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SXEU31 DWAV 011800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 01.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wechselhaft, besonders über der Mitte und dem Süden wiederholt mit überwiegend
markanten Gewittern. Am Montag im Nordosten böiger Westwind. Mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … beeinflusst ein umfangreicher Langwellentrog unser Wetter, wobei
mehrere kurzwellige Anteile, die in diesen Trog eingebettet ostwärts ziehen, die
wettertechnisch spannendsten synoptischen Merkmale darstellen. Die eine Welle
mit geringer Amplitude verlässt abends Bayern in Richtung Tschechien/Österreich,
während ein zweites, wohl eher als robuster Randtrog zu bezeichnendes System,
über Dänemark ostwärts zieht.

Die skaligen Niederschläge der ersten Welle lassen über Süddeutschland immer
weiter nach, sodass die Dauerregenwarnung mit gemessenen 20 bis 30 l/qm, lokal
bis 40 l/qm in 16 Stunden auslaufen konnte. Ansonsten entwickeln sich unter dem
vom Modellklima (negativ) abweichenden Geopotenzial im Nachmittags- und
Abendverlauf weitere Schauer und Gewitter, die besonders im Norden auch
linienhaft angeordnet ostwärts ziehen (präfrontal einer zögernd ins Binnenland
ziehenden Kaltfront). Labilität und Scherung fallen im Norden so gering aus,
dass wohl nur hier und da eine kräftigere Böe Bft 7 (Bft 8 nur strichweise mit
unter 10% vom ID2 EPS) und markanter Starkregen von 15 bis 20 l/qm auftreten.
Über der südlichen Mitte fällt die Labilität mit 400-800 J/kg SBCAPE etwas
besser aus, sodass hier lokal Graupel/Hagel nicht ausgeschlossen werden kann –
neben den bereits weiter oben beschriebenen Begleiterscheinungen.
Bewölkungstechnisch lockert diese vom Saarland bis in den Osten teils stärker
auf und bleibt sonst im Süden und Nordwesten meist sehr hartnäckig und verdeckt
erfolgreich die Sonne. Der Südwest-, im Norden Westwind tritt abseits der
Konvektion nur schwach bis mäßig in Erscheinung. Die abendlichen Werte liegen
bei etwas mehr Sonnenanteil um 20 Grad und sonst zwischen 15 und 19 Grad, am
direkten Alpenrand etwas unter 15 Grad.

In der Nacht zum Montag arbeitet sich die Kaltfront bis zur nördlichen Mitte
voran und stellt den Blickfang für erhöhte und die Nacht über anhaltende
Schauertätigkeit dar (geringes MUCAPE um 100 J/kg). Im Südosten regnet es noch
zeitweise leicht und auch sonst können sich im gesamten Süden zeitweise Schauer
der Nummer „schwach“ entwickeln, bleibt die Luftmasse doch auch hier geringfügig
labil geschichtet. Und auch die von der Nordsee ins Binnenland driftenden
Schauer sorgen bis Bremen/Hamburg noch für strichweise etwas Nass. Besonders im
Norddeutschen Tiefland bleibt es hingegen meist trocken und zeitweise auch klar.
Lokale Nebelfelder im Süden zeugen von der insgesamt recht feuchten Luftmasse.
Die Tiefstwerte liegen im Küstenumfeld um 15 Grad und sonst zwischen 14 und 10
Grad, im Bergland auch etwas darunter.
Mit der Passage des Randtroges frischt der West- bis Nordwestwind im
Küstenumfeld stark böig auf, wobei ID2-EPS für Böen Bft 7 entlang der östlichen
Deutschen Bucht Wahrscheinlichkeiten von 40-60% und über 80-90% über der Ostsee
anzeigt. Besonders zwischen Kühlungsborn und Rügen sind daher zum Morgen
zunehmend warnrelevante Windböen zu erwarten.

Montag … hinterlässt der zur Ostsee abziehende Randtrog eine leicht
antizyklonal geprägte zonale Höhenströmung, die weiterhin von einem bezüglich
des 79-09 Modellklimas zu niedrigen Geopotenzials geprägt ist. Zudem kippt am
Abend von Westen die Höhenströmung bereits wieder auf „leicht zyklonal“ im Zuge
einer neuen Welle, die über Irland zum Ärmelkanal zieht. Die über der Mitte
liegenden Kaltfront wird von der zonalen Hintergrundströmung „eingefangen“ und
bleibt somit quer über der Mitte liegen. Im Nachmittagsverlauf wird der
westliche Bereich sogar rückläufig und dürfte als Warmfront analysiert werden.
Die Luftmasse entlang und südlich der Kaltfront weist mit 300-600 J/kg SBCAPE
überschaubare Labilitätswerte bei insgesamt nur geringer Windscherung auf (meist
unter 10 m/s in allen Höhenbereichen).

Von der Früh weg treten im direkten Umfeld der Kaltfront von der Eifel bis zum
Thüringer Wald und weiter zur Lausitz wiederholt Schauer auf, die mit dem
weiteren Tagesgang an Intensität zulegen. Ansonsten entwickeln sich ab der
Mittagszeit im gesamten Süden ebenfalls teils kräftige Schauer und einzelne
Gewitter, nur südlich der Donau fällt die Schaueraktivität dank schwachen
synoptisch-skaligen Absinkens deutlich geringer aus. Die PPWs liegen bei 20 bis
25 mm und die Zellen ziehen mit rund 20 bis 30 km/h, sodass meist die markante
Warnfarbe bezüglich des Starkregens überwiegen sollte. Dennoch sollte man nicht
die von ID2-EPS gezeigten lokalen Wahrscheinlichkeitsmaxima von rund 10% für
mehr als 25 l/qm/h unter den Tisch fallen lassen – durch verschmelzende Zellen
oder forciert durch die Orographie können lokal auch Mengen entsprechend unseres
Unwetterkriteriums auftreten. Dies sind aber nur sehr punktuelle und kurzlebige
Ereignisse.
Nördlich der Kaltfront ist die Luftmasse mit PPWs von unter 20 mm deutlich
trockener und die Schichtung fällt hier dank einer etwas höhenmilderen Luftmasse
stabiler aus. Immer wieder gibt es einzelne, schwache Schauer, besonders entlang
der nördlichen Mitte sorgt kompensatorisches Absinken der Querzirkulation für
überwiegend freundliches und trockenes Wetter.
Die Höchstwerte liegen in diesem Streifen bei 20 bis 23 Grad und sonst je nach
Sonnenanteil etwas über oder unter der 20 Grad-Marke.

Der noch recht stramme Luftdruckgradient fächert im Nordosten nur zögernd auf,
sodass besonders in MV und Nord-Brandenburg wiederholt Böen Bft 7 aus West zu
erwarten sind. Entlang exponierter Küsten wie auf Rügen müssen auch stürmische
Böen Bft 8 ins Kalkül gezogen werden. Zum Abend schwächt sich der Wind überall
sukzessive ab – erfolgreicher im Binnenland und langsamer entlang der Küsten.

In der Nacht zum Dienstag zieht die Kurzwelle vom Ärmelkanal zügig weiter ins
nordöstliche Frankreich. Verstärkte synoptisch-skalige Hebung sowie die etwas
nordwärts drückende Warmfront sorgen nach Abklingen der
nachmittäglichen/abendlichen Konvektion im Westen die Nacht hindurch für
weitere, jedoch meist nur schwache Schauer, während sonst die Konvektion vom
Tage rasch in sich zusammenfällt und nachfolgend eine meist trockene und teils
klare Nacht erwartet wird. Besonders in Richtung Bayern können sich teils dichte
Bodennebelfelder ausbilden, was besonders die Donau sowie den Südstau des
Thüringer Waldes betrifft.
Der meist schwache Wind aus Süd bis Südwest spielt keine große Rolle mehr.
Ausgenommen davon ist der Bereich Rügen-Usedom, wo eingangs der Nacht noch
letzte Windböen erwartet werden.
Die Tiefstwerte liegen im Küstenumfeld um 15 Grad und sonst zwischen 14 und 9
Grad, im Bergland teils auch etwas darunter.

Dienstag … zieht die Kurzwelle weiter nach Osten und öffnet sich bzw. schwächt
sich ab. Der induzierte Hebungsimpuls interagiert jedoch mit der über dem
Süden/der Mitte liegenden mäßig labilen Luftmasse, sodass im Tagesverlauf erneut
zahlreiche Schauer und Gewitter auftreten sollen. Dies betrifft besonders den
Südwesten, die Mitte und den Osten. Das MLCAPE legt wieder etwas zu, sodass in
diesen Bereichen Werte von 400 bis 800 J/kg, lokal bis 1000 J/kg erwartet werden
können. Die Windscherung ähnelt den Werten vom Vortag, sodass mit ähnlichen
Begleiterscheinungen zu rechnen ist: Lokal Hagel, Böen Bft 7-8 und Starkregen,
der meist markant, lokal jedoch auch unwetterartig ausfallen sollte.
Im Nachmittagsverlauf bilden sich zudem entlang der Alpen einige Gewitter, die
bei einer hochreichenden Windscherung von bis zu 15 m/s lokal auch größeren
Hagel bringen können. Diese Konvektion zieht nordostwärts bis ostwärts und
verbleibt somit im deutsch-österreichischen Grenzbereich.
Im äußersten Norden dämpft die weiterhin etwas trockenere/stabilere Luftmasse
die Schauertätigkeit, ganz trocken bleibt es jedoch auch hier nicht. Den meisten
Sonnenschein dürfte es über der Norddeutschen Tiefebene und vom Bodensee bis
nach Mittelfranken geben.

Die Höchstwerte liegen je nach Sonnenanteil zwischen 18 und 24 Grad und der
Südwestwind weht meist nur schwach bis mäßig.

In der Nacht zum Mittwoch – oh Wunder – nähert sich von Nordfrankreich die
nächste Welle, sodass die Nacht über bei wechselnder Bewölkung hier und da mit
einzelnen Schauern zu rechnen ist. Ausgangs der Nacht kann im Südwesten auch
skaliger Regen der Marke „leichter Natur“ aufkommen, doch das wird bisher noch
recht variabel gezeigt. Die Tiefstwerte liegen zwischen 16 Grad (Küsten) und 8
Grad (Bergland).

Mittwoch … kommt es zu einer kräftigeren Austrogung über Frankreich, die die
Welle irgendwo über Benelux einfängt und somit kaum nach Osten vorankommen
lässt. Diese Konfiguration würde dem Großteil Deutschlands eine wechselhafte
Trogvorderseite mit Schauern und einzelnen Gewitter bescheren, in Richtung
Alpenrand kann es auch mal längere Zeit regnen. Allerdings gehen hier die
Modelle bezüglich der Detailfragen noch etwas auseinander, sodass noch keine
Schwerpunkte herausgearbeitet werden.
Die Höchstwerte liegen unverändert bei mäßig warmen 18 bis 23 Grad. Der Wind
weht im Süden schwach aus Südwest, im Norden aus Nordost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die angesprochenen Wellen finden sich in den Modellen allgemein recht gut
wieder, allerdings mit geringen zeitlichen Diskrepanzen. Dies hat jedoch kaum
Auswirkungen auf den beschriebenen Wettercharakter, sodass die Prognosegüte
insgesamt als „sehr gut“ bezeichnet werden kann. Zum Mittwoch nehmen die
Diskrepanzen mit einem neuen Trog über Frankreich schon deutlicher zu.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy