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SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 14.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Mittwoch örtlich starke Gewitter, Unwetter gering wahrscheinlich. Vereinzelt
auch Unwettergefahr durch teils mehrstündigen Starkregen. Am Donnerstag nur im
Südosten noch Gewitter möglich, sonst von Nordwesten Wetterberuhigung und etwas
kühler. Am Freitag meist keine markanten Wettererscheinungen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … Ein von Nordafrika ausgehender Höhenrücken hat mit seiner Achse
Deutschland erreicht und schwenkt bis Mittwochfrüh nach Niederösterreich und
Westpolen. Damit kommt ganz Deutschland auf die Vorderseite eines Troges über
Westeuropa, der weit nach Süden bis nach Portugal reicht, wo sich ein flaches
Cut-Off-Tief befindet. Der Nordteil des Troges kommt etwas zügiger nach Osten
voran und die Achse des Troges liegt um 06 UTC am Ärmelkanal und über der
Bretagne. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich über der westlichen Nordsee ein
weiteres Cut-Off-Tief. Mit der auf Südwest drehenden Höhenströmung gelangen im
Laufe der Nacht hohe und mittelhohe Wolken bis in den Osten und Norden
Deutschlands. Dort ist es nur anfangs klar. Das Regengebiet dehnt sich aber
lediglich bis auf ein Gebiet von Mecklenburg bis Thüringen aus, wobei aber nach
Osten hin nur geringe Mengen simuliert werden. Anders im Westen: Hier zeigen die
Globalmodelle immerhin Mengen zwischen 2 und 9 mm und örtlich 10 bis 15 mm an.
Euro4 und ICON-D2 simulieren punktuell Starkregenmengen zwischen 15 und 30 mm in
kurzer Zeit, ganz vereinzelt sogar Mengen im Unwetterbereich. Die
Wahrscheinlichkeiten für Unwetter-Regenmengen sind im nördlichen Rheinland-Pfalz
und im westlichen NRW leicht erhöht (ICON-D2-EPS). Die Tiefstwerte sind meist im
sommerlichen Bereich und liegen zwischen 10 Grad im Bayerischen Wald und 17 Grad
im Rheinland. Der Wind weht abgesehen von Gewitterböen meist nur schwach und
dreht auf Süd bis Südwest, nur im Nordosten kommt er weiter aus Ost bis Südost.

Mittwoch … erreichen Höhentief und Bodentief, die inzwischen fast
achsensenkrecht geworden sind, das Seegebiet Fischer und verlagern sich damit
nur wenig nordostwärts. Der Rücken wird vollends nach Südosteuropa abgedrängt
und Deutschland liegt damit durchweg in einer südwestlichen Höhenströmung, in
der kurzwellige schwache Troganteile nordostwärts ablaufen. Die schwül-warme
gewitterträchtige Luft breitet sich dabei bis zum Abend bis zur Oder und nach
Niederbayern aus. Die nachrückende Kaltfront erreicht um 18 UTC lediglich den
äußersten Westen und Nordwesten, was dann dort zur Stabilisierung führen dürfte.

Die Troposphäre ist inzwischen von Südwesten deutlich besser durchfeuchtet und
so steigt PPW auf 35 bis 40 mm, lediglich im Süden örtlich nur auf 30 mm. Dabei
entwickelt sich ML-Cape zwischen 300 und 600 J/Kg, in Südostbayern auch bis
knapp über 1000 J/Kg. Bei strömungsparallelen Verhältnissen müssen somit nicht
nur lokale kräftige Gewitter mit Starkregen und kleinkörnigem Hagel (auch
Ansammlungen möglich!), vielleicht auch mal einer Windböe ins Kalkül gezogen
werden, sondern auch unwetterartiger (teils mehrstündiger) Starkregen mit Mengen
zwischen 25 und 40 binnen einer Stunde, bzw. um 70 in wenigen Stunden. C-D2 EPS
arbeitet vor allem einen Streifen heraus, der von Rheinland-Pfalz nordostwärts
bis Mecklenburg-Vorpommern reicht. In diesem Streifen sind Wahrscheinlichkeiten
zwischen 20 und 40, lokal bis 60% für mehr als 20 l/qm binnen 6 Stunden
angesiedelt. Auch lokale Wahrscheinlichkeiten zwischen 5 und 15, vereinzelt bis
35 Prozent für mehr als 35 l/qm in 6 Stunden kann man erkennen. Punktuell sieht
man beim Maximum von ICON-D2-EPS 100 l/qm im Raum Hamburg am Nachmittag. Super
HD zeigt Unwetter-Regenmengen dagegen um die Mittagszeit herum im Raum
Nordhessen und am Nachmittag kaum noch. Das Starkregenpotential ist allemal da
und eine (teils mehrstündige) markante Lage mit einzelnen Unwetterspots
wahrscheinlich. Wo genau, kann voraussichtlich erst im Nowcasting geklärt
werden. Ob sich wie von C-D2 angedeutet im Alpenvorland sogar einzelne
Superzellen entwickeln könnten, bleibt ebenfalls noch abzuwarten.

Trotz der häufig starken Bewölkung wird sich die Sonne ab und an mal
durchkämpfen können und das schwül-warme Empfinden der 21 bis 27 Grad noch
steigern.

In der Nacht zum Donnerstag schwenkt der Trog unter Abschwächung zur westlichen
Ostsee, ein weiterer Troganteil schwenkt von den Britischen Inseln zur
westlichen Nordsee und der nach Süden ´durchhängende´ Trog kommt über Frankreich
nur langsam ostwärts voran. Deutschland liegt damit noch immer auf dessen
Vorderseite. Allerdings setzt zeitgleich mit Vorstoß eines neuen Keils in
Richtung Irland Druckanstieg vom Englischen Kanal her ein, der den Nordwestwind
an der Südflanke des über Dänemark ostwärts ziehenden Tiefs aufleben lässt
(verbunden auch mit einzelnen Windböen 7 Bft auf den Nordseeinseln) und damit
den Schub der Kaltfront anfacht. So erreicht diese bis zum Morgen eine Linie
Odermündung – Südhessen, womit der Nordwesten in den Bereich kühler Meeresluft
gelangt mit T850 unter 8 Grad. Postfrontale lockert die Bewölkung allerdings nur
zögerlich auf.

Schauerartige, teils gewittrig verstärkte Regenfälle konzentrieren sich zunächst
auf die Mitte, in der 2. Nachthälfte auf eine Linie Nordbaden-Lausitz (Also im
frontalen Bereich oder etwas davor). Auch hier muss man weiterhin markanten
Starkregen mit mehr als 20 l/qm binnen 6h auf der Agenda haben. Die
Unwettersignale nehmen aber vor allem zur zweiten Nachthälfte hin deutlich ab.

Im äußersten Südosten sind auf der warmen Seite vor allem in der ersten
Nachthälfte noch Gewitterkomplexe unterwegs. Es bleibt noch mild mit
Tiefstwerten zwischen 18 und 12 Grad.

Donnerstag … zieht das Tief über die Südspitze Schwedens nur sehr langsam
ostwärts. Zum Nachmittag stößt von der Nordsee etwas höhenkältere Luft (T500
unter -15 Grad) in den Nordwesten und äußersten Norden vor und löst einzelne
Schauer aus. Da der Wind im Norden Schleswig-Holsteins und an der Nordsee
ohnehin Bft 7 in Böen erreicht, kann es in Schauernähe auch mal die ein oder
andere stürmische Böe Bft 8 geben.
Die Kaltfront erreicht unterdessen den Südosten von Deutschland, womit der
Starkregen-/Gewitterbereich nach Südosten hin kleiner wird. Der breit angelegte
Trog über Südfrankreich und Alpenraum in Tateinheit mit der frontal bedingten
Hebung liefert aber weitere Impulse, dass konvektive Umlagerungen nicht auf
wenige Regionen beschränkt bleiben und man vor allem zum tagesgangbedingten
Maximum am Nachmittag des Öfteren „ocker“, vereinzelt „rot“ aufgrund heftigen
Starkregens ins Kalkül ziehen sollte.

Im großen Rest des Landes sind Schauer die Ausnahme und die Wolken lockern im
Tagesverlauf immer mehr auf. In der eingeflossenen kühleren Meeresluft werden
angenehme 19 bis 23 Grad erreicht.

In der Nacht zum Freitag wird der Regen nach Südostbayern abgedrängt und mit dem
auf Nordwest drehendem Wind entsteht vorübergehend eine Staukomponente. Damit
werden in den Alpen örtlich Dauerregenmengen über 25 mm in 12 Stunden berechnet.
Ansonsten ist es in weiten Gebieten trocken und teils klar. Nur an der See und
im Nordosten bleibt es noch wechselnd bewölkt mit einzelnen Schauern. Es wird
deutlich kühler als in den Vornächten bei 8 bis 13 Grad, an der See 15 Grad.

Freitag … zieht der Höhentrog endgültig nach Polen und Ungarn ab. Damit nähert
sich von Westen ein Höhenrücken, dessen Achse zum Abend die mittlere Nordsee und
Benelux erreicht. Dort entwickelt sich sogar ein kleines abgeschlossenes
Höhenhoch. Auf der Vorderseite des Rückens steigt bei uns auch der Luftdruck, so
dass sich eine Hochdruckbrücke vom Nordskandinavienhoch bis zum schwächeren Hoch
über den Alpen bei uns bildet. Entsprechend lassen im Alpenraum die Schauer nach
und zeitweise scheint die Sonne. Im Tagesverlauf bilden sich aber vor allem in
der Mitte und im Norden neue Quellwolken und im Nordosten fallen in Trognähe
noch einzelne Schauer. Die eingeströmte Meeresluft ist frischer als an den
Vortagen mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 6 Grad im äußersten Norden und 10
Grad ganz im Süden. Damit liegen die Höchstwerte zwischen 18 Grad in
Mecklenburg-Vorpommern und 23 Grad im Südwesten.
Der Wind ist im Nordosten noch recht kräftig mit 5er und 6er Böen. An der Ostsee
sind exponiert auch steife Böen aus West bis Nordwest möglich.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumige Entwicklung wird auch von den externen Modellen ähnlich
berechnet.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden