#DWD -> #SXEU31 #DWAV 031800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Freitag, den 06.08.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 061800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 06.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abends im Norden kräftige Gewitter, nachts nachlassend. Am Samstag im Nordwesten
teils kräftige Gewitter, meist markant, im Südosten abends Gewitter mit
Unwetterpotential. An den Alpen in der Nacht zum Sonntag Dauerregen. In der
Folge vor allem im Norden teils kräftige Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … überquert die Okklusion eines hochreichenden Zentraltiefs bei
Schottland Deutschland nach Nordosten und führt feuchte, aber stabilere Luft in
den größten Teil Deutschlands. Die Schauer und Gewitter am Tiefausläufer sowie
präftrontal ziehen über den Norden unter Abschwächung zur Ostsee und nach
Dänemark ab.

Über dem Nordwesten und Westen folgen allerdings von Südwesten weitere
kurzwellige Troganteile, die sich vor allem in den IPV Feldern abzeichnen und
dort die Schauer- und Gewitterneigung am Leben erhalten.

Ansonsten bringt der sich vor dem nächsten Trog über der Biskaya
durchschwenkende Höhenrücken eine kurze Wetterberuhigung. Gebietsweise klart es
auf und die Temperatur geht auf 15 bis 10 Grad zurück, lokale Nebelfelder werden
wohl nicht warnrelevant.

Dem Südwesten nähert sich im Laufe der Nacht die Warmfront einer Frontalwelle
über der Iberischen Halbinsel. Mit der Warmluftadvektion nimmt die Bewölkung
dort zu, regnen wird es aber wohl noch nicht.

Samstag … schwenkt eine Trogachse des Höhentiefs bei Schottland von der
Biskaya nach Osten, allerdings in ihrem Nordteil deutlich rascher, als nach
Süden hin. Die Strömung über Deutschland dreht weiter nach Südwest zurück und
wird deutlich zyklonaler. Der Jet in 300 hPa stößt dabei genau über uns nach
Nordosten vor, was mit einer weiteren Zunahme der Scherung, vor allem DLS über
30 m/s, verbunden ist.

Der Tag startet zunächst häufig freundlich mit einigen Wolken, aber auch
größeren Aufheiterungen. Mit Annäherung des Troges und einer vorgelagerten
Kaltfront kommt in der Westhälfte schauerartiger Regen sowie Schauer und
Gewitter auf. Die labilste Luftmasse ist dabei im Nordwesten zu finden, wo teils
organisierte Gewitter im Fokus stehen, die in der Regel markant (Starkregen,
Sturmböen, kleinkörniger Hagel) ausfallen sollten.

Im Südwesten beginnt der Tag häufig schon bewölkt und mit Annäherung eines
markanten PVA Maximums und der Frontalwelle breitet sich teils kräftiger Regen
vom Südwesten nach Franken, Thüringen und ins westliche Oberbayern aus.
Punktuell sind in Staulagen des Schwarzwaldes Mengen nahe der Starkregenschwelle
möglich. Die Modelle simulieren noch sehr heterogen. GFS und IFS lassen die
Strömung stärker nach Süd rückdrehen und der Regen könnte bis Sachsen-Anhalt
vorankommen mit einem separaten Niederschlagsmaximum im GFS über Thüringen und
Nordbayern.

Über dem Osten und Südosten ist es unter dem langsam ostwärts schwenkenden
Rücken noch längere Zeit freundlich und mit 25 bis 28 Grad sommerlich warm –
steigen doch die 850 hPa Temperaturen auf 10 bis 16 Grad an. Föhnbedingt wird es
nahe der österreichischen Grenze vielleicht noch mehr und in den Alpen kommen
mit dem (vorübergehend) einsetzenden Föhn auf einigen Gipfeln Sturmböen aus
südlicher Richtung auf.
Dabei bildet sich über SE Bayern ein Leetief an dessen Westflanke mit einer
markanten Druckwelle (mit skaligen Windwarnungen oder Warnungen vor stürmischen
Böen zu versehen) nachmittags und abends an der Grenze zum sich nähernden Regen
über Südbayern teils schwere Gewitter mit erhöhtem
Unwetter-/Superzellenpotential möglich sind. Die konvektionserlaubenden Modelle
haben was die schweren Gewitter angeht die Regionen ab München ostwärts im
Focus, wobei auch hier erhebliche Unterschiede zu erkennen sind (z.B. ICON D2
vs. SHD).

In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein Troganteil über den Norden zügig nach
Nordosten, während der Resttrog sich nur zögernd über Frankreich nähert. Dabei
breiten sich die Regenfälle der Frontalwelle nach Nordosten aus, bevor sie
insgesamt nach Südosten abgedrängt werden. Inwieweit der Nordosten noch
Starkregen abbekommt, ist fraglich. GFS zeigt in einigen Modellläufen
entsprechende Lösungen, wahrscheinlicher ist aber, und dass zeigen die meisten
Berechnungen, dass vom Allgäu bis ins südliche Oberbayern Regen einsetzt, der
von Samstagabend bis Sonntagmittag 30 bis 40, vereinzelt an die 50 mm Regen in
12 bis 18h bringen kann, letztendlich ist dies aber wohl ein Mix aus Stark- und
Dauerregen.

Die Ensembles stützen dies mit den entsprechenden Wahrscheinlichkeiten für
markanten Dauerregen. Die präfrontalen, anfangs teils auch schweren Gewitter
ziehen nach Österreich und Böhmen ab.
Ansonsten bleibt noch der Norden, wo es auch über die Nacht hinweg einzelne
Schauer und Gewitter geben kann, in den anderen Regionen beruhigt sich das
Wetter postfrontal wieder rasch.

Sonntag … bleibt das hochreichende und steuernde Tief bei Schottland für uns
wetterbestimmend. Ein davon ausgehender Kurzwellentrog über Norddeutschland
zieht ab, ein Weiterer greift von Westen her über. Somit bleiben der Nordwesten
und Norden des Landes im Einflussbereich potenziell instabiler mäßig warmer
Meeresluft (T850 hPa um 7 Grad). Bei PPW-Werten um 25 mm können mehrere 100 J/kg
ML-Cape generiert werden, so dass es im Tagesverlauf – gestützt durch
dynamischen Hebungsantrieb – Schauer und kurze Gewitter gibt, die sich bis in
den zentralen Mittelgebirgsraum ausweiten können.

Die Begleiterscheinungen sind im markanten Bereich angesiedelt (stürmische Böen
bzw. Sturmböen, Starkregen, kleiner Hagel), kleinräumig kann bei wiederholten
Schauern das Unwetterkriterium gerissen werden.

Mit Durchzug der Bodentröge verschärft sich der Druckgradient und mit
Unterstützung durch den Tagesgang frischt der Südwestwind auf. Im Westen und
Norden sowie über der Mitte reicht es in freien Lagen auch außerhalb der Schauer
für steife Böen, im Nordseeumfeld kann es vorübergehend stürmische Böen geben,
auf dem Brocken Sturmböen.

Der Süden bzw. Südosten befindet sich am Nordrand der schleifenden und nur
langsam abziehenden Frontalwelle. Hier bleibt es stark bewölkt und es regnet vom
Allgäu bis zum Bayerwald bzw. Oberpfälzer Wald und weiter südöstlich zeitweise.

Zwischen den Schauern und Gewittern im Norden und dem Regen im Südosten lässt
sich in einem breiten Streifen von Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen und Südbrandenburg länger die Sonne blicken.
Insgesamt setzt sich überall mäßig warme Meeresluft durch mit
Temperaturen in 850 hPa zwischen 7 und 10 Grad. Das lässt Höchstwerte zwischen
18 und 24 Grad erwarten, in der Lausitz vielleicht etwas mehr.

In der Nacht zum Montag ändert sich zunächst nicht viel. In der
westsüdwestlichen Strömung ziehen kurzwellige Tröge vor allem über den Norden
und die Mitte nach Osten. Gleichzeitig weitet sich ein Bodenhochkeil von
Frankreich nach Süddeutschland aus.
Durch den Tagesgang klingen die Schauer im Norden und Westen aber langsam ab und
die Wolken lockern auf. In der Mitte und im Süden klart der Himmel auf und es
bildet sich Nebel.
Lediglich im Nordseeumfeld kann es auch in der zweiten Nachthälfte Schauer und
kurze Gewitter geben. Der Gradient fächert langsam auf, tagesgangbedingt nimmt
der Wind im Binnenland aber rasch ab, während es vor allem im Nordseeumfeld bis
weit in die Nacht für steife Böen reicht.

Montag … verlagert sich der hochreichende Drehzentrum etwas ostwärts in die
zentrale Nordsee. Ein davon nach Frankreich reichender Trog setzt sich nach
Osten in Bewegung und die Strömung dreht über Deutschland wieder mehr nach
Südwest.
In der mäßig warmen und bis warmen und leicht instabil geschichteten Luft bilden
sich demnach vor allem in der Nordwesthälfte wieder Schauer und einzelne
Gewitter, deren Begleiterscheinungen markant ausfallen können. Stürmische Böen
oder Sturmböen und eventuell kleiner Hagel können mit von der Partie sein, für
Starkregen sollte es eher nicht reichen. Auch über den Alpen bilden sich ein
paar Schauer, vereinzelt Gewitter, die den Alpenrand betreffen können.
Ansonsten erstreckt sich eine Hochdruckzone über Süddeutschland nach Osten bis
Nordosten, die in der Südosthälfte meist leichtes Absinken und freundliches
Wetter zur Folge hat.

Die Temperatur steigt auf 20 bis 25°C, im Osten etwas darüber.

Der Gradient sorgt in der Nordwesthälfte für auflebenden Wind, auch abseits der
Konvektion mit einzelnen starken bis steifen Böen vor allem im Bergland und an
den Küsten. Exponiert sind an der See auch stürmische Böen aus Südwest nicht
ausgeschlossen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großräumige Entwicklung wird von den vorliegenden Modellen ähnlich
simuliert. Die Konvektion wird unterschiedlich gehandhabt, ebenso wieder Regen,
der in der Nacht zum Sonntag eventuell doch weiter in den Nordosten vorankommt,
als es die aktuelle ICON Lösung nahelegt. Auch die Intensität hinsichtlich
Stark- bzw. Dauerregen ist noch unsicher.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner