#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Donnerstag, den 22.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 22.07.2021 um 10.30 UTC

Erneut beständig unbeständig mit wiederholt aufziehenden Schauern und Gewittern,
regional mit Unwetterpotential!

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 29.07.2021

Am Sonntag zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums dominiert ein Langwellentrog
über West- und Mitteleuropa das Wetter, der ein ausgeprägtes Höhentief über dem
Ärmelkanal ausweist. Deutschland liegt dabei auf der Vorderseite des Tiefs,
dessen Trogachse südwestwärts über den Westteil der Iberischen Halbinsel hinweg
zeigt, in einer südwestlichen Grundströmung, mit der feuchte und teils sehr
warme Luft ins Land geführt wird. Hebungsantrieb liefern dabei PVA sowie
bodennahe konvergente Strukturen. Die Folge sind zahlreiche und teils kräftige
Gewitter, die regional auch Unwetterpotential durch heftigen Starkregen
aufweisen. Eine geringere Gewitterneigung gibt es allenfalls im Osten des
Landes.

Zum Montag kann sich das hochreichende Tief in die Nordsee verlagern. Dabei
verringert der zugehörige Trog etwas die Wellenlänge und kommt ebenfalls
ostwärts voran und liegt mit seiner Achse über Westfrankreich und der Iberischen
Halbinsel. Demnach bleibt Deutschland auf der Vorderseite des Kurzwellentroges
inklusive hochreichendem Tief in einer südwestlichen Strömung, die jedoch an
Fahrt zunimmt und vor allem in die Südosthälfte weiter feuchtwarme Luft pumpt.
Neben der weiterhin bestehenden PVA liefern dort auch weiter bodennahe
konvergente Bedingungen Hebung. In den Westen kann dagegen auf der Südflanke des
Tiefs kühlere Luft eindringen, die von einer Kaltfront markiert wird. Insgesamt
bleibt somit der unbeständige, zu Schauern und Gewittern neigende
Wettercharakter bestehen, wobei die Modelle von den Alpen bis zur Neiße einen
Schwerpunkt sehen. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivität wird derzeit sowohl
vom IFS als auch ICON zudem für den Westen simuliert.

Zum Dienstag wandert das hochreichende Tief unter Abschwächung vor die Küste
Norwegens. Auch der korrelierende Trog büßt nahezu komplett die Amplitude ein
und ist nur noch schwach ausgeprägt über Nordostdeutschland ostwärts gerichtet.
Gleichzeitig schiebt sich über die Britischen Inseln ein neues hochreichendes
Tief südwärts und kann somit den Trog regenerieren und sogar teilweise
intensivieren. Dabei reicht dieser von den Britischen Inseln über Westfrankreich
hinweg bis nach Nordafrika. Deutschland liegt dabei weiter auf der Vorderseite
des Troges, wobei die südwestliche Strömung vor allem in den Südosten
feuchtwarme Luft schiebt. In den Westen und Nordwesten kann sich die kühlere
Atlantikluft ausbreiten. Hebungsantrieb gibt es dennoch ausreichend. PVA
gekoppelt mit bodennahen frontalen sowie konvergenten Strukturen lassen die
Schauer und Gewitter weiter sprudeln. Vor allem im Süden kann es auch häufiger
und somit mehrstündig kräftig schauern und gewittern. Aktuelle Berechnungen
sehen nur zwischen Elbe und Oder eine abgeschwächte Niederschlagsneigung.

Am Mittwoch verschiebt sich das hochreichende Tief analog zu dem Vorgänger auch
in die Nordsee. Dieses Mal nimmt das Höhentief inklusive korrelierendem
Bodentief aber auch den Trog mit, dessen Achse langsam auf den Westen von
Deutschland übergreift. Ein weiterer kurzwelliger Anteil kann im Nordosten
verifiziert werden, der nachfolgend auf die Ostsee zieht. Mit Übergreifen der
Trogachse kann der Trog die Wellenlänge verkürzen und sich nochmals
intensivieren. Bodennah korreliert die Trogachse mit einer Kaltfront, die
spürbar kühlere Luft im Gepäck hat. Mit dem Trog kann auch der Hebungsantrieb
nochmals zulegen. PVA und frontale Prozesse lassen die Schauer- und
Gewitterneigung wieder zulegen. Demnach kommen von Westen und Südwesten
kräftige, schauerartige, teils gewittrige Niederschläge auf.

Zum Donnerstag zieht das hochreichende Tief von der Nordsee nordwärts und
schwächt sich ab. Allerdings kann sich ausgehend vom markanten Trog ein neues
Höhentief über dem Süden Deutschlands bilden und im Verlauf bis zum Baltikum
wandern. Dabei bleibt Deutschland noch im Bereich des Höhentroges, der genau
über dem Land einen weiteren Kurzwellentrog ausbildet. Erst westlich von
Deutschland, etwa von Nordfrankreich ausgehend, kann sich ein schwacher Rücken
in die Nordsee aufbäumen. Allerdings ist dieser nicht nachhaltig und wird rasch
von einem neuen Höhentief westlich von Irland unter Druck gesetzt. Bodennah
korreliert der weitere Kurzwellentrog ebenfalls mit einem Bodentrog, dessen
Achse tagsüber von der westlichen Ostsee bis zu den Niederlanden verläuft.
Entsprechend kann PVA nach IFS vor allem in der Nordhälfte weitere kräftige
schauerartige Niederschläge bringen.

Insgesamt stellt sich über West- und Mitteleuropa erneut eine Troglage ein. Auf
der Südflanke werden dabei wiederholt mehr oder weniger stark ausgeprägt
Kurzwellentröge ostwärts geführt. Entsprechend ist immer wieder genügend
Hebungsantrieb zu verzeichnen, sodass der unbeständige, zu Schauern und
Gewittern neigende Wettercharakter über die gesamte Mittelfrist anhält. Stand
heute sind die Strukturen jedoch dynamisch, sodass die Niederschläge nicht
längere Zeit am gleichen Ort verharren.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Strukturen werden vom IFS konsistent wiedergegeben. Bis
einschließlich Montag ist der aktuelle 00 UTC Lauf sogar vergleichbar zu den
vorangegangenen Läufen. Erst ab Dienstag gibt es im Detail Unterschiede, die
überwiegend das Timing des durchschwenkenden Kurzwellentroges betreffen. Der
aktuelle IFS-Lauf ist dabei deutlich langsamer in der Verlagerung und weist
zudem eine größere Amplitude auf, ist also stärker berechnet. Entsprechend
werden potentielle Niederschlagsfelder im Vergleich zu den Vorläufen später
Deutschland erreichen. Am Donnerstag soll dann noch ein weiterer Kurzwellentrog
das Land erreichen bzw. überziehen, was der gestrige 12 UTC Lauf nur andeutet
und der gestrige 00 UTC Lauf überhaupt nicht sah.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Weiter Globalmodelle (GFS, ICON, UKMO, GEM) zeigen zum IFS vergleichbare
großskalige Strukturen. Vor allem ICON stützt das IFS nahezu über den gesamten
mittelfristigen Zeitraum mit bis ins Detail ähnlichen Geopotential und
Luftdruckverteilungen. Allenfalls bezüglich der Intensität ist das ICON im
Verlauf noch etwas stärker aufgestellt. Das GFS zeigt bis einschließlich Montag
eine gute Konsistenz zum IFS. Ab Dienstag sieht das GFS allerdings eine raschere
ostwärtige Verlagerung der Kurzwellentröge, die über dem östlichen Mitteleuropa
zudem stärker gerechnet werden. Auch die Lage des Zentraltiefs ist im Vergleich
zu IFS und ICON östlicher verschoben und liegt nicht westlich von Irland,
sondern westlich von Schottland. Das GEM stützt wieder IFs und ICON und zeigt
über weite Teile des Zeitraums analoge Bedingungen. Das UKMO beschreibt fast
genau die ICON-Vorgaben.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte über Deutschland verteilt, zeigen bei
einem recht geringen Spread bei der Temperatur in 850 hPa und auch des
Geopotentials bis einschließlich Dienstag eine hohe Vorhersagegüte. Erst ab
Mittwoch spreizt sich der ENS-Raum auf, wobei Haupt- und Kontrolllauf im unteren
Drittel des ENS liegen. Grundsätzlich zeigt die Mehrzahl der Member weiter
zurückgehende Temperaturen bei etwa gleichem Geopotentialniveau. Auch bei der
Niederschlagsinterpretation ist sich das ENS einig und weist eine unbeständige,
teils zu kräftigen Niederschlägen neigende Wetterepisode aus. Die Meteogramme
stützen entsprechend die Aussagen der Rauchfahnen.

Die Analyse der großskaligen Strukturen macht im Zeitraum von +72 bis +96h
insgesamt drei Cluster notwendig, um alle Unsicherheiten im Geopotential- und
Luftdruckfeld ausreichend zu beschreiben. Dabei werden alle Cluster dem
übergeordneten Schema eines Blockings zugeschrieben. Vor allem Cluster 1 mit 21
Mitgliedern und Cluster 2 mit 19 Member sowie Haupt- und Kontrolllauf sind
nahezu gleichverteilt. Die Unterschiede sind als gering anzusehen und beziehen
sich hauptsächlich auf die Stärke der Muster sowie die Lage der Trogachse.
Cluster 2 ist dabei im Vergleich zu Cluster 1 etwas stärker aufgestellt, Cluster
3 weist eine raschere Verlagerung des Troges über Westeuropa aus.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden schon sechs Cluster benötigt, um die
Abweichungen innerhalb des ENS zu beschreiben. Der überwiegende Anteil der
Cluster startet mit dem Schema Blocking, ändert aber im Verlauf zu Bedingungen
einer positiven NAO. Cluster 3 zeigt zudem über den gesamten Zeitraum Strukturen
einer negativen NAO, wobei die berücksichtigten Verhältnisse für die
Entscheidung der pos./neg. NAO auf dem Atlantik zu finden sind. Bis auf Cluster
4 weisen alle anderen Cluster über dem Atlantik früher oder später zonale
Strömungsbedingung auf. Cluster 1 und Cluster 2 beschreiben als stärkste Muster
(11 bzw. 10 Member) vergleichbare Verhältnisse, wobei Cluster 2 den Trog
langsamer verlagert und zunächst intensiver zeigt.
In der erweiterten Mittelfrist im Zeitraum von +192 bis +240h sind fünf Cluster
nötig, um alle Unsicherheiten zu beschreiben. Dabei weisen die Cluster ein
nettes Durcheinander an Schemata auf. Allerdings bleibt Mitteleuropa und somit
Deutschland bei allen Clustern mehr oder weniger stark von einem Langwellentrog
beeinflusst. Das unbeständige Wetter sollte demnach anhalten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Über den gesamten mittelfristigen Zeitraum ist ein unbeständiger
Wettercharakter mit wiederholt auftretenden Schauern und Gewittern zu erwarten.
Die Schwerpunkte der Gewitter sind aus derzeitiger Sicht noch nicht abschließend
zu klären. Die Luftmasse ist jedoch erneut sehr feucht (PPW zwischen 25 und 40
mm), sodass verbreitet der Starkregen bzw. heftige Starkregen in kurzer Zeit im
Fokus stehen sollte. Regional müssen aber auch Hagel um 2 cm sowie Sturmböen bis
schwere Sturmböen (Inverse-V, rot. Zellen) berücksichtigt werden. Zeitweise und
lokal begrenzt gibt es auch Hinweise für orkanartige Böen. Mehrstündige
Starkregenereignisse sind regional ebenfalls möglich, die dann mit
entsprechenden, teils auch unwetterartigen Regenmengen einhergehen können.

Von der Probabilistik gibt es vom C-LEPS ausgehend vom heutigen Donnerstag für
Sonntag im Umfeld der Alb (Südwestdeutschland) Hinweise bis 65% für Mengen über
25 l/m²/12h bzw. bis 50% für Mengen über 40 l/m²/12h. Extreme Mengen über 70
l/m² stützen bis 20% der Member. ICON zieht dort nicht mit und zeigt nur bis 10%
für Regensummen über 25 l/m²/12h. Über 24 Stunden werden Wahrscheinlichkeiten
von 5 bis 20% für Mengen über 30 l/m² bestimmt.
Am Montag weisen nahezu alle Modelle südlich der Donau und von Vorpommern bis
zum Zittauer Land regional Wahrscheinlichkeiten bis 10% für Regenmengen über 25
l/m²/12h sowie bis 20% für mehr als 30 l/m²/24h. Am Dienstag werden im Süden des
Landes erneut Werte zwischen 5 und 15% für entsprechende Mengen der ersten
Warnschwelle abgebildet. Am Donnerstag ist von Wahrscheinlichkeiten bis 10% für
Mengen über 25 l/m²/12h inhomogen verteilt der gesamte Süden und Osten
betroffen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, anfangs auch det. IFS, TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel