#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Sonntag, den 12.09.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 12.09.2021 um 10.30 UTC

Zur Wochenmitte Passage eines Randtroges mit teils kräftigen Schauern und
Gewittern. Ab Freitag allmähliche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 19.09.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagebereichs, am Mittwoch, wird Deutschland
von einem Randtrog erfasst, der von der Nordsee kommend über Dänemark und
Norddeutschland nach Osten zieht.
Im Bodenfeld interagiert der Trog mit einer Tiefdruckrinne und es entwickelt
sich ein Tiefdruckgebiet, das sich im Laufe des Mittwochs über Norddeutschland
ostwärts verlagert und Donnerstagfrüh bereits Nordpolen erreicht. Die Kaltfront
überquert am Mittwochabend den Norden und die Mitte Deutschlands allmählich
südostwärts, gerät dann aber über Süddeutschland ins Schleifen. Vorderseitig
kann es in schwülwarmer Luft (T850 hPa zwischen 10 und 14 Grad) vor allem im
Osten und Süden nochmals kräftige Gewitter geben, postfrontal gelangt deutlich
kühlere Meeresluft (T850 hPa in der Nacht zu Donnerstag zwischen 6 und 9 Grad)
in den Norden und Westen des Landes, in der sich nur noch einzelne Schauer
entwickeln. Bereits in der Nacht zum Donnerstag weitet sich ein Bodenhochkeil in
den Westen und in die Mitte des Landes aus.
Am Donnerstag findet erneut ein Trogvorstoß vom mittleren Nordatlantik ins
Seegebiet nordwestlich der Britischen Inseln statt. Vorderseitig wölbt sich ein
Höhenrücken über Westeuropa auf und erreicht in der Nacht zum Freitag Benelux,
die Nordsee und die Norwegische See. Stromab steilt die Höhenströmung vor allem
in der Nacht über dem Vorhersagegebiet etwas auf und ist zunehmend antizyklonal
konturiert. Das Bodentief zieht weiter Richtung Weißrussland bzw. Ukraine und
füllt sich allmählich auf. Somit gerät Deutschland in den Einflussbereich einer
Hochdruckbrücke, die vom Azorenhoch ausgehend über Frankreich und Benelux sowie
Mitteleuropa ostnordostwärts reicht und in ein sich verstärkendes Hoch über
Finnland bzw. der Ostsee mündet.
Die Kaltfront des abziehenden Tiefs schleift weiterhin über dem Alpenvorland, so
dass es vor allem südlich der Donau im Übergangsbereich zur wärmeren Luftmasse
weitere Schauer und Gewitter gibt. Ansonsten macht sich zunehmend der Einfluss
der Hochdruckbrücke bemerkbar und es gibt lediglich im Osten bzw. Nordosten noch
einzelne kurze Schauer, während sich sonst schon häufiger die Sonne durchsetzt.
Bei 850 hPa-Temperaturen zwischen 6 Grad im Nordosten und 12 Grad an den Alpen
bleibt es mäßig warm. Nachts klingen dann auch an den Alpen bzw. im Vorland die
Niederschläge ab.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag schwenkt der sich inzwischen bis nach
Skandinavien aufwölbende Höhenrücken mit seiner Achse über Deutschland hinweg
ostwärts. Die Achse des Troges über Nordwesteuropa erreicht in der Nacht zum
Samstag die Britischen Inseln.
Im Bodenfeld wird die Hochdruckbrücke über Mitteleuropa allmählich ein wenig
nach Osten abgedrängt, während sich das fennoskandische Hochdruckgebiet etwas
verstärkt. Von Westen her erreicht das Frontensystem eines mit dem Trog
korrespondierenden Tiefs bei Island die Britischen Inseln und greifen nachts auf
die Nordsee über. Im Vorhersagegebiet dominiert ruhiges Hochdruckwetter, wobei
sich vor allem an den Alpen sowie im Schwarzwald im Übergangsbereich zur später
wieder etwas Richtung Norden vordringenden wärmeren Luft weiter südlich noch
einzelne Schauer und Gewitter entwickeln. Bei T850 hPa zwischen 6 Grad im
Nordosten und 12 Grad im Südwesten wird es mäßig warm, im Südwesten warm.

Am Samstag verlagert sich der Höhentrog über die nördliche Nordsee und die
Norwegische See nordostwärts Richtung Mittel- bzw. Nordskandinavien. Ein Ableger
des Troges überquert als flacher Randtrog in 300 hPa das Vorhersagegebiet
ostsüdostwärts. Dahinter stellt sich eine eher antizyklonal konturierte
westliche Höhenströmung ein, wobei sich über Frankreich allmählich wieder ein
Höhenrücken aufwölbt. Am Alpenrand und in der Westhälfte entwickeln sich
tagesverlauf erneut einzelne Schauer oder Gewitter, während es in der Osthälfte
zunächst heiter bis wolkig und trocken bleibt. Erst in der Nacht zum Sonntag
greifen die Schauer und Gewitter auch auf die Osthälfte über. Bei einem
Temperaturniveau von 6 bis 12 Grad in 850 hPa wird es mäßig warm bis warm.

Am Sonntag weitet sich der Höhenrücken von Frankreich her nach Deutschland hin
aus, während sich über den Britischen Inseln ein neuer Trog etabliert.
Somit herrscht in Deutschland zunächst freundliches Hochdruckwetter. Mit noch
ein paar letzten Schauern im Nordosten. Sonst überwiegt aber sonniges Wetter.

In der erweiterten Mittelfrist greifen von Westen her immer mal wieder
Tiefausläufer vor allem auf den Norden Deutschlands über, während in der
Südwesthälfte sich hin und wieder der Keil des Azorenhochs mit zeitweiligen
trockenen Phasen bemerkbar macht. Das Temperaturniveau geht insgesamt etwas
zurück.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS kann als recht hoch bezeichnet werden. Nach anfänglichen
Durchzug teils kräftiger Schauer und Gewitter stellt sich am Freitag und Samstag
eine Wetterberuhigung ein.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch die anderen Globalen Modelle zeigen ähnliche Ergebnisse mit einigen
kleineren Unterschieden in der Behandlung einzelner durchziehenden kurzwelligen
Anteilen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zu Beginn der Mittelfrist (T+72 bis 96 Stunden) verteilen sich die 49 Member,
der Haupt- und Kontrolllauf auf 5 Cluster, die sich bzgl. der Wetterentwicklung
über Mitteleuropa zwar nur wenig voneinander unterscheiden, aber bereits dennoch

  • die Entwicklung des Randtroges am Dienstag/Mittwoch betreffend – feine
    Differenzen aufweisen. Cluster 2 und 4 (jeweils 13 und 6 Member) zeigen diesen
    nur äußerst schwach ausgeprägt, Cluster 1 und 3 (jeweils 17 und 10 Member)
    ähneln der vom Hauptlauf simulierten Variante (selbiger befindet sich in Cluster
    1), Cluster 5 (5 Member) simuliert den Trog etwas flacher und progressiver
    (ähnlich wie GFS).
    Im Zeitraum T+120 bis 168 Stunden verteilen sich die Läufe auf vier Cluster. Der
    Hauptlauf befindet sich im mit 7 Membern besetzten Cluster 4, der diesem auch
    ähnelt. Der mit 20 Membern besetzte Cluster 1 zeigt nach Trogdurchgang lediglich
    die Passage eines flachen Höhenkeils am Freitag, ehe sich bereits in der Nacht
    zum Samstag der über der Nordsee deutlich schärfer simulierte Höhentrog Richtung
    Nordwestdeutschland ausweitet. Nach Lesart des Clusters, in der sich z.B. auch
    der Kontrolllauf befindet, wäre die Wetterberuhigung wohl nur von kurzer Dauer.
    Cluster 2 (15 Member) ähnelt im Prinzip Cluster 4, hat den Höhenrücken am
    Samstag aber nicht ganz so robust im Programm und nach Lesart des Cluster 3 (9
    Member) bleibt der Höhenrücken bis Samstag, 00 UTC noch knapp westlich des
    Vorhersagegebietes.
    In der erweiterten Mittelfrist (T+192 bis 240 Stunden) ergeben sich 4 Cluster,
    wobei Cluster 1 mit 15 Membern vorübergehend auf West zyklonal umspringt mit
    Trog- und Frontdurchgängen. Die drei anderen Cluster sind, inklusive Hauptlauf,
    der sich in Cluster 3 befindet, eher antizyklonal aufgestellt mit einem
    ausgeprägten Blockadehoch über Nord- bzw. Osteuropa.

Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der Rauchfahnen verschiedener
Gitterpunkte im Vorhersagebiet verläuft bis Dienstag noch in einem relativ engen
Spread auf einem vor allem im Osten und Süden recht hohen Temperaturniveau (oft
über 10 Grad in 850 hPa). Nach kurzem Absinken zu Wochenmitte stabilisiert sich
das Temperaturniveau bei allerdings breiter werdendem Spread, wobei sich das
Gros der Member meist zwischen 5 und 9 Grad bewegt und sich der Hauptlauf vor
allem in den westlichen und südlichen Gitterpunkten im oberen Drittel aller
Member bewegt.
Niederschlagssignale tauchen vor allem zu Wochenmitte verstärkt auf, danach wird
es wieder trockener

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag und Mittwoch gelangen weite Teile des Vorhersagegebietes nochmals in
den Einflussbereich potenziell instabiler Luftmassen subtropischen Ursprungs.
Die simulierten PPW-Werte (ca. 30 bis 40 mm), zusammen mit mäßiger Cape (um 500
J/kg, eventuell bis nahe 1000 J/kg) lassen markante konvektive Entwicklungen
erwarten, wobei bzgl. Starkregen lokal eng begrenzt aufgrund der geringen
Zuggeschwindigkeit der Gewitter vor allem am Dienstag im Westen und Süden
Deutschlands auch Unwetter nicht ausgeschlossen sind. Am Mittwoch verlagert sich
die Gewittertätigkeit bei tendenziell etwas abnehmender Unwettergefahr über die
Mitte allmählich auch in den Osten des Landes, während in den Nordwesten bereits
stabilere Luftmassen gelangen.
Am Donnerstag könnten vor allem die Regionen südlich der Donau noch einmal im
Fokus markanter konvektiver Entwicklungen stehen, da die Kaltfront über
Süddeutschland ins Schleifen gerät und die instabile Luftmasse nur zögernd nach
Süden abgedrängt werden kann. Das Unwetterpotenzial dürfte aber nur sehr gering
bleiben.
Danach stellt sich am Freitag voraussichtlich ruhiges Wetter ohne signifikante
Wettererscheinungen ein.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer