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SXEU31 DWAV 021800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 02.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute im Süden einzelne, in der Mitte vermehrt kurze Gewitter mit Starkregen,
vereinzelt auch stürmischen Böen. Am Abend abklingend. Am Dienstag von Westen
auf die Mitte übergreifend vermehrt Gewitter, Unwettergefahr durch heftigen
Starkregen, teils auch mehrstündig. Abends nachlassend.
Am Mittwoch im nördlichen Mittelgebirgsraum und im Nordosten und am Donnerstag
vor allem nordöstlich der Elbe nochmals Gewitter, Unwetter meist nur wenig
wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland unter einem breiten Langwellentrog, an dessen
Südflanke wiederholt kurzwellige Anteile nach Osten ablaufen. Im Grunde genommen
handelt es sich um eine zyklonale Westlage, wobei Deutschland eher an der kalten
Seite der Frontalzone liegt. Diese kurzwelligen Tröge laufen relativ weit
südlich nach Osten ab, so dass sich im Norden bei leicht stabiler Schichtung nur
unstrukturierte Hebung ausmachen lässt, die aus der Tatsache resultiert, dass
nun mal ein Trog über Mitteleuropa liegt. Ein sich über der Ostsee auffüllendes
Randtief macht sich noch im Nordosten mit einem kräftigen Gradienten bemerkbar,
was Windböen an der Vorpommerschen Ostseeküste erklärt. Am Abend sollte aber der
Wind abflauen, so dass danach dort keine Warnungen mehr erforderlich sind.
Einer dieser südlich ablaufenden Kurzwellentröge verlässt aktuell das
Vorhersagegebiet nach Osten, ein weiterer hat Ostfrankreich erreicht. An dessen
Vorderseite erfolgte ein Einschub feuchtlabiler Luft mit CAPE (MU, KK) bis ca.
500 J/kg und einem Flüssigwassergehalt von 20 bis 25 mm, was heißt, dass diese
Luftmasse weit von dem entfernt ist, was wir diesen Sommer bereits hatten und
was unwetterträchtig ist. Demzufolge wird durch den hereinschwenkenden
Kurzwellentrog kleinräumige Konvektion induziert; nur im ungünstigsten Fall,
d.h. wenn mehrere Konvektionszellen über ein eng begrenztes Gebiet ziehen,
werden mehr als 25 mm innerhalb einer Stunde erreicht. Dies betrifft einen
breiten Streifen von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Erzgebirgsraum
hinein.
Auch ganz im Süden, d.h. aus den Alpen heraus, können sich einzelne Gewitter mit
Starkregen entwickeln, wobei aufgrund von deren rascher Verlagerung die
Niederschlagssummen im markant zu bewarnenden Bereich verbleiben dürften.
Generell ist die Scherung gering, so dass es sich durchweg um wenig organisierte
Konvektion handelt.
In der Nacht zum Dienstag stellt sich dann eine leicht antizyklonal gekrümmte
Strömung ein, so dass Absinken dominiert. Die Konvektion sollte daher alsbald in
sich zusammenfallen. Aufgrund der geringen Luftdruckgegensätze kann sich
stellenweise Nebel bilden.

Dienstag … nähert sich bereits in den Frühstunden ein weiterer und wesentlich
kräftigerer Kurzwellentrog. Vorderseitig erfolgt aus dem Rhonetal heraus ein
erneuter Schwall labil geschichteter Luft (mit CAPE bis etwa 800 J/kg und einem
Gehalt an niederschlagbarem Wasser bis über 25 mm). Von den westlichen
Mittelgebirgen her setzen schauerartig verstärkte Niederschläge ein, wobei
eingelagerte kurze Gewitter vorstellbar sind. Diese greifen bis Mittag auf die
Mitte und später bis auf die Harzregion und den Erzgebirgsraum über. Wenngleich
es sich wiederum nur um kleinräumig eng begrenzte Ereignisse handelt, ist jedoch
die Hebung ausgeprägter und die Luftmasse etwas feuchter, so dass unwetterartige
Niederschlagssummen (durch wiederholte Ereignisse) mit einer gegenüber heute
durchaus erhöhten Wahrscheinlichkeit zustande kommen können. Nach wie vor
relativ gering ist in diesen Gebieten die Scherung.
Da dieser Kurzwellentrog bis zu den Alpen reicht, dürfte auch der Süden von
konvektiven Umlagerungen nicht verschont bleiben. Aus den Alpen heraus können
sich Gewitter entwickeln, ebenfalls mit der Gefahr von Starkregen, die aufgrund
der höheren Scherung (sowohl niedertroposphärisch als auch hochreichend) einen
höheren Organisationsgrad aufweisen können. Dabei sind staffelartige Strukturen
vorstellbar, deren Passage mit Böen bis Sturmstärke einhergehen kann. Für
Großhagel ist CAPE zu gering. Generell sind aber Unwetter im Süden weniger
wahrscheinlich als in dem Bereich vom westlichen Mittelgebirgsraum bis in die
mittleren Teile Deutschlands hinein. In den Abendstunden sollte auch dieser
Kurzwellentrog, der vor allem in höheren Troposphärenschichten (300 hPa) markant
ausgeprägt ist, Deutschland nach Tschechien und Niederösterreich hin verlassen,
so dass dann die Hebung fehlt, um noch die Konvektion länger am Leben zu halten.

Von diesen Entwicklungen verschont bleibt der Norden. Zwischen dem o.g.
Kurzwellentrog und einem weiter nördlich über Jütland und Südschweden nach Osten
ablaufenden Kurzwellentrog stellt sich in den nördlichen Teilen Deutschlands
kompensierendes Absinken ein. Dort ist die Schichtung nicht so labil wie in der
Mitte und im Süden (aber auch noch nicht richtig stabil!), zudem liegt der
Flüssigwassergehalt nur wenig über 20 mm, so dass zwar einzelne Schauer
auftreten können, aber Gewitter eher unwahrscheinlich sind. In diesen Gebieten
sind auch größere Auflockerungen am wahrscheinlichsten. Die
Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 22, im Osten und Südosten bis 24 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch wird die Strömung antizyklonaler, wodurch die Hebung
alsbald nachlässt und die Konvektion in sich zusammenfällt. Die feuchteste und
labilste Luft wird zudem in den Nordosten Deutschlands abgedrängt, die von
Südfrankreich nachfolgende Luftmasse weist zwar eine vergleichbare Feuchte auf,
ist aber stabil geschichtet. Aufgrund der gradientschwachen Lage können sich
Nebelfelder bilden.

Mittwoch … greift ein weiterer Kurzwellentrog auf Frankreich über. Dessen
Achse erstreckt sich von der westlichen Nordsee bis ins westliche Mittelmeer,
reicht demzufolge weiter nach Süden als die bisherigen Kurzwellentröge. Folglich
wird von diesem Trog wieder feuchtere Luft (mit einem Flüssigwassergehalt
zwischen 25 und 30 mm) nach Deutschland geführt. Dabei ist die Schichtung im
Süden noch stabil, wogegen die leicht labil geschichtete Luftmasse (mit CAPE bis
500 J/kg) dann in der Mitte und im Norden zu finden ist. In diesen Gebieten
(aber deutlich abseits der Küste) dürfte noch einmal etwas Konvektion ausgelöst
werden, was einem in der unteren Troposphäre ausgeprägten und nach Nordosten
schwenkenden Kurzwellentrog zuzuschreiben ist. Dabei besteht die Gefahr von
Starkregen; Unwetter sind jedoch eher unwahrscheinlich. Mangels Scherung ist die
Konvektion zudem relativ unorganisiert. Ansonsten zeichnen sich über dem Norden
und der Mitte größer Auflockerungen und mehr zur Küste hin auch längere sonnige
Phasen ab, wodurch Tageshöchsttemperaturen zwischen 21 und 25 Grad zu erwarten
sind.
Im Süden sollte Konvektion mangels Hebung und aufgrund der stabilen Schichtung
unterbleiben. Allerdings kommt durch die auf die Westalpen übergreifende
Trogspitze südlich der Alpen kräftige Hebung in Gang, die in abgeschwächter Form
auch auf die Alpennordseite übergreifen kann. Die Folge sind dann skalige
Niederschläge geringer Intensität, die auf das alpennahe Vorland ausgreifen
können, ohne jedoch wahrscheinlich auch nur annähernd warnrelevant zu werden.
Größere Auflockerungen sind eher selten, so dass sich die Temperaturen meist
zwischen 17 und 22 Grad bewegen.

In der Nacht zum Donnerstag greift der Trog unter Ausweitung nach Süden auf
Deutschland über. Abgesehen vom Norden (vor allem Schleswig-Holstein und die
Gebiete von der Unterelbe bis zur unteren Weser), wo durch diesen Trog noch
Hebung wirksam ist, sollte die Konvektion in sich zusammenfallen.
Der weit nach Süden bis ins Tyrrhenische Meer reichende Trog tendiert zum
Austropfen; im 700 hPa-Niveau zeichnet sich über Oberitalien bereits die Bildung
eines Tiefs ab. Vorderseitige Hebung, die durch herumgeholte Warmluft zustande
kommt, lässt auf den Südosten Deutschlands skalige Niederschläge übergreifen,
wobei Dauerregen bis 40 mm innerhalb von 12 Stunden nicht auszuschließen ist.
Allerdings bestehen hier noch erhebliche Modellunterschiede; ICON-EU zeigt
gegenüber GFS und EZMW keine warnrelevanten Niederschlagssummen; nach COSMO-LEPS
wären vom Karwendelgebirge bis zu den Berchtesgadener Alpen sogar 40 bis 50 mm
innerhalb von 12 Stunden möglich. Beide Szenarien (das von ICON mit den relativ
geringen Niederschlägen, aber auch die höheren Niederschlagssummen) werden durch
weitere Modelle bestätigt, so dass noch weitere Modellläufe abzuwarten sind, um
hier eine Entscheidung zu treffen.
Da nach wie vor geringe Luftdruckgegensätze bestehen, muss vor allem in den
Frühstunden erneut mit flachen Nebelfeldern gerechnet werden.

Donnerstag … folgt in der westlichen zyklonalen Strömung ein weiterer
Kurzwellentrog, der von Ostfrankreich kommend auf Deutschland übergreift und
rasch ostwärts gesteuert wird. Dieser Trog weist keine senkrechte und keine
eindeutig definierte Achse auf, die Hebung ist zudem unstrukturiert, daher hält
sich die Konvektion in Grenzen. Insgesamt dürfte dieser Prozess bewirken, dass
die skaligen Niederschläge über dem Südosten Deutschlands rasch nach Osten
abgedrängt werden.
Über den Britischen Inseln bringt sich aber im Tagesverlauf ein weiterer und
wesentlich kräftigerer Trog in Position. In diesen ist ein Tief eingelagert, an
der Vorderseite dieses Tiefs dreht die Strömung auf Südwest zurück, weist aber,
bedingt durch den zuvor nach Osten abziehenden Kurzwellentrog, eine ausgeprägte
Diffluenz auf, was in Verbindung mit Warmluftadvektion von Westen her
Niederschläge aufkommen lässt. Die Schichtung ist aber in diesen Gebieten
relativ stabil. Allerdings nimmt der Flüssigwassergehalt der Luft im Westen
wieder zu und steigt auf etwa 30 mm.
Die labilste Luft wird in den Nordosten Deutschlands und nach Schleswig-Holstein
abgedrängt, dort erreicht CAPE mehr als 500 J/kg (bei ähnlichem Gehalt an
niederschlagbarem Wasser wie im Westen). Dort ist der nach Nordosten schwenkende
Kurzwellentrog noch wetterwirksam, was, nicht auch zuletzt gestützt durch den
Tagesgang, einiges an hochreichender Konvektion verspricht. Unwetterartige
Entwicklungen (vor allem durch heftigen Starkregen) sind zwar wenig
wahrscheinlich, können aber aufgrund der langsamen Verlagerung der
Konvektionszellen nicht ganz ausgeschlossen werden.
Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 20 bis 25, im höheren Bergland und im
Alpenvorland nur Werte um 17 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung.
Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten
Unterschiede ableiten.
Lediglich hinsichtlich der Niederschläge in der Nacht zum Donnerstag, die dann
am Alpenrand und im Südosten Deutschlands zu erwarten sind, bestehen
unterschiedliche Prognosen, auf die bereits weiter oben hingewiesen wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Thomas Schumann