#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 24.09.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 24.09.2021 um 10.30 UTC

Am Montag nochmals recht warm, aber unbeständig, im Osten gewittrig. Am Dienstag
unter Zwischenhocheinfluss Wetterberuhigung, aber kühler. Ab Mittwoch
unbeständiges Wetter, südlich des Mains aber auch längere trockene Phasen bei
Temperaturen im Bereich der Normalwerte.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 01.10.2021

Am Montag schwenkt ein erster schwacher Randtrog des hochreichenden Islandtiefs
über Deutschland hinweg nach Nordosten. Dabei zieht auch ein Bodentrog über den
Osten Deutschlands hinweg nach Polen. Von Westen greift aber die Vorderseite des
Haupttroges auf den Westen über, an die eine Kaltfront des kräftigen Tiefs
gekoppelt ist. Die Front hat bis zum Abend den äußersten Westen und Nordwesten
passiert.
Die Kaltfront zieht am Dienstagvormittag auch über das östliche Deutschland
hinweg, hängt aber über Bayern noch länger zurück. Postfrontal löst sich aus dem
Azorenhochkeil eine Hochzelle ab, die mittags bereits über dem zentralen
Deutschland anlangt. Derweil bildet sich an der Front über Westpolen eine flache
Tiefdruckrinne, denn über Nordosteuropa liegt ein blockierendes Hoch.
Am Mittwoch gliedert sich das kleine Hoch dem Nordosteuropa-Hoch an und damit
erkennt man über dem Osten noch den entstandenen Hochkeil.
Ein weiterer Trog des Höhentiefs bei Island erreicht abends Frankreich und
Benelux. Auf seiner Vorderseite befindet sich die Kaltfrontokklusion des Tiefs
nördlich von Schottland, die abends etwa eine Linie Nordseeküste
Schleswig-H.-Vorderpfalz erreicht.
Am Donnerstag liegt die Front bereits über Polen und Österreich und beeinflusst
anfangs noch Südostbayern. Rückseitig liegt Deutschland am Südrand des
hochreichenden Tiefkomplexes zwischen Südnordwegen, Island und Schottland in
einer recht kühlen, zyklonalen Westströmung.
Der Tiefkomplex zieht am Freitag nur wenig ostwärts und Tiefausläufer
beeinflussen die Nordhälfte Deutschlands. Im Süden ist derweil schwacher
Hochdruckeinfluss wirksam.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Modelllauf vom IFS zeigt bis Freitag keine großen Unterschiede zum
00-UTC-Run von gestern.
Am Mittwoch erkennt man beim Lauf von gestern 12 UTC Differenzen:
Der vom Raum Island ausgehende Trog zieht langsamer ostwärts ab und ist noch
kräftiger strukturiert als in den beiden 00-UTC-Läufen. Damit beeinflusst im
Mittags-Lauf anfangs noch ein Regengebiet das östliche Deutschland, während in
den beiden anderen Läufen das Regengebiet schon nach Polen abgezogen ist.
Lediglich im gestrigen 00-UTC-Lauf hängt es in Bayern ähnlich wie im Mittagslauf
noch zurück.
Am Donnerstag und Freitag gleichen sich die Läufe wieder an. Letztlich setzt
sich bei allen Läufen eine mehr oder weniger zyklonale Westlage durch mit
leichten Phasenunterschieden, die hier nicht im Detail beschrieben werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Donnerstag simulieren die anderen Modelle einschließlich ICON recht ähnlich.

Das ändert sich am Freitag: Da sind die Modelle im südlichen Mitteleuropa
zyklonaler aufgestellt. Das nahezu trockene Wetter (bei IFS) von Sachsen bis
nach Baden-Württemberg ist insofern sehr unsicher.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt bis zum 7. Folgetag die Entwicklung einer Westlage, die
vor allem nach Norden hin zyklonal geprägt ist. Dabei werden 3 Cluster
ermittelt, die sich nur in der Stärke und im Timing der Tröge unterscheiden, was
aber beim Wetter sich nur marginal auswirkt.

In der Rauchfahne von Offenbach sieht man im Kurzfristbereich die ungewöhnlich
hohen Temperaturen bis Sonntag. Zu Beginn der Woche sorgt die Kaltfront des
Nordmeertiefs für niedrigere Temperaturen zwischen 4 und 7 Grad. Donnerstag geht
die Temperatur vorübergehend auf Werte zwischen 0 und 4 Grad zurück, um ab
Freitag wieder etwas anzusteigen bei erhöhter Streuung. Das Geopotential sinkt
im Mittel in der neuen Woche allmählich etwas ab, streut aber ab Donnerstag
stark. Dies liegt am Phasenunterschied der Tröge und Rücken in der aufkommenden
Westlage.

In den EPS-Meteogrammen liegt der Montag zunächst noch auf der warmen Seite, die
Kaltfront erreicht ja abends erst den Westen. Insofern liegen die Temperaturen
gut 5 Grad über dem Modellklima. Am Dienstag und Mittwoch werden Normalwerte
bzw. Werte bis 2 Grad über dem Durchschnitt simuliert. Leicht
unterdurchschnittliche Werte werden von Donnerstag bis Samstag erwartet, ehe in
der erweiterten Mittelfrist die Temperatur im Mittel wieder leicht ansteigt.
Die Regenwahrscheinlichkeit liegt abgesehen vom Dienstag im Mittel meist über
null und mit geringe Wahrscheinlichkeit sind auch Tagesmengen über 10 mm
möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Montag ist die Wahrscheinlichkeit von markanten Gewittern in der Osthälfte
erhöht. Unwetter sind nicht ausgeschlossen.
Am Dienstag ist anfangs im äußersten Osten noch Starkregen nicht ausgeschlossen
und sonst beruhigt sich das Wetter unter Zwischenhocheinfluss.
Am Mittwoch greift erneut ein Tiefausläufer auf uns über und somit ist die
Wahrscheinlichkeit von stürmischen Böen an der Nordsee erhöht.
Am Donnerstag und Freitag sind stürmische Böen und Sturmböen im Küstenbereich
wahrscheinlicher und am Donnerstag kann es Böen Bft 8 auch im nordwestdeutschen
Binnenland geben.
Auf den Bergen sind ab Mittwoch exponiert Sturmböen wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, operationelle Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden