#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 13.08.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 13.08.2021 um 10.30 UTC

In der kommenden Woche unbeständiges, teils frühherbstlich anmutendes Wetter mit
Regenfällen. Vor allem im Norden mitunter sehr windig, teils stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 20.08.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Montag beginnt
nicht nur eine neue Woche. Es wird zudem die zweite Augusthälfte und somit das
letzte Sechstel dieses denkwürdigen Sommers eingeläutet, bevor im September der
meteorologische Herbst anfängt. Betrachtet man nur mal ganz oberflächlich, quasi
auf die Schnelle, die meteorologischen Basisfelder für die nächste Woche, so
wird dem geneigten Beobachter ziemlich schnell klar, dass das Ganze alles andere
als ein Endspurt des Sommers darstellt. Im Gegenteil, die Atmosphäre scheint
sich schon jetzt nach dem bevorstehenden Herbst zu sehnen, was vor allem in
Norddeutschland zu spüren sein dürfte. Doch der Reihe nach.

Schon am Montag geht´s richtig zur Sache, wenn nämlich die Kaltfront eines nur
langsam über Südskandinavien nach Osten ziehendes Tief Deutschland von Nordwest
nach Südost überquert und im Schlepptau mal so eben – sozusagen als Bonus –
einen fetten, recht scharf geschnittenen Höhentrog zu uns führt. Im Süden wird
die dort vom Wochenende noch lagernde subtropische Warm- bzw. Heißluft
ausgeräumt (T850 anfangs noch bei 15°C) und durch merklich kühlere maritime
Polarluft ersetzt (um 24 UTC nur noch 7 bis 10°C, im Norden und Westen gar
lausige 2 bis 4°C) – ein Prozess, der wohl nicht ganz geräuschlos
vonstattengeht. So dürften sich insbesondere zwischen Donau und Alpen einige
kräftige Gewitter entwickeln, Unwetter nicht ausgeschlossen. Ansonsten regnet es
im Bereich der Front und auch postfrontal entwickeln sich im Nordwesten in der
zunehmend höhenkalten Luftmasse zahlreiche Schauer und kurze Gewitter. Und als
ob das nicht schon reichen würde, könnte es in der Nacht zum Dienstag an der
Nordsee einen kleinen Sturm geben, wenn nämlich ein kleines Randtief vom
Skagerrak her gen Jütland zieht und im Verbund mit dem einem kräftigen
1030-hPa-Hoch über dem nahen Atlantik einen veritablen Gradienten aufbaut.

Während die Randtiefentwicklung noch mit Unsicherheiten behaftet ist, scheint es
unstrittig, dass besagter Höhentrog bis Mittwoch nur relativ pomadig den
Vorhersageraum ostwärts überquert, auch wenn es der heutige 00-UTC-Lauf etwas
eiliger hat als seine Vorgänger. Auf alle Fälle beschert uns der Trog
unbeständiges und eher mindertemperiertes (T850 Dienstag 24 UTC um 5°C) Wetter,
bei dem es vornehmlich im Norden und in der Mitte zu teils schauerartigen (am
Dienstag vereinzelt auch gewittrigen), gebietsweise auch länger andauernden
Regenfällen kommt. Dabei bleibt es ziemlich windig, während im Süden ein zonal
exponierter Keil des o.e. Hochs für eine gewisse Wetterberuhigung sorgt.

Im Laufe des Mittwochs gelangt Deutschland allmählich auf die Trogrückseite
unter eine nordwestliche Höhenströmung, die in den Folgetagen zonalisiert und
auf westliche Richtung rückdreht. Auch bodennah stellen sich zwischen dem
weiterhin präsenten Hochkeil im Süden (das Mutterhoch über dem nahen Atlantik
schwächt sich allerdings ab) und allgemein tiefem Luftdruck über Nordeuropa
überwiegend westliche Winde ein, die aber gegenüber der ersten Wochenhälfte an
Substanz einbüßen. Auf alle Fälle bleibt das Wetter leicht wechselhaft, auch
wenn von Süden her eine allmähliche Erwärmung (T850 am Freitag, 12 UTC zwischen
4°C an der Grenze zu Dänemark und nahe 12°C südlich der Donau) konstatiert
werden kann. Auch deutet sich eine Intensitätsabnahme der weiterhin simulierten
und bis in den Süden reichenden Niederschläge an.

Noch ein kurzer Blick in die Glaskugel (erweiterte Mittelfrist), die von Westen
her eine neuerliche Austrogung signalisiert, bevor zum Ende hin ein
umfangreiches, mit seinem Schwerpunkt zur Nordsee wanderndes Hoch das Heft des
Handelns in die Hand nehmen könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS-Modells vom ECMF ist insofern als gut zu bezeichnen, als
dass die für nächste Woche apostrophierte unbeständige, fast schon
frühherbstlich anmutende Witterung auch vom allerneuesten Lauf (heute 00 UTC)
bestätigt wird. Gleichwohl gibt es nach wie vor Unschärfen, vor allem was das
Timing, die Geometrie und die genaue räumliche Exposition der antreibenden
synoptischen Systeme (Tröge, Fronten, Tiefs) angeht. Während sich die
Temperaturentwicklung vergleichsweise unbeeindruckt von diesen Unsicherheiten
zeigt, reagiert der Niederschlag ungleich sensibler. Sprich, wo wann der meiste
Regen fällt, ist noch nicht ganz klar. Am ungemütlichsten dürfte es aber im
Norden werden, wo es nicht nur wiederholt regnet, sondern zudem noch ein
ordentlicher, mitunter sogar stürmischer Wind unterwegs ist – bei wenig
sommerlichen Temperaturen versteht sich.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Grundsätzlich lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass auch die anderen für
gewöhnlich auf dem Prüfstand stehenden Globalmodelle keine anderen Ziele als IFS
verfolgen. Oder mit anderen Worten, vom deutschen ICON über die „Nordamerikaner“
GFS und GEM bis hin zum britischen UKMO ist man wenig bis gar nicht daran
interessiert, Mitteleuropa respektive Deutschland ein „echtes“ Sommerszenario
(also das, was man landläufig darunter versteht) zu gönnen. Dabei behalten die
Aussagen vom vorherigen Kapitel auch beim Modellvergleich ihre Gültigkeit.
Auffallend ist die Lösung von GFS, das den ersten Trog (Montag bis Mittwoch)
deutlich flacher simuliert und auch schneller durchgehen lässt. Dafür bleibt die
nachfolgende Zonalisierung aus und es greift zum Donnerstag hin ein schärferer
Trog, ja man kann sogar von einem Höhentief sprechen, auf Deutschland über, der
mit z.T. kräftigen Niederschlägen verbunden wäre – ein Szenario, dass nur von
GEM und das auch nur ansatzweise mitgespielt wird.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen mehrerer repräsentativer deutscher Städte sprechen eine
relativ deutliche Sprache mit überschaubarem Spread und nur wenigen Ausreißern.
Am auffälligsten ist der Temperatursturz zu Beginn der neuen Woche, der mit
einem „Tal“ beim Geopotenzial korreliert. Danach zeigt der Chart bei beiden
Parametern eine Seitwärtsbewegung mit leicht ansteigender Tendenz und
nachlassenden Regensignalen in der zweiten Wochenhälfte.

Dass für das Zeitfenster T+72…96h (Montag bis Dienstag) trotzdem sechs Cluster
angeboten werden (alle übrigens im Klimaregime „Atlantic Ridge“), hängt mit der
leicht unterschiedlichen Geometrie des Höhentroges bzw. dessen Timing zusammen.
An der Passage per se bestehen keine Zweifel. „Atlantic Ridge“ bleibt auch das
dominierende Szenario für die Zeit von Mittwoch bis Freitag (T+120…168h), für
die ebenfalls sechs Cluster angeboten werden. Sie alle weisen eine mehr oder
weniger stark ausgeprägte Tendenz zur Zonalisierung der Höhenströmung auf, wobei
diese mal zyklonaler, mal antizyklonaler ausgeprägt ist. Auch die Ausprägung des
o.e. Bodenhochkeils wird mit einer gewissen, wenn auch nicht überbordenden
Streuung angeboten.
Im weiteren Verlauf bis Montag (T+192…240h) reduziert sich die Zahl der Cluster
auf fünf, von denen der überwiegende Teil die zögerliche Annäherung eines
unterschiedlich ausgeprägten Höhenrückens vom nahen Atlantik her andeutet.
Lediglich das mit nur 5 Mitgliedern besetzte CL 5 kredenzt uns einen über dem
westlichen Mitteleuropa abtropfenden Trog. Es überwiegt aber eindeutig der Hang
zu einem antizyklonal geprägten Regime.

FAZIT: Trotz der genannten Unschärfen liegen sowohl die meisten
deterministischen als auch die probabilistischen Vorhersagen auf Linie des
IFS-Hauptlaufs.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Vorfeld der am Montag von Nordwest nach Südost durchziehenden Kaltfront ist
die Wahrscheinlichkeit markanter, lokal sogar schwerer Gewitter im äußersten
Süden erhöht. Insbesondere die Regionen zwischen Donau und Alpen, vielleicht
auch noch der Bayerische Wald dürften davon betroffen sein. Gleichzeitig nimmt
im äußersten Norden und Nordwesten mit dem Einströmen höhenkalter Meeresluft
polaren Ursprungs die Gefahr kurzer, aber markanter (Böen 8-9 Bft) zu. Einzelne
Kaltluftgewitter sind im Norden und in der Mitte auch am Dienstag noch möglich,
wenn nicht gar wahrscheinlich (hängt von der Verlagerungsgeschwindigkeit des
Troges respektive der höhenkältesten Luft ab).

Als zweiter Parameter muss der Wind bzw. Sturm genannt werden. Im Norden und
dort vor allem an der Küste (Nordsee gegenüber Ostsee aus heutiger Sicht
anfälliger) frischt der West- bis Nordwestwind zwischen Montag und Mittwoch
zeitweise merklich auf mit der Gefahr von Böen 8 bis 9 Bft. Auch die höheren
Lagen der meisten Mittelgebirge zeigen sich starkwindanfällig.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann