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SXEU31 DWAV 211800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 21.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Meist recht ruhiges Herbstwetter, am Donnerstag aber an den Küsten und auf den
Bergen Sturm.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … erstreckt sich ein Höhenrücken vom Atlantik her zu den Britischen
Inseln und stützt eine umfangreiche Hochdruckzone, die ihren Schwerpunkt
südwestlich von Irland hat und sich über Deutschland hinweg ostwärts bis nach
Rumänien und das Schwarze Meer ausdehnt. Die Achse liegt dabei über der Mitte
des Landes, so dass im Norden der Wind aus westlichen Richtungen kommt, im Süden
weht dagegen schwacher nordöstlicher Wind. Das Hochdrucksystem wird von drei
Höhentiefs flankiert. Nr.1 liegt über dem Nordosten Spaniens. Nr. 2 hat sich
über dem Westen Russlands eingenistet und Nr. 3 gehört zu einem Höhentrog, der
von Grönland aus südostwärts vorstößt. Zwischen Nr. 2 und dem Rücken liegen wir
in einer antizyklonal konturierten nordwestlichen Höhenströmung, in der ein
Randtrog über die Ostsee südwärts läuft und in der kommenden Nacht über Polen
hinweg zieht. Zudem wird mit diesem System eine Okklusion (zugehörig zu einem
Nordmeertief, das in seinem Nachfolger aufgeht) südostwärts gesteuert. Damit
gelangt zusätzlich zu der unser Land schon reichlich traktierenden tiefen
Bewölkung auch noch hochreichende Bewölkung über den Norden und Nordosten des
Landes gesteuert, aus der auch leichte schauerartige Regenfälle niedergehen.
Südlich der Divergenzachse hält sich teils noch recht hartnäckig
Stratocumulusbewölkung, teils geht die Sonne heute Abend auch an einem nur mit
hohen Wolken verzierten Himmel unter.
In den Nachtstunden weitet sich die hochreichende Bewölkung über dem Osten
südwärts aus und bringt zunächst dem Ostseeraum, später von Vorpommern bis zur
Lausitz und anschließendem dem Erzgebirge etwas Regen. Da mit der Okklusion auch
ein Teiltief in den Westen Polens gesteuert wird, nimmt im Osten der
Nordwestwind deutlich zu, wobei es aber selbst in Vorpommern an der Küste
maximal für einzelne steifen Böen in exponierten Lagen kommt. Später dreht der
Wind auch am Erzgebirge auf Nordwest und sorgt dort für eine Staukomponente.
Die Divergenzachse des Hochs wird etwas nach Süden gedrückt und nördlich
derselben gibt es auch im Nordwesten kaum Wolkenauflockerungen. Im Süden
(südlich einer Linie Eifel-Fichtelgebirge) sollen hingegeben der vorliegenden
Modellwelt zufolge die tiefen Wolken vielfach aufgelöst werden und nur hohe
Bewölkung über den Himmel ziehen. Während letzteres recht sicher ist, muss
bezweifelt werden, ob sich die Stratocumuluswolken so flächendeckend auflösen,
was sie nämlich in den Vorgängernächten auch nicht getan haben. Wo sie dies tun,
können sich Nebelfelder bilden auch die Temperatur teils unter 5 Grad
zurückgehen, mit Gefahr geringen Frostes in Erdbodennähe zumindest in den dafür
prädestinierten Lagen. Da aber die Wolken oftmals auch geschlossen bleiben
dürften, ist meist mit Tiefstwerten zwischen 9 und 6 Grad zu rechnen und weder
mit Bodenfrost noch mit Nebel. Im Norden bleibt die Nacht unter Wolken und mit
etwas Luftbewegung milder, meist mit Tiefstwerten zwischen 12 und 9 Grad.

Am Mittwoch … zieht Höhentief Nr. 3 in das Seegebiet um Jan Mayen und der
Höhentrog überflutet das ganze Nordmeer mit kälterer Luft. Zudem hat sich im
Bereich des Höhentiefs auch ein sehr starkes Bodentief (der oben erwähnte
Nachfolger) entwickelt, dessen Kerndruck zeitweise unter 955 hPa sinken soll.
Auf der Vorderseite dieses Systems baut kräftige WLA einen Höhenrücken über
Skandinavien auf, was dazu führt, dass wir zunehmend aus dem Bereich der
nordwestlichen Höhenströmung rauskommen in einen Bereich etwas schwächerer
nördlicher Höhenströmung. Mit dieser verlagern sich die Regenfälle der Nacht im
äußersten Osten des Landes weiter nach Süden. Viel fällt zwar nicht vom Himmel,
doch wird es im Osten generell stark bewölkt bleiben, dort ist auch nach wie vor
eine etwas kühlere Luftmasse (um 4°C in 850 hPa) wetterbestimmend. Da sich das
Hoch etwas nach Westen zurückzieht, wehen im Osten meist nördliche Winde, im
Norden weiterhin westliche und im Südwesten noch nordöstliche. Ganz im Westen
ist die Luftmasse mit 8 bis 10°C aber spürbar milder. Zudem bleibt uns dort der
Hochdruckeinfluss erhalten, was uns das bereits bekannte Wetter erhält. Teils
setzt sich nach Nebelauflösung die Sonne durch, teils dürfte sich weiterhin der
Stratocumulus beharrlich halten. Mit längerem Sonnenschein kann es ganz im
Westen 22°C warm werden, dagegen bleiben wir im Osten teils bei 15°C hängen.

In der Nacht zum Donnerstag schwenkt ein recht scharf ausgeprägter Randtrog von
Nordwesten her in die nördliche Nordsee. Der Höhenrücken wird dabei nach Osten
gedrückt, zudem sinkt allmählich das Geopotential. Damit verlagert sich die
Divergenzachse der Bodenhochdruckzone weiter nach Süden, das Hoch weitet sich
aber nochmal nach Osten aus. Somit liegt der gesamte Süden in der Nacht im
Bereich schwacher Druckgegensätze. Da die Wolken in der Nacht zum Donnerstag
auflockern sollen, kann es im Süden wieder sehr kühl werden mit Tiefstwerten
zwischen 5 und 2°C, so dass in Tälern und Senken auch hier und da Bodenfrost zu
erwarten ist. Sollte sich der Stratocumulus mal wieder halten, bleibt es erneut
etwas milder.
Der Norden des Landes gelangt zwischenzeitlich in den Einflussbereich des
Tiefdruckkomplexes im Norden. Dessen Kaltfront greift von Nordwesten auf
Skandinavien über, kommt infolge einer Teiltiefbildung indessen nur langsam
südostwärts voran. Im Vorfeld der Kaltfront gelangt jedoch der Norden
Deutschlands in den Bereich eines stärkeren Druckgradienten, so dass dort im
Verlauf der Nacht der Südwestwind auffrischt. In der zweiten Nachthälfte muss
dann zunächst an der Nordsee und später auch an der Ostsee mit steifen Böen aus
Südwest gerechnet werden, vor allem in Nordfriesland zum Ende der Nacht auch mit
stürmischen Böen. Zudem greifen im Verlauf der Nacht dichte und hochreichende
Wolken auf den Norden über, die die zuvor teils aufgelockerte tiefe Bewölkung
ergänzen. In der Früh greifen dann auch schon erste schauerartige Regenfälle im
Vorfeld der Kaltfront auf den äußersten Norden über. Infolgedessen bleibt es mit
Tiefstwerten zwischen 14 und 10°C im Norden deutlich milder, auf den
Nordseeinseln sogar noch milder.

Am Donnerstag … setzt sich eine kräftige nordwestliche Höhenströmung durch,
die sich relativ glatt vom Seegebiet südlich Grönlands bis zum östlichen
Mittelmeer erstreckt. Auf der kalten Seite schwenkt der oben schon erwähnte
scharfe Trog über Südskandinavien hinweg zur Ostsee. In seinem Hebungsbereich
entwickelt sich aus dem Teiltief ein eigenständiges Tief über der Ostsee. An
dessen Süd- und Südwestflanke verschärft sich der Gradient über der gesamten
Nordosthälfte weiter, doch da sich der Hochkeil nach Südwesten zurückzieht
gelangt ganz Deutschland in den Bereich der westlichen Winde. Die Kaltfront
schwenkt in den Nordosten Deutschlands herein, gerät aber ins Schleifen. Hinter
ihr fließt eine mit 2°C in 850 hPa recht kühle Luftmasse in den Norden,
wohingegen sich im Süden 10 bis 12°C halten. Mit der Gradientzunahme ist an der
See verbreitet mit Sturmböen zu rechnen, wobei der Wind an der Nordsee auf
Nordwest dreht. In exponierten Küstenlagen sind auch schwere Sturmböen
vorstellbar. Im Binnenland greifen steife Böen auf die gesamte Norddeutsche
Tiefebene aus, insbesondere bei Durchgang der Kaltfront gibt es vorübergehend
auch stürmische Böen. Es findet aber allenfalls in der Grenzschicht eine
Labilisierung der Luftmasse statt, weil die Höhenkaltluft weit nordostwärts
unseres Landes vorstößt. Im zentralen Mittelgebirgsraum frischt der Wind ebenso
in den Bereich steifer Böen auf, wirklich stürmisch mit schweren Sturmböen wird
es aber nur auf exponierten Gipfeln wie Brocken oder Fichtelberg. An der
Kaltfront kommt zu schauerartigen Regenfällen, Gewitter gibt es aufgrund der
oben erwähnten recht stabilen Schichtung nicht.
Ganz anders sieht die Lage im Süden des Landes aus: Dort lässt sich zwar die
leichte Zunahme des Westwindes spüren und auch die aufziehenden hohen und zur
Mitte hin auch mittelhohen Wolken künden von der Tiefentwicklung. Die
Windzunahme sorgt aber für eine Auflösung der tiefen Wolken und ordentliche
Durchmischung, so dass bei recht viel Sonne die Temperatur flächendeckend auf 20
bis 23°C ansteigt. Im Norden sind es dagegen meist nur 17 bis 20°C.

In der Nacht zum Freitag zieht der oben erwähnte Kurzwellentrog rasch nach Osten
ab und von Westen erreicht uns in der langgezogenen nordwestlichen Höhenströmung
schon ein Rücken. Die Kaltfront des Tiefs, welches im Raum Ostsee-Baltikum
verbleibt hängt schleifend über dem Nordosten Deutschlands, in etwa im Bereich
der Elbe. An ihr kommt es allenfalls noch zu leichten Regenfällen. Von Südwesten
steigt der Druck wieder und der Gradient schwächt sich ab, so dass bis zum
Morgen im Bereich der Nordsee die Böen auf steife Böen abnehmen und dort der
Wind wieder auf West dreht. An der Ostsee nimmt der Nordwestwind langsamer ab,
vor allem im Bereich Vorpommerns gibt es an der Küste anfangs der Nacht vermehrt
schwere Sturmböen und zum Ende der Nacht immer noch stürmische Böen. In den
Bergen kommen die Gipfel des Bayerischen Waldes und der Alpen noch mit Sturmböen
dazu, auf dem Brocken gibt es dagegen in der zweiten Nachthälfte dann schon eine
leichte Abschwächung. Die dichten Wolken sollen sich noch etwas südwestwärts
ausweiten, so dass nur noch ganz im Süden teils gering bewölkt bleibt. Ganz im
Nordosten können die Wolken auflockern. Meist verbleiben die Tiefstwerte im
Bereich um 10°C, nur ganz im Süden bei geringer Bewölkung und wenig Wind geht es
auch mal deutlich darunter. Nebel ist ausnahmsweise mal kein Thema in der mal
wieder ordentlich durchmischten Luftmasse und bei etwas Wind auch in den
Nachtstunden.

Am Freitag … kommt es südlich von Grönland zu einer weiteren Austrogung, so
dass die Höhenströmung wieder auf West zurückdreht, das ganze bei hohem
Geopotential über Deutschland. Bodennah bildet sich eine ähnliche
Druckverteilung ab mit einer recht glatten westlichen Strömung bei nicht mehr
allzu starkem Gradienten. Dieser reicht überall für mäßigen Wind, insbesondere
im Nordseeumfeld kann es steife Böen geben, aber auch an der Ostsee, teils im
Binnenland und auf den Bergen kann es noch recht windig bleiben. Mit der wieder
auf West drehenden Strömung wird die Kaltfront nach Osten gedrückt und verlässt
unser Land. An ihr fällt noch etwas Regen. In 850 hPa steigt die Temperatur dann
auch im Nordosten wieder auf 8 Grad. Es soll aber recht viel Bewölkung
zurückbleiben, so dass der Tag abgesehen vom äußersten Süden von viel Bewölkung
dominiert wird. Richtig sonnig kann es vom Schwarzwald bis zum Inn werden. Die
Höchstwerte verteilen sich dann zwischen 16°C Grad am Kap Arkona und 24°C am
Kaiserstuhl.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Felder werden von den vorliegenden Modellen ähnlich simuliert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann