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SXEU31 DWAV 131800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 13.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wetterdreiteilung: Im Süden hochsommerlich heiß mit einzelnen, aber heftigen
Gewittern – im Norden Abkühlung, windig und wechselhaft – dazwischen ruhiges
Wohlfühlwetter. Ab Montag „Herbsteinzug“.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland zwischen einem hochreichenden, steuernden Tief
KURT, das sich bis Samstagfrüh mit seinem Drehzentrum nach Südnordwegen
verlagert, und einem massiven, rekordverdächtigen Höhenhoch mit Schwerpunkt nahe
der Straße von Gibraltar unter einer westlichen, vor allem nach Norden zu recht
strammen, leicht zyklonal konturierten Höhenströmung. Die Achse des Höhenjets
verläuft allerdings weiter nördlich über die mittlere Nordsee und Jütland. Im
Bodenniveau schwenkt ein flacher Trog über den Osten Deutschlands nach Polen,
gefolgt von einem Keil, der sich mit seiner Achse quer über die Mitte legt. An
der Westflanke des Troges lässt sich eine Kaltfront analysieren, die über die
Nordhälfte bis Mitternacht recht zügig ostwärts hinwegschwenkt und unter dem
Keil über der südlichen Mitte bis Samstagfrüh schließlich quasi stationär wird.
Während dahinter maritime Atlantikluft einfließt (T850 über dem Norden auf 10
bis 6 Grad sinkend), ist präfrontal über der Mitte und im Süden Warmluft
subtropischen Ursprungs wirksam (T850 11 bis 19 Grad). Ein weiterer Ast der
Frontalzone erreicht den Nordwesten in Form einer teilokkludierten Kaltfront
ausgangs der Nacht, die thermischen Gegensätze an ihr sind aber nicht mehr
nennenswert.

Schon mit Passage der Bodentrogachse und Winddrehung auf West bis Nordwest setzt
Kaltluftadvektion ein, die auch die weiter westlich gelegene Kaltfront
überläuft. Entsprechend früh und zügig setzt sich die im Norden und Westen
bereits vollzogene Stabilisierung auch im Osten und in der Mitte durch. Die
vereinzelten Schauer und Gewitter sollten dort bis Mitternacht abklingen oder
abziehen. Lediglich der äußerste Süden und Südosten (Alpenrand, Niederbayern)
bleibt bis auf weiteres noch in hochreichend labiler Luft. Nennenswerte
synoptisch-skalige Hebung ist zwar nicht zu erwarten, Querzirkulation an der
Kaltfront oder orographisch erzwungene Hebung im Alpenvorland dürften aber
weitere, wenn auch nur vereinzelte Gewitter auslösen. Bei PPW’s um 30 mm und
moderater Verlagerung ist mit Starkregen zu rechnen, anfangs kann aber auch
Hagel oder eine stürmische Böe nicht ausgeschlossen werden. Geringe
Unwettergefahr durch Starkregen und Hagel besteht am ehesten in Niederbayern, wo
beispielsweise das ICON6 teils über 1000 J/kg MU-CAPE simuliert.

In den übrigen Regionen gestaltet sich das Wetter ereignisarm. Die beiden
Kaltfronten bringen meist nur harmlose mehrschichtige Wolken, dazwischen kann es
auch mal Aufklaren. Lediglich an der Nordsee besteht in einer von der See
advehierten flachen Labilitätsfläche (bis 700 hPa) ein gewisses Potenzial für
berüchtigte „Nieselschauer“. Zwar lässt der Wind hinter der Druckanstiegswelle
nach Passage des Bodentroges etwas nach, Böen Bft 7 sind dort aber exponiert
weiterhin möglich.

Samstag … zieht das hochreichende Zentraltief KURT nach Mittelschweden. Von
ihm ausgehend erstreckt sich ein Trog südwestwärts über die Britischen Insel ins
Seegebiet knapp südwestlich von Irland. Dort mündet er in ein weiteres
Höhentief, das im Bodenfeld mit einem kleinen Tief (LUCIANO) korrespondiert.
Damit bleibt Deutschland unter einer westlichen Höhenströmung mit leicht
zyklonalen Konturen über Norddeutschland. Im Bodenfeld erstreckt sich eine
Hochdruckbrücke über der südlichen Mitte. Die südliche Kaltfront löst sich im
Einfluss dieser langsam auf. Die hintere Kaltfront dagegen geht über der Nordsee
und den Britischen Inseln in die Warmfront von Tief LUCIANO über und schleift
mehr oder weniger aktiv über dem Norden.

Damit ergibt sich eine Dreiteilung hinsichtlich Luftmasse und Wetter. Im Norden
(etwa nördlich einer Linie Emsland-Uckermark) stellt sich in feuchter und kühler
Meeresluft (T850 6 bis 9 Grad) recht wechselhaftes Wetter ein. Zwar fällt die
Schauerneigung insgesamt gering aus (Labilität nur bis etwa 700 hPa), bei
Höchsttemperaturen zwischen 19 und 24 Grad kommen aber kaum mehr Sommergefühle
auf. An der See und im angrenzenden Binnenland weht der Wind zudem frisch und in
Böen stark, exponiert gar stürmische aus West.

Ganz im Süden dagegen setzt sich das hochsommerliche Wetter in subtropischer
Warmluft (T850 17 bis 20 Grad) fort. Bei viel Sonnenschein werden erneut
Höchstwerte von knapp über 30 Grad erreicht. Allerdings ist die Luft auch noch
recht feucht und schwül (spez. Feuchte 10-13 g/kg) und zudem teils instabil.
Zwischen Schwarzwald, Alb und Alpen wird folglich wieder veritables ML-CAPE
zwischen 500 und knapp über 1000 J/kg generiert. Es fehlt zwar weiterhin an
nennenswerter synoptisch-skaliger Hebung, die Labilität ist aber gleichzeitig
nur wenig gedeckelt, sodass es mit orographischer Unterstützung für einzelne,
dann aber durchaus heftige Gewitter reichen sollte. Bei schwacher oder moderater
Scherung dürfte es sich um pulsierende Einzel- und Multizellen handeln, die bei
PPW’s teils über 30 mm (heftigen) Starkregen bringen können. Die
Prognosesoundings deuten eine kleine, inverse V-Struktur an, sodass lokal
stürmische Böen nicht ausgeschlossen werden können. Hagel zwischen 1 und 2 cm
Korngrößen muss man zumindest ins Kalkül ziehen.

Im breiten Sektor dazwischen sorgt deutlich trockenere Mischluft für einen
wohltemperierten Übergangsbereich (T850 10 bis 16 Grad). Bei einem freundlichen
Mix aus harmlosen Quellwolken und zeitweiligem Sonnenschein werden durchaus
angenehme 25 bis 30 Grad erreicht, vereinzelt auch darüber.

In der Nacht zum Sonntag greift die Warmfront von LUCIANO auf den Nordwesten und
Norden über. Es beginnt leicht zu regnen. Wenigstens fächert der Gradient im
Nachtverlauf etwas auf, sodass bis zum Morgen nur noch exponiert einzelne Böen
Bft 7 auftreten. Im Süden klingen die Gewitter mangels Antriebes meist ab. Über
der breiten Mitte klart es verbreitet auf, hier und da kann sich aber Nebel
bilden. Im zentralen Mittelgebirgsraum kühlt es in der trockenen, kaum bewegten
Luft örtlich auf einstellige Temperaturwerte ab, ansonsten sind es meist 16 bis
10 Grad.

Sonntag … wird der nordeuropäische Trogkomplex durch ein hineinlaufendes
Höhentief über dem Nordmeer regeneriert. Der zu den Britischen Inseln gerichtete
Trog schwenkt langsam südostwärts und erreicht zum Abend Südengland und die
Keltische See. Dadurch kann die recht glatte Höhenströmung über Deutschland
etwas auf Westsüdwest aufsteilen. Das Tief LUCIANO gelangt unter die Trogachse
und degeneriert zu einem Bodentrog. Allerdings zeichnet sich über der südlichen
Nordsee bereits eine Warmfrontwelle ab. Durch WLA-bedingten Druckfall wird die
Hochdruckbrücke über Deutschland abgebaut, die Strömung bleibt aber meist flau.
Nur im Küstenumfeld reicht der Gradient aus, um zumindest zweitweise und
exponiert einzelne Böen Bft 7 zu produzieren.

Die Wetterdreiteilung bleibt zunächst quasi erhalten. Im Wirkungsbereich der nur
sehr zögerlich nach Norden vorankommenden Warmfront regnet es im Norden zunächst
zeitweise. Nachmittags und abends beginnt die feuchte Meeresluft im Warmsektor
der Warmfrontwelle etwas zu labilisieren, sodass sich Schauern und einzelne
Gewitter entwickeln können. Die Labilität ist zwar sehr überschaubar, die
Scherung aber sowohl niedertroposphärisch als auch hochreichend moderat und die
PPW’s in der Größenordnung von 30 mm. Markante Entwicklungen bezüglich
Starkregen und Sturmböen sollte man also zumindest im Hinterkopf behalten. Das
Temperaturniveau ändert sich im Vergleich zum Vortag kaum (19 bis 25 Grad).

Die feuchte Subtropikluft im Süden labilisiert noch etwas stärker, sodass mit
Einstrahlung recht verbreitet 1000 bis 1500 J/kg ML-CAPE aufgebaut werden
können. Ansonsten sind die Zutaten ähnlich wie am Vortag, sodass es vor allem
über dem Bergland zu Auslöse einzelner, aber heftiger Gewitter kommt. Abseits
der Gewitter scheint die Sonne aber wieder längere Zeit, sodass das Quecksilber
wieder verbreitet auf um oder knapp über 30 Grad ansteigt.

Die breite Mitte bleibt von all dem Ungemach verschont. Zwar sorgt die WLA von
Norden her für mehr Wolkenfelder als am Vortag, der Grundcharakter bleibt aber
freundlich und trocken – und bei Maxima zwischen 26 und 31 Grad sommerlich warm.

In der Nacht zum Montag zieht das Höhentief zur mittleren Nordsee. Der o. e.
Trog bekommt mehr Schub und schwenkt zumindest nach Lesart von ICON und GFS
zügig mit seiner Achse nach Westdeutschland. Bei IFS hinkt sie noch etwas
zurück. Die entwicklungsgünstig trogvorderseitig positionierte Warmfrontwelle
kann sich vor allem nach Lesart von ICON zu einem kräftigen Wellentief
verstärken (ICON) und zieht über Jütland Richtung Südschweden. Dadurch
verschärft sich der Gradient vor allem im Norden. An der See und im angrenzenden
Binnenland muss folglich häufiger mit Böen Bft 7, exponiert 8 gerechnet.

Durch PVA-induzierte Hebung nimmt die Niederschlagsneigung allenthalben zu
(ICON, GFS!). Im Fokus steht zum einen der Norden, wo es nahe des Tiefkerns in
leidlich labiler Luft zu schauerartigen und gewittrigen Regenfällen mit
Starkregenpotenzial kommen könnte. Zum anderen sorgt die synoptisch-skalige
Hebung auch für ein Aufflammen der Gewittertätigkeit in der hochreichend labilen
Luft im Süden und Südosten. Bei zunehmender Scherung nimmt auch das
Unwetterpotenzial durch organisierte Konvektion deutlich zu.

Ob es auch dazwischen an oder im Vorfeld der von Nordwesten hereinschwenkenden
Kaltfront des Tiefs zu konvektiven Umlagerungen kommt, bleibt abzuwarten.

Montag … wird die Vorhersage rasch unsicherer. Nach ICON schwenkt das
Höhentief nach Südschleswig, nach IFS liegt es noch über der östlichen Nordsee,
nach GFS bereits über Südschweden. Entsprechend unterschiedlich wird auch das
korrespondierende Bodentief positioniert.

So oder so deutet aber vieles auf eine Trogwetterlage hin, die durch windiges
Schauerwetter gekennzeichnet ist. Während die Niederschläge an sich nicht
warnwürdig sind, dürfte der Wind aber recht verbreitet die Warnschwelle Bft 7
reißen und auch das ein oder andere Kaltluftgewitter mit Sturmböen könnte vor
allem im Norden auf der Agenda stehen. Apropos Kaltluft. Hinter der südostwärts
schwenkenden Kaltfront gelangt ziemlich kühle Meeresluft zu uns. Zumindest in
der Nordwesthälte dürften die 25 Grad kein Thema mehr sein. Teilweise werden
kaum mehr 20 Grad erreich.

Inwieweit sich die Südosthälte noch in der Warmluft befindet, steht und fällt
mit Timing der Kaltfront und der Position des steuernden Höhentiefs. In der
Warmluft muss nochmal mit kräftigen, mitunter organisierten Gewitter mit
Starkregen und Hagel bis hin zu Unwettern gerechnet werden, bevor sich an den
Alpen eventuell eine Staulage mit Dauerregen einstellen könnte.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle rechnen bis einschließlich Sonntag recht kongruent.
Prognoserelevante Unterschiede sind nicht auszumachen.

Danach gehen die Modellsimulationen zunehmend auseinander. Es erscheint noch
unsicher, wie schnell und in welcher Ausprägung sich die Umstellung der
Wetterlage ab der Nacht zum Montag vollzieht und ob es am Montag tagsüber im
Südosten nochmal zu einer konvektiven Unwetterlage kommt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser