zu erwarten. Vielfach
hält sich tiefe Bewölkung. Sollte es aufklaren, bildet sich rasch teils dichter
Nebel.

Montag … schwenkt der Haupttrog mit seiner „Spitze“ von der Bretagne über die
Britischen Inseln hinweg in die Nordsee, wobei dieser Langwellentrog über dem
mittleren Nordatlantik regeneriert wird. Der vorlaufende Kurzwellentrog oder was
davon übrig ist, verlagert sich in den Osten Deutschlands. Dieser dürfte in den
östlichen Landesteilen, d.h. in einem Streifen von Schleswig-Holstein und
Westmecklenburg bis zum Vogtland und Bayerischen Wald, noch einmal konvektive
Umlagerungen bis hin zu Gewittern auslösen. Da sich bis dahin abgesehen von
einer Abnahme der Labilität durch Entrainmentprozesse die Luftmasse nur wenig
ändert, geht mit diesen Gewittern weiterhin Starkregen einher; auch mehrstündige
Ereignisse sind nicht auszuschließen. Unwetter sind dann eher unwahrscheinlich.
Bis zum Abend erreicht die Kaltfront, die dem Haupttrog vorgelagert ist, die
Emsmünsung. Diese ist jedoch von Kaltluftadvektion überlaufen, zudem setzt im
Frontbereich rasch Stabilisierung ein, so dass sich die Wetterwirksamkeit auf
skalige und nicht warnrelevante Niederschläge sowie eine leichte Windzunahme
beschränkt.
In den Gebieten dazwischen, d.h. von der Nordsee bis zu den Alpen, stellt sich
kompensierendes Absinken ein. Bei wechselnder Bewölkung bleibt die
Niederschlagstätigkeit gering. Mit Annäherung der Kaltfront und an Ems und
Niederrhein aufkommenden Niederschlägen schließt sich jedoch zusehends diese
Lücke.
Nachfolgend wandelt sich der o.g. Keil in ein blockierendes Hoch über
Fennoskandien um. Das mit Schwerpunkt über Karelien liegende korrespondierende
Bodenhoch hält dagegen und bremst das Übergreifen der Niederschläge auf den
äußersten Nordosten Deutschlands aus, so dass es sehr wahrscheinlich von
Vorpommern bis in die Lausitz und den Osterzgebirgsraum hinein weitgehend
trocken bleibt. Mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 18 und 24 Grad bleibt es
meist noch mäßig warm.

In der Nacht zum Dienstag kann der über dem nahen Ostatlantik liegende
Langwellentrog nicht weiter nach Osten vorstoßen, so dass die südwestliche
Strömung über dem Vorhersagegebiet bestehen bleibt. In dieser wird ein weiterer
Kurzwellentrog nord-nordostwärts gesteuert. Hierdurch wird das Niederschlagsband
aktiviert, das dann den Nordosten Deutschlands, d.h. die Gebiete von Vorpommern
bis in die Lausitz hinein erreicht. Zumindest anfangs können diese Niederschläge
noch von Gewittern begleitet sein, bevor auch in diesen Gebieten durch
Kaltluftadvektion allmähliche Stabilisierung eintritt. Die Gefahr von teils
mehrstündigen Starkniederschlägen besteht jedoch die ganze Nacht hindurch; für
Unwetter sollte es nicht mehr reichen.
Die nachfolgende Kaltfront dringt dann bis in die Mitte Deutschlands vor und
dürfte bis Dienstagfrüh die Linie Warnowmündung – Rhön – Schaffhausen erreichen.
Diese Front gelangt jedoch zusehends unter antizyklonalen Einfluss. Absinken,
das zudem aus Kaltluftadvektion resultiert, dämpft die Wetterwirksamkeit dieser
Front, so dass es nur für wenige Millimeter Niederschlag reicht.
Zwischen beiden Niederschlagsbändern (dem im Nordosten und dem frontalen Wolken-
und Niederschlagsband) kommen durch kompensierendes Absinken Auflockerungen
zustande, so dass bei geringen Luftdruckgegensätzen Nebel entstehen kann.
Allerdings wird dieser Bereich zusehends eingeengt.
Mit Passage der Kaltfront, d.h. von Nordwesten und Westen bis in die Mitte
hinein, lockert die Bewölkung ebenfalls auf. Dort ist das Absinken durch einen
ausgeprägten Zwischenhochkeil bedingt. Da auch in diesen Gebieten der Gradient
schwach ist, dürfte sich ebenfalls gebietsweise dichter Nebel bilden.

Dienstag … ändert sich die Druck- und Geopotentialverteilung nur unwesentlich.
Zwar nimmt der über dem nahen Ostatlantik liegende Langwellentrog durch einen
herauslaufenden Kurzwellentrog einen neuen Versuch, in Richtung Mitteleuropa
vorzustoßen, aber das blockierende, nach wie vor über Fennoskandien liegende
Bodenhoch hält dagegen. Dabei dominiert auch über Mitteleuropa antizyklonaler
Einfluss.
Die o.g. Kaltfront kommt schleifend noch etwas nach Osten voran, im Tagesverlauf
holt das frontale Niederschlagsband das noch im äußersten Nordosten, etwa
entlang von oder und Neiße vorhandene Regengebiet ein; für Starkniederschläge
reicht es dann ohnehin nicht mehr. Nach Südwesten hin hängt die Kaltfront zurück
und bringt nur noch geringe Niederschläge zustande. Postfrontal setzen sich im
Norden, Westen und teils auch in den mittleren Regionen Deutschlands vermehrt
Auflockerungen durch. Ähnliches gilt auch für den äußersten Südosten, wo
aufgrund der nach wie vor bestehenden süd-südwestlichen Strömung leicht föhniger
Einfluss besteht. In diesen Gebieten werden noch einmal Höchsttemperaturen knapp
über der 20 Grad-Marke erreicht. Ansonsten sind meist Temperaturmaxima zwischen
16 und 20 Grad zu erwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann