SXEU31 DWAV 311800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 31.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges und zögerliches wärmeres Hochdruckwetter mit herbstlichem „Touch“ in
Form erhöhter Nebelneigung.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland zwischen dem nahezu ortsfesten blockierenden
Höhenhoch mit Schwerpunkt nordwestlich von Schottland und einem Höhentief,
dessen Kern sich von Ostpolen in die Westukraine verlagert. Ein Kurzwellentrog
zieht über die Alpen südwärts ab, gefolgt von einem abflachenden Rücken, der im
Laufe der Nacht Norddeutschland erreicht. Dabei konturiert sich die
nordnordöstliche Höhenströmung über Deutschland zunehmend antizyklonal. Im
Bodenniveau wird dadurch ein Hochkeil gestützt, der von Benelux über
Westdeutschland bis in den Südosten des Landes reicht. Mit dem dadurch
forcierten Absinken geht eine allmählich von der mittleren bis in die niedere
Troposphäre vorstoßende Stabilisierung und Abtrocknung der eingeflossenen
subpolaren Meeresluft einher.
Folglich lassen die Schauer auch im Süden und Südosten von Norden her immer mehr
nach. In den Frühstunden treten dann allenfalls noch am östlichen Alpenrand
letzte Schauer auf.
Im übrigen Land fällt die flache Konvektion in Form einiger Quellwolken nach
Sonnenuntergang rasch in sich zusammen und es klart auf. In der noch feuchten
Grenzschicht bilden sich allerdings rasch gebietsweise Nebelfelder, insbesondere
in den Flussniederungen in der Mitte und im Süden. Nördlich der Mittelgebirge
breitet sich dagegen vornehmlich hochnebelartige Bewölkung aus.
Unter dem Hochnebel kühlt es auf 15 bis 10 Grad, bei länger klarem Himmel auf 9
bis 5 Grad ab.

Mittwoch … wird der weiter an Kontur verlierende Höhenkeil über Deutschland
hinweg rasch nach Süden durchgereicht. Dahinter stellt sich zwischen der
blockierenden hochreichenden und ihren Schwerpunkt allmählich Richtung Hebriden
verlagernden Antizyklone und einem von der Barentssee bis nach Osteuropa
gerichteten Trogvorstoß über Mitteleuropa eine nur schwach mäandrierende
nordwestliche Höhenströmung ein. Relevante dynamische Hebungsantriebe sind somit
nicht auszumachen, so dass weiterhin Grenzschichtphänomene im Fokus stehen. Die
Divergenzachse des Bodenhochkeils erstreckt sich nach wie vor vom Westen
Deutschlands südostwärts bis nach Südostbayern.
Nördlich der Keilachse bröckelt die hochnebelartige Bewölkung nur zögerlich auf.
Im Luv, also am Nordrand einiger Mittelgebirge (Eifel, Sauerland, Weserbergland
und eventuell auch Erzgebirge), wo die feuchte Grenzschicht orographisch gehoben
wird und etwas mächtiger ist, tut sich die Sonne besonders schwer. Den
Küstenregionen sowie im Verlauf auch der Norddeutschen Tiefebene dürfte aber
zumindest ein recht sonniger Mittag und Nachmittag bevorstehen.
In der Südhälfte werden die Nebelfelder durch die noch relativ kräftige
Septembersonne im Vormittagsverlauf weitestgehend aufgelöst. Die Absinkinversion
befindet sich dort zwischen 750 und 850 hPa, darunter bilden sich im
Tagesverlauf flache Quellwolken, die aber keine Schauer mehr bringen.
Die niedertroposphärische absinkbedingte Erwärmung der Luftmasse (T850 zwischen
6 und 11 Grad) kann sich in der Grenzschicht noch nicht so recht durchsetzen,
dennoch dürfte es mit Sonnenschein auf Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad
raufgehen. Im Luv einiger Mittelgebirge bleibt es bei dichter Bewölkung etwas
kühler.

In der Nacht zum Donnerstag verlagert die Höhenantizyklone ihren Schwerpunkt in
den Norden Schottlands, das korrespondierende Bodenhoch schwächt sich minimal
ab. In der nordwestlichen Höhenströmung wird ein kleiner Kurzwellentrog, der
hauptsächlich in 300 hPa auszumachen und am besten anhand der
320K-Isotropenfläche zu analysieren ist, zur südwestlichen Nordsee und nach
Nordwestdeutschland gesteuert. Im Vorfeld fächert der Geopotenzialgradient über
Deutschland etwas auf. Die PVA-induzierte vor dem Kurzwellentrog fällt
entsprechend schwach aus, reicht aber bis in die Grenzschicht, sodass von der
Nordsee her erneut dichte Sc- oder St-Bewölkung nach Nordwest- bzw.
Norddeutschland vordringt. Es bleibt aber trocken.
Im übrigen Land ist es dagegen locker bis gering bewölkt, teilweise auch
wolkenlos. Erneut bilden sich innerhalb der feuchten Grundschicht einige Nebel-
und gebietsweise auch Hochnebelfelder.
Die Tiefstwerte liegen im Norden meist zwischen 13 und 9 Grad, an den Küsten
teils bei 15 Grad, sonst zwischen 12 und 6 Grad, in einigen süddeutschen
Mittelgebirgs- bzw. Alpentälern örtlich auch unter 5 Grad.

Donnerstag … driftet der o. e. Kurzwellentrog nur noch langsam weiter südwärts
und verliert dabei an Kontur bzw. zieht sich in die Länge. Übrig bleibt eine von
Südengland bis in die südliche Mitte Deutschlands reichende Geopotenzialrinne,
von der kein nennenswerter dynamischer Hebungsantrieb mehr ausgeht. Rückseitig
kann sich ein von der blockierenden Antizyklone über Schottland ausgehender
Höhenkeil verstärken, der mit seiner Achse in die Nordhälfte des Landes
schwenkt. Dadurch kann sich die Hochdruckbrücke trotz leichten Luftdruckfalles
mit nur geringfügiger Nordostverlagerung diagonal über dem Vorhersagegebiet
halten.
Die Sc-Bewölkung über Norddeutschland kommt kaum mehr nach Süden voran. Das sich
verstärkende Absinken drückt die Inversion auf rund 900 hPa und begünstigt das
Entrainmet trockener Luft in die feuchte Grenzschicht. Die Chancen stehen somit
ganz gut, dass die Wolkendecke zügig Lücken bekommt, so dass der Nachmittag auch
in der Norddeutschen Tiefebene – vielleicht von wenigen Ausnahmen abgesehen –
noch einigermaßen freundlich ausfallen dürfte.
Im Süden und in der Mitte lösen sich die Nebelfelder am Vormittag gebietsweise
nur zögernd auf. Die Grenzschicht reicht bis auf 900 bis 800 hPa, darunter
bilden sich meist nur flache Quellwolken. Vor allem im Südwesten bleibt es
teilweise auch wolkenlos.
Die Erwärmung macht nicht nur niedertroposphärisch, sondern zunehmend auch in
der Grenzschicht größere Fortschritte, T850 steigt auf 8 bis 13 Grad. Somit
liegen die Höchstwerte zwischen 20 und 25 Grad, entlang des Rheins örtlich auch
knapp darüber.

In der Nacht zum Freitag wird der Höhentrog über Nordeuropa durch einen von
Nordwesten nach Mittelskandinavien vorstoßenden Randtrog regeneriert. Die Achse
des über die Nordsee nach Nordwestdeutschland reichenden Höhenkeils wird dadurch
etwas nach Süden abgedrängt – ebenso die Hochdruckbrücke im Bodenfeld, so dass
sich über Norddeutschland die nordwestliche Grundströmung etwas verstärkt. An
exponierten Küstenabschnitten sind starke, eventuell sogar einzelne steife Böen
möglich.
Mit der nordwestlichen Strömung gelangt unterhalb der sich sowohl bezüglich des
Feuchte- als auch Temperaturgradienten verschärfenden Absinkinversion erneut
dichtere Sc-Bewölkung nach Norddeutschland.
Im übrigen Land bleibt es dagegen zunächst vielerorts gering bewölkt oder
wolkenlos, später bilden sich erneut gebietsweise Nebel- und Hochnebelfelder. An
den Tiefstwerten ändert sich gegenüber der Vornacht nur wenig.

Freitag … wird das Höhenhoch durch einen progressiveren Trog über dem nahen
Nordatlantik mit seinem Schwerpunkt zur südlichen Nordsee gedrückt. Der vom
Höhenhoch ausgehende Höhenkeil verändert – genauso wie die korrespondierende
Hochdruckbrücke – seine Position und Ausrichtung diagonal von
Nordwestdeutschland bis in den Südosten nur unwesentlich. Während nordöstlich
davon die kaum mäandrierende nordwestliche Grundströmung erhalten bleibt,
beginnt ein von Frankreich zum westlichen Alpenraum ziehendes Höhentief
allmählich Einfluss auf den Süden und Südwesten zu nehmen. Vorderseitig setzt
stärkerer Luftdruckfall ein, sodass sich eine flache Tiefdruckrinne von
Frankreich hereinschieben kann.
Die Sc-Bewölkung über der Nordhälfte dürfte im Vormittagsverlauf auflockern bzw.
in flache (bis 900 hPa reichende) Quellbewölkung übergehen. Das Nordseeumfeld
bleibt aufgrund der „ungünstigen“ nordwestlichen Anströmung aber anfällig
gegenüber weiterer Sc-Felder.
In der Südhälfte sind die sich nach Nebelauflösung ausbildenden Quellwolken
etwas mächtiger (850 bis 800 hPa), aber auch das reicht nicht für Schauer.
Eine Ausnahme könnte der äußerste Süden und Südwesten darstellen (Alpenrand,
Südschwarzwald). Dort sickert mit der Tiefdruckrinne bereits feuchtere und auch
potenziell leicht instabile Luft ein.
Mit der Auslöse wird es aber schwierig, da die Energie noch „gedeckelt“ ist und
ein synoptisch-skaliger Hebungsmechanismus fehlt. Ausgeschlossen ist ein
einzelnes Wärmegewitter über dem Bergland aber nicht.
Apropos Wärme: Die Höchsttemperaturen liegen mit verbreitet 21 bis 26, am
Oberrhein vielleicht auch 27 Grad noch etwas höher als am Vortag. Etwas kühler
bleibt es an der See.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle rechnen insgesamt sehr kongruent. Prognoserelevante
Unterschiede lassen sich nicht ausmachen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser