#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Samstag, den 11.09.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 11.09.2021 um 10.30 UTC

Zu Wochenmitte Passage eines Randtroges mit teils kräftigen Schauern und
Gewittern, danach allmähliche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 18.09.2021

Einen nicht ganz unerheblichen Einfluss auf die Wetterentwicklung hierzulande zu
Beginn kommender Woche hat der ehemalige Hurrikan „Larry“. Dieser „nistet“ sich
als außertropisches Sturmtief über dem Seegebiet nordwestlich von Irland ein,
beginnt sich aufzufüllen und zerfällt zu Wochenmitte in einen mehrkernigen
Tiefdruckkomplex.
Kräftige WLA auf dessen Vorderseite führt zum Aufbau eines veritablen
Höhenrückens, der am Montag Richtung Nordmeer vordringt. Das hat zweierlei zur
Folge: Einerseits wird ein vorgelagerter flacher Höhentrog über Skandinavien
durch einen anfangs ins Nordmeer, dann aber aufgrund des vorrückenden Rückens
Richtung Nordosteuropa gerichteten Trogvorstoß regeneriert, andererseits wird
ein von Skandinavien nach Westeuropa reichender Randtrog mit Vorstoß des Rückens
über den Britischen Inseln abgeschnürt. Somit nimmt der Höhenrücken bis
Dienstag, 00 UTC Verbindung zu einem weiteren, breit angelegten Höhenrücken über
dem westlichen Mittelmeerraum auf; dessen Achse reicht zu diesem Zeitpunkt auch
über das Vorhersagegebiet hinweg nordwärts.
Insgesamt erweist sich dieses Geopotenzialmuster allerdings als recht progressiv
und somit kann der Randtrog von den Britischen Inseln bereits bis Mittwoch, 00
UTC zur Nordsee vordringen. Der mittlere Part des meridíonal ausgerichteten
Rückens wird somit rasch aus Mitteleuropa Richtung Osten abgedrängt und es
stellt sich bereits am Dienstag eine vor allem im Westen und Norden Deutschlands
zunehmend zyklonal konturierte, vor allem nach Südosten zu aber nur sehr
schwachgradientige südwestliche Höhenströmung ein. Mit dieser gelangt eine warme
und potenziell instabile Luftmasse subtropischen Ursprungs ins Vorhersagegebiet.
Gleichzeitig weitet sich eine Tiefdruckrinne von Benelux bzw. Nordfrankreich
nach West- und Süddeutschland aus. Vor allem dort können sich am Nachmittag und
Abend in schwülwarmer Luft teils kräftige Gewitter entwickeln, aufgrund geringer
Zuggeschwindigkeit eventuell sogar noch mit Unwetterpotenzial aufgrund von
Starkregen. Im Rest des Landes stellt sich freundliches Wetter ein bei insgesamt
spätsommerlichen Höchstwerten.

Bereits am Mittwoch passiert der zunehmend kurzwellige und progressivere
Randtrog das Vorhersagegebiet ostwärts. Rückseitig stellt sich in der Nacht zum
Donnerstag eine flache, leicht mäandrierende westnordwestliche Höhenströmung
ein.
Im Bodenfeld interagiert der Trog mit der Tiefdruckrinne und es entwickelt sich
ein Tiefdruckgebiet, das sich im Laufe des Mittwochs über Norddeutschland
ostwärts verlagert und Donnerstagfrüh bereits Nordostpolen erreicht. Die
Kaltfront überquert bis Mittwochabend den Norden und die Mitte Deutschlands
rasch südostwärts, gerät dann aber über Süddeutschland ins Schleifen.
Vorderseitig kann es in schwülwarmer Luft (T850 hPa zwischen 10 und 14 Grad) vor
allem im Osten und Süden nochmals kräftige Gewitter geben, postfrontal gelangt
deutlich kühlere Meeresluft (T850 hPa abends zwischen 6 und 8 Grad) in den
Norden und Westen des Landes, in der sich nur noch einzelne Schauer entwickeln.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag weitet sich ein Bodenhochkeil in den Westen
und in die Mitte des Landes aus.

Am Donnerstag findet erneut ein Trogvorstoß vom mittleren Nordatlantik ins
Seegebiet nordwestlich der Britischen Inseln statt. Vorderseitig wölbt sich ein
Höhenrücken über Westeuropa auf und erreicht in der Nacht zum Freitag Benelux,
die Nordsee und die Norwegische See. Stromab steilt die Höhenströmung vor allem
in der Nacht über dem Vorhersagegebiet etwas auf und ist zunehmend antizyklonal
konturiert. Das Bodentief zieht weiter Richtung Weißrussland bzw. Ukraine und
füllt sich allmählich auf. Somit gerät Deutschland in den Einflussbereich einer
Hochdruckbrücke, die vom Azorenhoch ausgehend über Frankreich und Benelux sowie
Mitteleuropa ostnordostwärts reicht und in ein sich verstärkendes Hoch über
Finnland bzw. der Ostsee mündet.
Die Kaltfront des abziehenden Tiefs schleift weiterhin über dem Alpenvorland, so
dass es vor allem südlich der Donau im Übergangsbereich zur wärmeren Luftmasse
weitere Schauer und Gewitter gibt. Ansonsten macht sich zunehmend der Einfluss
der Hochdruckbrücke bemerkbar und es gibt lediglich im Osten bzw. Nordosten noch
einzelne kurze Schauer, während sich sonst schon häufiger die Sonne durchsetzt.
Bei 850 hPa-Temperaturen zwischen 6 Grad im Nordosten und 12 Grad an den Alpen
bleibt es mäßig warm. Nachts klingen dann auch an den Alpen bzw. im Vorland die
Niederschläge ab.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag schwenkt der sich inzwischen bis nach
Skandinavien aufwölbende Höhenrücken mit seiner Achse über Deutschland hinweg
ostwärts. Die Achse des Troges über Nordwesteuropa überquert in der Nacht zum
Samstag bereits die Britischen Inseln ostwärts.
Im Bodenfeld wird die Hochdruckbrücke über Mitteleuropa allmählich ein wenig
nach Osten abgedrängt, während sich das fennoskandische Hochdruckgebiet etwas
verstärkt. Von Westen her überquert das Frontensystem eines mit dem Trog
korrespondierenden Tiefs bei Island die Britischen Inseln und greifen nachts auf
die Nordsee über. Im Vorhersagegebiet dominiert ruhiges Hochdruckwetter, wobei
sich vor allem an den Alpen sowie im Schwarzwald im Übergangsbereich zur später
wieder etwas Richtung Norden vordringenden wärmeren Luft weiter südlich noch
einzelne Schauer und Gewitter entwickeln. Bei T850 hPa zwischen 6 Grad im
Nordosten und 13 Grad im Südwesten wird es mäßig warm, im Südwesten warm.

Am Samstag verlagert sich der Höhentrog über die nördliche Nordsee und die
Norwegische See nordostwärts Richtung Mittel- bzw. Nordskandinavien. Ein Ableger
des Troges überquert als flacher Randtrog in 300 hPa das Vorhersagegebiet
ostsüdostwärts. Dahinter stellt sich eine eher antizyklonal konturierte
westliche Höhenströmung ein, wobei sich über Frankreich ein Höhenrücken
aufwölbt, der in der erweiterten Mittelfrist, am Sonntag und Montag, über die
Britischen Inseln hinweg nordwestwärts reicht und den Übergang in eine über dem
Vorhersagegebiet antizyklonal konturierte Nordwestlage einleitet.
Im Bodenfeld überquert von der Nordsee her am Samstag das Frontensystem am
Samstag und in der Nacht zum Sonntag südostwärts, löst sich aber nach Abzug des
Troges bei zunehmenden Hochdruckeinfluss auf. Schauer und auch Gewitter gibt es
wohl am ehesten im Nordwesten sowie im Südwesten und an den Alpen.

In der erweiterten Mittelfrist verstärkt sich ein Bodenhoch über der Nordsee
bzw. den Britischen Inseln, wobei ein Keil über Deutschland hinweg südostwärts
reicht. An dessen Nordostflanke gelangt etwas kühlere Luft (T850 hPa unter 5
Grad) aus dem skandinavischen Raum bzw. der Nordsee nach Nord- und
Ostdeutschland, in der sich eventuell kurze Schauer entwickeln können, während
sich sonst ruhiges und mäßig warmes Hochdruckwetter einstellt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bereits zu Beginn des Mittelfristzeitraumes treten erste Inkonsistenzen zu den
beiden Vorläufen auf. Zwar simulieren auch sowohl der gestrige 12, als auch der
00 UTC-Lauf am Dienstag und Mittwoch die Trog- und Bodentiefpassage,
letztendlich fährt der aktuelle Lauf aber eine progressivere Variante. Nach
Lesart beider Vorläufe erreichte das Bodentief am Do, 00 UTC erst Nordwestpolen
(12 UTC-Lauf) bzw. als Dipol die Nordsee und den Westen Polens (00 UTC-Lauf).
Danach werden die Differenzen größer: Nach Lesart der beiden gestrigen Läufe
kann der Höhenrücken nicht bereits am Freitag, sondern erst deutlich später auf
Mitteleuropa übergreifen. Verhindert wird das durch eine weitere Trogpassage
über das Vorhersagegebiet hinweg in der Nacht zum und am Freitag, wobei der Trog
nach Lesart des gestrigen 12 UTC-Laufes am Freitag noch nach Südwesten ausgreift
und über dem Alpenraum abtropft.
Allen Läufen gemein ist dann wieder der zunehmende Einfluss des Höhenrückens auf
das Wetter in Mitteleuropa am kommenden Wochenende, wobei im Bodenfeld
allerdings auch in den beiden Vorläufen nach wie vor eine flache Tiefdruckrinne
von der Nordsee bis ins Vorhersagegebiet reicht, die sich vor allem im gestrigen
12 UTC-Lauf als recht hartnäckig erweist und auch am Sonntag noch für einen eher
unbeständigen Witterungscharakter sorgt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bereits die Passage des zunehmend kurzwelligen Randtroges am Dienstag und
Mittwoch wird von allen vorliegenden Modellen leicht unterschiedlich simuliert.
Die progressivste Variante hat dabei GFS auf der Agenda, nach dessen Lesart der
Trog bereits bis Mittwoch, 12 UTC das Vorhersagegebiet ostwärts überquert hat,
zusammen mit einem schwächeren und auf südlicherer Zugbahn verlaufenden
Bodentiefs, dessen Kaltfront aber ebenfalls noch längere Zeit über
Süddeutschland schleift. Eine markante Gewitterlage stünde nach Lesart des
Modells am Mittwoch nur noch ganz im Süden des Landes auf der Agenda.
ICON lässt den Trog dagegen deutlich langsamer ziehen und simuliert dessen
Passage sogar erst bis Donnerstagabend. Auch die Kaltfront des Bodentiefs kommt
am Mittwoch etwas langsamer südostwärts voran, wobei sich am Donnerstag ein
Teiltief über Polen ausbildet. Alle Modelle lassen die Kaltfront am Donnerstag
noch über Süddeutschland schleifen, aufgrund der langsameren Verlagerung reichen
die Niederschläge der Front nach Lesart des ICON zumindest tagsüber nach bis in
die Lausitz, während nach GFS und IFS lediglich die Regionen etwa südlich der
Donau, vielleicht noch (nach GFS, da die Front durch Teiltiefbildung über
Frankreich zurückgehalten wird) Baden-Württemberg betroffen sind.
Am Freitag lassen alle Modelle den Höhenrücken über Mitteleuropa hinweg ostwärts
schwenken. ICON hat den nachfolgenden flachen Trog am Samstag progressiver auf
der Agenda und lässt ihn weiter nach Süden ausgreifen, so dass sich das
Frontensystem etwas wetterwirksamer erweist als nach Lesart des IFS, allerdings
simulieren beide Modelle am Samstag/Nacht zu Sonntag vorübergehend eine flache,
von der Nordsee über Deutschland hinweg südostwärts reichende Tiefdruckrinne.
Nach GFS ist der Trog dagegen deutlich schwächer aufgestellt und tangiert das
Vorhersagegebiet nicht weiter, auch das korrespondierende Frontensystem zieht
weit nördlich nach Osten. Danach folgt ein robuster Höhenkeil, der bereits am
Samstagabend über die Nordsee nordwärts bis ins Nordmeer reicht.
Somit bleibt das Vorhersagegebiet nach Lesart des GFS – im Gegensatz zum IFS und
ICON – am Samstag an der Südflanke des sich aus dem fennoskandischen Raum und
die Nordsee bis nach GB ausweitenden Hochdruckgebietes in einer südöstlichen
Bodenströmung.

In der erweiterten Mittelfrist, zu Beginn kommender Woche, simuliert GFS den
Höhenkeil über Mitteleuropa nordwärts bis nach Skandinavien reichend und
entsprechend die Hochdruckbrücke nördlich und später östlich des
Vorhersagegebietes, so dass es nach Lesart des Modells, bodennah bei einer
antizyklonal konturierten Südostströmung bleibt, die im weiteren Verlauf sogar
noch etwas aufsteilt. Das kanadische GEM-Modell tendiert ebenfalls eher Richtung
GFS.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zu Beginn der Mittelfrist (T+72 bis 96 Stunden) verteilen sich die 49 Member,
der Haupt- und Kontrolllauf auf 5 Cluster, die sich bzgl. der Wetterentwicklung
über Mitteleuropa zwar nur wenig voneinander unterscheiden, aber bereits dennoch

  • die Entwicklung des Randtroges am Dienstag/Mittwoch betreffend – feine
    Differenzen aufweisen. Cluster 2 und 4 (jeweils 13 und 6 Member) zeigen diesen
    nur äußerst schwach ausgeprägt, Cluster 1 und 3 (jeweils 17 und 10 Member)
    ähneln der vom Hauptlauf simulierten Variante (selbiger befindet sich in Cluster
    1), Cluster 5 (5 Member) simuliert den Trog etwas flacher und progressiver
    (ähnlich wie GFS).
    Im Zeitraum T+120 bis 168 Stunden verteilen sich die Läufe auf vier Cluster. Der
    Hauptlauf befindet sich im mit 7 Membern besetzten Cluster 4, der diesem auch
    ähnelt. Der mit 20 Membern besetzte Cluster 1 zeigt nach Trogdurchgang lediglich
    die Passage eines flachen Höhenkeils am Freitag, ehe sich bereits in der Nacht
    zum Samstag der über der Nordsee deutlich schärfer simulierte Höhentrog Richtung
    Nordwestdeutschland ausweitet. Nach Lesart des Clusters, in der sich z.B. auch
    der Kontrolllauf befindet, wäre die Wetterberuhigung wohl nur von kurzer Dauer.
    Cluster 2 (15 Member) ähnelt im Prinzip Cluster 4, hat den Höhenrücken am
    Samstag aber nicht ganz so robust im Programm und nach Lesart des Cluster 3 (9
    Member) bleibt der Höhenrücken bis Samstag, 00 UTC noch knapp westlich des
    Vorhersagegebietes.
    In der erweiterten Mittelfrist (T+192 bis 240 Stunden) ergeben sich 4 Cluster,
    wobei Cluster 1 mit 15 Membern vorübergehend auf West zyklonal umspringt mit
    Trog- und Frontdurchgängen. Die drei anderen Cluster sind, inklusive Hauptlauf,
    der sich in Cluster 3 befindet, eher antizyklonal aufgestellt mit einem
    ausgeprägten Blockadehoch über Nord- bzw. Osteuropa.

Die Kurvenschar der 850 hPa-Temperatur der Rauchfahnen verschiedener
Gitterpunkte im Vorhersagebiet verläuft bis Dienstag noch in einem relativ engen
Spread auf einem vor allem im Osten und Süden recht hohen Temperaturniveau (oft
über 10 Grad in 850 hPa). Nach kurzem Absinken zu Wochenmitte stabilisiert sich
das Temperaturniveau bei allerdings breiter werdendem Spread, wobei sich das
Gros der Member meist zwischen 5 und 9 Grad bewegt und sich der Hauptlauf vor
allem in den westlichen und südlichen Gitterpunkten im oberen Drittel aller
Member bewegt.
Niederschlagssignale tauchen vor allem zu Wochenmitte verstärkt auf, danach wird
es wieder trockener.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag und Mittwoch gelangen weite Teile des Vorhersagegebietes nochmals in
den Einflussbereich potenziell instabiler Luftmassen subtropischen Ursprungs.
Die simulierten PPW-Werte (ca. 30 bis 40 mm), zusammen mit mäßiger Cape (um 500
J/kg, eventuell bis nahe 1000 J/kg) lassen markante konvektive Entwicklungen
erwarten, wobei bzgl. Starkregen lokal eng begrenzt aufgrund der geringen
Zuggeschwindigkeit der Gewitter vor allem am Dienstag im Westen und Süden
Deutschlands auch Unwetter nicht ausgeschlossen sind. Am Mittwoch verlagert sich
die Gewittertätigkeit bei tendenziell etwas abnehmender Unwettergefahr über die
Mitte allmählich auch in den Osten des Landes, während in den Nordwesten bereits
stabilere Luftmassen gelangen.
Am Donnerstag könnten vor allem die Regionen südlich der Donau noch einmal im
Fokus markanter konvektiver Entwicklungen stehen, da die Kaltfront über
Süddeutschland ins Schleifen gerät und die instabile Luftmasse nur zögernd nach
Süden abgedrängt werden kann. Das Unwetterpotenzial dürfte aber nur sehr gering
bleiben.
Danach stellt sich voraussichtlich ruhiges Wetter ohne signifikante
Wettererscheinungen ein.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff