#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Mittwoch, den 28.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 28.07.2021 um 10.30 UTC

Wenig Wetteränderung – Unbeständigkeit bleibt Trumpf

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 04.08.2021

Werfen wir doch mal einen Blick auf das kommende Wochenende, dass viele
Tagesausflügler und Urlaubende in Deutschland sicherlich besonders interessiert.

Beim Öffnen der Geopotentialverteilung in 500 hPa des aktuellen IFS 0z Lauf
offenbart sich ein altbekanntes Muster. Eine rege Tiefdruckaktivität über
Neufundland stützt mit immer neuen Warmluftvorstößen auf der Vorderseite einen
sich fortwährend regenerierenden Rücken über den Azoren. Das nahezu ortsfeste
Azorenhoch mit etwas über 1030 hPa im Bodenniveau macht seinem Namen dabei
mindestens bis weit in den August hinein alle Ehre. Stromab schließt sich ein
bis zur Algarve amplifizierter und von zahlreichen Kurzwellen durchlaufener
Langwellentrog an, der über Osteuropa beginnt scharf nordwärts abzubiegen. An
dieser Stelle sei bereits vorweggenommen, dass die immer öfter zu beobachtende
Erhaltungsneigung der Großwetterlage sich auch derzeit ohne schlechtes Gewissen
bis in die erweiterte Mittelfrist hinein fortsetzen lässt. So bekommt man auch
bei der Einstufung der Großwetterlagen des IFS Ensembles nach Paul James die aus
den vergangenen Tagen und Wochen gängigen Muster aus West zyklonal (Wz), Trog
Mitteleuropa (TrM), Tief Britische Inseln (TB) und Trog Westeuropa (TrW)
angeboten. Dem geneigten Leser unserer Übersichten erschließen sich dabei
sofort, dass sich somit an der wechselhaften Witterung nicht allzu viel ändern
dürfte. Doch nun ins Detail…

Am Samstag erstreckt sich der Haupttrog vom Nordmeer bis nach Südskandinavien,
wobei davon etwas abgekoppelt auch über der nördlichen Biskaya ein eigenes
Drehzentrum zu finden ist. Deutschland liegt somit unter einer vergleichsweise
glatten südwestlichen Höhenströmung. Am Boden wird das Tief mit rund 995 hPa im
Oslofjord von einem schwachen Azorenhochkeil (1010 hPa) über der südlichen Mitte
flankiert. Während sich im äußersten Süden und Südosten des Landes noch immer
Reste schwül-warmer Mittelmeerluftmassen befinden (T850 hPa > 10 Grad), ist im
großen Rest des Landes eine gemäßigte Atlantikluft (T850 hPa 7 bis 10 Grad)
wetterwirksam. Deren Schichtung ist vor allem über Norddeutschland unmittelbar
am Südrand des Höhentiefs noch am labilsten, weshalb dort in Küstennähe bereits
aus der Nacht heraus, im Tagesverlauf auch bis zu den zentralen Mittelgebirgen
ausgreifend vermehrt mit Schauern und auch kurzen Gewittern zu rechnen ist. Die
Wahrscheinlichkeit dafür ist insbesondere von NRW bis zur Lübecker Bucht erhöht
(maximal wenige hundert J/kg ML CAPE). Die Gewitter sind jedoch in der Regel
harmlos (gelb, vereinzelt ocker), da trotz PPW’s bis 30 mm doch reichlich Zug
dahinter ist und bei Oberwinden von 30-40 Knoten in 850 hPa eher mal eine
stürmische Böe als Starkregen die Begleiterscheinung Nr. 1 sein sollte. Aufgrund
der guten Scherungsbedingungen, die vorrangig aus der Geschwindigkeitskomponente
resultieren, sind auch linienhafte Strukturen mit Bowecho-Segmenten gut
vorstellbar, welche prädestiniert für Sturmböen als Begleiter wären. A propos:
Auch abseits der Schauer kann es über der Norddeutschen Tiefebene die ein oder
andere Windböe (Bft 7), gradientbedingt an der Ostsee kurzzeitig auch Sturmböe
(Bft 8 bis 9) geben.
Vom Oberrhein bis zur Lausitz schließt sich ein Streifen an, in dem die
Luftmasse durch den schwachen Hochdruckeinfluss am Boden deutlich trockener ist
und somit neben lockeren Wolkenfeldern länger die Sonne scheint.
Südlich der Donau schließlich treten in der feucht-warmen Luftmasse zeit- und
gebietsweise schauerartige und teils gewittrig durchsetzte Regenfälle auf, die
anfangs noch der nächtlichen Eigendynamik und zum Nachmittag dem Tagesgang
entspringen. Synoptisch-skalige Hebungsantriebe lassen sich keine signifikante
ausmachen. Die Höchstwerte liegen zwischen 20 und 25 Grad, auf den Nordseeinseln
auch darunter.

Am Sonntag, dem 01. August, schwenkt aus dem südlichen Anteil des
westeuropäischen Troges ein markanter Randtrog im Tagesverlauf über Frankreich
hinweg zu den Alpen. Auf der diffluenten Vorderseite setzt vor allem über den
Ostalpen Druckfall ein, weshalb sich für Süddeutschland eine zunehmende
Gegenstromlage einstellt, bei der die über dem Balkan und der Adria heiße Luft
mit teils über 20 Grad in 850 hPa über die kühlere Atlantikluft über Deutschland
aufgleitet. Die Folge sind teils länger anhaltende und ergiebige Regenfälle in
Süddeutschland mit Unwetterpotential (siehe Abschnitt unter signifikante
Wettererscheinungen). Abseits davon entwickeln sich in der feucht-labil
geschichteten Meeresluft einzelne Schauer, im Nordwesten auch kurze Gewitter.
Fraglich ist, wie massiv der Schirm der Aufgleitniederschläge ausfällt und nach
Norden und Osten ausgreift. Daher könnte vor allem am Nordrand des Dauerregens
die Schauertätigkeit ein relatives Minimum erfahren. Die Temperaturen ändern
sich kaum, im Dauerregen wird es aber wohl schwer die 20 Grad-Marke noch zu
überschreiten.

Bis Mittwoch – und aller Voraussicht nach auch darüber hinaus – wird der Trog
über Mitteleuropa durch kurzwellige Anteile, die vom Atlantik und Frankreich
hereinlaufen, fortlaufend regeneriert. Die Druckverteilung am Boden ist äußerst
mau, die Tendenz geht hin zu einer flachen Tiefdruckrinne. Damit wird sowohl das
Temperaturniveau als die erhöhte Niederschlagsneigung zementiert. Wo genau die
Schwerpunkte liegen, kann final nur die Kurzfrist beziehungsweise kleinskalig
nur das Nowcasting klären. Potentiell steigt jedoch die Unwettergefahr über der
Mitte und dem Süden an, wo bei PPW’s über 30 mm aufgrund der langsamen
Verlagerung lokaler heftiger Starkregen mit Überflutungen droht. Im Norden ist
die Luftmasse etwas kühler mit geringerem Gehalt an niederschlagbarem Wasser und
auch einen Tick stabiler geschichtet.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Aufgrund der komplexen Trogstruktur über Mitteleuropa mit zahlreichen
durchschwenkenden Randtrögen, die sich zwar laufübergreifend in Phase und
Amplitude meist nur wenig, dafür aber mit teils markanten Folgen unterscheiden,
ist gerade die Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte mit großen
Unsicherheiten behaftet. Ein detailliertes „Ausklamüsern“ der Konfigurationen
von Geopotential und Bodendruck ist dabei wenig zielführend, da marginal und
vermutlich in den Folgeläufen eh wieder leicht modifiziert. Letzten Endes sieht
es als unmittelbare Folge derzeit so aus, als ob sich die schauerartig
verstärkten Regenfälle am Sonntag von den Alpen bis zum Main ausweiten. Zudem
beschränken sich die Schauer und Gewitter kommende Woche wohl nicht
ausschließlich auf den Norden, sondern sind landesweit wahrscheinlich.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die gängigen Globalmodelle sind sich in den grundlegenden synoptischen
Strukturen einig. Selbst bei der Niederschlagsprognose lassen sich -angesichts
der komplexen Lage erstaunlicherweise – ebenfalls hohe Übereinstimmungen in den
quantitativen und qualitativen Schwerpunkten feststellen. Auffällig ist nur,
dass zum Ende der Mittelfrist die Lösungen im Bodendruckfeld stärker
divergieren. Je nach Timing und Ausprägung der Kurzwellentröge in der Höhe
könnte sich vorübergehend auch schwacher Hochdruckeinfluss einstellen, der die
Konvektion (zeit- und gebietsweise) hemmt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen zeigen im Allgemeinen eine gute Bündelung und ähnliche
Simulationen von Haupt-/Kontrolllauf und Membern. Größere Diskrepanzen bestehen
in erster Linie noch im Norden bezüglich des Temperaturniveaus, wo zahlreiche
Member noch die Zufuhr einer subpolaren Luftmasse von der Nordsee mit T850 von
nur wenig über 0 Grad sehen. Auf Basis der übrigen Modelle ist dieses Szenario
jedoch wenig wahrscheinlich, die Advektion ebbt voraussichtlich von der
Westküste Jütlands ab.

Auffällig zudem, dass die Tendenz des Geopotentials im Übergang zur erweiterten
Mittelfrist Mitte nächste Woche wieder deutlich nach unten geht – die
Lannisters, pardon, die Wetterlage Trog Mitteleuropa lässt schön grüßen.

Die Cluster schwanken zwischen den Regimen atlantischer Rücken und NAO positiv
und lassen allgemeinhin wenig Interpretationsspielraum. Dass sich im Übergang
zur erweiterten Mittelfrost ein weiterer Trog von den Britischen Inseln nach
Mitteleuropa schiebt und damit den Langwellentrog ein weiteres Mal regeneriert,
ist quasi gesichert.

FAZIT:
Die wechselhafte und verglichen mit den Vorjahren eher kühle Witterung inmitten
des Hochsommers setzt sich unverändert fort. Am Sonntag spricht vieles für ein
markantes Regenereignis im Süden. Sonst sind eher nur lokal Schauer und Gewitter
unterwegs. In der Folge bleibt Unbeständigkeit Trumpf, was allerdings nicht
ausschließt, dass es nicht doch mal tageweise sonnig und trocken bleibt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Zu den Gewittern wurde bereits das Wesentliche oben im Text erwähnt. Anfangs
liegt der Fokus eher im Norden und Nordwesten und da in Bezug auf stürmische
Böen als Begleiterscheinung.
In der kommenden Woche nimmt das Starkregen- und Unwetterpotential durch nur
langsame Verlagerungsgeschwindigkeiten bei gleichzeitig hohen PPW’s wieder
deutlich zu.

REGEN:
Im Fokus ist hier vor allem der Süden und da insbesondere der Alpenrand, da es
dort aktuell und auch in den nächsten Tagen wiederholt zu teils kräftigen
Regenfällen kommt. Die Globalmodelle bieten am Sonntag binnen 24 Stunden
zwischen Alb, Alpen und Bayerischem Wald flächig 10 bis 20, lokal um 30 l/qm an.
Da zu erwarten ist, dass die Niederschläge schauerartig verstärkt sein werden,
ist davon auszugehen, dass lokal deutlich höhere Mengen fallen können, die in
der Kurzfrist von den konvektionserlaubenden Modellen besser abgeschätzt werden
können. Die Ensembles geben ebenfalls deutliche Signale für ein mindestens
markantes Ereignis mit Wahrscheinlichkeiten von 20 bis 40%, COSMO-LEPS im
Oberallgäu sogar mit bis zu 60% für mehr als 30 l/qm und in dem Falle sogar 30%
für mehr als 50 l/qm. Auffällig außerdem, dass sich die probabilistischen
Verfahren dermaßen auf den Alpenrand konzentrieren. Dabei ist es eigentlich
keine Wetterlage mit Stauniederschlägen, sondern die Erfahrung lehrt, dass die
Maxima weit abgesetzt von orographischen Hindernissen erfolgen können und sich
eher an lokal eingelagerte Starkregen-Hotspots orientieren, die sich aktuell
noch nicht genauer herausarbeiten lassen.
Der EFI jedenfalls „hält sich ebenfalls stark am Alpenbogen fest“ und hält
angesichts moderater CDF’s von einer Unwetteroption noch etwas Abstand.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen