#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Sonntag, den 29.08.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 29.08.2021 um 10.30 UTC

Anfangs nach Osten zu noch letzte Schauer. Danach wärmer und meist trocken, zum
kommenden Wochenende erneut einzelne gewittrige Schauer

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 05.09.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums, am kommenden Mittwoch befindet sich
Deutschland am Rande einer umfangreichen Hochdruckzone, die sich vom Seegebiet
zwischen Island und Schottland bis zur Nordsee erstreckt. Daran angrenzend liegt
ein umfangreicher Höhentrog, der sich vom Norden Finnlands und Russlands bis zum
Balkan erstreckt. Dadurch liegt Deutschland im Bereich einer schwachen
nördlichen Strömung mit der eine etwas trocknere Luftmasse herantransportiert
wird. Somit ist es bei 850 hPa Temperaturen, die sich bei rund 5 bis 7 Grad
bewegen, zunächst nur mäßig warm. Letzte Schauer ziehen vom Südosten Deutschland
nach Polen und Tschechien ab.

Am Donnerstag zieht das Höhentief allmählich ost-/südostwärts ab und bekommt
Anschluss an den sich über Nord-/Nordosteuropa nach Süden bzw. Südosten
ausdehnenden Höhentrog (Ausbildung des LW-Trog, s.o.), wobei die Achse des
entstehenden Troges zum Tagesende Südosteuropa erreichen soll. Dadurch kann sich
die hochreichende blockierende Antizyklone bei Schottland in der Westhälfte
stärker bemerkbar machen. Die einfließende Luftmasse erwärmt sich dadurch etwas,
so dass im Südwesten lokal wieder sommerliche Temperaturen erreicht werden.
Niederschläge sind zunächst nicht zu erwarten.

Am Freitag wird von IFS ein markanter Randtrog simuliert, der vom Nordmeer über
Skandinavien ins Baltikum ziehen soll. Daran gekoppelt ist eine kräftige
Bodentiefentwicklung. Dadurch stellt sich unser atlantischer Rücken mehr
meridional auf, gegenüber tiefem Geopotenzial von Nordskandinavien bis ins
Baltikum. Damit verstärkt sich die nordwestliche Strömung auch über
Mitteleuropa, wenngleich wir eher im Randbereich des Troges liegen sollen. Die
Südwesthälfte bleibt in der Peripherie der Hochdruckzone von den Britischen
Inseln bis nach Westeuropa. In den Norden und Osten (etwa bis zu den zentralen
Mittelgebirgen) fließt kühlere Luft polaren Ursprungs (wenn auch über den
Atlantik und die Nordsee) ein. Die 850-hPa-Temperatur geht in der Nordosthälfte
auf 3 bis 5Grad zurück, während letztere nach Süden und Westen weiterhin bei 7
bis 10 Grad liegt. Bis auf ein paar Schauer im Norden sowie ganz im Südwesten,
wo sich ein kleines Randtief mit einer etwas feuchteren Luft bemerkbar macht,
sollte es trocken bleiben. Der Nordwestwind frischt im Norden und Nordosten
etwas auf. Dort können in Küstennähe steife Böen auftreten.

Am Samstag rückt der Höhenrücken von den Britischen Inseln näher über die
Nordsee heran und der LW-Trog entsprechend weiter nach Nordosteuropa. Am Boden
weitet sich ein Hochkeil bis nach Südskandinavien bzw. Norddeutschland aus.
Damit gelangt bei uns die eingeflossene kühle Meeresluft unter Hochdruckeinfluss
und es sieht nach ruhigem und teils freundlichem Herbstwetter aus. Lediglich im
Süden macht sich der Einfluss eines kleinen Randtiefs über Österreich mit einer
etwas feuchteren Luftmasse bemerkbar, so dass im Süden unseres Landes lokale
Schauer und Gewitter sich bilden dürften. Die 850-hPa-Temperatur liegt in der
Nordhälfte bei 3 bis 5 Grad, im Süden und Südwesten bei 6 bis 10 Grad, die 10
Grad-Isotherme kratzt dabei am Hochrhein. Die Tagesmaxima liegen dann allgemein
bei 16 bis 22 Grad, im Südwesten lokal bis 25 Grad.

Am Sonntag gelangen wir allmählich auf die Vorderseite eines Westeuropäischen
Langwellentroges. Dadurch wird wieder wärmere Luft in den Südwesten
transportiert. Die zuvor noch wetterbestimmende Hochdruckzone verlagert sich
zunehmend in den Norden Skandinaviens. Im Süden und Südwesten kommt es dabei im
Tagesverlauf zu lokalen Schauern und Gewittern, während es im Norden und Osten
überwiegend freundlich und trocken bleibt.

In der erweiterten Mittelfrist weitet sich der westeuropäische Trog noch etwas
stärker ostwärts Richtung Mitteleuropa hin aus. Lediglich im Nordosten bleibt
noch Einfluss des Skandinavien Hochs erhalten. Somit sind im Süden und Westen
stärkere, teils auch gewittrige Regenfälle zu erwarten. Im Nordosten bleibt es
dagegen meist freundlich und trocken.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des neuen IFS-Laufes kann als gut bezeichnet werden. Der
Höhenrücken bei den Britischen Inseln verlagert sich allmählich nach Osten und
sorgt über Mitteleuropa für eine Wetterberuhigung, die erst im Lauf des
kommenden Wochenendes von lokalen Schauern im Süden des Landes gestört werden
wird. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagebereichs kommen wir auf die
Vorderseite eines westeuropäischen Langwellentroges.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Der weiter oben beschriebene Ablauf wird im Großen und Ganzen von anderen
Globalmodellen wie ICON oder GFS und GEM ähnlich gesehen. Im Detail (genauerer
räumlicher und zeitlicher Ablauf) bestehen sicher Unterschiede, die Umstellung
der Großwetterlage (GWL) kommt aber zumindest bei diesen Modellen vor.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Cluster des IFS (t+120 bis t+168h) bestehen beim aktuellen Lauf nur noch aus
zwei gruppierten Clustern, die synoptisch ähnlich sind (Atlantischer Rücken,
Unterschiede bei Ausprägung und Lage von Randtrögen und auch des Höhenrückens).
Mehr zyklonaler Einfluss in Mitteleuropa ist ebenso auf dem Programm (zyklonale
Nordwestströmung) wie ein progressiverer Höhenrücken von den Britischen Inseln
her.

Beim Zeitschritt t+192 bis t+240 h hingegen existieren sechs gruppierte
Clusterlösungen, denen nur gemein ist, dass fast alle Lösungen mehr oder weniger
blockierende Verhältnisse beschreiben. In der deutlichen Minderheit sind
Clusterlösungen mit zyklonaler West- oder Südwestlage.

Die beschriebenen Umstände finden sich auch in den Rauchfahnen ausgewählter
Regionen wieder:

Norddeutschland: Zunächst bleibt die 850-hPa-Temperatur auf dem Niveau 5 bis 6
Grad (bis Mittwoch), danach kurzer Anstieg und ab Freitag gehen der Hauptlauf
und die Mehrzahl der Member auf etwa 2 bis 4 Grad zurück, Kontrolllauf und etwa
ein Viertel der Member steigen allerdings auf 7 bis 9 Grad an. Die
Niederschlagssignale gehen ab Mittwoch fast auch null (einzelne Schauer),
steigen aber am Wochenende wieder an. Das Geopotenzial in 500 hPa steigt ab
Dienstag bis Donnerstag kontinuierlich an, um danach bei der Mehrzahl der Member
(einschl. Haupt- und Kontrolllauf) wieder zu sinken. Allerdings gibt es auch
nicht geringe Anzahl an Membern, die nach dem Wochenende wieder ansteigen
(beschriebenes Europäisches Blocking).

Südwesten: Hier fällt bei Betrachten der 850-hPa-Temperatur ins Auge, dass
letztere eigentlich relativ konstant bei 6 bis 8 Grad liegt (bis
Mittwoch/Donnerstag), dann leicht ansteigt (bis Samstag auf etwa 9 bis 12 Grad,
um dann in der Tendenz leicht zu fallen (Mehrheit der Member sowie Haupt-und
Kontrolllauf). Eine gewisse Memberschar lässt allerdings auch hier die
Temperatur ab Freitag zurückgehen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Zunächst kommt es nach der Probabilistik und den Modellen allgemein weiterhin
noch zu Stark- und Dauerregen vor allem im Osten (Brandenburg, Erzgebirge) sowie
Südosten (Alpenrand).
Zudem sind bei kräftigen Schauern/ Gewittern sowohl Starkregen 15 l/qm in kurzer
Zeit als auch stürmische Böen (Bft 8) nicht ausgeschlossen.

Ab Mittwoch/ Nacht zum Donnerstag schwächen sich die Regenfälle von Westen her
ab, so dass voraussichtlich ab Mittwochabend keine markanten Warnungen mehr
erforderlich sind.

Zum Freitag sind im Küstenumfeld sowie im Nordosten Böen der Stärke 8 nicht
völlig ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer