#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Dienstag, den 07.09.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 07.09.2021 um 10.30 UTC

Wieder vermehrt Tiefdruckeinfluss mit Niederschlägen und am Wochenende lokal
teils kräftigen Gewittern. Dabei meist noch warm, in der neuen Woche Abkühlung
möglich.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 14.09.2021

„Back to the Roots“ lautet das Motto beim Wetter in der ab Freitag beginnenden
Mittelfrist. Und das heißt nichts anderes, als dass der Hochdruckeinfluss
neuerlich von Tiefdruckgebieten „aufgefressen“ wird und statt sonnigem und
ruhigem Spätsommerwetter im meteorologisch schon gestarteten Herbst nun wieder
primär mit wolkig-nassem Wetter vorliebgenommen werden muss. Und damit kehren
wir zurück zu den Mustern des vergangenen Sommers, in dem der Hochdruckeinfluss
sogar meist noch kürzer anhielt.

Dass es dem Hochdruckeinfluss ab Freitag an den Kragen geht, liegt am Abbau
eines ehemals kräftigen und blockierenden Rückens, der am Freitag noch über dem
östlichen Mitteleuropa, der Ostsee und dem südlichen Skandinavien zu sehen ist.
Bei einer Rossbywellenzahl von 5 bis 7 war es aber nur eine Frage der Zeit, bis
das Gebilde entweder nach Osten abzieht und/oder durch nach Osten wandernde
Tröge abgebaut wird. Im aktuellen Fall spielen beide Faktoren eine Rolle, womit
das einstigen Omega über dem Nordostatlantik instabil wird.

Dafür springen nun mehrere Randtröge und Höhentiefs über dem Nordostatlantik in
die Bresche. Ein erster Randtrog mit Drehzentrum bei Schottland schwenkt am
Freitag über die Britischen Inseln hinweg ostwärts. Es hat ebenfalls bei
Schottland ein Bodentief im Schlepptau, welches durch die Verlagerung des Trogs
in die Nordsee mitgeführt wird. Die okkludierenden Ausläufer des Tiefs erreichen
Deutschlands und überqueren bis zum Abend die Mitte des Landes. Ein großer
Luftmassenaustausch ist damit zunächst nicht verbunden, die T850 hPa bleiben mit
11 bis 13 Grad noch recht hoch.

Am Samstag wandert der Randtrog über Deutschland und die Nordsee nach Osten und
hinterlässt eine westliche Strömung mit gebietsweise feuchter und allmählich
auch kühlerer Luft mit T850 hPa, die von Westen her auf 6 bis 11 Grad
zurückgehen.

Am Sonntag ist zunächst Platz für einen flachen Rücken und Zwischenhocheinfluss.
Über den Britischen Inseln kommt aber ein neuer Trog an, der am Montag über
Nordostfrankreich zu finden sein wird und am Dienstag nun als Höhentief dort
weiter seine Kreise zieht. Sein Einflussbereich reicht bis nach Deutschland, vor
allem im Westen und Süden werden etwas größere Hebungsgebiete und Feuchte
simuliert. Nach Norden und Osten hin überwiegt dagegen zeitweise schwacher
Hochdruckeinfluss. Bei nun wieder südlicher Strömung wird erneut warme Luft aus
südlichen Gefilden eingeschleust, womit die T850 hPa auf 9 bis 13 Grad steigen.

In der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch spaltet sich das Höhentief in zwei
Teile, wovon das eine über Frankreich verbleibt und das andere in die Nordsee
driftet. Gekoppelt an das Höhentief über Frankreich übernimmt dort auch am Boden
ein Tief das Zepter und steuert feuchtwarme Luft bis in den Norden und Ostens
Deutschland. Im Süden steigt die T850 hPa zum Teil sogar wieder bis auf 16 Grad.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des heutigen 0 UTC-Lauf des EZMW zu seinen beiden gestrigen
Vorläufen ist bereits ab Freitag nur noch mäßig. Der Randtrog, der im neuen Lauf
ab Freitag die Britischen Inseln erreicht und bis Sonntag über Deutschland
hinwegschwenkt, zeigte der gestrige 0 UTC-Lauf als abtropfendes Höhentief, das
bis Sonntag in den Südwesten Deutschlands wandert. Ab Montag gibt es im neuen
Lauf nun ein Höhentief über Frankreich, das wiederum im gestrigen 0 UTC-Lauf als
Randtrog über der Nordsee simuliert wurde. Dem wäre ein dritter Randtrog über
den Britischen Inseln gefolgt, nun aber spaltet sich das neue Höhentief über
Frankreich. Der gestrige 12 UTC-Lauf weist deutlich größere Ähnlichkeit zum
heutigen 0 UTC-Lauf als zum gestrigen 0 UTC-Lauf.
Allen Läufen gemeinsam ist, dass der Tiefdruckeinfluss bei uns meist überwiegt.
Mit dem neuesten Lauf kann sich am Wochenende zudem vorübergehend etwas kühlere
Luft mit T850 hPa teils unter 10 Grad bis nach Deutschland ausbreiten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Erwartungsgemäß herrscht auch zwischen GFS, ICON und dem EZMW keine Einigkeit in
der Behandlung von Randtrögen und Höhentiefs. Eine detaillierte Beschreibung der
Unterschiede ist an dieser Stelle nicht zielführend, da es morgen bestimmt schon
wieder anders aussieht. Interessant ist aber, dass GFS und ICON ab Dienstag ein
Skandinavienhoch aufbauen, an dessen südwestlichen Rand wir geraten würden. Beim
EZMW ist dagegen ein schwächeres Hoch über den Britischen Inseln zu sehen,
dessen Einfluss nicht bis nach Deutschland reichen soll. GEM tendiert mit
einigen Abwandlungen mehr zur EZMW-Variante. NAVGEM simuliert ab Sonntag kein
Höhentief über Frankreich, sondern ein schwächeres über Norddeutschland. JMA
folgt bezüglich dieses Höhentiefs zunächst der EZMW-Lösung, lässt es ab Montag
jedoch zur Biskaya hinausziehen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles sind für diverse deutsche Städte bei T850 hPa
und beim Geopot 500 hPa zunächst eng gebündelt. Ab Samstag öffnen sich die
Spreads, ab Sonntag/Montag deutlich. Haupt- und Kontrolllauf laufen zum Teil aus
dem Median, vor allem bei der Temperatur in den höheren Bereich. In den
Geopotenzialkurven wird allerdings auch ersichtlich, dass der Trogeinfluss
geringer sein könnte als vom Hauptlauf angenommen. Entsprechend könnten sich die
Strömungsverhältnisse und damit das Temperaturregime ändern, ein kühleres Niveau
ist ebenso gut möglich. In Konsequenz daraus stellt sich außerdem die Frage,
wie, wo und wann die ab Donnerstag täglich vorhandenen Niederschlagssignale, die
vor allem am Wochenende lokal durchaus 15 l/qm betragen und daher konvektiv
geprägt sind, eintreffen. Zur neuen Woche werden die Niederschlagssignale sogar
schon wieder geringer.

CLUSTERANALYSE:
Die Clusteranalyse fördert zwischen Freitag (0 UTC) und Samstag (0 UTC) zwar 6
Cluster zutage (alle vom Typ Blockierung), diese sind in ihrem Aussehen bei uns
aber fast identisch. Zwischen Sonntag (0 UTC) und Dienstag (0 UTC) gibt es 5
Cluster (mehrheitlich auch Blockierung) mit teils gravierenden Unterschieden der
Tröge. Die zyklonalen Varianten sind hierbei dominant. Von Mittwoch (0 UTC) bis
Freitag (0 UTC) in der erweiterten Mittelfrist werden 5 Cluster (alle mit
Blockierung) geliefert mit ebenfalls sehr unterschiedlicher Trogbehandlung.
Zyklonale Varianten haben mit 28 Mitgliedern im Vergleich zu 23 Mitgliedern mit
antizyklonaler Prägung leicht die Nase vorn.

FAZIT:
Bis zum Samstag ist die Umstellung der Wetterlage von Hochdruckeinfluss zurück
zu zyklonalem Geschehen relativ unstrittig. Was ab Sonntag passiert, ist dann
die Frage. Mehrheitlich sind die Modelle zunächst auf Kurs Trog/Höhentief mit
zyklonalem Geschehen auch noch zum Wochenanfang. Die Details sind aber ziemlich
unscharf. Zur Wochenmitte besteht eine Chance zur Rückkehr zum
Hochdruckeinfluss. Wie sich die Temperaturen dann entwickeln, ist fraglich, da
es von den Strömungsverhältnissen abhängt. Eine Mehrheit favorisiert jedoch eine
Abkühlung in der neuen Woche.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
EFI weist erhöhte CAPE-Werte am Freitag deutschlandweit und am Samstag im Osten
Deutschlands auf. Mit lokal bis zu 1500 J/Kg ist durchaus Potenzial für markante
Gewitter vorhanden. Neben kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen zeigt die
Mehrzahl der Modelle und Ensembles bei den Niederschlagssignalen und langsamer
Zuggeschwindigkeit im eher flauen Druckumfeld lokalen Starkregen über 15 l/qm in
kurzer Zeit, für unwetterartige Mengen gibt es dagegen nur sehr dürftige
Hinweise.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-EPS, zur neuen Woche bei der unklaren Lage eher MOSMIX.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler