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SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 22.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
In der Nacht im Süden Nebel. Am Donnerstag im Norden und Nordosten sowie auf
einigen Bergen Sturm. An der See Sturmböen Bft 9 und vereinzelt schwere
Sturmböen Bft 10, orkanartige Böen Bft 11 nicht ausgeschlossen. Ab Freitag schon
wieder nachlassender Wind.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter einem Höhenrücken, in dessen Rückseite ein
scharf konturierter Langwellentrog hineinläuft. Dadurch wird der Langwellentrog
nach Südosten abgedrängt, seine Achse überquert in der Folge im Laufe der Nacht
das Vorhersagegebiet und ist zum Morgen etwa auf einer Linie Donau – Neiße –
Zentrale Ostsee zu finden. Dabei flacht der Rücken zusehends ab, während die
zyklonale Krümmung des Troges schon über der Nordsee wahrzunehmen ist. Das mit
ihm verbundene Nordmeertief TIM mit einem bemerkenswerten Kerndruck von etwa 955
hPa füllt sich zwar etwas auf (Kerndruck zum Morgen knapp unter 965 hPa), es
bildet aber über Skandinavien und über dem südlichen Nordmeer durch Randtröge
und Leezyklognese zwei Randtiefs. Eines davon ist zum Morgen über Mittelschweden
zu finden und bildet sich im Bereich der Front von Tief TIM, das andere, mit
eigenem Frontensystem ausgestattet, liegt zum Morgen nordöstlich der
Shetland-Inseln. Die Fronten der Tiefs bleiben bis zum Morgen zwar noch außen
vor oder greifen gerade so mit geringfügigem Regen auf den äußersten Norden
über, im Vorfeld schieben sich aber schon dichte Wolken bis etwa auf eine Linie
Münster – Hannover – Berlin. Allerdings nimmt durch die Tiefannäherung der
Gradient schon deutlich zu. Dadurch frischt der Südwestwind im Küstenbereich
auf, an der Ostsee gibt es erste starke Böen bis 60 km/h (Bft 7), an der Nordsee
lokal morgens auch schon stürmische Böen um 65 km/h (Bft 8). Ebenso kann der
Brocken schon mit Sturmböen um 75 km/h (Bft 9) reagieren und der Fichtelberg im
Erzgebirge mit starken Böen um 55 km/h (Bft 7). Weiter im Binnenland bleibt der
Wind hingegen (noch) schwach. In der Mitte und im Süden ist es meist nur locker
oder gering bewölkt. Damit tritt aber Nebel auf die Agenda, den die Modelle
ziemlich verbreitet für die Mitte und den Süden simulieren. Die
Tiefsttemperaturen liegen im Norden unter Wolken zwischen 15 und 8 Grad, sonst
zwischen 9 und 2 Grad (unter dichtem Stratus jedoch milder). Bei solchen
Tiefstwerten ist örtlich leichter Frost in Bodennähe nicht ausgeschlossen.

Donnerstag … greift der Trog von der Nordsee bis ins südliche Skandinavien und
bis zur westlichen Ostsee aus. Das Randtief über dem südlichen Nordmeer wandert
als Leetief der Skanden nach Osten und verschmilzt am Nachmittag mit dem
Schwedentief, wobei das resultierende Gesamttief zum Abend an der
mittelschwedischen Ostseeküste liegt. Die Kaltfront dieses Tiefs dringt bis zum
Abend nach Süden etwa bis zur Mittelgebirgsschwelle vor und wird im Westen dann
schon als Warmfront eines weiteren Tiefs bei Island rückläufig. Mit der
Kaltfront kommen im Norden zeitweilige Regenfälle auf, die Mengen liegen meist
bei 1 bis 5 l/qm in 12 Stunden, nur lokal auch darüber. Gewitter werden aufgrund
ungünstiger Parameter (stabile Schichtung, T850 um 8°C und T500 um -12°C, kaum
CAPE) nicht simuliert, sind aber an der Ostsee nicht völlig ausgeschlossen. Dort
fällt auch der meiste Regen. Ansonsten verstärkt sich zwischen dem Tief über
Mittelschweden/dem Bottnischen Meerbusen und hohem Druck über Frankreich der
Gradient im Norden und Nordosten weiter und beschert dem Norden und Nordosten
eine Sturmlage. Dabei muss bis etwa zur Mittelgebirgsschwelle mit starken Böen
um 55 km/h (Bft 7) aus Südwest gerechnet werden. Inwieweit stürmische Böen Bft 8
bis ins Binnenland ausgreifen, da herrscht, wie schon in den Vorläufen, vor
allem zwischen EZMW und den deutschen Modellen Uneinigkeit. Während die
deutschen Modelle eigentlich nur küstennah und in Schleswig-Holstein die 8
simulieren, gibt es diese laut EZMW landeinwärts bis nach Nordbrandenburg. Ein
Herabmischen stärkerer Böen bei Schauern ist angesichts der Stabilität nicht
sehr wahrscheinlich. So kann eigentlich nur der Gradient für die höheren
EZMW-Windgeschwindigkeiten herhalten, der bei EZMW tatsächlich etwas stärker
ausgeprägt ist als bei ICON. An der See treten Sturmböen um 85 km/h (Bft 9) auf,
in Nordfriesland und vor allem abends an der Ostsee sind einzelne schwere
Sturmböen um 95 km/h (Bft 10) nicht ausgeschlossen. Auf dem Fichtelberg gibt es
ebenfalls Sturmböen um 80 km/h (Bft 9), auf dem Brocken schwere Sturmböen bis
100 km/h (Bft 10). Im Süden weht der Wind anfangs dagegen meist nur mäßig, im
Tagesverlauf und mit ausgreifen des Troges und des schärferen Gradienten nach
Südosten frischt er etwas auf. In der Fläche bedeutet das frischen Wind und hier
und da starke Böen bis etwa 50 km/h (knappe Bft 7). In den Hochlagen Ostbayerns
und der Alpen dagegen treten zum Abend durchaus auch stürmische Böen auf. Dabei
ist es im Norden meist stark bewölkt, und im Tagesverlauf zieht es auch in der
Mitte immer weiter zu, dann kann es über Schleswig-Holstein aber schon wieder
größere Wolkenlücken geben. Ganz im Süden dagegen scheint unter schwachem
Hochdruckeinfluss häufiger die Sonne oder es zieht hohe Bewölkung durch. Vor der
Kaltfront liegt die 850-hPa-Temperatur bei 7 bis 13 Grad, postfrontal sinkt sie
im äußersten Norden auf knapp 3 Grad. So sind Höchsttemperaturen von 16 bis 20
Grad im Norden und von 19 bis 24 Grad in der Mitte und im Süden zu erwarten.

In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog über die Ostsee und Polen hinweg nach
Belarus und zum Baltikum. Dabei nimmt er mehr und mehr den Charakter eines
Kurzwellentroges an, der in die Rückseite eines Langwellentroges über Osteuropa
hineinläuft und diesen damit regeneriert. Das Bodentief folgt dem Höhentief nach
Südosten, es nimmt eine elliptische Form an, im Gegensatz zum Vorlauf belässt es
ICON nun aber bei einem Kern. Die rückläufige Kaltfront (bzw.
Warm-Kaltfront-Kombi mit höchstem Druck und damit „Wendepunkt“ über Sachsen)
liegt diagonal über Deutschland und wird morgens etwa auf einer Linie
Erzgebirge-Ostfriesland zu finden sein (EZMW weiterhin mit etwas südlicherer
Variante, die bis zum Bayerischen Wald ausgreift). Im Bereich der Front gibt es
leichte Niederschlagssignale, mehr als 1 bis 3 mm in 12 Stunden fallen aber
nicht. Ebenso ist im Norden postfrontal hier und da ein Schauer möglich. Die
abnehmenden Niederschlagssignale korrespondieren mit fehlenden Hebungsimpulsen
der zunehmend antizyklonalen Höhenströmung. Darüber hinaus lässt WLA den Druck
insbesondere über dem Nordwesten und der Nordsee steigen. Der Wind bleibt an der
See und im Nordosten, laut EZMW sogar im ganzen Osten zunächst aber stark.
Weiterhin treten starke Böen Bft 7 bis ins Binnenland auf, an der Nordsee
stürmische Böen Bft 8 bzw. exponiert Sturmböen Bft 9. An der Ostsee muss anfangs
mit Sturmböen Bft 9 und vereinzelt schweren Sturmböen Bft 10 gerechnet werden.
Auch der Brocken und der Fichtelberg warten noch mit solchen
Windgeschwindigkeiten auf. Unsicherheit besteht noch darüber, ob an exponierten
Küstenabschnitten Vorpommerns auch mal die Bft 11 beobachtet werden kann –
schwache Signale in den Ensembles deuten in diese Richtung. In der zweiten
Nachthälfte schwächt sich der Wind allgemein ab. Dann gibt es an der Nordsee
noch starke Böen Bft 7, an der Ostsee stürmische Böen Bft 8 und auf dem Brocken
und dem Fichtelberg Sturmböen Bft 9. Südwestlich und südlich der rückläufigen
Front ist der Wind meist nur schwach (höhere Alpengipfel und Gipfel Ostbayerns
mit stürmischen Böen Bft 8 oder exponiert Sturmböen Bft 9 ausgenommen) und die
Wolken lockern zum Teil auf. Vereinzelt bildet sich daraufhin Nebel. Unter den
Wolken kühlt es nur auf 13 bis 9 Grad ab, bei größeren Auflockerungen jedoch bis
auf 4 Grad.

Freitag … und in der Nacht zum Samstag zieht der Randtrog nach Südwestrussland
ab bzw. geht im Osteuropäischen Langwellentrog auf. Das (zwischenzeitlich mal
wieder mit zwei Kernen glänzende Tief) bildet einen langgestreckten Bodentrog,
der von der Ostsee über Estland bis in die östliche Ukraine reicht. Die
rückläufige Front kommt tagsüber als Warmfront bis in den Osten Deutschlands
voran, wobei sich das zur Warmfront gehörende Tief vom Seegebiet zwischen Island
und Schottland erst zum südlichen Nordmeer, in der Nacht dann unter deutlicher
Abschwächung bis zur norwegischen Küste verlagert. Es ist dabei an einem sehr
flachen Randtrog gekoppelt, der über dem Nordatlantik nach Osten vorankommt. Im
Norden und Osten ist die Warmfront mit sehr geringen Niederschläge verbunden,
die in der Nacht allenfalls noch im Küstenumfeld der Rede wert sind. Weiter im
Süden bleibt es trocken, wobei tagsüber zeitweilig, im Süden auch länger die
Sonne scheint. Der Gradient schwächt sich mit dem nach Osten vorankommenden Tief
zwar schon ab, an der See, auf dem Brocken, auf dem Fichtelberg sowie in den
Hochlagen Bayerns gibt es aber anfangs noch steife oder stürmische Böen Bft 8-9,
die aber rasch nachlassen. Am Nachmittag beschränkt sich der Wind dann
weitestgehend auf steife Böen Bft 7 an den Küsten, in der Nacht, in der wir mehr
und mehr unter eine antizyklonale Höhenströmung gelangen, was vor allem der
Mitte und dem Süden eine lockere oder geringe Bewölkung beschert, sind
voraussichtlich keine Windwarnungen mehr nötig. Allerdings kann sich dann über
besagter Mitte und dem Süden erneut Nebel bei nur schwacher Luftbewegung bilden.
Im Norden ist die Bewölkung dagegen meist dichter oder nimmt wieder zu. Das
liegt an dem o.e. neuen Nordmeertief, dessen Warmfront in der Nacht zwar schon
auf dem Weg nach Osteuropa ist, dessen Kaltfront mit dem ebenfalls o.e. Regen
aber Schleswig-Holstein erreicht. Die Höchsttemperaturen steigen dabei auf 16
Grad im Nordosten bis 24 Grad im Südwesten. In der Nacht sinken die Werte auf 15
bis 6 Grad.

Samstag … liegt Deutschland unter einem sich allmählich ostwärts verlagernden
Höhenkeil. Dieser wird durch einen Langwellentrog über Osteuropa und einen
weiteren über dem nahen Ostatlantik flankiert, wobei aus Letzterem ein
kurzwelliger Anteil herausläuft. Dabei hält sich noch trockene Luft, die sich im
Bereich des Keils bei kräftiger Einstrahlung rasch auf spätsommerliche
Temperaturen erwärmt wird.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Kern simulieren die Modelle die Abläufe ähnlich. Unterschiede zeigen sich
beim Druckgradienten, den EZMW etwas schärfer simuliert als ICON, wodurch auch
die Spitzenböen bei EZMW etwas höher liegen. Ferner lässt EZMW die Böen weiter
ins Binnenland ausgreifen, als dies die deutschen Modelle tun. Für Freitag ist
dann auch das südwärtige Ausgreifen der Front stark unterschiedlich simuliert,
wobei EZMW die weiter südliche Variante liefert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas