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SXEU31 DWAV 181800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 18.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wetterberuhigung und Abtrocknung der Luftmasse durch Hoch DANA unweit von
UK/Irland. In der Nacht zum Montag am östlichen Alpenrand abklingende
Regenfälle.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … hat eine schwache Kaltfront Norddeutschland erreicht, von wo aus sie
sich im Laufe der Nacht bis in die mittleren Landesteile quält. Das Verb „quält“
ist deswegen angebracht, weil die Front gegen einen veritablen Hochkeil anlaufen
muss, der vom nahen Atlantik (dort liegt unweit von Irland das Hochzentraum mit
dem Namen DANA) bis nach Deutschland reicht. Außerdem fällt der Support aus der
Höhe eher bescheiden aus. Zwar folgt auf der Rückseite ein Trog nach, allerdings
ist dieser recht breit aufgestellt, so dass die zonale und somit
frontenparallele Höhenwindkomponente überwiegt.

Wie auch immer, die Kaltfront gehört zu einem Tief namens CHRISTOPH, das kurz
davorsteht, die Weiten Nordfinnlands mit der Barentssee zu tauschen. Die
Wetteraktivität der Front ist äußerst gering und beschränkt sich im Wesentlichen
auf mehr oder vielfach auch weniger dichte Wolkenfelder, aus denen beim
Erreichen der östlichen Mittelgebirge (vor allem das Erzgebirge) ein paar
Tropfen Regen/Nieselregen herausgequetscht werden. Postfrontal gelangt ein
Schwall mitteltroposphärisch stark abgetrockneter Meeresluft polaren Ursprungs
in weite Teile der Nordhälfte (Rückgang T850 auf 10 bis 4°C), in der sich
zwischen 850 und 800 hPa eine Inversion ausbildet. Für die Küstenregion werden
ein paar schwache Schauer simuliert, die sich freilich nur „warm“ ohne Eisphase
bilden können (Koaleszenz) und im Falle des Auftretens vielleicht eher die
seltene Spezies der sogenannten Sprühregenschauer vertreten. Auf alle Fälle
werden nur homöopathisch anmutende Mengen in die wenigen Töpfe fallen. Dort, wo
es für längere Zeit aufklart, kann sich die Luft durchaus auf einstellige
Tiefstwerte um 8°C abkühlen (z.B. im schleswig-holsteinischen Binnenland).
Außerdem büßt der anfangs mitunter noch frisch und stark böig daherkommende
Nordwestwind mehr und mehr an Substanz ein.

Und im Süden? – Dort, genau genommen am Alpenrand sowie im südlichen und
östlichen Vorland, werden die letzten Reste der sehr wasserdampfhaltigen
Luftmasse durch Eimischen trockenerer Luft von Nordwesten her immer mehr ihrer
Wirkung beraubt, so dass es nicht nur endgültig aufhört zu regnen, sondern
zumindest teilweise die dichte Bewölkung sogar auflockert. Gerade im Bereich
Chiemgau und Berchtesgadener Land muss aber bis in die erste Nachthälfte hinein
noch mit einigen schauerartigen, in ihrer Intensität aber nachlassenden
Regenfällen gerechnet werden.

Montag … müht sich die Kaltfront, den Mittelgebirgsraum südwärts zu
überschreiten. Mal abgesehen vom z.T. unwegsamen Gelände ist es vor allem die
weiterhin westliche Höhenströmung, die für die Frontenverlagerung alles andere
als tauglich ist. Erst am Spätnachmittag/Abend, wenn sich ein von der Nordsee
über die Nordhälfte schwenkender KW-Trog der Kaltfront nähert, bekommt sie einen
kleinen Impuls gen Süden. Allerdings darf man nicht vergessen, dass das
antizyklonale Strömungsfeld – wir notieren weiterhin einen vom nahen Atlantik
bis in den Alpenraum respektive den nördlichen Balkan gerichteten Hochkeil –
nicht gerade ein symbiotisches Biotop für Fronten ist, sei es hinsichtlich ihrer
Progression, sei es in ihrem Wirken allgemein.

So ist das Wetter für den morgigen Montag relativ rasch erzählt. In der
postfrontalen Nordhälfte bilden sich unterhalb der sich auf rund 800 hPa
manifestierenden Inversion Quellungen, die sich zeit- und gebietsweise auch mal
etwas stärker ausbreiten. Trotzdem bleibt noch Platz für direkte Strahlung ergo
Auflockerungen und sonnige Abschnitte, wobei die MOS-Statistik die Ostseeküste
in puncto Sonnenstunden ganz oben auf dem Zettel notiert. Die
Regenwahrscheinlichkeit ist nur gering, was hier und da ein paar Tropfen (teils
als Niesel) nicht kategorisch ausschließt. Mit 19 bis 24°C bleibt die
Höchsttemperatur auf mäßig warmem Niveau, wobei die niedrigsten Werte durch
auflandigen Wind direkt an der Nordseeküste sowie den vorgelagerten Inseln zu
erwarten sind.

Deutlich wärmer wird es im Süden des Landes, wo sich die gealterte Meeresluft
(T850 10 bis 15°C) aufgrund länger andauernder Einstrahlung auf 24 bis 29°C
erwärmen kann. Da die Luft etwas labilisiert (unten diabatische Erwärmung,
oberhalb etwa 800 hPa leichte KLA), kann bei allerdings nur mäßiger Feuchte (PPW
unter 30 mm, spezifische Grundschichtfeuchte unter 10 g/kg) geringfügig ML-CAPE
generiert werden (max. 300 J/kg). Ob das gesamte Setup allerdings ausreichen
wird, einzelne Gewitter auszulösen, ist fraglich. In gestrigen Modellversionen
sah es diesbezüglich eigentlich noch ganz gut aus, weil der KW-Trog nicht nur
schärfer konturiert war, sondern auch etwas weiter nach Süden ausgreifen sollte.
Kurzum, am ehesten in Bayern und dort in Mittelgebirgsnähe sind vereinzelte
Überentwicklungen, evtl. auch als ungewittrige Schauer, nicht ausgeschlossen
(max. markant mit Starkregen um oder etwas über 15 l/m² innert kurzer Zeit, Böen
7-8 Bft, kleinkörnigem Hagel), wenn auch nicht überbordend wahrscheinlich.

In der Nacht zum Dienstag erreicht die Kaltfront mit der auf Nordwest
rechtdrehenden Höhenströmung die südlichen Landesteile, wobei ihre Wirksamkeit
weiterhin stark eingeschränkt bleibt. Im südlichen und südöstlichen Bayern kann
es dabei schauerartig, vereinzelt auch gewittrig regnen. Lokale
Starkregensignale liefert eigentlich nur das bei der Verortung von
Niederschlägen sehr gute, bei der Intensitätsfindung aber häufig übertreibende
EURO4.

In der rückseitig einströmenden polaren Meeresluft lockert die Bewölkung
innerhalb des weiterhin von Nordwest nach Südost gerichteten breiten Hochkeils
vielerorts auf, was die Temperatur stellenweise in den oberen einstelligen
Bereich sinken lässt. An der See sind durch konvergente Windstrukturen (sowohl
in Bezug auf die Richtung als auch auf die Geschwindigkeit) leichte Schauer
möglich, die aber nicht wesentlich höher als 800 hPa kommen.

Dienstag … verbringen wir zwischen dem o.e., das östliche Mitteleuropa
erreichenden KW-Trog und einem weit nach Norden aufgewölbten Rücken über
Westeuropa respektive dem nahen Atlantik. Aus der resultierenden indifferenten
bis leicht zyklonal konturierten nordwestlichen Höhenströmung ist wenig zu
ernten, was den Dienstag zu einem wettertechnisch unspektakulären Tag macht. Das
zuletzt nicht auch deswegen, weil sich im Bodendruckfeld quasi überhaupt nichts
tut, sprich, das atlantische Hoch seinen bis zum Balkan reichenden Keil
weiterhin mitten über Deutschland parkt.

Dabei markiert die insgesamt nicht besonders scharf ausgeprägte Divergenzachse
eine Art Demarkationslinie zwischen dem sonnigen und warmen Süden (T850 am
Nachmittag 10 bis 14°C => Tmax 24 bis 28°C) und dem wolkigeren und weniger
warmen Norden ((T850 7 bis 10°C => Tmax 19 bis 24°C). Direkt an den Alpen ist
die Warmluft etwas labiler und feuchter als weiter nördlich, was dort die
Möglichkeit einzelner, orografisch ausgelöster Schauer oder Gewitter eröffnet.
In der tendenziell wolkigeren Nordhälfte können hier und da ein paar Tropfen
fallen, meist bleibt es aber trocken. Im Zuge einer Bodentrogpassage über
Südskandinavien frischt der West- bis Nordwestwind vornehmlich an der Ostsee
sowie der schleswig-holsteinischen Nordseeküste mitunter merklich auf mit
einzelnen Böen 7 Bft.

In der Nacht zum Mittwoch ändert sich wenig an der Gesamtkonstellation, was
weiten Landesteilen gering bewölkte bis klare Verhältnisse am Himmel beschert.
Dabei kühlt es auf 14 bis 7°C ab. Wolkig bis stark bewölkt verläuft die Nacht im
Küstenraum sowie über Teilen der Norddeutschen Tiefebene, wo sich die Annäherung
de o.e. Bodentroges bemerkbar macht. An der Küste sowie im küstennahen
Binnenland kann es mitunter sogar leicht regnen.

Mittwoch … kräftigt sich der Bodenhochkeil über Deutschland leicht auf knapp
über 1020 hPa, während sich bei der Höhenströmung weiterhin wenig bis nichts
tut. Auch die Zweiteilung des Wetters bleibt uns erhalten, expressis verbis, in
der Südhälfte viel Sonne und 24 bis 28°C, an Hoch- und Oberrhein lokal
vielleicht 29°C warm. In der Nordhälfte insgesamt wolkiger, aber kaum Regen,
dazu Auflockerungen oder gar sonnige Abschnitte, vor allem in Richtung Ostsee.
20 bis 25°C.

Modellvergleich und -einschätzung

Wirkliche Unterschiede von prägender Bedeutung sind dem Verfasser bei der
Sichtung verschiedener Modelle nicht aufgefallen. Wenn doch, wurde das im Text
erwähnt (z.B. die RR-Prognose von EURO4 in der Nacht zum Dienstag am Alpenrand).
Das Wichtigste, die Kernaussage „Wetterberuhigung“ steht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann