#DWD -> #SXEU31 #DWAV 021800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Donnerstag, den 02.09.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 021800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 02.09.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges und warmes Hochdruckwetter mit nächtlicher Nebel- und Hochnebelbildung.
Im Südschwarzwald und an den Alpen geringes Gewitterrisiko.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … spannt sich ein breiter Rücken vom Nordostatlantik bis nach Island
und Südgrönland sowie bis in die Mitte Skandinaviens und bis nach Südosteuropa
auf. Über den Britischen Inseln befindet sich dabei eine abgeschlossene Isohypse
mit 586 gpdam im Geopotenzial in 500 hPa mit einem Höhenhochkern über
Schottland. An seiner Nord- und Westseite wird der Rücken von einem
Langwellentrog flankiert, der vom Nordmeer und der Barentssee über Finnland und
dem Westen Russlands bis zum Schwarzen Meer reicht. Dieser Langwellentrog wird
durch einen von Grönland kommenden Randtrog, der aktuell bereits die norwegische
Küste erreicht, regeneriert.
Am Boden spiegelt sich diese Situation durch die Hochdruckgebiete GAYA I mit
Zentrum bei Schottland und durch GAYA II mit Zentrum über Deutschland wieder.
Dabei liegt GAYA II in einem Keil von GAYA I, das nicht nur umfangreicher,
sondern mit einem Kerndruck von nahe 1034 hPa im Vergleich zu einem Kerndruck
von etwa 1028 hPa von GAYA II auch kräftiger ist.
Die Divergenzachse des Hochkeils erstreckt sich vom Höhenhoch über Schottland
über Benelux und dem nördlichen NRW bis zum Erzgebirge und bis nach Tschechien.
Sie verändert ihre Lage in der Nacht kaum, auch wenn das Höhenhoch über
Schottland langsam eine südliche Drift annimmt. Nördlich der Achse kann sich der
vorhandene Hochnebel/Nordseestratus in der Nacht wieder verstärken, was die
Modelle insbesondere für das Küstenumfeld simulieren.
Im Binnenland nehmen die Hochnebel-Anteile jedoch ab, südlich der Divergenzachse
ist es meist nur gering bewölkt oder klar.
In Gebieten mit starker Bewölkung kühlt es in der Nacht nicht so stark ab wie in
bewölkungsarmen Gebieten. Dafür bildet sich dort gebietsweise Nebel, auch dies
bevorzugt nördlich der Divergenzachse. Im Süden ist die Nebelneigung also etwas
geringer, Nebel aber vor allem in Flussniederungen nicht ausgeschlossen.
Der nur schwache Wind frischt von Nordfriesland bis zur Ostsee in der zweiten
Nachthälfte auf, weil das von Finnland in südöstliche Richtung ziehende Tief
PHILIPP den Druckgradienten vorübergehend erhöht. Das Tief wird durch oben
erwähnten Randtrog in diese Richtung getrieben.
Im Schwarzwald und an der schwäbischen Alb zeigt sich in der ersten Nachthälfte
zudem ein Low-Level-Jet, der vereinzelt zu starken Böen Bft 7 führen kann.
Dieser Low-Level-Jet bildet sich durch Ausbildung der bodennahen nächtlichen
Temperaturinversion, in deren oberen Bereich ein relatives Windmaximum zu finden
ist. Da es tagsüber schon einzelne Böen Bft 6 im Südwesten gab, scheint das
möglich zu sein.
Die Temperaturen gehen auf 15 bis 9 Grad an der See und unter dichten Wolken,
sonst auf 12 bis 5 Grad zurück.

Freitag … flacht der Rücken zwischen einer neuen Austrogung über dem
Nordostatlantik und dem nun durch den Randtrog regenerierten Langwellentrog
östlich von uns ab. Dabei zieht das Höhenhoch unter Abschwächung auf 579 gpdam
in die Nordsee. Bodennah hält sich Hoch GAYA I weiter bei Schottland auf, wobei
es sich mal etwas nach Süden, mal etwas nach Norden bewegt, ohne wirklich
voranzukommen. Der Kerndruck geht allerdings bis auf unter 1025 hPa zurück,
womit sich auch bodennah eine Abschwächung zeigt. Hoch GAYA II zieht es derweil
nach Rumänien mit einem Kerndruck bei etwa 1020 hPa. Beide Hochdruckgebiete
bilden eine Brücke, die sich weiterhin über Deutschland erstreckt. Das Absinken
hält dadurch bei uns an, sodass es vielerorts sonnig oder heiter ist, wenn sich
nächtliche Nebel- oder Hochnebelfelder aufgelöst haben. Während der Nebel nach
Sonnenaufgang rasch verschwindet, könnte sich der Stratus im Nordseeumfeld
länger in den Tag hinein halten.
Ansonsten bilden sich im Tagesverlauf unterhalb der Inversion in 900 bis 800 hPa
gebietsweise Quellwolken. Mit etwas Feuchteanreichung aus den Alpen heraus kann
mit orografischem Support im südlichen Schwarzwald bzw. an den Alpen ein Schauer
oder Gewitter nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die Modelle präferieren
dafür am ehesten das Allgäu.
Der Gradient von Nordfriesland bis zur Ostsee schwächt sich im Tagesverlauf
schon wieder ab, da Tief PHILIPP weiter nach Osten vorankommt und der Gradient
dadurch nachlässt. So treten in diesem Bereich insbesondere in der ersten
Tageshälfte noch einzelne starke Böen Bft 7 aus West bis Nordwest auf.
In den anderen Landesteilen weht der Wind schwach bis mäßig aus
unterschiedlichen Richtungen.
Adiabatisches Absinken und Sonneneinstrahlung sorgen für Höchsttemperaturen von
22 bis 27 Grad, ein wenig kühler bleibt es mit 18 bis 22 Grad direkt an der See
bzw. bei länger bedecktem Himmel.

In der Nacht zum Samstag wird der Rücken weiter abgebaut, wobei sich das
Höhenhoch über Deutschland wiederfindet. Hoch GAYA I verschiebt ihren
Schwerpunkt allmählich nach Skandinavien, ist aber auch noch über der Nordsee
präsent. GAYA II über Südosteuropa schwächt sich ab, steht jedoch immer noch
über die Brücke mit GAYA I in Verbindung. So bleiben der Hochdruckeinfluss und
das Absinken in der Nacht weiter vorherrschend.
Etwaige Schauer ganz im Süden fallen bei fehlendem Tagesgang alsbald wieder in
sich zusammen. Sonst ist es gering bewölkt oder klar und gebietsweise bildet
sich neuerlich Nebel. Darüber hinaus kann sich der Nordseestratus dieses Mal
etwas mehr ins Binnenland vorarbeiten, wobei das von den Modellen vornehmlich
bis zur Mittelgebirgsschwelle gezeigt wird.
Die Luft kühlt sich bei nur noch schwacher Luftbewegung auf 15 bis 9 Grad an den
Küsten und unter dichten Wolken, sonst auf 14 bis 7 Grad ab.

Samstag … legt der Rücken ein leicht progressives Verhalten an den Tag, was
ihn in die Nordsee führt. Das Höhenhoch verlagert sich im Zuge dessen nach
Bayern. Hoch GAYA I wird somit vollends zu einem Skandinavienhoch und bekommt
mit dem Ableger HERMELINDE als Ersatz vermutlich einen neuen Namen. Für uns
ergibt sich eine Hochrandlage an der südwestlichen Flanke des Hochs, oder kurz
gesagt: Der Hochdruckeinfluss bleibt bestehen, größere Wetteränderungen stehen
nicht ins Haus.
Wie am Vortag gibt es nach Nebel- und Hochnebelauflösung also erneut viel
Sonnenschein, gebietsweise ein paar Wölkchen unterhalb der Inversion und die
Chance auf etwas höhere Quellwolken mit sehr vereinzelten Schauern oder
Gewittern über dem südlichen Schwarzwald und an den Alpen. Im Norden hält sich
der Nordseestratus zum Teil wieder länger in den Tag hinein.
Darüber hinaus können auch im Nordosten ein paar Wolken auftauchen, die zusammen
mit den Resten der ehemaligen Kaltfront des Tiefs PHILIP, das in die russische
Steppe entflieht, heranziehen. Dabei macht sich im Nordosten ein Schwall
kühlerer Polarluft von Norden her bemerkbar, sodass die T850 hPa dort auf 5 bis
10 Grad sinken, während sie in den anderen Landesteilen weiterhin bei 10 bis 14
Grad liegen.
Das lässt Höchsttemperaturen von 21 bis 27 Grad erwarten, an der See und im
Nordosten bleibt es mit 18 bis 23 Grad aber leicht kühler.
Bei flauem Druckgradienten ist es meist nur schwachwindig.

In der Nacht zum Sonntag wölbt sich der Rücken sogar wieder ein wenig nach
Norden in Richtung Nordmeer auf, wobei er noch leicht progressiv ist und das
Skandinavienhoch stützt. Dieses weitet sich noch ein wenig bis nach Polen aus.
An unserer Hochrandlage ändert sich folglich nichts Wesentliches. So kann erneut
der Frage der Grenzschichtproblematik mit Nebel, Hochnebel und Nordseestratus
nachgegangen werden. Nordseestratus dürfte aber nach Lage der Dinge durch die
Strömungsänderung auf Südost kaum noch eine Rolle spielen und das wird auch von
den Modellen so propagiert.
Sonst bleibt der Himmel häufig gering bewölkt oder klar und die Temperaturen
sinken bei nur schwachen Luftbewegungen auf 14 bis 7 Grad. Unter dichten Wolken
und an der Küste bleibt es etwas milder.

Sonntag … setzt sich das Aufwölben des nur noch schwach progressiven Rückens
durch Aufsteilung an der Vorderseite eines vor die Iberischen Halbinsel
abtropfenden Höhentiefs fort. Damit bleibt das Hoch über Skandinavien und Polen
fast unverändert, auch wenn sich über der Ostsee ein neues Zentrum
herauskristallisiert.
Bei uns ist daher keine durchgreifende Wetteränderung zu erwarten, sodass einem
weiteren sonnigen oder heiteren Tag nach Nebel- und Hochnebelauflösung kaum was
im Weg steht.
Für den Südschwarzwald und den Alpenrand lässt sich ein geringes Schauer- und
Gewitterrisiko immer noch nicht wegdiskutieren, da dort immer noch feuchtere
Luft lagert.
Die Höchstwerte liegen zwischen 19 und 24 Grad an den Küsten und zwischen 21 und
28 Grad sonst.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren sehr ähnlich. Branchenübliche Unschärfen bezüglich der
Grenzschichtproblematik sind nicht signifikant, Nebel kann ohnehin nur im
Nowcasting bewarnt werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler