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SXEU31 DWAV 161800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 16.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute Abend/Nacht im Südosten abklingender, teils gewittriger Starkregen.
Folgetage im Nordosten unbeständig, sonst freundlich. Nächte teils dichter
Nebel. Küsten zeitweise böiger Wind.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … bestimmt ein Höhentrog das Wetter in vielen Bereichen Deutschlands.
Dieser liegt über Dänemark und zieht in der kommenden Nacht zum Freitag in den
gesamten Norden und Osten Deutschlands. Daran gekoppelt ist eine
Bodentiefzirkulation, die gegen 12 UTC Schleswig-Holstein erreicht hat und nun
unter Abschwächung weiter nach Südost zieht. Dank der Reibung und fehlender
latenter Wärme der warmen See sollte sich das Tief über Land allmählich
abschwächen und in einer umfangreichen Bodentiefdruckrinne aufgehen, die sich
von Nordostdeutschland über Polen bis nach Ungarn erstreckt.

Somit verläuft das Wetter in weiten Bereichen Deutschlands zyklonal geprägt mit
vielen dichten Wolkenfeldern, die besonders im Norden immer wieder schwache
Schauer bringen. Etwas kräftiger können diese über Schleswig-Holstein, Hamburg
und Mecklenburg ausfallen, wo die PPWs nochmals auf knapp 30 mm ansteigen (Reste
des latenten Wärmeflusses über der See). Meist trocken sollte der späte
Nachmittag und Abend in einem Streifen vom Saarland über Thüringen bis nach
Brandenburg verlaufen.
Etwas anders sieht es hingegen im Süden und da besonders zwischen Donau und
Alpenrand sowie entlang des Bayerischen Waldes und Erzgebirges aus. Hier findet
noch eine träge Kaltfrontpassage statt. Dank präfrontaler PPWs von 29 bis 35 mm
und etwas Labilität liegt hier der Fokus bei kräftigen Schauern mit Starkregen,
vereinzelt auch gewittrig. Im ICON-D2 EPS sind die Signale für markante
Stundenmengen mit 30 bis 40 % recht hoch, verbleiben jedoch für unwetterartige
Mengen bei lokal rund 10%. Ähnlich sieht es bei den 6-std. Mengen aus. Dies
steht auch im Einklang mit dem aktuellen Radarbild (12:15 UTC), das eine rasche
Verclusterung der Schauer und Gewitter zeigt. Dennoch sollte man nicht
überrascht sein, wenn man lokal eine Unwetterwarnung ziehen muss (dank
Zellinteraktion oder Orografie). Die Niederschläge ziehen sich zum Abend immer
mehr an die Gebirge zurück.

Bleibt noch der Wind zu erwähnen, der dank eines etwas kräftigeren Gradienten
und einer Durchmischung bis 950/900 hPa der Deutschen Bucht sowie den
entsprechenden Küstenabschnitten bis in den Abend wiederholt Böen Bft 7 aus
Nordwest beschert, vielleicht exponiert anfangs auch noch eine Bft 8. Abgesehen
davon spielt der Wind aus West bis Nordwest keine Rolle. Die abendlichen
Temperaturwerte liegen bei rund 16 bis 20 Grad, in den Kammlagen nur etwas über
10 Grad.

In der Nacht zum Freitag klingen die Niederschläge am Alpenrand dank zunehmender
Divergenz in der Höhe und anhaltender Staukomponente nur zögernd ab. Große
Niederschlagsmengen werden mit 10 bis 15 l/m²/12h in der Fläche nicht mehr
erwartet. Anfangs kann jedoch noch strichweise konvektiv verstärkter
Niederschlag die Niederschlagsmengen lokal höher ausfallen lassen (ICON-D2
strichweise mit 20 bis 35 l/m²/12h).
Auch im Umfeld der Höhenkaltluft (rund -18 Grad in 500 hPa) dauern die Schauer
im Nordosten die Nacht über an und können lokal auch kräftiger Natur sein. Aber
selbst im EPS sind keine Signale für markante Stundenmengen zu sehen (abgesehen
von Rügen mit grenzwertigen Wahrscheinlichkeiten für punktuell mal 15 l/m²/h).
In den Westen und Südwesten wandert derweilen ein schwacher Bodenkeil, der für
eine durchgreifende Wolkenauflockerung besonders im Südwesten gut ist.
Allerdings bilden sich eben dort dank der guten Ausstrahlung im Verlauf der
Nacht teils dichte und ausgedehnte Bodennebelfelder mit Sichtweiten von unter
150 m.
Der Nordwestwind schwächt sich im Umfeld der Deutschen Bucht ab und frischt nun
zunehmend im Umfeld der Ostsee stark böig auf. Auf dem Brocken sind einzelne
stürmische Böen aus West bis Nordwest möglich.

Freitag … wölbt sich von Frankreich ausgehend ein Keil über Benelux zur
Nordsee auf, während der Trog über Nordostdeutschland/Nordwestpolen abtropft und
sich weiter nach Südosten verlagert. Besonders der Nordosten/Osten bleibt somit
ganztags unter zyklonal geprägtem Einfluss mit wiederholten Schauern zwischen
Berlin und Rügen. Ein zweites Gebiet mit Schaueraktivität kristallisiert sich am
Nachmittag vom westlichen Niedersachsen bis zum Erzgebirge heraus. Dort führt
anhaltende Bodenkonfluenz zu erhöhter Grenzschichtfeuchte mit einer Schliere
etwas höherer Labilität, die im Tagesverlauf mit etwas Einstrahlung für einige
Schauer gut ist. Abgesehen davon verläuft der Tag im Süden sehr freundlich und
trocken, allerdings müssen sich dort die teils sehr zähen Bodennebelfelder erst
einmal auflösen, was lokal bis zum Mittag dauern kann.
Die Höchstwerte verbleiben im Nordosten bei verhaltenen 16 bis knapp 20 Grad und
liegen sonst bei 19 bis 24 Grad. Der nordwestliche Wind frischt im Nordosten
zeitweise mäßig oder leicht böig auf, mit einzelnen Böen Bft 7 im Küstenumfeld.
Auf exponierten Bergspitzen, wie dem Brocken, sind einzelne stürmische Böen
möglich.

In der Nacht zum Samstag fallen die Schauer über der Mitte rasch in sich
zusammen, während sie im Osten dank der Nähe zum Höhentief weiter andauern.
Ansonsten erwartet uns in großen Bereichen Deutschlands eine ruhige und häufig
klare Nacht. Regional bilden sich erneut teils dichte Bodennebelfelder –
besonders über der Mitte und im Nordwesten dank des Feuchteeintrags der
nachmittäglichen Schauer.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 12 und 5 Grad, mit den geringsten Werten im
Umfeld der Eifel. Bodennah können dabei die Werte im Südwesten und im
Eifelumfeld auf +4 oder +2 Grad zurückgehen.

Samstag … wölbt sich der Keil unter geringer Ostverlagerung weiter nach Norden
auf und bildet zum Abend über Norwegen/Schweden eine eigenständige
Höhenhochzelle. Flankiert wird diese Antizyklone von dem umfangreichen Höhentief
über Polen, das nur wenig Boden nach Osten gut gemacht hat und in der Höhe
erneut weite Bereiche Deutschlands mit einer zyklonalen Höhenströmung
beeinflusst. Zudem nähert sich ein über Frankreich abtropfendes Höhentief dem
Südwesten Deutschlands an, bringt aber dem Südwesten bis zum Abend außer etwas
dichterer Bewölkung noch keinen Niederschlag (abgesehen vom GFS, das bereits
einzelne Schauer und Gewitter über dem Schwarzwald andeutet, allerdings auch das
aggressivste Modell bzgl. der Ostverlagerung ist).

Ansonsten dauern im gesamten Norden und Osten die Schauer an und breiten sich im
Tagesverlauf sogar noch etwas nach Westen aus. Warnwürdige Mengen werden aber
keine erwartet.
Im Westen und Süden wird nach Auflösung teils zäher Bodennebelfelder erneut ein
freundlicher Tag erwartet.
Die Höchstwerte liegen im Nordosten weiterhin bei 16 bis knapp 20 Grad und sonst
bei 20 bis 24 Grad. Der Nordostwind weht schwach, in Schauernähe im Nordosten
zeitweise auch mäßig mit einzelnen Windböen auf Rügen.

In der Nacht zum Sonntag verbleiben wir zwischen den beiden genannten Höhentiefs
in einem sehr gradientarmen Raum, sodass sich an der allgemeinen Wetterlage
nicht viel ändert. Eine Ausnahme bildet das französische Höhentief, das nun
zunehmend die Schweiz erfasst und daher den Südwesten stärker beeinflussen
dürfte.

Die Schauer vom Tage driften die Nacht über unter Abschwächung vom Nordosten in
die nördliche Mitte, wobei die Numerik dahingehend jedoch stark streut.
Letztendlich muss noch abgewartet werden, wie kräftig der Hebungsantrieb
ausfällt.
Im Südwesten breitet sich dichte Aufgleitbewölkung aus und zwischen
Hochschwarzwald und Bodensee kann auch etwas Regen fallen. Allerdings wird sich
gerade bei zwei Höhentiefs mit entsprechender Unsicherheit dahingehend
sicherlich noch das Eine oder Andere ändern.
Mit der aktuellen Geometrie im Geopotenzialfeld würde die Nacht von NRW bis
Bayern meist klar und trocken, jedoch teils neblig verlaufen.

Die Tiefstwerte liegen zwischen 11 und 6 Grad.

Sonntag … nehmen die Unsicherheiten besonders mit Blick auf die Entwicklung
der Höhentiefs rasch zu. Zwar bringen alle Modelle das französische Höhentief
sukzessive weiter nach Osten in Richtung Österreich/Norditalien. Es gibt jedoch
große Diskrepanzen mit Blick auf die Geometrie des Troges, was bei der
Betrachtung der Hebung größere Fragezeichen aufwirft.
Während ICON skaligen Niederschlag auf den gesamten äußersten Süden ausweiten
lässt (Hochschwarzwald bis Alpenvorland), werden nach GFS alle Bereiche südlich
der Donau und laut IFS der gesamte Westen und Süden von Niederschlägen erfasst.
Dabei kann es zeitweise auch mit mäßiger Intensität regnen.
Als ausgleichende Gerechtigkeit kann man die Druckentwicklung über dem Norden
Deutschlands ansehen, wo der bis dahin dominante zyklonale Einfluss rasch
nachlässt und die umfangreiche Antizyklone über Skandinavien das Zepter in die
Hand nimmt. Ein freundlicher und trockener Tag steht an, wenngleich die
Unsicherheit auch hier noch vorhanden ist, wieviel Bewölkung von Süden auf den
Norden übergreifen kann.

Die Höchstwerte liegen zwischen 16 und 20 Grad und der Wind weht schwach bis
mäßig aus Ost bis Nordost (mit einzelnen Windböen Bft 7 entlang der Südflanke
der Bodenantizyklone über Helgoland).

Modellvergleich und -einschätzung

Bis einschließlich Samstag sehen die Modelle die Entwicklung auf
synoptisch-skaliger Ebene sehr ähnlich.
In der Folge nehmen jedoch die Unsicherheiten mit der Ostverlagerung eines
Höhentiefs über Frankreich zu. Besonders GFS ist etwas aggressiver bei seiner
Ostverlagerung, allerdings stellt eher die unterschiedliche Geometrie im
Geopotenzialfeld zum Sonntag das größten Vorhersageproblem dar.
GFS bietet in den vergangenen 4 Modellläufen noch recht variable Lösungen bei
der genauen Lage der Höhentiefs an und auch ein dritter Abtropfprozess über dem
offenen Nordostatlantik wird noch unsicher gehandhabt. Ähnliches ist bei den
letzten 4 Modellläufen von IFS/ICON zu sehen. Für ein blockierendes
Strömungsmuster (Antizyklone über Skandinavien) und 2 bis 3 Höhentiefs sind die
Diskrepanzen zwar gering, für die Bestimmung der Niederschlagsverteilung am
Sonntag über Süddeutschland jedoch noch zu groß. IFS-EPS hilft z.B. mit
variabler Bodentiefentwicklung über den Seealpen und entsprechend inhomogener
Frontenlage zum Sonntag ebenfalls bisher wenig weiter. Da zudem kein interner
Modelltrend bei keinem der Modelle auszumachen ist, müssen notgedrungen noch
weitere Modellläufe abgewartet werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy