#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 02.08.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 02.08.2021 um 10.30 UTC

Anhaltende unbeständige, teils windige und überwiegend nur mäßig warme
Witterungsperiode.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 09.08.2021

Ein ausgeprägter und sich wiederholt regenerierender Langwellentrog dominiert
das mittelfristige Wettergeschehen in weiten Teilen Europas. Entsprechend sind
vor allem die Wetterlage Trog Mitteleuropa und Trog Westeuropa besonders im
Fokus. Nur vereinzelt lässt die großskalige Analyse auch andere Interpretationen
zu, die aber insgesamt ebenfalls eine zyklonale Ausprägung aufweisen.

Am Donnerstag zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums liegt Deutschland im
Einflussbereich eines Kurzwellentroges, dessen Achse ausgehend von einem
Höhentief bei Irland von der südlichen Nordsee über Deutschland und Österreich
hinweg bis in die Adria reicht. Bodennah korreliert das Höhentief mit einem Tief
an gleicher Stelle, der Trog stützt dabei eine Tiefdruckrinne über die
Nordhälfte Deutschlands hinweg. Rückseitig des Kurzwellentroges kann man in der
Höhe zaghaft einen schwachen Rücken erkennen, der sich von Frankreich Richtung
Nordsee aufbäumt und am Boden mit einem Hochkeil von Frankreich bis in den Süden
des Landes in Verbindung steht. Während nach Südwestdeutschland im Bereich des
Hochkeils und auf der Rückseite der Trogachse die Hebungsimpulse wegbrechen, von
Absinken überlagert werden und schließlich mit einer deutlich geringeren
Niederschlagsneigung einhergehen, sorgt PVA auf der Vorderseite des Troges sowie
Hebung im Umfeld der Rinne in Nordost- und Ostdeutschland sowie Teilen Bayerns
für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge, die mit der weiteren
Verlagerung des Troges gen Osten sowie Tagesgang basierend in der Nacht
nachlassen bzw. abklingen.

Am Freitag zieht sich die Trogachse ausgehend vom Höhentief zwischen Irland und
England über Nord- und Ostdeutschland hinweg bis nach Rumänien. Der schwache
Rücken beult sich nun von Norditalien bis in den südostdeutschen Raum auf. Über
dem Ostatlantik und Westeuropa nimmt die Strömung vorübergehend eine zonale
Ausrichtung an. Im Bodenniveau korreliert das Höhentief bei Irland/England
weiter mit einem Tief an gleicher Stelle. Der markante Kurzwellentrog stützt ein
Tief über Polen, welches sich aus der Tiefdruckrinne heraus intensivieren
konnte. Der schwache Rücken reicht zudem aus, bodennah die Rinne zu sprengen.
Kompensierendes Absinken sorgt somit vor allem von der Ostsee bis zu den Alpen
für eine vorübergehende Wetterberuhigung. Die Trogachse kann allenfalls im
äußersten Nordosten noch kräftigere Hebung generieren und entsprechend Schauer
und Gewitter auslösen. Im Nordwesten und Westen hält der unbeständige
Wettercharakter dagegen im Umfeld eines hochreichenden Kurzwellentroges
inklusive aufkommender schwacher bodennaher Okklusion an. Dort stehen also
Schauer und Gewitter wieder auf der Tagesordnung, die sich nachts vor allem in
der Nordhälfte ostwärts ausbreiten.

Zum Samstag verlagert sich ein Höhentief westlich von Irland südwärts bis an die
Iberische Halbinsel heran. Nachfolgend vergrößert sich auf der Westflanke des
breiten Langwellentroges die Amplitude des eingelagerten Kurzwellentroges
signifikant. Gleichzeitig stützt die WLA auf der Vorderseite des Troges den
schwachen Rücken, sodass sich dieser verstärkt und weiter nordwärts aufbäumen
kann. Demnach steht die Trogachse des Kurzwellentroges, die von England bis nach
Westspanien reicht, der Achse des Rückens über der Balkanregion und dem
östlichen Mitteleuropa gegenüber. Deutschland liegt dabei in einer teils
kräftigen südwestlichen, diffluenten Höhenströmung, die bodennah mit einem
kleinräumigen Tief über Südwestdeutschland korreliert. Gleichzeitig nähert sich
von Westen ausgehend vom Bodentief über der Nordsee eine Kaltfront, die langsam
von Nordwesten auf das Land übergreift. Entsprechend ist ein deutlicher
Temperaturgegensatz zu verzeichnen. Während im Nordwesten die Werte auf 850 hPa
bei 7 Grad liegen, werden an den Alpen bis 19 Grad simuliert. Da sich zudem über
Nordösterreich ein weiteres Bodentief entwickeln kann, wird im Süden von
Deutschland ab dem Nachmittag eine Gegenstromlage ausgelöst. Abgesehen vom Osten
sorgen somit PVA in Kombination mit dem frontalen Hebungsantrieb sowie
diabatischen Input für auflebende Schauer und Gewitter, die im Verlauf auch
induziert durch die Gegenstromlage vor allem im Südwesten in kräftige und
schauerartige, teils gewittrige Regenfälle übergehen.

Am Sonntag liegen West- und Mitteleuropa genau im Bereich des Langwellentroges
mit Drehzentrum über der Nordsee. In der Strömung um den Trog herum sind dabei
wiederholt mehr oder weniger stark ausgeprägte kurzwellige Anteile zu
verzeichnen, die bodennah teilweise mit kleinräumigen, aber durchaus
signifikanten Tiefs korrelieren. Eines dieser zieht am Sonntag rasch auf die
Ostsee, versorgt aber zunächst den Nordosten und Osten noch mit vertikalen
Umlagerungen und entsprechend mit kräftigen Niederschlägen. Doch auch der
Nordwesten und Westen bleiben von Schauern und einzelnen Gewittern nicht
verschont, da dort schon ein neuer kurzwelliger Anteil ausreichend Hebung
generiert. Zudem blubbert es nach IFS auch weiter an den Alpen. Erst in der
Nacht zum Montag nimmt die Niederschlagsneigung abgesehen von den Küstenregionen
und dem östlichen Alpenrand deutlich ab.

Am Montag überquert dann schon wieder ein neuer hochreichender Kurzwellentrog
das Land ostwärts, sodass die Schauer und Gewitter vielerorts wieder sprudeln.
Nach dem aktuellen IFS-Lauf stehen dabei vor allem der Norden und der Süden im
Fokus, während in einem Streifen über die Mitte hinweg kompensierendes Absinken
die Niederschlagsaktivität dämpft.

Nach Durchzug der Kaltfront am Samstag wird Deutschland zudem von kühlerer
Meeresluft geflutet. In 850 hPa sind nachfolgend meist nur noch Temperaturen
zwischen 5 und 11 Grad zu verzeichnen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Strukturen des Geopotential- und Luftdruckfeldes werden vom
aktuellen 00 UTC Lauf konsistent wiedergeben. Abweichungen ergeben sich
allerdings bei der zeitlichen Einordnung der vergangenen Läufe. Demnach rechnet
das IFS zunehmend eine raschere Verlagerung der Kurzwellentröge, wodurch die
Niederschlagsfelder im Vergleich zum gestrigen Sonntag früher auf Deutschland
übergreifen. Vor alle bodennah simulieren die neueren Läufe über dem Ostatlantik
eine zonalere Strömung, welche die Tiefs ostwärts schiebt. Der gestrige 00 UTC
Lauf ließ das Tief mit größerer Amplitude länger bei den Britischen Inseln
legen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch weitere Globalmodelle (ICON, GFS, UKMO, GEM) zeigen mittelfristig zum IFS
vergleichbare Geopotential- und Luftdruckstrukturen. Bei allen Modellen
dominiert eine Troglage weite Teile Europas. Vor allem das GFS zeigt bis
einschließlich Samstag eine gute Konsistenz zum deterministischen IFS. Erst ab
Sonntag weist das GFS eine zonalere Strömung auf, während das IFS einen
Kurzwellentrog/einen kurzwelligen Anteil über Mitteleuropa zeigt. Das ICON
beschreibt bis einschließlich Freitag zum IFS ähnliche Verhältnisse. Ab Samstag
tendiert das ICON zu einer stärkeren Amplifizierung der Trog-Rücken-Muster, was
schließlich zu einer langsameren Verlagerung dieser führt. Zudem liegt
Deutschland länger auf der Vorderseite des Troges in einer südwestlichen
Grundströmung, sodass entgegen der Ergebnissen von GFS und IFS die Südosthälfte
im Zustrom warmer bis sehr warmer Luft subtropischen Ursprungs bleibt. Das GEM
und das UKMO beschreiben bis einschließlich Sonntag Lösungen zwischen GFS und
IFS. Ab Montag nähert sich das GEM aber zunehmend dem deterministische ICON an.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte, über Deutschland verteilt, zeigen über
nahezu den gesamten kurz- und mittelfristigen Zeitraum sowohl für die Temperatur
in 850 hPa als auch für das Geopotential in 500 hPa einen konstanten Spread, der
im Süden etwas geringer als im Norden ausfällt. Haupt- und Kontrolllauf liegen
dabei recht mittig im Bereich der größten Auftrittswahrscheinlichkeit. Größere
Abweichungen werden lediglich am Wochenende gezeigt, wo es einige Ausreißer zu
wärmeren Temperaturen gibt. Auch beim Niederschlag zeigt sich das ENS
konsistent. Nahezu alle Lösungen sehen eine niederschlagsreiche Witterungsphase,
wobei im Westen tendenziell mehr Niederschlag als im Osten zu erwarten ist. Die
Meteogramme stützen die Rauchfahnen mit vergleichsweise konstanter
Box-Plot-Größe.

Bei der Analyse der Großwetterlage wird das ENS im Zeitraum von +72 bis +96h
insgesamt in vier Grundmuster eingeordnet. Alle Cluster sind dabei im Schema
einer positiven NAO anzusiedeln, was auf zonalen Strömungsbedingungen über dem
Atlantik zurückzuführen ist. Cluster 1 und 2 unterscheiden sich bei der
räumlichen Einordnung der Strukturen kaum. Bei Cluster 2 mit Haupt- und
Kontrolllauf wird der Langwellentrog sowie die eingelagerten Kurzwellentröge
etwas intensiver berechnet. Auch die weiteren Cluster 3 und 4 zeigen keine
signifikanten Unterschiede. Allenfalls über Osteuropa wird der Trog weniger
konturiert dargestellt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden insgesamt drei Cluster benötigt, um die
Unsicherheiten im ENS ausreichend zu beschreiben. Bis auf eine kleine Ausnahme
bei Cluster 1 zum Ende des Zeitraums können alle Zeitabschnitte dem Schema einer
negativen NAO zugeordnet werden. Allerdings sind die zonalen Verhältnisse
überwiegend auf dem Atlantik zu finden, während über Europa selber der
Langwellentrog dominiert. Genau bei diesem unterscheiden sich die Cluster jedoch
am stärksten. Sowohl die Intensität als auch die Lage der Trogachse wird
verschieden abgebildet. Cluster 1 zeigt dabei den schwächsten Trog, die
geringste Amplitude und somit die schnellste Verlagerung nach Osten. Cluster 2
ist am stärksten aufgestellt. Der Trog reicht weit nach Süden. Cluster 3
beschreibt einen Mittelweg zwischen Cluster 1 und 2. Der Haupt- und der
Kontrolllauf befinden sich mit 17 Member in Cluster 2. Cluster 1 verfügt über 21
Mitglieder.

In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h beschreiben insgesamt sechs
Cluster die Unterschiede im ENS-Raum. Dabei zeigen nahezu alle Lösungen ein
Blocking. Für das Wetter in Deutschland ist dabei von entscheidender Bedeutung,
wie weit die Frontalzone nach Süden vorankommt und wo genau sich Trog und Rücken
meridional und zonal amplifizieren. Haupt- und Kontrolllauf zeigen bei zonalen
Verhältnissen mit Cluster 4 eher unbeständige und kühle Aussichten. Bei Cluster
1 ist zwar auch eine zonale Strömung Trumpf, allerdings ist diese weiter nach
Norden geschoben, sodass nach Süden zu kräftigerer Hochdruckeinfluss einziehen
könnte. Die Temperaturen würden aber nur wenig anziehen. Cluster 3 steht auf
Wechsel. Demnach würden Trog-Rücken-Strukturen durchziehen. Im Norden ist es
dabei unbeständiger als im Süden. Das Cluster 2 weicht am stärksten von den
anderen Lösungen ab und zeigt eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa hinweg,
wobei der Schwerpunkt weiter westlich von Deutschland liegt. Zusammenfassend
gibt es in der erweiterten Mittelfrist Potential für Wetterberuhigung und
größeren Sonnenanteilen, allerdings wohl weiter auf verhältnismäßig kühlem
Sommerniveau.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der Donnerstag und Freitag sind regional von konvektiven Ereignissen geprägt.
Demnach treten am Donnerstag vor allem im Nordosten und Osten, am Freitag
bevorzugt im Norden und Westen Schauer und Gewitter auf.

Bei PPW zwischen 25 und 32 mm besteht am Donnerstag Starkregenpotential,
heftiger Starkregen zwischen 25 und 40 l/m² kann zudem nicht ausgeschlossen
werden. Bei CAPE-Werten bis 1000 J/kg ist auch kleinkörniger Hagel bis 2 cm im
Bereich des Möglichen. Eine recht hohe Richtungsscherung spricht zudem für
teilweise organisierte Ereignisse, die dann auch mit Sturmböen einhergehen
können.

Auch am Freitag sind analog zum Vortag bei vergleichbaren PPW-Werten sowie
regional erneut Cape-Werten bis 1250 J/kg Starkregen- und Hagelpotential (bis 2
cm).
,
Von Samstag bis Sonntag im Süden sowie Teilen Sachsen länger anhaltender,
schauerartig verstärkter Regen, in dem einzelne Gewitter eingebettet sind. Vor
allem südlich der Donau gibt es vom EZ-EPS im 24-stündigen Zeitraum
Wahrscheinlichkeiten zwischen 10 und 40% für mehr als 30 l/m²und um 2% für mehr
als 50 l/m². Ansonsten vor allem im Norden und Westen sowie am Samstag im
äußersten Südosten teils kräftige Gewitter, lokal mit Starkregenpotential.

Am Montag in der Nordhälfte erneut einzelne Gewitter mit Sturmböen, Starkregen
nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, det. IFS TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel