#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Samstag, den 18.09.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 18.09.2021 um 10.30 UTC

Anfangs ruhiges Wetter, ab Donnerstag unbeständiger, insgesamt unsichere
Entwicklung, vom aktuellen Lauf gezeigte Sturmlage in dieser Form aber eher
unwahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 25.09.2021

Am Dienstag, zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, befinden sich
weite Teile Deutschlands unter dem Einfluss eines Höhenrückens, dessen vom
Atlantik über England bis nach Norddeutschland weist. Dieser Rücken stützt eine
Antizyklone am Boden, die für das Wettergeschehen hierzulande zwei kleine
Schwachstellen aufweist. Zum einen wäre da eine Warmfront über Westschweden und
der westlichen Ostsee, die an der Ostseeküste hier und da ein paar Tropfen Regen
bringen kann. Und zum anderen findet man über dem Alpenraum relativ tiefen
Luftdruck, gepaart mit einem Höhentief an der Côte d’Azur, sodass es südlich der
Donau ebenfalls ein paar Spritzer geben könnte. Gegenüber dem gestrigen
00-UTC-Lauf sind die Mengen aber wesentlich zurückgerechnet worden. Bei 850
hPa-Temperaturen zwischen knapp unter 0 °C in Sachsen und etwa 7 °C im äußersten
Süden dürfte ein Überschreiten der 20 °C-Marke schwierig werden.

Am Mittwoch stößt von Island aus ein breiter Trog in Richtung der Britischen
Inseln vor. Dabei stellt sich, nachdem die Achse des o.e. Höhenrückens den
äußersten Süden Deutschlands erreicht hat, eine überwiegend westliche
Höhenströmung ein. Auch in der unteren Troposphäre und am Boden dreht der Wind
auf Richtungen um West, sodass die T850 auf Werte zwischen 4 und 9 °C ansteigen
kann. Dabei setzt Druckfall ein, wenngleich noch schwacher
Hochdruckdruckeinfluss dominiert, sodass zunächst keine Niederschläge auftreten.
Auf der Vorderseite des Troges findet man jedoch ein teilokkludiertes
Frontensystem, das zu einem Tief auf halbem Wege zwischen Island und Svalbard
gehört. Dieses Frontensystem erreicht in der Nacht zum Donnerstag die Deutsche
Bucht und am Morgen schließlich auch das Festland. Damit einhergehend fällt im
Nordwesten teils schauerartig verstärkter Regen, im Nordseeküstenumfeld kann mit
Frontdurchgang der Wind in Böen steif bis stürmisch auffrischen.

Am Donnerstag kommt die Front noch etwas weiter landeinwärts voran, sodass es
nördlich einer Linie von der Kölner Bucht bis zur Uckermark gelegentlich regnet.
Ganz im Norden regnet es auch mal längere Zeit, dazu aber unten mehr. Dann gilt
es jedoch den Blick in Richtung der Britischen Inseln zu werfen, wo
korrespondierend mit einem Sekundärtrog bereits das nächste Tief in den
Startlöchern steht, das es auch faustdicker hinter den Ohren hat. Immerhin
beträgt der Kerndruck knapp nördlich der Hebriden mittags unter 980 hPa. Mit
weiterer Ostverlagerung des Tiefs zur Nordsee und weiterem Druckfall nimmt
hierzulande der Gradient zu, sodass es vor allem im Westen (z.T. auch
Nordwesten) und in den Leelagen von Harz und Thüringer Wald zu steifen, mitunter
stürmischen Böen kommt. Die Warmfront dieses Tiefs geht in die vorausgegangene
Front Kaltfront/Okklusion über, sodass es etwa nördlich 53,5 Grad nördlicher
Breite längere Zeit regnet. Die 850 hPa-Temperaturen liegen zwischen 5 und 9 °C.

In der Nacht zum Freitag verlagert sich das Tief von den Forties in die
westliche Deutsche Bucht. Dabei nimmt der Gradient weiter zu, was auch daran zu
spüren ist, dass die Kaltfront des Tiefs zum Tageswechsel noch im äußersten
Nordwesten, am Morgen jedoch auf einer Linie vom Oderbruch bis zum Oberrhein
liegt. Wenn diese Lösung so käme, haben wir hierzulande den ersten richtigen
Herbststurm, denn dann gäbe es mit Ausnahme des Südostens verbreitet stürmische
Böen oder Sturmböen, an der Nordsee und auf den Bergen auch schwere Sturmböen
oder orkanartige Böen. Für das richtige Herbstfeeling sorgt dann noch der
schauerartige Regen. Wenngleich dieser recht schnell durchzieht, lässt sich
nicht ganz ausschließen, dass punktuell das mehrstündige Starkregenkriterium
(>20 mm/6 h) erreicht wird. Steigt im Warmsektor die Temperatur noch einmal
teils über 10 °C an, geht sie hinter der Kaltfront umso stärker zurück – sie
liegt am Freitagmorgen im Nordwesten nur noch knapp über 1 °C. Postfrontal gibt
es dazu durch den nachrückenden Trog (abgeschlossenes Höhentief südlich von Kap
Lindesnes) vor allem im Nordwesten Schauer, mit etwas „Glück“ auch ein kurzes
Gewitter.

Am Freitag überquert das Tief nach Lesart des aktuellen IFS-Laufes mit einem
Kerndruck von unter 975 hPa die Kimbrische Halbinsel. Der daraus resultierende
kräftige Gradient sorgt weiterhin für ruppigen Wind, der im Süden mit
überwiegend steifen bis stürmischen, sonst häufig (schweren) Sturmböen
daherkommt. An der See wären demnach auch orkanartige Böen drin, von den
exponierten Bergen ganz zu schweigen. Die Kaltfront des Tiefs ist zum
Mittagstermin schon nach Österreich abgezogen, im nachfolgenden Trog (T500
zwischen -19 und -24 °C, T850 zwischen +2 und +5 °C) gibt es (teils kräftige)
Schauer und möglicherweise auch einzelne Gewitter. In der Nacht zum Samstag
schwenkt dann die Achse des Troges über Deutschland hinweg. Dabei gibt es
zunächst zahlreiche Schauer, im Süden stößt jedoch der Keil des Azorenhochs vor
und sorgt für eine allmähliche Wetterberuhigung.

Am Samstag bildet sich über Frankreich und der Südhälfte Deutschlands ein
abgeschlossenes Bodenhoch. Die Achse des korrespondierenden Höhenrückens ist
jedoch noch zu weit westlich, sodass es zumindest gebietsweise weitere, meist
schwache Schauer gibt. Erst zum Abend erreicht die Achse den Nordwesten, in der
Nacht zum Sonntag bleibt es dann überwiegend niederschlagsfrei. Einzig im
äußersten Norden könnte die Warmfront eines Tiefs südlich von Island ein wenig
Regen bringen. Die T850 liegt bei frischen 1 bis 2 °C.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neueste Lauf des IFS bringt zwar keine grundsätzlich neuen Ideen, jedoch ist
die Positionierung der Protagonisten eine ganz andere. Es ist schon markant,
dass der neueste Lauf das Tief am Donnerstag/Freitag nun nicht mehr östlich der
Hebriden, sondern etwa 700 km weiter südlich rechnet, was nicht nur für einen
kräftigeren Gradienten hierzulande, sondern auch für ein schnelleres
Durchdrücken der Kaltfront sorgt. Auch befinden wir uns am Freitag unter viel
ausgeprägterem Trogeinfluss. Kurzum: Bis Mittwoch ist alles relativ sicher,
danach bleibt es abzuwarten, was passiert. Allerdings scheint die Entwicklung,
wie sie vom heutigen 00-UTC-Lauf gezeigt wird, auch nicht besonders
wahrscheinlich, wie auch der Vergleich mit den anderen Globalmodellen zeigt
(siehe unten).

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Am Dienstag und Mittwoch fahren IFS, ICON und GFS eine ähnliche Schiene. Ab
Donnerstag divergieren die Lösungen dann sehr stark, ICON ist mit dem
Kaltfrontdurchgang zeitlich sogar noch progressiver, das Tief liegt dort Fr 00
UTC sogar schon über dem Limfjord, allerdings mit einem Kerndruck von nur etwa
991 hPa. Entsprechend schwächer fällt der Gradient aus. Beim GFS gibt es gar
kein abgeschlossenes Tief, sondern nur einen Bodentrog, der ab Freitag über den
Norden hinwegziehen soll. Die vom IFS gezeigte allmähliche Wetterberuhigung am
Samstag findet man beim ICON gar nicht, vielmehr erreicht dort von Westen her
bereits das nächste Tief die Mitte Deutschlands. Bei GFS bringen Frontenreste
noch etwas Regen. Also: Nichts genaues weiß man nicht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigen
hinsichtlich der 850 hPa-Temperatur für die mittleren und südlichen Landesteile
bis Mittwoch, für den Norden nur am Dienstag einen einigermaßen gebündelten
Verlauf der Kurvenschar. Danach divergieren die Lösungen stärker, wobei sich
insgesamt gesehen ein Anstieg bis zum Donnerstag und dann ein mehr oder minder
starker Abfall am Freitag erkennen lässt. Dass um diese Tage herum eine
Kaltfront durchgehen wird, scheint also relativ sicher, aber das Timing ist noch
unklar. Auch beim Geopotenzial lässt sich eine zyklonale Delle verbuchen, die
ihren Tiefpunkt ab Freitag hat. Haupt- und Kontrolllauf sind dabei am unteren
Ende aller Lösungen, was dafür spricht, dass diese sehr weit südliche Lösung
doch ziemlich extrem ist. Die wahrscheinlichste Lösung liegt doch 10 bis 15
gpdam darüber. Die ab Donnerstag/Freitag vorhandenen Niederschlagssignale eilen
zum Teil des Ensembles voraus, was ebenfalls dafür spricht, dass die Front nicht
so schnell durchgedrückt wird.

Beim Clustering gibt es für den Zeitraum von Dienstag bis Mittwoch (T+72…96h)
drei Cluster, die mit 24, 20 und sieben Membern besetzt sind und dem
Blocking-Muster zugeordnet werden. Haupt- und Kontrolllauf korrespondieren mit
dem ersten Cluster. Am Dienstag zeigen sich für Mitteleuropa keine wirklich
prognoserelevanten Unterschiede. Am Mittwoch jedoch zeigt der dritte Cluster
über dem östlichen Mitteleuropa (inkl. unserer östlichen Landesteile)
zyklonalere Strukturen als die ersten beiden Cluster. Das ist eine ähnliche
Lösung wie der gestrige 12-UTC-Lauf des GFS. Daraus könnte auch der
Niederschlagspeak eines Members für den Mittwoch in Berlin resultieren. Mehr ist
dort aber nicht rauszuholen.
Für den Zeitraum von Donnerstag bis Samstag (T+120…168h) findet bei vier von
fünf Clustern eine Umstellung auf das Muster einer positiven NAO statt, bei
einem Cluster auf das Muster „atlantischer Rücken“. Die Cluster sind mit 16,
zweimal zwölf, acht und drei Membern besetzt, wobei Haupt- und Kontrolllauf mit
dem zweiten Cluster korrespondieren. Diese unterscheiden sich – wen wundert es –
in der Intensität und Positionierung des Tiefs. Unterstützung erfährt der zweite
Cluster dabei durch den fünften Cluster, während die anderen Cluster deutlich
defensiver sind, der dritte Cluster zeigt zum Samstag sogar eine zonale Lage.
Kurzum: Was ab Donnerstag passiert, ist noch sehr unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag und Mittwoch gibt es wahrscheinlich keine signifikanten
Wetterereignisse. Ob die vom aktuellen IFS-Lauf angepriesene Sturmlage ab
Donnerstag so kommt, darf angezweifelt werden. Am wahrscheinlichsten ist, dass
es im Norden und im Bergland stürmische Böen und an der Nordsee Sturmböen gibt.
Ob es tatsächlich Gewitter gibt (die dann markant zu bewarnen wären), hängt
schlussendlich von der Positionierung und Konfiguration des Troges ab, die zum
jetzigen Zeitpunkt aber unsicher ist.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMix

VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach