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SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 29.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Gebietsweise markanter Dauer- oder Starkregen, vereinzelt Gewitter. In der neuen
Woche von Nordwesten allmähliche Wetterbesserung.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … bestimmen zwei wesentliche Druckgebilde die Großwetterlage über
Europa. Da wäre zum einen ein breiter, von der Iberischen Halbinsel bis nach
Island reichender Höhenrücken, der das umfangreiche und stationäre Bodenhoch
GAYA mit Schwerpunkt nordwestlich der Britischen Inseln stützt. Flankiert wird
dieses Hoch von einem Langwellentrog östlich davon, der in einem sich ebenfalls
kaum verlagernden Höhentief mit Drehzentrum aktuell über Österreich und Ungarn
mündet. Dieses korrespondiert mit einem eher flachen Tiefdruckgebilde am Boden
bestehend aus mehreren Tiefdruckkernen (NICK und OVE) über dem östlichen
Mitteleuropa bzw. Ost-/Südosteuropa. Somit ergibt sich über Deutschland eine
nordöstliche Grundströmung, mit der feuchte und relativ kühle Luft subpolaren
Ursprungs zu uns geführt wird (T850 hPa 6 bis 8 Grad). Dabei dominiert
hierzulande am Rande des Höhentiefs der zyklonale Einfluss. Wiederholt um das
Höhentiefzentrum herumgeführte kurzwellige Troganteile sorgen für
Hebungsimpulse, die wiederum Schauer, teils auch größer flächige Regengebiete
zur Folge haben. Schauerartig verstärkte Regengebiete, die teils auch mehrere
Stunden andauern ziehen aktuell (18 Uhr) vor allem vom äußersten Süden
Vorpommerns über Nordbrandenburg bis nach Sachsen-Anhalt, von Südthüringen bis
nach Bayern hinein, sowie über BaWü hinweg. Für einige dieser Gebiete wurden
Dauerregenwarnungen ausgegeben.
In der kommenden Nacht wird sich das Drehzentrum nur geringfügig nordwärts
verlagern Richtung Slowakei und Südpolen. Dabei sind in der Höhenströmung
weitere Kurzwellentröge zu erkennen. Somit ist davon auszugehen, dass
insbesondere in einem Bogen vom südlichen Vorpommern/Nordbrandenburg über
Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Bayern und dem Alpenrand weitere
schauerartig verstärkte Regenfälle auftreten werden. In diesen Regionen können
gebietsweise Mengen zwischen 10 und 20 l/m², teils auch 25 bis 30 l/m² innerhalb
von 12 Stunden fallen. Teilweise können diese Mengen auch in kürzerer Zeit
fallen, entsprechende Signale für Starkregen > 20 mm in 6 Stunden gibt es
seitens ICON-D2 EPS (bis 60 % Wahrscheinlichkeit) vor allem für Teile des
Nordostens und Ostens, sodass die (zusätzliche) Ausgabe von Starkregenwarnungen
nicht ausgeschlossen ist. Dabei fällt vor allem ein Gebiet südlich Berlin bis
nach ST auf, wo das ICON-D2 EPS abweichend von den det. Modellen erhöhte
Wahrscheinlichkeiten für Starkregen zeigt. Somit muss das sich leicht nach Süden
bewegende aktuelle Niederschlagsgebiet beobachtet werden und möglicherweise
erfolgen kurzfristig weitere Warnungen vor Starkregen.
Abseits dieser Gebiete muss ebenfalls noch mit einzelnen Schauern oder etwas
Regen gerechnet werden, dabei fallen die Regenmengen aber geringer aus.
Gewitter, wie sie heute Nachmittag im Osten und Südosten vereinzelt aufgetreten
sind, sollten aufgrund der Tageszeit ausbleiben.
Im Nordwesten und Norden bleibt es dann weitgehend trocken und auch von
Südbrandenburg bis nach Sachsen lassen die Schauer im Laufe der Nacht mehr und
mehr nach. Auflockerungen sind aber nur selten.
An der Vorpommerschen Ostseeküste kann es noch einzelne Böen Bft 7 aus Nordost
geben.

Montag … ändert sich an der großräumigen Druckverteilung wenig, wenngleich
sich das Rücken-Trogmuster ein kleinwenig nach Osten verlagert und sich das Hoch
GAYA nordwestlich von Schottland noch ein wenig stärken kann. Beides hat zur
Folge, dass es zumindest im Nordwesten, später auch in weiten Teilen
Mecklenburg-Vorpommerns trocken bleibt. Insbesondere an der Nordsee und im
Norden Schleswig-Holsteins zeigt sich sogar längere Zeit die Sonne.
Sonst ändert sich am Wettercharakter wenig. Bedingt durch weitere Randtröge sind
vor allem in einem Korridor vom Nordosten über die östliche Mitte bis nach
Bayern und das östliche BaWü weitere schauerartig verstärkte und teils länger
anhaltende Regenfälle zu erwarten. Gebietsweise sind Mengen zwischen 10 und 20
l/m², an den Alpen auch etwas darüber in 12 Stunden, teils auch in kürzerer Zeit
(Stichwort mehrstündiger Starkregen) zu erwarten. Aus heutiger Sicht liegen die
Niederschlagsschwerpunkte zum einen von Brandenburg bis nach Thüringen sowie
südlich der Donau bis zu den Alpen. Einzelne kurze Gewitter kann es in der Mitte
und im Süden auch wieder geben, teils in Verbindung mit markantem Starkregen.
Eine untergeordnete Rolle spielt der Wind, der an exponierten Stellen von Rügen
bis zum Oderhaff zeitweise die Stärke Bft 7 aus Nordost erreichen kann. Die
Temperatur steigt im Vergleich zum Vortag ein wenig an und erreicht 16 Grad im
Dauerregen an den Alpen und bis maximal 23 Grad im Nordwesten.

In der Nacht zum Dienstag steigt der Luftdruck von Westen allmählich weiter an.
Deutschland verbleibt zwar immer noch im Bereich des wetterbestimmenden
Höhentiefs, die Haupthebungsgebiete sind aber nun über dem östlichen
Mitteleuropa anzutreffen. Das bedeutet, dass zwar im Osten und Süden weitere
Niederschläge zu erwarten sind, die Intensität lässt aber nach. Vor allem im
Stau der Alpen und des Erzgebirges fallen nochmal 5 bis 15 l/m², lokal bis 20
l/m², sonst sind die Mengen deutlich geringer. Im Norden und Westen bleibt es
bereits überwiegend trocken und die Bewölkung lockert etwas auf. Unterhalb einer
Absinkinversion auf etwa 750 hPa ist die Grundschicht sehr feucht, vereinzelt
kann sich also Nebel bilden.

Dienstag … drängt der Höhenrücken weiter Richtung Nordwestdeutschland vor und
im Bodendruckfeld streckt das Hoch (mittlerweile knapp über 1035 hPa) seine
Fühler in Form eines Hochkeils nach Deutschland aus. Somit bleibt die nördliche
bis nordöstliche Grundströmung erhalten, dennoch erfolgt von Norden eine
allmähliche Abtrocknung. Zwar ist die Absinkinversion immer noch vorhanden, der
Spread in den unteren Schichten wird aber größer, sodass die Sonnenanteile im
Westen und Norden größer werden sollten.
Weiter östlich bzw. südöstlich, wo immer noch der Trog seine Wirkung zeigt,
halten sich hingegen weiterhin dichte Wolken. Etwa vom Südschwarzwald bis nach
Brandenburg und südöstlich dieser Linie gibt es weiteren Regen oder Schauer. Der
meiste Regen ist nochmals im Stau der Alpen und des Erzgebirges zu erwarten mit
Mengen von 2 bis 5, lokal bis 10 l/m² in 12 Stunden.
Das Temperaturniveau bleibt ähnlich zum Vortag bei Werten zwischen 16 und
maximal 23 Grad, mit den höchsten Werten im Nordwesten.

In der Nacht zum Mittwoch wird der Höhentrog weiter ostwärts abgedrängt, sodass
das kräftige Hoch GAYA bei uns weiter an Einfluss gewinnt, von dem aus weiterhin
ein Keil Richtung Deutschland gerichtet ist. So fallen am Erzgebirge, am
Bayerischen Wald und an den Alpen nur noch wenige Tropfen Regen. Von Westen
lockert die Bewölkung weiter auf und gebietsweise bildet sich Nebel.

Mittwoch … kann sich der Einfluss des Hochs noch etwas weiter stärken, sodass
in weiten Teilen des Landes endlich mal wieder ein freundlicher Tag mit längeren
sonnigen Abschnitten zu erwarten ist. Einzig im Bereich der Achse des Hochkeils
von NRW bis nach Sachsen können sich bei nur schwachen Luftbewegungen nächtliche
Nebel- oder Wolkenfelder länger halten. Auch am Erzgebirge und an den Alpen
halten sich durch die nördliche Anströmung noch dichtere Wolken, die vielleicht
hier und da noch etwas Nieselregen bringen. Dort bleibt es bei Werten um 19 Grad
auch etwas kühler als im übrigen Land, wo Höchstwerte zwischen 21 und 23 Grad
erreicht werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Entwicklung der Großwetterlage wird von den betrachteten Modellen weitgehend
übereinstimmend prognostiziert.
Unterschiede gibt es weiterhin bei der Vorhersage der Niederschlagsschwerpunkte.
Insbesondere das IFS weicht von ICON und GFS ab und zeigt im Osten und dort
insbesondere in den Nordstaulagen der Mittelgebirge höhere Niederschlagssummen.
Während man also auf Basis von ICON und GFS überlegen kann, Teile der
Dauerregenwarnung für Sachsen (etwa zwischen Chemnitz und Dresden) aufzuheben,
spricht das IFS noch dagegen. Somit sollte mindestens der 12 UTC Lauf des IFS
diesbezüglich abgewartet werden.
Betrachtet man die akkumulierten Niederschlagsmengen bis Dienstagabend an den
Alpen, so ist nicht ausgeschlossen, dass punktuell auch unwetterartige Mengen
zusammenkommen. Dies betrifft aber insbesondere die Staulagen, was in den
Warnungen bereits berücksichtigt wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger