#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 26.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 26.07.2021 um 10.30 UTC

Unbeständig mit teils kräftigen Schauern und Gewittern, ganz im Norden teils
windig.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 02.08.2021

Am Donnerstag liegen wir in einer westsüdwestlichen Strömung an der Südflanke
eines Höhentroges, der von den Britischen Inseln bis nach Südskandinavien reicht
und der sich langsam dem Langwellentrog über Nordskandinavien angliedert. In den
Süden gelangt dabei sehr warme, fast schon heiße Luft (T850 um 15°C), während in
den Norden eine allenfalls mäßig warme Luftmasse mit einer Temperatur von 5 bis
8°C einströmt. Über der Nordhälfte und im äußersten Süden (eventuell auch nur am
Alpenrand) bilden sich Schauer und Gewitter. Dazwischen findet sich eine Zone
relativer Ruhe, in der wettertechnisch nicht viel passiert. Die Temperaturen
weisen eine beachtliche Bandbreite auf, von gerade mal 20°C an der Nordsee und
30°C im Südosten.
Am Freitag zieht ein markanter Troganteil von den Britischen Inseln nach
Dänemark, möglicherweise verbunden mit einem kleinräumigen Sturmtief, das vom
Ärmelkanal unter Abschwächung Richtung Skagerrak vorankommt. Vorderseitig
bekommt die sehr warme subtropische Luft einen deutlichen Schub nach Norden,
bevor mit Übergreifen des Troges und der vorgelagerten Kaltfront von Westen her
teils kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotential übergreifen. Dazu
frischt auch abseits der Gewitter vor allem nach Nordwesten hin der auf
westliche Richtungen drehende Wind stark auf mit Sturmböen an der Nordsee. Die
Temperatur steigt vorübergehend auch im Norden wieder kräftig an. Diese
Entwicklung ist aber noch sehr unsicher und entsprechend mit großen Fragezeichen
behaftet.
Am Samstag dreht dann die Strömung hinter dem Trog und der rasch wieder
abziehenden Kaltfront mehr auf westliche Richtungen, wobei die weniger warme
Luft die meisten Teile Deutschlands fluten dürfte. Nur im Süden halten sich
Reste der Warmluft. Dazu sind nach abziehenden Regenfällen südlich der Donau
wieder Schauer und Gewitter möglich, im Norden bilden sich nahe der Höhenkalten
Luft im Bereich des Langwellentroges über Nordeuropa Schauer und einzelne kurze
Gewitter, über dem Süden (nördlich der Donau) und der südlichen Mitte ist wieder
eher ruhiges Sommerwetter angesagt unter einer schwachen Hochdruckzone.
Am Sonntag liegt der Schwerpunkt des Langwellentroges inzwischen über
Skandinavien, wo auch das Bodentiefdrucksystem seinen Schwerpunkt hat. An seiner
Südseite nähert sich über Westeuropa der nächsten Randtrog und kommt unter
Substanzverlust im Tagesverlauf nach Deutschland voran. Das führt zu einer
Zunahme der Schauer- und Gewitterneigung, vor allem über dem Süden und Norden,
aber auch über der Mitte sind dann wieder wenigstens einzelne Schauer und
Gewitter möglich. Dabei gelangt von Westen weiter mäßig warme bis warme Luft
nach Mitteleuropa, die in 850 hPa Temperaturen von 5 bis 10°C aufweist und in
der Maxima zwischen 20 und 25°C zu erwarten sind mit den höheren Werten nach
Südosten hin.
Am Montag gestaltet sich die Höhenströmung zwischen dem abziehenden und einem
folgenden Trog antizyklonaler und die wärmere Luft über dem Süden breitet sich
wieder nordwärts aus. Der Temperaturkontrast konzentriert sich über dem Norden
im Bereich einer Tiefdruckrinne wo es zeitweise regnen kann. Über dem Süden sind
einzelne kräftige Gewitter möglich, derweil sich dazwischen wohl nicht allzu
viel tut.

In der erweiterten Mittelfrist deutet sich ein Fortgang der westlichen Strömung
verbunden mit wechselhaftem sowie mäßig warmem bis warmem Wetter an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der Läufe des europäischen IFS ist alles in allem recht gut.
Unterschiede beschränken sich im Wesentlichen auf Phase und Amplitude der kurzen
Wellen. Dies betrifft dann natürlich auch die Entwicklung am Freitag, wo die
Vorläufe das kleine Sturmtief vermissen lassen. Die Entwicklung in groben Zügen
ist unstrittig, auch der Umstand, dass die Strömung mittelfristig eher auf
westliche Richtungen dreht und das Temperaturniveau im Südosten leicht
zurückgeht.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen betrachteten Modelle, ICON, GFS, UKMO zeigen einen recht ähnlichen
Ablauf, simulieren dabei aber, wie auch nicht anders zu erwarten, insbesondere
die kurzen Wellen mehr oder weniger variabel. An der Grundausrichtung ändert das
aber nichts. Von dem Sturmtief am Freitag will GFS übrigens gar nichts wissen,
ICON simuliert dann wenigstens noch einen recht scharfgradientigen Bodentrog,
der den Nordwesten Deutschlands erreicht. Im UKMO hat der gestrige 12 UTC Lauf
eine ähnliche Variante parat, wie die aktuellen Europäer. Entsprechend ist eine
derartige Lösung mit einer „kleinen“ Sturmlage im Norden wohl auch nicht ganz
von der Hand zu weisen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte stützen im Großen und Ganzen die
Aussagen der ungestörten Läufe. Allerdings weisen die Temperaturn 850 über der
Mitte schon zu Beginn einen recht großen Spread auf, was an der Unsicherheit
liegt, inwieweit die kurzen Wellen schon zu Beginn die warme Luft nochmal
nordwärts in Bewegung setzen. Ansonsten sind immer wieder Niederschlagssignale
vorhanden, mit einem Minimum zu Beginn der Mittelfrist. Im Geopotential folgen
die Ensembles dem Hauptlauf mit einigermaßen gedämpften Spread bis zum Ende der
Mittelfrist.
Die 5 Cluster im ersten Zeitschritt bis +96h (alle mit „negativer NAO“) und die
3 Cluster bis +168h (Übergang in „Rücken Atlantik“) unterscheiden sich über
Mitteleuropa nur unwesentlich und liefern kaum neue Erkenntnisse. Auch in der
erweiterten Mittelfrist zeigen die Cluster unbeständiges Wetter und eher wieder
eine Westlage (4 Cluster mit „positiver NAO“ bzw. „Rücken Atlantik“).

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Ensembles deuten für den Norden vor allem in den ersten Tagen der
Mittelfrist windige Verhältnisse an. EFI zeigt bis Samstag Anzeichen für mehr
Wind als im Modellklima und im 90% Perzentil sind für Freitag im Nordwesten und
an der Nordsee Sturmböen auf der Karte. Die Wahrscheinlichkeiten für schwere
Sturmböen sind aber sehr gering (bis nicht vorhanden).

Darüber hinaus kommt es immer wieder zu Schauern und Gewitter, die in der Regel
in den markanten „Rahmen“ fallen, was aber auch beinhaltet, dass einzelne
unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind. Hier ist am Freitag ein
Schwerpunkt im Süden vorhanden, wo sich die höchsten CAPE Werte aufbauen können.
Der Schwerpunkt in Bezug auf die Begleiterscheinungen läge dann aber angesichts
der immer vorhandenen Strömung eher auf Hagel oder eventuell stärkere
Windentwicklungen, als auf sonderlich große Regenmengen.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS (und EPS)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner