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SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 11.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Bis morgen Abend keine markanten Entwicklungen. In der Nacht zum Freitag
aufkommende Gewitter im Südwesten und im Süden, dabei auch unwetterartige
Entwicklungen mit heftigem Starkregen und Hagel wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … ist der Randtrog in Richtung Osteuropa abgezogen und unser
Vorhersageraum liegt auf der Vorderseite eines Höhenkeils über Westeuropa. Der
Keil weitet sich aufgrund von WLA in seine Rückseite weiter nach Norden aus.
Seine Achse liegt morgen früh meridional über der Mitte von Deutschland. Diese
Entwicklung stützt ein Bodentief über dem Alpenraum und so weitet es sich bis
morgen früh nach Norden und Osten aus. Somit liegen wir unter Absinken bei nur
geringfügigen Luftdruckgegensätze und die Nacht bleibt, abgesehen von
Nebelfeldern, warnfrei.

Donnerstag … verstärkt sich der Keil durch WLA in seine Rückseite und wölbt
sich noch weiter nach Norden aus. Die Achse des Keils überquert die Osthälfte
Deutschland und erreicht am Abend bereits Polen. Stromaufwärts greift ein
Kurzwellentrog auf die Britischen Inseln über und damit dreht die Höhenströmung
noch stärker auf Südwest. Das Bodenhoch verlagert sich von Tschechien ostwärts
nach Südpolen, wodurch bei uns mit einer südwestlichen bis südlichen Strömung
wärmere Luft zu uns geführt wird. Am Tagesende wird im Südosten die
20°C-Isotherme in 850 hPa simuliert. Gleichzeitig sorgt die Advektion wärmerer
Luft auch für leichten Druckfall im Randbereich des Höhenkeils. Somit dominiert
auch am Donnerstag bei uns Absinken und auch nennenswerte Wolkenbildung an der
Absinkinversion ist nicht auszumachen.
Allerdings wird mit südwestlichen Strömung zunehmend feuchtere und labilere Luft
in den Südwesten geführt. Auch die CAPE-Werte steigen im Südwesten am Abend
teilweise über 1000 J/kg an. Sie sind aber durch die Absinkinversion bei etwa
800 hPa noch gedeckelt.

Die Tageshöchstwerte steigen auf 25 bis 29 Grad, im Süden sind auch Werte bis 32
Grad drin, an der Küste aber nur 22 Grad.

In der Nacht zum Freitag wandert der Keil weiter nach Osten und von Westen her
kommen wir zunehmend auf die Vorderseite des nachfolgenden Randtroges. Durch
diesen wird die in den Süden eingeflossene feuchtlabile Luft aktiviert und vom
Schwarzwald bis in das Voralpenland können Gewitter ausgelöst werden. In
Anbetracht der Zutaten (PPW 30 bis knapp 40 mm, CAPE über 1000 J/kg) und
leichten Scherungsbedingungen können die Gewitter auch unwetterartig aufgrund
von Starkregen ausfallen. Ob sich auch organisierte Strukturen ausbilden ist
aber eher fraglich.
Im Rest des Landes fehlt die Feuchte und daher verläuft die Nacht ruhig.
Vereinzelt können sich aber Nebelfelder ausbilden.

Freitag … verlagert sich der Keil nach Ostpolen und der nachfolgende Trog
greift auf die Britischen Inseln über. Das darin eingelagerte Tief, das bis
dahin längst den Charakter eines Zentraltiefs angenommen hat, beginnt die
Strömung zyklonal zu deformieren.
Die dem Trog vorgelagerte Kaltfront, die in ihrem Nordteil schon weitgehend
okkludiert ist, greift in der zweiten Tageshälfte von der Nordsee her auf den
Nordwesten und den äußersten Westen Deutschlands über. Als stabile aktive Front
beschränkt sich deren Wetterwirksamkeit auf eine Winddrehung auf Nordwest, ein
Auffrischen des Windes sowie ein paar Wolkenfelder.

Wettertechnisch deutlich mehr los ist dagegen im Süden Deutschlands. Dort
verstärkt sich aus dem Rhonetal heraus die Zufuhr feuchtlabiler Luft, was sich
neben den oben schon erwähnten Parametern (PPW, CAPE) vor allem in einem Anstieg
der spezifischen bodennahen Feuchte bis auf 15 g/kg äußert.

Wenngleich die Strömung nur wenig mäandriert und anhand der diagnostischen
Felder sich kaum Hebungsantriebe ableiten lassen, so dürfte jedoch die nicht
ganz glatte und zudem leicht zyklonal werdende Strömung für die Auslösung
hochreichender Konvektion hinreichend sein. Zudem können sich aus dem Schweizer
Mittelland und aus den Alpen heraus Gewitter entwickeln, die auf das
Alpenvorland übergreifen. Unwettergefahr besteht durch heftigen Starkregen
(durchaus bis 40 l/m² in kurzer Zeit) und größere Hagelansammlungen. Für
Großhagel ist die hochreichende Scherung zu schwach ausgeprägt.

Die Mitte und der Norden sollten von konvektiven Umlagerungen verschont bleiben.
Dort macht sich der Einfluss der nahenden Kaltfront bereits bemerkbar, was weit
präfrontal die bodennahe Windkomponente auf Nordwest drehen lässt und ein
Entrainment trockenerer und stabilerer Luft zur Folge hat.

Längere sonnige Abschnitte zeichnen sich am ehesten im Nordosten und Osten
Deutschlands ab, so dass dort (neben tieferen Lagen Süddeutschlands bei größerer
Schwüle) noch einmal Maxima um oder etwas über 30 Grad zu erwarten sind.
Ansonsten werden 25 bis 29 Grad erreicht. Nach Passage der Kaltfront erfolgt
jedoch ein Temperaturrückgang auf Werte um 20 Grad.

In der Nacht zum Samstag verlagert sich das Zentraltief in die nördliche
Nordsee. An dessen Südflanke bleibt über Mitteleuropa eine leicht zyklonale
westliche Strömung bestehen, wobei nach Süden hin nach wie vor leicht
antizyklonaler Charakter bestehen bleibt. Absinken, das aus schwacher
Kaltluftadvektion resultiert, sollte in Verbindung mit dem Entrainment
trockenerer Luft von Nordwesten her und der damit einhergehenden Stabilisierung
die Konvektion alsbald zum Erliegen bringen. Ohnehin hält sich die feuchtlabile
Luft (mit den oben beschriebenen Parametern) nur noch entlang vom Hochrhein, in
Oberschwaben sowie im Alpenvorland. Bei geringen Luftdruckgegensätzen können
sich im Süden vor allem dort, wo es zuvor viel geregnet hat, flache Nebelfelder
bilden.

In der Mitte und im Norden macht sich die Frontalzone mit wechselnder Bewölkung
und vor allem im Nordseenähe mit einigen Schauern bemerkbar. Der leicht
zunehmende Gradient sollte die Bildung von Nebelfeldern unterbinden. Für
warnrelevante Böen reicht es allenfalls an der Nordfriesischen Küste.

Samstag … schwenkt das Zentraltief von der nördliche Nordsee über das südliche
und mittlere Skandinavien hinweg ostwärts. Die Front verlagert sich weiter
südwärts und erreicht im Tagesverlauf die Alpen, wird aber im weiteren Verlauf
durch eine Tiefentwicklung über Frankreich wieder rückläufig.

Rückseitig der Kaltfront sorgt leichte KLA für eine Stabilisierung der
Schichtung und so ist der Freitag in weiten Teilen des Landes ein ruhiger Tag
mit viele Sonne in der Mitte und im Süden bei Temperaturen zwischen 23 und 29
Grad, im Südwesten bis 31 Grad. Im Norden dagegen sorgt der Trog für viele
Wolken und etwas Regen. Weiterhin frischt der Wind im Küstenbereich zur Nordsee
auf und auf den Inseln kann es auch vereinzelt steife Böen (Bft 7) geben.

Kompliziert wird die Sache im Süden. Dort ist die feucht-labile Luftmasse noch
nicht ausgeräumt und daher sind die Zutaten für eine kräftige Gewitterlage
weiterhin vorhanden. Die Labilität ist vorhanden, CAPE steigt wieder auf über
1000 J/kg an, das niederschlagbare Wasser ist nach ICON6 weiterhin bei Werten
über 35 mm, lediglich die Scherung ist zu vernachlässigen. Der Hebungsantrieb
kommt zum einen vom Durchgang des flachen Troges, weiterhin der Front und
zusätzlich noch von der Orografie- Von daher muss mit kräftigen Gewittern bis in
den Unwetterbereich durch Starkregen und auch Hagel gerechnet werden.

Gewitterdämpfend könnte sich allerdings die Tatsache auswirken, dass nach
Durchgang des flachen Troges sich über Westeuropa ein schwacher Rücken aufbaut,
der im Süden für Druckanstieg sorgt.

In der Nacht zum Sonntag dehnt sich der mediterrane Rücken weiter nach Norden
und Osten aus, sodass der Bodendruck in Süddeutschland ansteigt. Die Schauer-
und Gewittertätigkeit kommt in der Folge rasch zum Erliegen, es klart auf und
daher können sich lokal wieder einige Nebelfelder bilden.
An der See ist aufgrund der Nähe zur Frontalzone weiterhin mit steifen Böen der
Stärke Bft 7 zu rechnen.

Modellvergleich und -einschätzung

Der Vergleich der deutschen Modelle mit den anderen Modellen ergibt keine
vorhersage- bzw. warnrelevanten Unterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Rolf Ullrich