#DWD -> #SXEU31 #DWAV 101800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Samstag, den 10.07.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 101800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 10.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Bis Montag mit Ausnahme des Nordostens Gewittergefahr, vor allem aufgrund von
Starkregen lokal Unwetter.
Ab der Nacht zum Dienstag im Westen und Südwesten unwetterartiger Dauerregen
möglich.
Dienstag überregionale Schwergewitterlage möglich.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … ist die großräumige Zirkulation über Europa weiterhin und nachhaltig
blockiert. Das hochreichende, warme Blockadehoch CORNELIEKE liegt mit seinem
Schwerpunkt nahezu unverändert über dem Raum Moskau. Flankiert wird es von einem
umfangreichen, mit mehreren Drehzentren ausgestatteten Trogkomplex, der vom
nahen Nordostatlantik bis nach Skandinavien, West- und Mitteleuropa reicht. Es
lassen sich um 18 UTC drei Höhentiefs analysieren, von denen Nr. 1 bei den
Shetlands, Nr. 2 über Nordfrankreich und Nr. 3 noch westlich der Britischen
Inseln zu finden ist.

Steigende Relevanz für unser Wetter hat das Höhentief Nr. 2, das aufgrund der
Blockadesituation zwar immer mehr eingebremst und in die Länge gezogen wird,
dennoch aber als scharfer Randtrog degeneriert ab den Abend von Südwesten her
auf das Bundesgebiet übergreifen kann. Morgen früh liegt seine Achse etwa auf
einer Linie Niederrhein-Bodensee. Im Bodenfeld stützt der Trog ein flaches Tief,
das sich im Nachtverlauf mit dem Leetief am Alpenrand verbindet. Die Rinne mit
eingelagerter Konvergenz als Produkt dieser Liaison liegt zum Morgen etwa
zwischen Niederrhein, zentralem Mittelgebirgsraum und Südostbayern. Aufgrund der
dadurch forcierten Feuchteflusskonvergenz steigt die spezifische
Grenzschichtfeuchte im Süden und Westen deutlich an auf verbreitet über 10 g/kg.
Zudem wird die Schichtung mit Trogannäherung zumindest ein klein wenig
instabiler, sodass sich immerhin wenige Hundert J/kg ML- bzw. MU-CAPE aufbauen
können.

Aufgrund einsetzender PVA auf der diffluenten Trogvorderseite und dadurch
einhergehende Hebung werden zunehmend Schauer und Gewitter getriggert, die
zunächst auf den Südwesten und Westen sowie aus den Alpen heraus auf das
südliche Vorland ausgreifen. Obwohl der Trog an Kontur verliert, zieht die
hochreichende Scherung vorübergehend deutlich an (10-17 m/s), sodass sich die
Konvektion recht gut zu, teils linienhaften Multizellen organisieren kann.
Dadurch besteht ein gewisses Potenzial für etwas größeren Hagel (um 2 cm) und
Sturmböen Bft 8-9. Letztere deutet ICON-D2 sowie das angeschlossene EPS vor
allem für den Süden an. Bei PPW’s zwischen 25 und 30 mm steht natürlich trotz
gewisser Verlagerungsgeschwindigkeit der Zellen der Starkregen wieder im Fokus.
Auch Unwetter können nicht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeiten
seitens der Probabilistik sind aber nicht robust genug und eher zu kleinräumig
um eine Vorabinformation zu rechtfertigen.

Im Nachtverlauf kommen die Schauer und Gewitter vom Westen nur noch bis zur
Mitte, im Süden etwas zügiger ostwärts bis nach Südostbayern voran. Dabei
verclustern die Gewitter immer mehr, sodass die Gefahr starker
Einzelentwicklungen mit Hagel und Sturmböen langsam zurückgeht. Dafür tritt
neben einstündigem verstärkt der mehrstündige und ungewittrige Starkregen in den
Blick des Warnmanagements. Am größten sind die Wahrscheinlichkeiten dafür in
Südostbayern sowie in der Alb-Donau-Region. Im Südwesten lassen Schauer und
Gewitter dagegen bereits wieder nach.

In den übrigen Regionen sorgt der dem Trog vorgelagerte Rücken eher für leichtes
Absinken. Die vereinzelten Schauer, die sich unterhalb der Absinkinversion bei
600-700 hPa tagsüber über der nördlichen Mitte und im Nordosten ausbilden
konnten, fallen folglich in sich zusammen. Bei aufgelockerter, teils geringer
Bewölkung ist hier und da Nebel möglich.

Die Temperaturen sinken auf Tiefstwerte zwischen 16 und 10 Grad.

Sonntag … kommt der Randtrog nebst vorgelagerter Tiefdruckrinne über
Deutschland kaum mehr weiter nach Nordosten voran und verliert weiter an Kontur.
Er liegt quasi als Geopotenzialrinne abends auf einer Linie vom Emsland bis nach
Südostbayern, die Tiefdruckrinne etwa von Ostfriesland bis nach Sachsen.
Rückseitig gelangt in den Südwesten und Westen ein kurzwelliger Rücken und auch
vorderseitig herrschen vor allem über dem Nordosten in der Höhe leicht
antizyklonale Verhältnisse vor.

Aufgrund fortwährender Feuchteflusskonvergenz im Bereich der Rinne sowie entlang
einer sich leicht abzeichnenden Küstenkonvergenz erhöht sich die
Grenzschichtfeuchte noch etwas auf 10 bis 13 g/kg. Das führt dazu, dass trotz
nur moderater lapse rates und Instabilität zumindest mit etwas Einstrahlung
höhere ML-CAPE-Werte generiert werden können als am Vortag. ICON6 simuliert vor
allem vom Norden und Nordwesten bis zur Mitte 500 bis 1000 J/kg, weiter nach
Südosten, wo schauerartige Regenfälle aus der Nacht heraus die Einstrahlung noch
längere Zeit verhindern, immerhin 100 bis 400 J/kg. Getriggert durch die
Konvergenz oder die Orographie, teils auch durch Erreichen der Auslösetemperatur
muss vom Norden und Nordwesten über die Mitte bis nach Ostbayern und Sachsen im
Tagesverlauf wieder vermehrt mit Schauern und Gewittern gerechnet werden. Da
kaum mehr Scherung und Oberwinde vorhanden sind (Bunkers-Vektor teils <10 kt),
handelt es sich um sehr langsam verlagernde pulsierende Einzelzellen, in denen
der Starkregen ganz oben auf der Agenda steht. Die Unwettergefahr ist nach
Lesart von ICON-D2-EPS vom Nordwesten bis zum nördlichen/zentralen
Mittelgebirgsraum am größten (dort PPW’s teils über 35 mm). Stand jetzt ist aber
mit keiner überregionalen Unwetterlage zu rechnen, sodass sich eine Vorabinfo
nicht aufdrängt. Größerer Hagel oder Hagelansammlungen sowie Gewitterböen
spielen eine untergeordnete Rolle.

Der Südwesten und Teile des Ostens und Nordostens bleiben von Gewittern
verschont, zumindest im Südwesten reichen die sich aus der feuchten Grenzschicht
heraus ausbildenden Quellwolken aber bis nahe 600 hPa (-10 Grad), sodass ein
vereinzelter Schauer möglich ist. Ansonsten scheint die Sonne längere Zeit und
es bleibt trocken.

Meist werden schwül warme 21 bis 26 Grad erreicht, im Osten bis 29 Grad.

In der Nacht zum Montag wird der Randtrog aufgrund einsetzender WLA vorderseitig
des Richtung Bretagne ziehenden Höhentiefs Nr. 3 (siehe oben) über Deutschland
zugeschüttet bzw. tropft nach Österreich und Tschechien ab. Wegen des fehlenden
Antriebes klingen die Schauer und Gewitter wohl meist recht zügig ab. Nur über
dem Nordwesten, wo eventuell erste kurzwellige Troganteile des Höhentiefs Nr. 2
wirksam werden, sowie im östlichen Mittelgebirgsraum nahe des abtropfenden
Höhentiefs könnte die Schauertätigkeit noch längere Zeit erhalten bleiben.

Abseits der Schauerzone bleibt es im Südwesten und Nordosten durchweg trocken.

Die Temperaturen gehen auf 17 Grad im Nordosten und bis 8 Grad in der Eifel
zurück.

Montag … zieht Höhentief Nr. 3 nach Westfrankreich. Vor allem die Westhälfte
Deutschlands gelangt dadurch in eine südsüdwestliche, leichte zyklonal
konturierte Höhenströmung. Über dem Osten bleibt die Höhenströmung flau, im
Südosten macht sich sogar noch ein flacher Rücken bemerkbar.
Unter der diffluenten Höhenströmung vorderseitig des Höhentiefs wird mit
kräftiger PVA ein Bodentief mit Kern über Nordfrankreich gestützt. Von dort aus
reicht eine Rinne bis nach West- und Südwestdeutschland und von dort bis nach
Südostbayern (Leetief).

Mit der Rinne gelangt in den Süden, Südwesten und Westen erneut deutlich
feuchtere Luft. Hochreichend instabil ist die Schichtung aber nur im Süden,
insbesondere am Alpenrand (leicht föhnige Komponente). Hier verhindert zunächst
aber der Rücken noch die Gewitterauslöse. Eventuell reicht es gegen Abend für
einzelne Gewitter über dem süddeutschen Bergland und aus den Alpen heraus
(Oberschwaben), die sich bei ML-CAPE über 1000 J/kg, PPW’s zwischen 25 und 30 mm
und mäßiger hochreichender Scherung 16-19 m/s) aber rasch organisieren können
(Superzellen) und neben heftigem Starkregen auch größeren Hagel und (schwere)
Sturmböen bringen können (Unwetter!). Ansonsten mangelt es an Labilität, sodass
es trotz zunehmenden Hebungsimpulsen von Frankreich eher wohl „nur“ für
schauerartigen Regen nachmittags und abends im Südwesten und Westen reicht.

Auch die Feuchteschliere, die sich in der Rinne vom Vortag anreichern konnte,
findet sich noch. Sie kommt noch etwas nach Nordosten voran und liegt zwischen
Nordsee und Brandenburg. ICON6 simuliert immerhin bis nahe 500 J/kg ML-CAPE,
allerdings ist die CAPE-Fläche in den Prognosesoundings aufgrund teils stabiler
Bereiche sehr schmal und die Schichtung in der mittleren Troposphäre ziemlich
trocken. Dennoch sind insbesondere im Nordwesten, wo sowohl Küstenkonvergenzen
als auch kurzwellige Troganteile als Auslösemechanismus in Frage kommen,
einzelne konvektive Umlagerungen durchaus nicht auszuschließen. Bei etwas
schwächerer Scherung, aber sehr hohen PPW’s (teils über 35 mm) ist vor allem mit
Starkregen bis in den Unwetterbereich zu rechnen.

Abseits etwaiger Konvektion scheint aber gerade in der Osthälfte noch längere
Zeit die Sonne, während sie in der Westhälfte schon früh von mittelhohen und
hohen Wolkenfeldern teilweise verdeckt wird.

Mit der aufsteilenden Strömung wird allgemein wärmere Luft herangeführt. T850
steigt auf 11 bis 20 Grad (mit den höchsten Werten am föhnigen Alpenrand). Das
bedeutet verbreitet 25 bis 31 Grad.

In der Nacht zum Dienstag zieht das Höhentief nur noch langsam nach Osten weiter
und erreicht etwas den Pariser Raum. Das Bodentief verlagert sich nach
Nordwestdeutschland.

Der Südwesten und Westen Deutschlands gelangt zunehmend unter die stark
diffluente Höhenströmung, in der kräftige PVA wirksam ist. Zudem sorgen die
frontalen Prozesse an der von Westen übergreifenden wellenden Kaltfront des o.
e. Tiefs für zusätzlichen Hebungsimpuls. Entsprechend verstärken sich über dem
Südwesten und Westen die schauerartigen Regenfälle. Modellübergreifend (mit
leicht variierenden Schwerpunkten) werden in einem Streifen von Südbaden bis
nach Hessen und Rheinland-Pfalz verbreitet 15 bis 30, strichweise 30 bis 50,
punktuell deutlich über 60 l/qm innerhalb von 12 Stunden simuliert.

In den übrigen Regionen klingen etwaige Schauer und Gewitter ab, vor allem im
Osten ist es teils klar.

Es wird eine milde Nacht bei Tiefsttemperaturen zwischen 19 und 12 Grad.

Dienstag … nistet sich das Höhentief über dem zentralen Frankreich ein. Das
Bodentief über dem Nordwesten Deutschlands füllt sich zwar auf, es bleibt aber
eine Tiefdruckrinne über, die sich ausgehend von einem Leetief am östlichen
Alpenrand über die Mitte in den Nordwesten erstreckt. In den Süden gelangt
derweil ein Hochkeil.

Vor allem im Westen und Südwesten bleiben unter der diffluenten, auf Südost
rückdrehenden Höhenströmung kräftige, teils PVA-bedingte, teils frontale
Hebungsantriebe entlang der wellenden Kaltfront wirksam. Zudem verstärken sich
die Gegenstrombedingungen (Westwind am Boden, Südostwind in der Höhe).
Entsprechend regnet es weiter anhaltend und kräftig. Vor allem von ICON werden
von Baden-Württemberg über Hessen und Rheinland-Pfalz bis nach NRW gebietsweise
wieder 10 bis 25 l/qm, im Südwesten bis 40 l/qm in 12 Stunden simuliert.
24-stündig macht das gebietweise 30 bis 60 l/qm, im Südwesten mitunter 60 bis
knapp über 100 l/qm. GFS, insbesondere aber das IFS sind zurückhaltender, haben
aber auch markanten, strichweise unwetterartigen Dauerregen im Programm. Die
Probabilistik ist mit den Wahrscheinlichkeiten für Dauerregen zumindest über
deutschem Boden noch zurückhalten, was aber wohl an den noch vorhandenen
Unschärfen der Vorhersage liegt.

Im Bereich der Rinne reichert sich massiv Feuchte an (ICON: 13 bis 15 g/kg in
der Grenzschicht!). Die Instabilität lässt zwar weiterhin etwas zu wünschen
übrig, dennoch reicht es nach ICON-Lesart für 500 bis 1000, stellenweise bis
1500 J/kg ML-CAPE. Die Auslöse von Gewittern ist im Vergleich zum Vortag
deutlich wahrscheinlicher (Norden/Nordwesten-Mitte-Südosten). Zwar überlappen
sich Scherung und Labilität nach aktuellem Stand nicht optimal, dennoch scheinen
zumindest Multizellen, die sich zu größeren Clustern zusammenschließen ziemlich
wahrscheinlich. Demnach steht der Starkregen bis in den (extremen)
Unwetterbereich bei PPW’s teils über 40 mm im Blickpunkt, aber auch größerer
Hagel und Sturmböen müssen ins Kalkül gezogen werden.

Im Nordosten und Osten fließt aus Osten dagegen trockenere Festlandsluft ein,
sodass es freundlich und trocken bleibt.

Dort wird es auch heiß mit 29 bis 33 Grad, ansonsten werden schwül warme 23 bis
28 Grad erreicht, im Dauerregen im Westen und Südwesten dagegen kaum 20 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Im Hinblick auf die synoptischen Basisfelder rechnen die Modelle in der
Kurzfrist recht kongruent. Kleinere Diskrepanzen haben kaum Relevanz für das
ohnehin im Nowcast stattfindende Warnmanagement.
Zumindest bis einschließlich Montag steht keine überregionale Unwetterlage an.
Dies könnte sich dann ab der Nacht zum Dienstag ändern (ergiebiger Dauerregen im
Südwesten und Westen, ansonsten teils schwere Gewitter).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Adrian Leyser