#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 12.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 12.07.2021 um 10.30 UTC

Ende der Unwetterlage, aber noch längere Zeit Schauer und Gewitter, von
Nordwesten zögernde Wetterberuhigung

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 19.07.2021

Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Donnerstag geht die Unwetterlage mit
teils heftigen Regenfällen und potentieller Überschwemmungs- und
Hochwassergefahr allmählich dem Ende entgegen. Das liegt daran, dass die
Warmluft an der Nordflanke des Cut-Offs über Süddeutschland allmählich
aufgebraucht ist und immer weiter abhebt (okkludiert). Wo diese allerdings noch
um das Bodentief mit knapp 1010 hPa über dem Südwesten Deutschland
herumgewickelt wird, regnet es mitunter noch längere Zeit und schauerartig
verstärkt. Das betrifft in erster Linie noch die Grenzgebiete zu Benelux und
Frankreich sowie Süddeutschland. Dabei können gebietsweise durchaus nochmal 20
bis 30 Liter pro Quadratmeter binnen 12 Stunden fallen, was das Fass
sprichwörtlich zum Überlaufen bringen könnte, da bis dahin in einigen Regionen
sicherlich schon mehr als 100 l/qm binnen der letzten Tage gefallen sein dürfte.
Insofern kann man da noch keine Entwarnung geben.

Die größte Gewittergefahr besteht abgesehen von eingelagerter Konvektion
innerhalb dieses Niederschlagsstreifens vor allem im Nordosten des Landes, wo
die Reste der Warmluft mit Unterstützung der Einstrahlung noch ML CAPE teils
über 500 J/kg freisetzen, wobei sich ein schwacher Deckel in den Prognosetemps
andeutet, da die Lapse Rates insbesondere zwischen 900 und 750 hPa ziemlich
flach verlaufen (nur geringe Abkühlung mit der Höhe). Sollte es jedoch auslösen,
so ist man bei PPW’s um 40 mm rasch im Unwetterbereich aufgrund heftigen
Starkregens. Aber auch größerer Hagel ist bei guten Scherungsbedingungen
möglich.

Dazwischen ist die Luftmasse kompensatorisch etwas abgetrocknet und
Schauer/Gewitter bleiben die Ausnahme (eventuell Bergland), so dass dort längere
Zeit die Sonne scheint. Die krassen Temperaturkontraste der Vortage gleichen
sich peu a peu etwas an, so dass die Höchstwerte im Dauerregen bei 20 bis 24
Grad, sonst bei 25 bis 29 Grad zu verorten sind. Die kurze Hitzewelle im Osten
hat sich somit erstmal wieder erledigt, wenngleich es mit nahe 30 Grad sehr war
bleibt. Im Verbund mit einem nachrückenden Hoch über den Britischen Inseln mit
über 1025 hPa legt der nördliche Wind über der Nordsee etwas zu und erreicht in
Böen Windstärke 7, exponiert auch 8.

Am Freitag und Samstag verlagert sich das Höhentief etwas nach Süden und
erreicht Italien. Der Keil über den Britischen Inseln weitet sich zur Ostsee
bzw. zum Baltikum aus. Bei weiter abnehmenden Temperaturgegensätzen füllt sich
somit das Tief über Südwestdeutschland auf. In der nördlichen Strömung ist nun
die große Frage, inwieweit von den Küsten stabilere und kühlere Luft einsickert.
Dabei hat es den Anschein, dass der Gradient rasch aufweicht bzw. sich die
stärksten Druckgegensätze etwas nach Westen verschieben. Dadurch kann von
wirklichen Advektionsprozessen einer stabileren Luftmasse kaum die Rede sein und
erneut steht ein wechselhafter Tag mit Schauern und Gewittern auf dem Programm.
Lediglich im Nordseeumfeld würde eine Wetterberuhigung greifen, allerdings mit
dem Potential für ausgedehnte Sc-Felder, da die Luft noch recht feucht mit
spezifischer bodennaher Feuchte um oder etwas über 10 g/kg. Die lokale
Unwettergefahr durch heftigen Starkregen und größeren Hagel bleibt vor allem im
Osten und Süden des Landes erhöht.

Zum Wochenwechsel weitet sich der Rücken nach Mitteleuropa aus, während sich der
Cut-Off zur südlichen Adria verlagert. Nachfolgend wird der Keil zwar durch
einen osteuropäischen Trogvorstoß vom Nordmeer Richtung Weißrussland zwar
abgebaut, insgesamt kann sich der westeuropäische Rücken aber durch WLA auf der
Vorderseite eines nahenden Höhentiefs über dem Ostatlantik regenerieren. Die
Nachhaltigkeit dieser WLA wird darüber entscheiden, ob sich in der erweiterten
Mittelfrist eine Omegalage über Deutschland etablieren kann oder nicht.
Wie auch immer, die Zeichen stehen zum Ende der Mittelfrist sehr wahrscheinlich
erst einmal auf Wetterberuhigung, so dass sich mit Ausdehnung der Hochzelle am
Boden zur Nordsee und bis in die Mitte Deutschlands deutlich stabilere Luft
durchsetzt und die zu Schauern und Gewittern neigende Luftmasse Richtung
Erzgebirge und Alpen abdrängt. Die Sonnenanteile nehmen von Norden sukzessive zu
bei angenehmen Temperaturen zwischen 23 und 29 Grad, nachts bei 17 bis 11 Grad.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Dem IFS muss man gerade angesichts der doch sehr komplexen Ausgangslage eine
gute Konsistenz bescheinigen. Zum Ende der Mittelfrist wird in den jüngsten
Läufen eine stärkere Nord- und nicht Ostkomponente des Windes und damit eine
leichte Abkühlung auf Werte um 10 Grad in 850 hPa im Nordosten betont.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Den groben Ablauf sehen die gängigen Globalmodelle ähnlich. ICON hat verstärkt
den Nordwestwind am Freitag noch über der Nordsee, weshalb dort die
Stabilisierung am schnellsten greift. GFS simuliert den Trogvorstoß an der
Ostflanke des Rückens Richtung Baltikum am intensivsten mit Entwicklung eines
Sturmtiefs bei Gotland. Das hätte eine stärkere Abkühlung im Nordosten
Deutschlands auf teilweise nur noch 6 Grad in 850 hPa zur Folge und damit gerade
so noch Höchstwerte um 20 Grad. Abgeschwächt zeigen dies auch ICON und GEM, wenn
auch nicht ganz so extrem (rund 8 Grad in 850 hPa).

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen zeigen zumindest bis zum Wochenende erfreulicherweise eine
relativ enge Bündelung mit gut eingegliedertem Haupt- und Kontrolllauf. Das
Geopotential nimmt dabei stetig von etwa 570 auf rund 585 gpdm zu. Zeitgleich
sind vor allem zum Sonntag hin kaum noch Niederschlagssignale zu finden.
Beeindruckend sind die Peaks im Westen (z.B. Trier am Mi 18z knapp 60 l/qm
binnen 6 Stunden), die übereinstimmend von HL, KL und auch einigen Membern mit
verringerter Auflösung simuliert werden. Man kann sich ausmalen, welche
Schwerpunkte da noch hochauflösende Lokalmodelle einlagern – aber das nur am
Rande (da Kurzfrist).

Während nach Abzug des Höhentiefs der Temperaturanstieg im Süden nahezu
gesichert ist (von 9 Grad auf rund 15 Grad in 850 hPa), womit die 30 Grad Marke
bei nachlassenden Schauern und Gewittern in Reichweite rückt, ist die
Temperaturentwicklung gerade im Norden und Osten zum Ende hin sehr unsicher
(siehe auch Modellvergleich). Das Ensemble spreizt sich auf Werte zwischen +6
und +18 Grad in 850 hPa auf und neigt zur Bifurkation (Äste bei etwa 15 und 10
Grad). Die Gewichtung verschiebt sich dabei in den jüngsten Läufen zunehmend in
Richtung kühlerer Lösungen, aber eine Vorentscheidung ist das noch nicht.

Die 4 gebildeten Cluster im Zeitraum +120-168h (Sa-Mo) sind allesamt im Blocking
Regime angesiedelt und zeigen eine positive Geopotentialanomalie mit Schwerpunkt
von Island bis zur Nordsee.

Dieses Muster setzt sich auch im Folgezeitraum der erweiterten Mittelfrist
+192-240h (Di-Do) fort und der sich nähernde ostatlantische Trog zeigt
Abtropftendenzen Richtung Biskaya und Frankreich.

FAZIT:
Nach allmählichem Abklingen der unwetterartigen Starkniederschläge setzt erst
zum Wochenende von Nordwesten allmählich eine Wetterberuhigung ein und Schauer
und Gewitter ziehen sich in den Süden und Südosten zurück – immer seltener mit
Unwetterpotential. Die Temperaturgegensätze werden abgebaut und es etabliert
sich ein hochsommerliches Temperaturniveau mit Höchstwerte knapp, im Nordosten
eventuell auch deutlich unterhalb der 30 Grad Marke.

Ob im Laufe der nächsten Woche im Südwesten neue Gewitter aufkommen, ist noch
sehr unsicher. Es scheint, als würde sich dieser unwetterträchtige Sommer 2021
aber erstmal eine Verschnaufpause gönnen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER/STARKREGEN/DAUERREGEN:
Angesichts von akkumulierten Summen von 100 bis 200 l/qm bis Freitagfrüh in
einem Streifen von der Mosel bis zur Kölner Bucht der deterministischen
Globalmodelle ist Schlimmes zu befürchten, zumal die Flüsse vielerorts bereits
randvoll bzw wie in Franken auch schon über die Ufer getreten sind. Da können
die anteiligen 20-30 l/qm binnen 12 Stunden am Donnerstag, laut 90% Perzentilen
der EPS’e Schwerpunkte von rund 60 l/qm in Teilen NRW’s, Niedersachsens sowie im
Schwarzwald und an den Alpen, verheerend sein.
Immerhin ist die Tendenz nachfolgend – großräumig betrachtet – langsam
abnehmend. Lokal kann es aber vor allem im Zusammenhang mit Gewittern mit
Starkregen weiterhin heftig zur Sache gehen. Die probabilitischen Verfahren
liefern vor allem am östlichen Alpenrand bis einschließlich Samstag noch
schwache Signale für das Überschreiten von Warnschwellen (IFS-EPS 20% für mehr
als 30 l/qm binnen 24 Stunden). Nun wurde ausgerechnet diese Region bis dato von
den Regenfällen eher verschont wie der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für
Umweltforschung nahelegt.

Der EFI bringt am Donnerstag noch erhöhte Signale im Westen und Südwesten
Deutschlands – allerdings mit etwa 0.6 und knapp positiver SOT längst nicht mehr
in der Stärke der Vortage. EFI CAPESHEAR ist im Nordosten ebenfalls auf dem
absteigenden Ast und die Signale nur noch rudimentär.

WIND:
Die Wahrscheinlichkeit für einzelne stürmische Böen auf den Nordseeinseln am
Donnerstag ist relativ gering. IFS-EPS schlägt hier mit 10-15%, COSMO-LEPS
immerhin mit bis zu 30% zu Buche. Wenn überhaupt, betrifft dies wohl eh nur
exponierte Lagen und ist für die Wassersportler ohnehin eine willkommene
Abwechslung.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen