#DWD -> #SXEU31 #DWAV 031800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag, den 03.09.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 031800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 03.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Überwiegend ruhiges Hochdruckwetter, lediglich vom Südschwarzwald bis zu den
Alpen einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … befinden sich weite Teile Mittel- und Westeuropas weiterhin im
Einflussbereich eines breit angelegten Höhenrückens, der ein ebenfalls
umfangreiches Bodenhoch stützt, das von den Britischen Inseln bis weit ins
Nordmeer reicht und von dem aus sich ein Keil über die Nordsee ins
Vorhersagegebiet erstreckt.
Als Gegenpart fungiert ein markanter Langwellentrog über Nordosteuropa
(Drehzentrum knapp südlich der Barentssee), der aktuell durch einen von
Nordwesten einlaufenden kurzwelligen Randtrog regeneriert wird und sich über
Osteuropa weiter nach Süden, aber auch etwas nach Westen ausweiten kann. Dadurch
wird der ein wenig nach Südosten vorankommende Höhenrücken in seinem Ostteil
etwas abgebaut, allerdings deutet sich aufgrund von WLA vorderseitig eines
Trogvorstoßes von Nordwesten her Richtung Ostatlantik von Westen her bereits
wieder dessen Regenerierung an.
Mit dem trogrückseitigen Vorstoß polarer Luftmassen nach Skandinavien geht dort
Druckanstieg daher und das Bodenhoch verlagert bis Samstagfrüh seinen
Schwerpunkt allmählich Richtung nördliche Nordsee und Mittelnorwegen. Bodennah
ist die Vorderkante der nach Süden vorstoßenden Polarluft markiert durch die
Kaltfront eines Tiefs über dem Westen Russlands, die im Laufe der Nacht über
Polen und Weißrussland hinweg südwärts zieht. Aktuell streifen ein paar harmlose
Wolkenfelder auch den äußersten Nordosten Deutschlands. Im Laufe der Nacht weist
die der Front folgende Kaltluft über der Ostsee vor der polnischen Küste eine
Mächtigkeit von etwa 650 hPa auf. Mit Unterstützung durch den latenten
Wärmestrom über dem verhältnismäßig warmen Ostseewasser entwickeln sich dort
einzelne Schauer, die eventuell auch noch bis nach Usedom bzw. bis zum östliche
Rügen reichen.
Bodennah kann die etwas kühlere Luftmasse mit Unterstützung eines nur äußerst
flachen Bodentiefs, das sich im Lee über dem Oslofjord entwickelt hat und im
Laufe der Nacht über Jütland zur vorpommerschen Ostseeküste zieht, über
Norddeutschland noch etwas weiter süd- und westwärts vordringen, wodurch sich
die bereits vorhandene, sehr flache Absinkinversion (meist in etwa 950 bis 800
hPa, von West nach Ost ansteigend) verschärft und etwas angehoben wird. Die
Folge ist wohl erneut die Ausbildung ausgedehnterer Stratus- und
Stratocumulusfelder, die sich über weite Teile der Norddeutschen Tiefebene
ausbreiten.
Im Rest des Landes dominiert dagegen erneut ruhiges Hochdruckwetter, der Himmel
ist meist klar oder gering bewölkt, gebietsweise bilden sich dichte Nebelfelder.

An seiner Südwestflanke weist der Höhenrücken allerdings eine „Schwachstelle“
auf. Eine nur in hoher Auflösung erkennbare sehr flache Potenzialrinne erstreckt
sich dabei von Frankreich bis nach Südwestdeutschland bzw. zum Nordalpenraum.
Diese wird zwar mehr und mehr zugeschüttet, übrig bleibt aber dennoch ein
flaches Höhentief zusammen mit einem kleinräumigen IPV-Maximum in etwa über dem
Norden der Schweiz bzw. dem Süden Baden-Württembergs. Dieses bietet etwas
Hebungsantrieb, so dass die Labilitätsfläche der Luftmasse dort immerhin bis
über 500 hPa reicht, dazu konnte von Frankreich her bzw. aus den Alpen heraus
etwas feuchtere Luft dorthin vordringen. Inzwischen haben sich über dem
Südschwarzwald auch einzelne Gewitter entwickelt. Bei mehreren 100 J/kg ML-Cape
und PPW-Werten über 20 mm treten als Begleiterscheinung kleinkörniger Hagel,
steife bis stürmische Böen, im Extremfall auch Sturmböen (großer Spread
innerhalb der Grundschicht) und aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit
Starkregen auf. Mit Einbruch der Dunkelheit lösen sich diese Gewitter aber rasch
wieder auf.
Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 14 und 6 Grad, in einigen
Mittelgebirgstälern kann es kühler werden.

Samstag … kommt der Höhenrücken mit seiner Achse ein klein wenig nach Osten
voran, erstreckt sich abends über die Nordsee nordwärts bis ins Nordmeer, wird
aber weiterhin etwas abgebaut. Derweil wölbt sich aber ein weiterer Rücken über
die Biskaya nordwärts Richtung Irland auf, der, wie bereits erwähnt, den aktuell
vorhandenen Rücken in weiterer Folge regeneriert bzw. ersetzt.
Zwischen den beiden Rücken greifen weitere kurzwellige und flache Troganteile
bis zum Abend auf die südliche Nordsee bzw. auf Nordwestfrankreich über, wodurch
über Frankreich und Benelux etwas dynamische Hebung generiert werden kann. Die
Folge sind in erster Linie über Teilen Frankreichs Schauer und Gewitter, die
sich innerhalb der dort lagernden potenziell instabilen Luftmasse entwickeln
(weiter nördlich, über Benelux, ist die Luftmasse voraussichtlich zu trocken),
aber wohl maximal noch Nordostfrankreich (Vogesen) bzw. den Süden Belgiens
erfassen und das Vorhersagegebiet nicht weiter tangieren sollten.
So ganz störungsfrei dürfte der Tag aber dennoch nicht über die Bühne gehen.
Nach wie vor reicht eine äußerst flache Potenzialrinne auch noch nach
Südwestdeutschland bzw. in den Alpenraum, wobei im Tagesverlauf mehrere, wohl
auch orographisch induzierte kleinräumige Drehzentren und IPV-Maxima auszumachen
sind. Zudem ist die Luftmasse zumindest über dem Alpenraum potenziell instabil
geschichtet. Ob die inneralpin auftretenden vereinzelten Gewitter noch den
Bayerischen Alpenraum erfassen können bzw. ob es auch im Südschwarzwald bzw. in
Südbaden/Oberschwaben für eine Einzelentwicklung reicht, ist noch unklar. Die
Konvektion erlaubenden Modelle sind diesbezüglich sehr defensiv aufgestellt.
Sollte das jedoch der Fall sein, drohen die bereits weiter oben beschriebenen
Begleiterscheinungen.
Im großen Rest des Landes herrscht aber weitgehend störungsfreies
Hochdruckwetter. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt nach und nach
endgültig nach Skandinavien. An dessen Ostflanke kann die Polarluft über
Osteuropa weiter nach Süden vordringen und streift auch noch den Nordosten des
Landes. Auf Rügen reicht sie immerhin bis 750 hPa, im Emsland befindet sich die
Inversion dagegen in etwa 900 hPa. Die in die Norddeutsche Tiefebene
vorgedrungene Stratus- bzw. Stratocumulusbewölkung lockert dabei vor allem im
Binnenland wohl nur zögerlich auf, zumal sich das kleinräumige, von der
vorpommerschen Küste Richtung Brandenburg/Westpolen ziehende Bodentief nur
langsam auflöst und somit anfangs noch nordwestliche Bodenwinde vorherrschen.
Nach Osten zu ist die feuchtere Luftmasse anfangs vielleicht auch noch so
mächtig, dass es für etwas Nieselregen reicht. Rückseitig des Tiefs dreht der
Wind an der Südflanke des Hochs aber auf Ost und so kann bereits trockenere
Festlandluft in den äußersten Norden, vor allem an die Ostseeküste und nach
Schleswig-Holstein vordringen, so dass sich hier rasch die Sonne durchsetzt.
In der Mitte und im Süden scheint dagegen nach teils schon zögernder
Nebelauflösung neben flachen Quellwolken überwiegend die Sonne. Die 850
hPa-Temperatur erreicht im Nordosten Werte zwischen 5 und 9 Grad, sonst zwischen
10 und 13 Grad. Entsprechend sind im Norden und Nordosten, je nach Bewölkung,
Höchstwerte zwischen 18 und 22 Grad zu erwarten, im Rest des Landes zwischen 22
und 27 Grad, am Rhein vielleicht knapp darüber.

In der Nacht zum Sonntag kommt der „östliche“ Höhenrücken noch ein wenig nach
Osten voran, ist sogar wieder etwas robuster aufgestellt und reicht Sonntagfrüh
über das Vorhersagegebiet und die Nordsee bis ins Nordmeer, während der
„westliche“ Rücken nur wenig Verlagerungstendenz zeigt, sich aber noch etwas
nach Norden aufwölben kann.
Das Bodenhoch über Skandinavien verlagert seinen Schwerpunkt etwas nach Südosten
und reicht mit der 1025 hPa-Kernisobare Sonntagfrüh vom Südschweden bis nach
Zentralpolen. Somit dreht die Bodenströmung über dem Vorhersagegebiet mehr auf
Südost, die Zufuhr von Nordseestratus wird dadurch nun endgültig gekappt.
Nach wie vor reicht die Absinkinversion im Nordosten mit etwa 800 hPa höher als
in den anderen Regionen, die 850 hPa-Temperatur geht dort sogar noch etwas
zurück (auf 4 bis 7 Grad). Eventuell noch vorhandene Stratocumulusbewölkung über
Norddeutschland löst sich nur langsam auf, zumindest sollte sie sich aber nicht
mehr großartig verdichten. In den Westen können eventuell noch Wolkenfelder
ehemaliger Schauer und Gewitter von Frankreich her vordringen. Ansonsten
verläuft die Nacht aber zunächst gering bewölkt oder wolkenlos, ehe sich wieder
vermehrt Nebelfelder ausbilden. An den Tiefstwerten ändert sich gegenüber der
Vornacht nur wenig.

Sonntag … weisen beide Höhenrücken nur wenig Verlagerungstendenz auf, der
nördliche Part des östlichen Rückens wird über dem Nordmeer durch einen nach
Island gerichteten Trogvorstoß etwas Richtung Skandinavien abgedrängt. Im
Bodenfeld verlagert das Hochdruckgebiet seinen Schwerpunkt zur südlichen Ostsee
bzw. nach Polen.
Somit ändert sich nichts Grundlegendes am Wetterablauf im Vorhersagegebiet. Die
in den Nordosten vorgedrungene etwas kühlere Luft kann sich im Tagesverlauf
geringfügig erwärmen, eventuell noch vorhandene SC-Bewölkung im Norden und Osten
sollte mehr und mehr auflockern bzw. in flache Quellwolken übergehen, die im
Nordosten auch noch etwas höher reichen können (bis etwa 800 hPa), aber keine
Schauer bringen.
Ansonsten scheint nach Nebelauflösung meist die Sonne, lediglich im Westen ist
es gebietsweise leicht bewölkt. Dort sorgt der bereits weiter oben abgesprochene
flache Kurzwellentrog zwischen den beiden Rücken für ein wenig dynamische
Hebung, außerdem kann von Belgien und Frankreich her etwas feuchtere Luft bis in
den westlichen bzw. zentralen Mittelgebirgsraum vordringen. Die Modelle
simulieren dort mehrere 100 J/kg Cape und auf über 20 mm steigende PPW-Werte.
Nicht ausgeschlossen, dass es in erster Linie im westlichen, vielleicht auch im
zentralen Mittelgebirgsraum mit orographischer Unterstützung für vereinzelte
Schauer oder gar kurze Gewitter reicht.
Selbiges gilt übrigens auch für den äußersten Süden (Schwarzwald, Alpenrand), wo
nach wie vor etwas feuchtere Luft lagert, allerdings kein dynamischer Antrieb
mehr auszumachen ist.
An den Höchstwerten ändert sich nur wenig, im Norden und Nordosten wird es
vielleicht etwas wärmer. Meist werden 22 bis 27 Grad erreicht, an den Küsten und
im äußersten Norden/Nordosten 19 bis 22 Grad, im Südwesten gebietsweise bis an
die 28 Grad.

In der Nacht zum Montag ändert sich an der großräumigen Konstellation nur wenig.
Eventuelle Schauer- bzw. Gewitterreste lösen sich rasch auf, dann ist es leicht
bewölkt oder wolkenlos, wobei sich erneut gebietsweise dichte Nebelfelder
bilden, stellenweise auch Hochnebel. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 7
Grad.

Montag … weitet sich die Frontalzone vom mittleren Nordatlantik über das
Nordmeer und die Norwegische See allmählich bis nach Skandinavien aus. Der
vorgelagerte, vom Vorhersagegebiet nordwärts bis nach Skandinavien reichende
Höhenrücken wird dadurch nach Osten bzw. Südosten abgedrängt und verliert an
Kontur. Durch WLA einerseits an der Südflanke der Frontalzone, andererseits aber
auch auf der Vorderseite des inzwischen vor der Iberischen Halbinsel
abgetropften Ostatlantiktroges wird aber nach wie vor der nunmehr vom westlichen
Mittelmeerraum über Westfrankreich bis zu den Britischen Inseln reichende
Höhenrücken gestützt und kann sich weiter verstärken. Somit stellt sich über dem
Vorhersagegebiet eine nordwestliche Höhenströmung ein, innerhalb derer ein
flacher Kurzwellentrog von der Nordsee her nach Norddeutschland geführt wird.
Der von ihm ausgehende Hebungsimpuls bleibt aber marginal und großräumig ist das
Zirkulationsmuster über Mitteleuropa auch weiterhin antizyklonal geprägt.
Immerhin dürfte es für lockere hohe und mittelhohe Wolkenfelder reichen, die
sich über Norddeutschland bis in die mittleren Landesteile ausbreiten, dem
freundlichen Wettercharakter aber – außer vielleicht im Nordwesten – kaum im
Wege stehen.
Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt weiter Richtung Osteuropa, nach wie
vor bleibt aber ein recht kräftiger Hochkeil über den Norden des
Vorhersagegebietes bis zur Nordsee bzw. den Britischen Inseln gerichtet. An
dessen Südflanke sickert eventuell etwas feuchtere Luft vor allem in den
Alpenraum und auch in die mittleren Landesteile, so dass dort auch Cape
generiert werden kann. Für Konvektion dürfte es nach Lesart aller derzeit
vorliegenden Modelle aber wohl eher nicht reichen.
Somit steht einem weiteren Spätsommertag eigentlich fast nichts mehr im Wege. An
der Luftmasse ändert sich nur wenig, die Höchsttemperaturen erreichen ähnliche
Werte wie am Vortag.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognose- und
warnrelevanten Unterschiede ausmachen.
Schwierigkeiten bereiten im Detail die auch in der kommenden Nacht wieder von
Norden in die Norddeutsche Tiefebene driftenden tiefen Wolkenfelder, vor allem,
was deren Auflösung am morgigen Samstag angeht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff