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SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 11.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst ruhiges Wetter mit Nebel in den Nächten. Ab Dienstag von Südwesten
neue, teils starke Gewitter. Vorübergehend wieder spätsommerlich warm.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … neigt sich die kleine „Gewitterlage“ der vergangenen Tage schon
wieder dem Ende. Die Zeichen stehen auf Wetterberuhigung, die sich allerdings
noch etwas hinziehen wird. Der Osten und Südosten werden nämlich noch von einem
Kurzwellentrog traktiert, der erst in den kommenden Stunden mit seiner Achse
gänzlich nach Osten abzieht. Zudem finden sich dort noch Reste der feucht warmen
und instabilen Luftmasse, in der tagsüber nochmal gebietsweise um 500 J/kg
ML-CAPE generiert werden konnten. Die Labilität ist noch hochreichend genug,
dass es neben Schauern auch zu einzelnen Gewitter kommt. Bei moderater, im
Südosten auch sehr geringer Verlagerungsgeschwindigkeit und PPW’s zwischen 25
und 35 mm steht der Starkregen im Fokus, selbst lokale Unwetter durch heftigen
Starkregen können nicht ausgeschlossen werden.
Auch im Nordwesten treten Schauer auf, hier sorgt ein weiterer, deutlich
flacherer, in der westlichen Höhenströmung über die Nordsee Richtung
Südskandinavien geführter Kurzwellentrog für leicht zyklonale Verhältnisse. Die
leidlich labile Schicht reicht allerdings dort nur bis maximal 600 hPa, sodass
die Schauer eher schwach und ungewittrig ausfallen.
In den übrigen Regionen (vom Westen bis in die Mitte) sorgt ein von Frankreich
in die Südhälfte vordringender Höhenrücken für zunehmenden antizyklonalen
Einfluss und Absinken. Durch die Stabilisierung und einen Einschub trockenerer
Luftmassen wird nennenswerte Konvektion bereits unterdrückt, sodass es zwar
wolkig, aber überwiegend trocken ist.

In der Nacht zum Sonntag bleibt der Norden unter einer leicht zyklonalen
westlichen, am Boden südwestlichen Strömung in der ausgedehnte Wolkenfelder über
das Land getrieben werden. Vereinzelt reicht es auch für schwache Schauer, am
ehesten mit diabatischer Unterstützung im Küstenumfeld. Unter den Wolken bleibt
es recht mild bei Tiefstwerten zwischen 17 und 13 Grad.
Ansonsten setzt sich die Stabilisierung und allmähliche Abtrocknung der
Luftmasse auch weiter nach Osten und Südosten durch, sodass die Schauer und
Gewitter nachlassen bzw. ostwärts abziehen. Die Grundschicht bleibt natürlich
feucht, sodass sich insbesondere im windschwachen Süden Nebel und
Hochnebelfelder ausbreiten können. Abseits der Nebelfelder klart es teilweise
oder vorübergehend auf. Dann kühlt die Luft örtlich auf einstellige Werte bis 8
Grad ab, sonst liegen sie bei 14 bis 10 Grad.

Sonntag … sorgt der Rücken über der Südhälfte Deutschlands weiterhin für
Absinken und weitere Abtrocknung der Luftmasse. Auch im Bodenniveau herrscht
unter einer flachen Hochdruckzone, die ausgehend von einem Hoch nordwestlich der
Britischen Inseln nach Südosten gerichtet ist, antizyklonaler Einfluss. Nach
Auflösung von Nebel und Hochnebel bis zur Mittagszeit stellt sich folglich ein
freundlicher Wechsel von Sonnenschein und Quellwolken ein, die sich unterhalb
der Absinkinversion bei etwa 800 hPa vorübergehend etwas ausbreiten können. Im
Umfeld der östlichen Mittelgebirge reicht die labile Schicht aus der
Grenzschicht heraus bis etwa 700 hPa, sodass mit orographischer Unterstützung
einzelne Schauer möglich sind. Da sich die Schauerzellen kaum vom Fleck bewegen,
ist sogar lokaler Starkregen nicht gänzlich ausgeschlossen. Im Südwesten, wo die
Luftmasse am trockensten ist, ist auch am meisten Sonnenschein zu erwarten.
Die Nordhälfte bleibt unter einer leicht flatternden westlichen Höhenströmung.
Bei wechselnder, teils starker Bewölkung werden einzelne Schauer generiert, die
allerdings ebenfalls nur bis rund 700 hPa reichen und somit ungewittrig bleiben.
Da sie sich zudem etwas schneller fortbewegen, sollte auch Starkregen kein Thema
sein. An der Südflanke des von Mittelschweden zum Bottnischen Meerbusen
ziehenden Tiefs bleibt ein nennenswerter Gradient erhalten, sodass der Wind
teils mäßig, insbesondere an der Küste in Böen auch stark aus westlichen
Richtungen weht. Vor allem mit einem Bodentrog, der nachmittags und abends von
der Nordsee in den Nordwesten Deutschlands schwenkt, reicht es an exponierten
Küstenabschnitten vielleicht sogar für die ein oder andere Böe Bft 7.
Entlang des Rhein wird lokal ein Sommertag erreicht (Tmax 25 Grad), ansonsten
ist es bei 19 bis 24 Grad aber immerhin mäßig warm.

In der Nacht zum Montag ändert sich nicht viel an der großräumigen Luftdruck-
und Geopotenzialverteilung. Die Schauer im Norden lassen zwar nach, allerdings
driften mit Winddrehung auf West bis Nordwesten hinter dem Bodentrog
Stratusfelder von der Nordsee herein, sodass es überwiegend stark bewölkt
bleibt. Der Wind weht direkt an der Küste in Böen teils noch stark, lässt aber
tendenziell etwas nach.
Ansonsten lockern die Wolken allgemein auf, nur einige hohen Wolkenfelder ziehen
weiter über das Land. Diese können aber die Ausstrahlung nicht verhindern. So
kann es bei äußerst schwachwindigen Verhältnissen zum einen recht ausgedehnte
Nebelfelder geben, zum anderen wird die Nacht mit nur noch 12 bis örtlich 5 Grad
kühler als bisher gewohnt.

Montag … kann sich der Rücken durch WLA vorderseitig zweier Cut-Offs bei den
Britischen Inseln und nördlich von Madeira, die zusammen einen umfangreichen,
westeuropäischen Langwellentrog bilden, verstärken und bis ins Nordmeer
ausweiten. Die durch den Rücken gestützte Bodenhochdruckzone verläuft mit der
Divergenzachse diagonal über der Mitte Deutschlands. Die Nordwestströmung über
dem Norden reißt damit zwar noch nicht ganz ab, allerdings wird die Luft durch
das sich verstärkende Absinken auch dort trockener. Der Nordseestratus bekommt
durch das Entrainment der trockenen Luft von oben immer mehr Lücken, sodass sich
die Sonne besonders nachmittags und abends gebietsweise zeigen kann. Dann
erwärmt sich die Luft immerhin auf 20 bis 23 Grad.
In der Mitte und im Süden stellt sich nach teils zögerlicher Nebelauflösung ein
freundlicher und spätsommerlich warmer (Tmax 24 bis 27 Grad) Sonne-Wolken-Mix
ein. Durch die Einstrahlung und niedertroposphärische Erwärmung labilisiert die
Luftmasse etwas. Da am Alpenrand zudem auch noch etwas feuchtere Luft
„herumwabert“, könnten – so sieht es beispielsweise ICON6 – ein paar Hundert
J/kg ML-CAPE generiert werden. Da diese aber gedeckelt und von Absinken
überlagert sind, wird es wohl kaum für Gewitter reichen. Wenn – dann am ehesten
inneralpin.

In der Nacht zum Dienstag verlagert sich der Rücken etwas nach Osten, sodass der
Westen Deutschlands in die erweiterte Peripherie des westeuropäischen
Langwellentroges kommt. Wie nah insbesondere das nördliche Drehzentrum bei den
Britischen Inseln unserem Vorhersagegebiet kommt, ist noch unklar (GFS
progressiver als IFS und ICON). In jedem Fall beginnt der Luftdruck von
Südwesten zu fallen und der Wind dreht auf Ost bis Südost, bleibt aber schwach.
Ganz im Norden kann sich hier und da noch Stratus halten, ansonsten klart es
vielfach auf, bevor sich wieder gebietsweise Nebelfelder bilden. Etwaige
Gewitter in den Alpen fallen rasch zusammen. WLA erfasst später den Südwesten
und Westen, sodass hohe Wolkenfelder hereindriften. Die Luft kühlt meist auf 13
bis 8 Grad ab. An der See bleibt es etwas milder.

Dienstag … ist das Muster weiterhin leicht progressiv, sodass die gesamte
Südwesthälfte Deutschlands zunehmend auf die Trogvorderseite gelangt. Vor der
korrespondierenden Tiefdruckrinne dreht die Strömung auf Süd, sodass der Zustrom
sehr warmer, aber auch feuchter und instabil geschichteter Subtropikluft
einsetzt. Die WLA-bedingten hohen und mittelhohen Wolkenfelder trüben den
anfänglichen freundlichen Wettercharakter schon bald. Aufgrund der
angesprochenen Modellunterschiede (s. o.) lässt sich noch nicht beurteilen, ob
im Tagesverlauf mit kurzwelligen Troganteilen bereits nennenswerte Hebung durch
PVA einsetzt oder nicht. Je nach dem reicht es nur lokal mit orographischer
Unterstützung über dem west- und südwestdeutschen Bergland (ICON, IFS) oder
verbreiteter über der Südwesthälfte für Gewitter (GFS). Die Konvektionsparameter
(ICON6: ML-CAPE bis knapp 1000 J/kg, eher schwache hochreichende Scherung, PPW’s
30 bis 35 mm und recht hohe Wolkenbasen) deuten auf pulsierende Einzel- und
Multizellen hin – mit hohem Starkregenpotenzial bis in den Unwetterbereich und
Sturmböen, aber eher kleinkörnigem Hagel.
Die Nordosthälfte profitiert noch vom Rücken und Absinken, sodass einem (nach
Nebelauflösung) trockenem und sonnigem Tag wohl nichts im Wege steht.
Mit Höchsttemperaturen von verbreitet 23 bis 27 Grad wird es voraussichtlich der
wärmste Tag der Woche.

Modellvergleich und -einschätzung

Bis Montag rechnen die Modelle sehr ähnlich.
Danach bleibt abzuwarten, wie progressiv das Trog-Rücken-Muster tatsächlich ist.
Aktuell scheint das etwas „konservativere“ Szenario (ICON, IFS) etwas
wahrscheinlicher zu sein, als das progressivere (GFS). So oder so steigt aber
spätestens ab Dienstagnachmittag das Potenzial für starke Gewitter an,
wenngleich eine großräumige Unwetterlage aufgrund mangelnder Dynamik und
fortgeschrittener Jahreszeit unwahrscheinlich ist.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser