#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 05.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 05.07.2021 um 10.30 UTC

Beständig unbeständig mit Schauern und Gewittern lokal mit Unwetterpotential
durch heftigen Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 12.07.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am kommenden Donnerstag wird das Wetter
in Europa von der Wetterlage Trog Westeuropa bestimmt. Demnach kann sich
ausgehend vom Nordmeer ein Trog weit nach Süden amplifizieren und über
Frankreich dabei ein weiteren Drehzentrum aufweisen. Dieses verlagert sich bis
Freitagfrüh langsam ostwärts bis nahe an die deutsche Westgrenze heran.
Insgesamt liegt Deutschland demnach auf der Vorderseite des Troges in einer
südwestlichen bis südlichen Grundströmung, die zusätzlich zur Haupttrogachse
weitere kurzwellige Anteile enthält. Entsprechend ist zunächst vor allem im
Südwesten sowie Nordosten, in der Nacht abgesehen vom Nordwesten im gesamten
Land PVA wetterwirksam. Am Boden korreliert der Haupttrog mit einer
Tiefdruckzone über Mitteleuropa sowie dem Balkanraum und zentralen
Mittelmeerraum. Eingebettet in diese ist ein Tiefausläufer eines Tiefs über der
Barentssee, der sich südwestwärts bis in den äußersten Osten und Südosten
Deutschlands erstreckt. Vorderseitig kann WLA den gesamten Osten mehr oder
weniger stark ausgeprägt fluten und somit die Hebung durch die PVA eines
Kurzwellentroges stärken. Während tagsüber nahezu in ganz Deutschland ein
unbeständiger, zu Schauern und teils kräftigen Gewittern neigender
Wettercharakter durchsetzt, können in der Nacht zum Freitag vor allem in der
Südosthälfte des Landes kräftige vertikale Umlagerungen zu Schauern und teils
unwetterartigen Gewittern führen. Auch mehrstündiger, teils heftiger Starkregen
kann in Teilen Ostdeutschlands und südlich der Donau nicht ausgeschlossen
werden.

Am Freitag und in der Nacht zum Samstag verlagert sich der Trog unter
Abschwächung ostwärts bis nach Tschechien. Gleichzeitig verschiebt sich auch die
korrelierende Tiefdruckzone am Boden langsam ins östliche Mitteleuropa. Gestützt
von einem schwachen Rücken, der sich von Frankreich bis in die westliche Nordsee
aufbäumt, greift nachfolgend zunehmend hoher Luftdruck auf Deutschland über. Im
Umfeld des schwächelnden Höhentiefs mit entsprechenden Hebungsimpulsen muss auch
am Freitag vor allem im Süden und Osten sowie der östlichen Mitte weiter mit
konvektiven Umlagerungen und somit Schauern und Gewittern gerechnet werden. Im
Nordwesten und Westen ist die Niederschlagsneigung bei hochreichend leichten
antizyklonalen Bedingungen sowie nur geringem Input durch kurzwellige Anteile
schwächer ausgeprägt.

Am Samstag ist es mit dem hohen Luftdruck schon wieder passiert. Zwar ist im
Höhenfeld noch ein schwacher Rücken über Deutschland zu erkennen, der zusammen
mit kompensierendem Absinken über dem Nordostatlantik auch noch ein Hoch stützt,
doch von Westen wird rasch ein neuer Kurzwellentrog dominant, der am Abend etwa
über dem Meeresgebiet zwischen Frankreich und England ein Drehzentrum hat.
Nachfolgend gelangt der Westen Deutschlands wieder auf die Vorderseite des
Troges in eine südwestliche Strömung, die schließlich auch den tiefen Luftdruck
wieder über Mitteleuropa verteilt. Zudem ist auch im Osten und Südosten noch das
Residuum des Höhentiefs in Form eines Kurzwellentroges wetterwirksam.
Entsprechend reichen zunächst vor allem im Osten und Südosten sowie Teilen der
Mitte die Hebungsimpulse aus, erneut Schauer und einzelne Gewitter zu
generieren, die im Nordosten bis Sonntag anhalten und auch kräftig ausfallen
können. Mit Annäherung des neuen Kurzwellentroges muss ab den Abendstunden dann
auch im Südwesten des Landes wieder mit Schauern und Gewittern gerechnet werden,
die sich langsam nordostwärts ausbreiten und ausgangs der Nacht die Mitte
erreichen.

Am Sonntag kann sich nach Leseart des IFS von Nordwesteuropa bis ins östliche
Mitteleuropa ein breit aufgespannter Langwellentrog ausbilden, der über mehrere
Kurzwellentröge verfügt. Einer dieser Kurzwellentröge überquert dabei
Deutschland mit seiner Achse und liegt Montagfrüh mit Zentrum etwa über der
Slowakei. Rückseitig kann sich ein schwacher Rücken von Italien nordwärts
aufbäumen und zumindest auch den Süden Deutschlands erreichen. Insgesamt
dominiert allerdings tiefes Geopotential, welches bodennah ein Tief über
Südschweden stützt. Bei recht schwachen Luftdruckgegensätzen werden nahezu
landesweit Schauer und einzelne Gewitter simuliert, die im Nordosten und Osten
durch PVA sowie der Nähe zum Bodentief eine stärkere dynamische Unterstützung
erfahren und somit kräftiger ausfallen können. Zudem gibt es Hinweise, dass
eingebettet in den tiefen Luftdruck konvergente Strömungsstrukturen die
Konvektion regional intensivieren können.

Am Montag verlagert sich ein neues Höhentief im Westteil des Langwellentroges
von England südwärts und soll zum Dienstag mit seinem Zentrum etwa die Schweiz
erreichen. Durch diesen Prozess gewinnt der Langwellentrog markant an Amplitude.
Gleichzeitig kann sich ein Rücken vom Atlantik ostwärts schieben und somit von
den Britischen Inseln bis zum Baltikum die Tendenz zum Abschnüren des Troges
anfachen. Deutschland wird dabei in weiten Teilen vom Höhentief über Frankreich
beeinflusst, welches bodennah eine Tiefdruckrinne von Skandinavien bis nach
Italien und den Balkanraum stützt, über Norddeutschland aber über eine
Sollbruchstelle verfügt. Das zum Höhentief korrelierende Bodentief wandert im
Verlauf etwa von Luxemburg in den Norden Österreichs. Dynamische und geringe
diabatische Prozesse setzen schließlich erneut Hebung in Kraft, sodass im Süden
und der Mitte Schauer und Gewitter weiter auf der Tagesordnung stehen.
Allenfalls im Norden könnte der Rücken inklusive schwacher, teils hochreichende
antizyklonale Bedingungen für ein Abklingen der Niederschläge sorgen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen 00 UTC Laufes ist insgesamt als mäßig zu
bezeichnen. Zwar werden die großskaligen Strukturen mit dem Langwellentrog über
Europa vergleichbar abgebildet, im Detail auf kleinerer Skala ergeben sich
allerdings wesentliche Unterschiede, die sich auch beim Wetter in Deutschland
bemerkbar machen. Demnach werden die kleinräumigen Drehzentren sowie
Kurzwellentröge sowohl in der Höhe als auch am Boden in Phase und Lage
abweichend simuliert. Der aktuelle Lauf des IFS zeigt dabei etwas intensivere
Geopotentialmuster mit größerer Amplitude. Zudem verlagert er die Systeme
rascher ostwärts. Als Folge sind über Deutschland stärkere Niederschlagssignale
zu verzeichnen, die zudem im Vergleich zu den Vorläufen ab Samstag rascher von
Westen aufziehen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch weitere Globalmodelle (ICON, GFS, UKMO, GEM) zeigen zum IFs vergleichbare
großskalige Strukturen. Allerdings weichen auch die Interpretationen der anderen
Modelle im Detail teils deutlich voneinander ab. Zu Beginn des mittelfristigen
Zeitraums zeigen die verschiedenen Modelllösungen noch Einigkeit, doch ab
Freitag nehmen die Unterschiede rasch zu. Auffällig ist, dass das IFS die
herumgeführten Kurzwellentröge samt Höhentiefs intensiver rechnet, während ICON
und GFS diese auf der Ostflanke einer raschen Abschwächung unterzieht.
Entsprechend weisen ICON und GFS eine schnellere Phasenverlagerung auf. Auch von
der dipolartigen Struktur ab Montag möchten GFS und ICON nichts wissen. ICON
lässt dagegen den Trog über Deutschland hinweg südostwärts markant
amplifizieren. GFS verlagert den Kurzwellentrog analog zum IFS nordwärts, hat
aber den neuen Trog über Westeuropa samt Höhentief nicht im Programm. Insgesamt
ergeben sich aufgrund der Unterschiede der Höhen- und Bodenstrukturen auch
Abweichungen in der Verlagerung der Niederschlagsfelder. Auch die Schwerpunkte
werden teils unterschiedlich gezeigt. Aufgrund der Troglage mit fehlendem
schwachen Rücken (Dipolstruktur IFS) bei ICON und GFS wird die
Niederschlagsneigung auch großräumiger simuliert. Das GEM ähnelt in der Höhe den
Vorgaben des GFS, am Boden weist das GEM jedoch einen deutlich höhen Luftdruck
auf. Entspre3chend sind auch die Niederschlagssignale im Vergleich
unterpräsentiert. Das UKMO beschreibt in der Höhe eine Zwischenlösung von GFS
und IFS, am Boden korreliert das UKMO aber irgendwie mit keiner anderen Lösung
so richtig.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte, über Deutschland verteilt zeigen bei
einem geringen Spread bis Samstag eine recht hohe Vorhersagegüte, wobei der
Haupt- und der Kontrolllauf sich meist im oberen Drittel der 850 hPa-Temperatur
und des 500 hPa-Geopotentials des ENS befinden. Ab Samstag nehmen die
Unsicherheiten deutlich zu, wobei eine Mehrzahl der Member sowie auch Haupt- und
Kontrolllauf eine Tendenz zu niedrigeren Temperaturen und tieferem Geopotential
aufweisen. Der ENS-Raum wird dabei zum Ende der Mittelfrist vor allem im Süden
und Osten bei einem Spread von teils 20 Grad bzw. bis 30 hPa weit aufgespannt.
Insgesamt weisen die Mehrzahl der ENS-Mitglieder zudem einen unbeständigen
Wettercharakter aus.

Um die Unsicherheiten im ENS-Raum im Zeitraum von +72 bis +96h ausreichend zu
beschreiben werden insgesamt 3 Cluster benötigt. Dabei sind alle Lösungen dem
Schema eines Blockings zugeordnet, sodass insgesamt nur geringe Unterschiede
zwischen den Clustern zu verzeichnen sind. Im Detail ergeben sich geringe
Abweichungen bei der Amplitude des Kurzwellentroges, der ab Donnerstag von
Westen auf Mitteleuropa übergreift.
Im Zeitraum von +120 bis +168h bleiben die Anzahl der benötigten Cluster als
auch das großskalige Blocking-Schema erhalten. Allerdings wird das blockierende
hohe Geopotential weiter nach Osten geschoben, sodass hierzulande der
nachstoßende Trog die Hauptrolle übernimmt. Genau dieser wird aber im Vergleich
der Lösungen verschieden simuliert. Demnach lässt Cluster 2 eine dipolartige
Struktur über den gesamten betrachten Zeitraum bestehen, sodass der
Langwellentrog länger breit aufgestellt ist. Bei Cluster 1 mit dem Hauptlauf
wird die dipolartige Struktur recht rasch durch den beschriebenen, sich
amplifizierenden Trog ersetzt. Das Cluster 3 mit dem Kontrolllauf lässt den
Ostteil des Langwellentroges abschnüren, was wiederum den Westteil in der
Verlagerung verlangsamt. Entsprechend würde Deutschland auf der Vorderseite
eines Höhentiefs bei Irland liegen.
Wie unsicher die genauen Entwicklungen sind, zeigt auch die Verteilung der
ENS-Member. Demnach sind alle drei Cluster nahezu gleichverteilt (18,17,16).
In der erweiterten Mittelfrist werden weiter drei Cluster benötigt die
Unterschiede im Geopotential- und Luftdruckfeld ausreichen zu erklären. Diese
sind zudem weiter auch dem Schema Blocking zugeordnet. Wo aber genau dieses
Blocking liegt und wie sich potentielle Kurzwellentröge bzw. Cut-Off-Tiefs
verlagern, lassen die weiter gleichverteilten Cluster weitgehend offen. Ruhigere
und trockenere Zeiten wären dabei aber nur bei Cluster 3 möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Vom EFI gibt es allenfalls am Donnerstag du in der Nacht zum Freitag im Süden
und Teilen des Ostens Hinweise für überdurchschnittliche Niederschlagsmengen
bezüglich des vieljährigen Modellklimas.

Die hochaufgelösten Modelle weisen allerdings nahezu über dem gesamten Zeitraum
einen unbeständigen, zu Schauern und teils kräftigen Gewittern neigenden
Wettercharakter aus. Bei PPW-Werten zwischen 25 und 35 mm, regional auch bis 40
mm bleibt der teils heftige Starkregen Thema Nr. 1. Demnach sind Regensummen von
15 bis 25 l/qm in kurzer Zeit wahrscheinlich, Mengen zwischen 25 und 40 l/qm
gering wahrscheinlich und Summen über 40 l/qm in kurzer Zeit nicht
ausgeschlossen. Zudem ist bei Cape-Werten zwischen 500 und 1250 J/kg auch
kleinkörniger Hagel bzw. Hagel um 2 cm durchaus möglich. Der Wind spielt bei der
Troglage nur eine untergeordnete Rolle, kann aber bei kräftigen Entwicklungen
Sturmstärke erreichen, punktuell könnt geht vielleicht sogar mehr gehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, MosMix für TT

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel