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SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 13.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
In der Nacht stellenweise Nebel. Ab dem späteren Dienstagnachmittag im Südwesten
erste Schauer und vereinzelt starke Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … wölbt sich ein umfangreicher Höhenrücken vom nördlichen Afrika über
den westlichen Mittelmeerraum bis nach Mitteleuropa, der sowohl im Westen als
auch im Osten durch zwei Langwellentröge begrenzt wird. Die Achse des für das
zukünftige Wettergeschehen bei uns interessanteren Troges verläuft dabei von
Irland bis nach Madeira. Der Rücken sowie die durch den Trog induzierte
Warmluftadvektion stützt noch etwas die vom Europäischen Nordmeer über
Mitteleuropa zum westlichen Mittelmeer reichende Hochdruckzone. In der Nacht zum
Dienstag schiebt sich die Divergenzachse des Rückens nur leicht ostwärts und
befindet sich in den Frühstunden des Dienstags über den östlichen Landesteilen.
Südlich der Donau ist die Luftmasse etwas labiler geschichtet als in der Mitte
und im Norden des Landes, vom Hochrhein bis zum Berchtesgadener Land werden
CAPE-ML-Werte von bis zu 400 J/simuliert. Abseits der alpinen Bereiche ist die
Luftmasse aber recht gut gedeckelt und in Kombination mit Absinken dürfte sich
abseits der Berge keine Schauer und Gewitter mehr neu bilden. Im Süden und der
Mitte verläuft die Nacht klar oder gering bewölkt, WLA-bedingte dünne hohe oder
mittelhohe Wolkenfelder dürften die Ausstrahlung zunächst nicht wesentlich
beeinflussen. Erst in der zweiten Nachthälfte können die Wolken im Südwesten
etwas dichter werden. Nebelfelder sind aber stellenweise trotzdem
wahrscheinlich, durchaus auch mit Sichtweiten unter 150 m. Im Norden hält sich
die hochnebelartige Bewölkung (St) oder weitet sich etwas aus. Dies führt zu
Tiefstwerten zwischen 13 und 7 Grad, an der Nordsee bleibt es etwas milder. Der
Wind spielt keine große Rolle und dreht aufgrund des im Westen beginnenden
leichten Druckfalles auf östliche bis südöstliche Richtungen.

Dienstag … verlagert sich der Höhenrücken nur unwesentlich weiter ostwärts,
allerdings weitet sich dieser noch ein wenig nach Norden zum südlichen
Skandinavien aus und verstärkt sich damit vorübergehend. Ein in den
westeuropäischen Langwellentrog integriertes Höhentief zieht im Tagesverlauf von
Irland in Richtung England und korrespondiert dabei mit einem kleinen Bodentief
(Kernisobare 1010 hPa) über der Bretagne. Dieses wiederum ist Bestandteil einer
von dort bis nach Portugal reichenden Tiefdruckrinne. Über Mitteleuropa
verstärkt sich damit die WLA nochmals, nur der äußerste Norden ist davon weniger
betroffen. In 850 hPa steigen die Temperaturwerte auf 16 Grad im den alpennahen
Regionen und 10 Grad entlang der Küste. Die zunächst nur aus dünnen hohen und
mittelhohen Wolkenfeldern bestehenden Bewölkungsverhältnissen lassen durchaus
viel Sonnenschein zu, sodass in weiten Teilen der Mitte und des Südens die
sommerliche Marke von 25 Grad deutlich überschritten werden kann. Die absoluten
Höchstwerte dürften im Südwesten mit örtlich möglichen 29 Grad erreicht werden.
Nördlich der zentralen Mittelgebirgsschwelle sind es meist 20 bis 24 Grad, an
der See knapp unter 20 Grad. Unsicherheitsfaktoren bei den Tageshöchstwerte sind
natürlich wieder die Nebelfelder aus der Nacht, die aber in der zunächst nicht
mehr allzu feuchten Luft im Süden und der Mitte rasch aufgelöst werden sollten.
Am längsten hält sich am ehesten im Nordosten etwas länger dichte Bewölkung. Im
Südwesten verdichten sich aber die Wolken mit Annäherung der Tiefdruckrinne,
sodass dort der Sonnenschein in den Nachmittagsstunden deutlich eingeschränkt
sein kann. Außerdem baut sich in der Mitte und im Süden im Tagesverlauf ein
CAPE-ML von 500 bis etwas über 1000 J/kg auf und die ppws steigen im Südwesten
auf Werte über 30 mm an. Die verbreitete Auslöse von Schauern und Gewittern wird
aber zunächst verhindert durch mäßig gedeckelte Verhältnisse sowie vor allem
durch das Absinken des weiterhin vorhandenen Höhenrückens. Zum späteren
Nachmittag und am Abend greift allerdings auf den Südwesten ein schwach
konturierter Kurzwellentrog des vorhin erwähnten Höhentiefs über Frankreich auf
das Saarland, RLP und des Westen Baden-Württembergs über. Dieser induziert die
bis dahin fehlende Hebung. Dadurch steigt von der Eifel bis zur Alb die
Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Schauern und vereinzelten Gewittern
sowie auch für solche, die von Frankreich her übergreifen. Das Hauptkriterium
für mögliche Gewitterwarnungen wird aufgrund der erhöhten ppws und der nur
mäßigen Zugeschwindigkeit der Starkregen sein (um 20 l/m²/h), dazu noch
kleinkörniger Hagel und steife bis stürmische Böen. Aufgrund der eher geringen
Scherungswerte (fehlende DLS; LLS bis 9 m/s) dürfte die Möglichkeiten für
Organisation beschränkt sein. Modellseitig gibt es noch größere Unterschiede
zwischen einer sehr progressiven Variante von GFS (Schauer und Gewitter am Abend
bereits im westlichen Bayern) und den recht gut übereinstimmenden Simulation von
ICON und IFS mit Niederschlagssignalen nur im Südwesten und Westen. Daher wird
letztere Variante favorisiert. Der Wind kommt weiter aus östlichen Richtungen
und ist meist schwach, am Abend dreht er im äußersten Südwesten auf Südwest.
In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich das Höhentief über England zur
südwestlichen Nordsee, das Bodentief erreicht den Ärmelkanal und greift in den
zweiten Nachthälfte auf die Küstengebiete Belgiens über. Die Advektion wärmerer
und feuchterer Luft weitet sich damit auf dessen Vorderseite auch in den Norden
und Osten Deutschlands aus, außerdem verstärken sich auch die Hebungsvorgänge
etwas. Die Schauer und vereinzelten Gewitter haben daher die Möglichkeit sich
auf die mittleren Regionen Deutschlands auszuweiten. Dabei nehmen die
Scherungswerte etwas zu, das maßgebliche Warnkriterium dürfte aber weiterhin der
Starkregen sein. Örtlich sehr begrenzte unwetterartige Mengen (mehr als 25 l/m²)
sind aufgrund der nochmals ansteigenden ppws nicht gänzlich ausgeschlossen.
Trocken bleibt es voraussichtlich von der Ostsee bis nach Ostsachsen sowie in
Südostbayern (allerdings leichte Modellunschärfen). Aufgrund der dichteren
Bewölkung verläuft die Nacht deutlich milder als die Vornacht, im Westen sinkt
die Temperatur teils nicht unter 16 Grad, entlang der östlichen Mittelgebirge
sind es immerhin noch über 10 Grad. Die Nebelwahrscheinlichkeit ist nur noch
gering und regional stark begrenzt.

Mittwoch … zieht das Bodentief weiter entlang der Küstenlinie der Niederlande
in Richtung Dänemark, gekoppelt ist dieses weiterhin mit dem Höhentief, das nun
von England auf die Nordsee zieht. Im Warmsektor des Tiefs bleibt die Zufuhr
warmer und feuchter Luft nach Mitteleuropa ungebrochen, induzierte Hebung sorgt
aber bereits von den Frühstunden weg für eine rege Schauer-, evt. auch schon
Gewittertätigkeit – die sich dann im Tagesverlauf steigert. Während die ppws
weiterhin hoch sind (deutlich über 30 mm, ist Labilität mäßig und Scherung nur
begrenzt vorhanden. Der Fokus dürfte demnach erneut beim Starkregen liegen,
wobei unwetterartige Mengen örtlich eng begrenzt möglich sind. Die
Windgeschwindigkeiten in 850 hPa nehmen etwas zu, sodass nun auch einzelne
stürmische Böen möglich erscheinen. Sonst bleibt der Wind deutlich unter den
Warnschwellen, nur in exponierten Küstenabschnitten der Ostsee sind ganz
vereinzelte steife Böen aus Ost nicht ausgeschlossen. Die Sonne ist deutlich
weniger zu sehen als am Vortag, für sonnige Abschnitte sollte es aber reichen.
Durch die fehlende Einstrahlung sind Höchstwerte über 25 Grad nur noch örtlich
erreichbar. Ein Fragezeichen besteht noch bei Zeitpunkt des Übergreifens der
nachfolgenden Kaltfront auf den Westen. GFS bietet weiterhin die progressivste
Variante, ICON und EZ sind ein paar Stunden nach hinten versetzt.
In der Nacht zum Donnerstag greift diese aber jedenfalls auf die westliche
Landeshälfte über, damit strömt dort etwas kühlere und stabilere Luft ein. Das
Bodentief wie auch das zunehmend weniger konturierte Höhentief (nun als
Kurzwellentrog zu bezeichnen) erreichen ausgangs der Nacht Dänemark. Die Schauer
und Gewitter werden im Laufe der ersten Nachthälfte den äußersten Osten und
Südosten erreichen und anschließend ostwärts abziehen bzw. von Nordwesten her
postfrontal zunehmend abklingen. In der zweiten Nachthälfte deutet sich zudem im
Süden eine leichte Wellenbildung an, sodass sich dort die schauerartigen
Niederschläge weiter halten können. Diesbezüglich wurden die Modellunterschiede
etwas kleiner. Bevorzugt im Nordwesten können sich Nebelfelder bilden, die
Tiefstwerte reichen von 17 Grad an der Ostsee bis 11 Grad in der Eifel.

Donnerstag … ist der Höhenrücken endgültig nach Südosteuropa abgedrängt und
Mitteleuropa befindet sich im Einfluss des nächsten Langwellentroges, dessen
Achse von der Nordsee über Zentralfrankreich bis zur Iberischen Halbinsel
verläuft. Das Bodentief befindet sich weiterhin knapp westlich von Dänemark und
lenkt kühle Meeresluft nach Deutschland. Die wellende Front beeinflusst den
Süden sowie Teile Sachsens mit schauerartigem, teils auch gewittrigem Regen.
Auch im Nordwesten kann es im Bereich eines Randtroges zu Schauern kommen. Sonst
verläuft der Tag häufig trocken mit kurzen sonnigen Phasen bei Maximalwerten
etwas über 20 Grad. Der Wind ist im Süden schwach, sonst mäßig aus West.
In der Nacht zum Freitag zieht die wellende Front über die Alpen nach Süden ab
und die Regenfälle in den alpennahen Bereichen werden deutlich schwächer,
klingen aber nur zögerlich ab. Im äußersten Norden kommt es unter einem
durchschwenkenden Randtrog und einer bodennahen, von der südöstlichen Nordsee
bis nach Polen reichenden Tiefdruckzone zu regional begrenztem schauerartigem
Regen. Im Westen und der Mitte kann sich stellenweise Nebel bilden.

Modellvergleich und -einschätzung

Zwischen den verschiedenen Modellen gibt es noch kleinere Unschärfen beim
genauen Timing, diese wurden im Text bereits ausgeführt. An der grundlegenden
Wetterlage der nächsten Tage bestehen aber keine Zweifel.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Mag.rer.nat. Florian Bilgeri