#DWD -> #SXEU31 #DWAV 111800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Sonntag, den 11.07.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 111800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 11.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Gebietsweise Schauer und Gewitter, lokal Unwetter durch Starkregen. Nach kurzer
Wetterberuhigung am Montag von Südwesten neue Schauer und Gewitter mit
Unwetterpotenzial vor allem durch Starkregen in der gesamten Kurzfrist bis
Mittwoch.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … hat sich an der Blockierung mit einem Höhenhoch über dem westlichen
Russland und davon ausgehend bis ins Nordmeer ragenden Rücken, das in diesem
Bereich hohen Druck am Boden stützt, nicht viel geändert. So findet man auf den
Bodenwetterkarten immer noch Hoch CORNELIEKE, das mittlerweile seit 8 Tagen dort
ihre Kreise zieht. Mit Blick auf Mitteleuropa und Deutschland überwiegt der
Einfluss eines Langwellentrogs über dem Nordostatlantik, der am heutigen
Sonntagabend mit drei Drehzentren ausgestattet ist. Diese halten sich aktuell
mit Zentrum knapp westlich vor Norwegen (Nr. 1), im Seegebiet knapp südwestlich
von Irland (Nr. 2) und über dem nördlichen Bayern (Nr. 3) auf.
Hauptaugenmerk liegt in den nächsten Stunden auf Höhentief Nr. 3, das im
Nachtverlauf nach Tschechien aufbricht. Kräftige PVA hat auf der Vorderseite
tagsüber in einem Streifen mit einer Tiefdruckrinne vom Nordwesten Deutschland
bis nach Sachsen für teils kräftige Gewitter gesorgt. In Sachsen halten sie
durch die noch gegebene PVA zunächst an, in den anderen Landesteilen fallen sie
jedoch durch die nun fehlende Hebung alsbald in sich zusammen oder wandern nach
Nordwesten ab.
Aufgrund hoher PPW’s von 32 bis 37 mm ist mit ein- oder mehrstündigem Starkregen
zu rechnen, der lokal noch unwetterartig ausfallen kann (mehr als 25 l/qm in
kurzer Zeit bzw. mehr als 35 l/qm in 6 Stunden). In der zweiten Nachthälfte
verlagert sich das Hauptgeschehen nach Polen, vereinzelte Schauer oder Gewitter
mit lokaler Starkregengefahr werden aber vor allem in Brandenburg noch
simuliert.
Weiter zur Mitte hin bleibt es größtenteils trocken, die feuchten Böden sind
allerdings für Nebelfelder gut, die auch mal mit Sichtweiten unter 150 m
einhergehen können.
Noch weiter westlich und südlich davon sowie an der Ostsee ist es meist nur
locker bewölkt.
Die Temperaturen sinken auf 18 bis 11 Grad in der Nordosthälfte und auf 14 bis 8
Grad sonst.

Montag … zieht Höhentief Nr. 3 von der Mitte in den Osten Tschechiens, womit
sich die stärkste PVA in den Osten Tschechiens und nach Polen verlagert.
Interessant wird nun Höhentief Nr. 2, das morgens die Biskaya und bis abends den
Westen Frankreichs ansteuert.
Zwischen diesen beiden Höhentiefs stellt sich eine südwestliche bis südliche
Strömung ein, die zwar kaum antizykonale Strukturen aufweist, mit kräftiger WLA
aber dennoch vorübergehenden Zwischenhocheinfluss bringt. So ist es in weiten
Teilen des Landes zunächst heiter und trocken.
Eine Ausnahme ist im Norden und Nordosten gegeben, weil die Tiefdruckrinne durch
die Vorgänge in der Höhe dorthin geschoben wird, dabei jedoch schon
Auflösungserscheinungen zeigt. Schwache Hebungsimpulse lassen sich in diesem
Bereich dennoch ausmachen, weil ein kleiner Randtrog in der südwestlichen
Strömung – er stammt aus der ehemaligen Verbindung zum Höhentief Nr. 3 – nach
Norden schwenkt. So werden vom nördlichen Emsland bis nach Vorpommern lokal
Schauer und Gewitter ausgelöst, wobei Starkregen möglich ist, der angesichts von
PPW’s von 37 bis 41 mm örtlich sogar unwetterartig werden kann. Im Nordwesten
ist zudem etwas Scherung verfügbar, was stürmische Böen Bft 8 und kleineren
Hagel denkbar macht.
In den Nachmittagsstunden muss der Blick vermehrt auf Höhentief Nr. 2 gerichtet
werden. In seinem Zuge wird Tief BERND über die Bretagne bis abends in den
Nordosten bzw. bis nach Benelux geführt. Das zugehörige Frontensystem bleibt bis
zum Abend aber noch vor den Toren Deutschlands.
Im präfrontalen Bereich kommt es allerdings zu einer hohen
Feuchteflusskonvergenz und erste Hebungsimpulse der aufkommenden PVA auf der
diffluenten Vorderseite des Trogs sind schon auszumachen. So greifen im
Nachmittagsverlauf erste Schauer und Gewitter auf den Westen und Südwesten
(Rheinland bis zum Schwarzwald) über. Nach Süden hin ist in diesem Bereich
ML-CAPE bis 750 J/kg vorhanden, die Lapse Rates sind dort ebenfalls höher. Mal
wieder muss dann mit Starkregen, der lokal bis in den Unwetterbereich geht,
gerechnet werden. Scherung ist zwischen 0 und 6 km ebenfalls üppig zu sehen, was
organisierte Strukturen auf den Plan rufen könnte (Superzellen). So sind Hagel
bis 3 cm und Sturmböen Bft 9 oder mit geringer Wahrscheinlichkeit sogar schwere
Sturmböen Bft 10 in Baden-Württemberg denkbar.
Der Ost- bis Südostwind weht schwach, teils auch mäßig. Im äußersten Westen und
Südwesten dreht er am Nachmittag auf Süd bis Südwest.
Die Temperaturen steigen auf 22 Grad in der Eifel bis 30 Grad in Südostbayern.

In der Nacht zum Dienstag zieht es Höhentief Nr. 2 in den Pariser Raum, wobei es
große Teile Frankreichs überdeckt. Für den Südwesten Deutschlands wird massive
PVA simuliert, sodass kräftige Hebung ein größeres Niederschlagsgebiet
generiert. Dieses greift zusammen mit dem Frontensystem des nach
Nordwestdeutschland übersiedelnden Tiefs BERND auf den Südwesten Deutschlands
über und wird von fast allen Modellen mit Regenmengen deutlich bis in den
Unwetterbereich quittiert. Allerdings simulieren die Modelle die räumliche
Exposition bisher noch nicht ganz einheitlich, auch wenn sie sich mit den
12-UTC-Läufen angenähert haben. Bei den meisten Modellen ist vor allem der
Bereich zwischen Vogesen und dem Oberrheingraben im Fokus, wobei alle Modelle 50
bis 70 l/qm in 12 Stunden anbieten und das Saarland und die Pfalz im Randbereich
gut getroffen werden könnten. ICON-D2 ist mit bis zu 75 l/qm in 12 Stunden in
der Spitze allerdings etwas weiter östlich aufgestellt, in diesem Modell werden
vor allem die Regionen zwischen Südhessen und dem Schwarzwald getroffen. Wenn
sich die Modelle in den nächsten Läufen von der räumlichen Ausdehnung her weiter
angleichen, kommt angesichts der Mengen eine Vorabinformation in Frage, wenn das
deutsche Gebiet mit den Schwerpunkten getroffen werden sollte.
Die Niederschläge breiten sich sonst allgemein bis nach NRW, Hessen und dem
nordwestlichen Bayern auf, mit Beginn der Niederschläge treten noch einzelne,
teils kräftige Gewitter auf.
In den anderen Regionen ist es locker bewölkt, die Schauer und Gewitter im
Norden lassen bald nach bzw. ziehen nach Nordwesten über die Nordsee ab.
Die Temperaturen gehen auf 19 bis 11 Grad zurück.

Dienstag … vollführt Höhentrog Nr. 3 über Frankreich eine leichte
Kreisbewegung, weshalb es nur marginal nach Süden vorankommt. Am Boden bleibt
uns das Frontensystem erhalten, auch wenn sich das Tief über Nordwestdeutschland
auffüllt. Weiterhin wird starke PVA induziert, sodass die Regenfälle anhalten
und sich bis nach Sachsen, Thüringen, dem südlichen Sachsen-Anhalt und dem
südöstlichen und südwestlichen Niedersachsen ausbreiten.
Niederschlagsschwerpunkte lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwerlich
identifizieren, da die Modellergebnisse stärker differieren.
Darüber hinaus muss aber an der Grenze zur wärmeren Luft, die nordöstlich der
Niederschlagsgebiete lagert, mit konvektiven Umlagerungen gerechnet werden. So
werden im Osten und Südosten von den Modellen bei ML-Cape von 750 bis 2000 J/kg
und PPW’s von 34 bis 41 mm kräftige Gewitter prognostiziert. Die Scherung ist
zwar nur moderat, dennoch dürften Gewitter neben Starkregen bis in den
Unwetterbereich auch Sturmböen Bft 9 und Hagel mit Korngrößen von 3 bis 4 cm
bringen.
Im Nordosten bekommt man davon allerdings nicht viel mit. Dort scheint zeitweise
die Sonne, es bleibt meist trocken und die Temperaturen steigen auf 25 bis 32
Grad. Im Südwesten werden unter den vielen Wolken dagegen nur 19 bis 25 Grad
erreicht, im Dauerregen bleibt es zum Teil noch kühler.
Der schwache, hier und da mäßige Wind weht aus West bis Nordwest, im Nordosten
jedoch aus Ost.

In der Nacht zum Mittwoch steuert Höhentief Nr. 3 die Provence an und bleibt
weiter für unser Wetter verantwortlich. Dabei hält die PVA an und ist über der
nördlichen Mitte Deutschlands am stärksten.
Die Tiefdruckrinne mit eingebettetem Frontensystem liegt ebenfalls über der
nördlichen Mitte des Landes, das zudem auf eine Gegenstromlage mit Westwinden im
Süden und Ostwinden im Norden trifft. Bisher simuliert nur die deutsche
Modellkette Regenmengen bis in den Unwetterbereich, diese betragen demnach
verbreitet 25 bis 50, von NRW bis ins südliche Niedersachsen lokal jedoch 50 bis
70 l/qm in 12 Stunden. GFS und EZMW „schaffen“ maximal jedoch nur 30 l/qm in der
Spitze. Die Signale von ICON sind jedoch keinesfalls von der Hand zu weisen, da
die Luftmasse mit PPW’s von 40 bis 49 mm außerordentlich feucht bleibt.
Gewitter treten vornehmlich in der östlichen Mitte (Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen) und damit weiterhin am Rand zur warmen Luft auf. In solchen Gewittern
ist Starkregen möglich, der punktuell unwetterartig werden kann.
Etwas weniger üppig sind die Niederschläge nach Süden hin, auch wenn es bei
vielen Wolken nicht überall trocken bleibt.
Im Norden dagegen bleibt es trocken und vor allem zur Ostsee hin ist es zum Teil
nur locker bewölkt.
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 21 Grad im Nordosten und bis 10 Grad im
Südwesten.

Mittwoch … zieht Höhentief Nr. 3 seine Kreise über Oberitalien knapp südlich
des Alpenhauptkammes weiter. Die Tiefdruckrinne wird dabei von der Mitte
Deutschland etwas in den Norden gedrückt. Unvermindert wird kräftige PVA
simuliert, die sich vor allem aus um das Höhentief herumlaufende Randtröge
speist.
Die meisten Niederschläge werden insbesondere über NRW gezeigt. Auch
diesbezüglich gibt es größere Modellunterschiede, wobei es nicht nur räumliche
Unterschiede gibt (EZMW und GFS mit weiter südlichen Schwerpunkten) sondern auch
bei den Mengen erneut nicht einer Meinung sind. Dieses Mal bleiben die deutschen
Modelle sogar unter den Unwetterschwellen, während GFS und EZMW mit 50 bis 70
l/qm in 12 Stunden darüber liegen.
Darüber hinaus sind am nördlichen Rand erneut kräftige Gewitter zu erwarten.
ML-CAPE wird vornehmlich vom östlichen NRW über die Mitte Niedersachsens bis zur
Uckermark und nach Vorpommern gerechnet. Im Westen stehen 250 bis 1000 J/kg zur
Verfügung, im Osten sogar bis zu 3000 J/kg. Die PPW’s sind mit 42 bis 50 mm
immer noch außerordentlich hoch, zudem ist etwas Scherung vorhanden. Das lässt
Gewitter mit Starkregen, Hagel und (schwere) Sturmböen erwarten, lokal Unwetter
vor allem durch Starkregen, aber auch Hagel sind nicht unwahrscheinlich.
Trocken mit mehr Sonnenschein bleibt es voraussichtlich nur an den Küsten.
Die Höchsttemperaturen bewegen sich zwischen 17 und 24 Grad in der Mitte und im
Süden und zwischen 25 und 31 Grad im Norden und Nordosten.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus West, im Norden und Nordosten weiterhin aus
Ost.

Modellvergleich und -einschätzung

Die grobe Wetterlage wird von den Modellen zwar einheitlich gerechnet, wie bei
Höhentiefs aber nicht unüblich, hapert es in den Details. Bereits in der Nacht
zum Dienstag sind die Unterschiede größer, sodass eine zu erwartenden
Vorabinformation erst mit neueren Modellläufen erfolgen sollte. Eine Ausgabe
Montagfrüh oder -mittag ist aber auch ausreichend. In den Folgetagen sind vor
allem bezüglich des ein- oder mehrstündigen Starkregens weiterhin größere
Unterschiede auszumachen, womit eine Neubewertung von Tag zu Tag erforderlich
sein wird.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler