#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Samstag, den 03.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 03.07.2021 um 10.30 UTC

Wechselhaft mit Schauern und Gewitter, im Südosten anfangs noch heiß mit
Unwettergefahr. Im Laufe der Woche Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 10.07.2021

Schauen wir doch mal, was das mittelfristige Wettergeschehen in der kommenden
Woche für uns bereithält.

Am Dienstag erstreckt sich ausgehend von einem komplexen – da mehrkernigen –
Höhentief über den Britischen Inseln ein schwach positiv geneigter
Langwellentrog bis ins Seegebiet westlich von Kap Finisterre. Deutschland liegt
damit auf dessen Trogvorderseite in einer südwestlichen Höhenströmung. Unter
dieser ist nahezu strömungsparallel eine Kaltfront eingelagert, die um die
Mittagszeit etwa quer über der Landesmitte von Schleswig-Holstein bis zur Pfalz
verläuft. Sie trennt heiße Subtropikluft im Südosten mit 850 hPa Temperaturen
über 15 Grad von erwärmter Atlantikluft im Westen mit T850 hPa unter 10 Grad und
mündet in ein für die Jahreszeit doch recht markantes Tief über der Doggerbank
mit einem Kerndruck unter 995 hPa.

Nun ist die Trogvorderseite recht glatt konturiert und nennenswerte dynamische
Hebungsantriebe sucht man zunächst vergeblich. Da muss es dann wohl der
Tagesgang, eine durch die thermischen Unterschiede einsetzende schwache
Querzirkulation und die Orographie richten, dass die potentiell instabil
geschichtete Luftmasse im Frontbereich auch gehoben wird. Immerhin bauen sich
bis zum Nachmittag etwa 300-500 J/kg CAPE auf bei PPW’s, die lokal bis an die 40
mm heranreichen. Das alles in einem gut gescherten Umfeld mit signifikanter Low
Level Shear von 10-15 m/s und 2-30 m/s zwischen 0 und 6 km. Die Voraussetzungen
für organsierte, langlebige Konvektion bis in den Unwetterbereich sind demnach
gegeben – offen lediglich, wie großflächig diese auch ausgelöst wird. Details
dazu werden im Kurzfristzeitraum mit Annäherung an das Ereignis folgen. Ziemlich
sicher trocken bleibt es noch von Vorpommern bis zum Erzgebirge sowie in
Niederbayern und auch postfrontal passiert Richtung Emsland und Niederrhein
niederschlagstechnisch nicht mehr viel. Dafür liegen letztgenannte Gebiete im
Nahbereich zum stärksten Gradienten des Tiefs über der Nordsee und es treten
zeitweise Windböen (Bft 7), eventuell sogar stürmische Böen (Bft 8) aus Südwest
auf. Die Temperaturspanne reicht von 20 Grad an der Nordsee und in den
westlichen Mittelgebirgen bis knapp über 30 Grad von der Lausitz bis zur unteren
Donau.

Am Mittwoch kommt die Trogachse ein Stück ostwärts voran und reicht nun vom
Ärmelkanal bis nach Zentralspanien. Die Front über Deutschland neigt nun zur
Wellenbildung und kommt bis in den Osten voran. Die labilste Luftmasse wird zwar
ostwärts abgedrängt, Reste können sich aber noch in Südostbayern und entlang von
oder und Neiße halten. Sollten sich durch die föhnige Überströmung an den
Nordrändern des Berchtesgadener Landes oder des Zittauer Gebirges größere
Sonnenfenster auftun, so kann durchaus nochmals CAPE in ähnlicher Größenordnung
wie am Vortag generiert werden. Bei wohl überwiegend nordwestlicher
Windkomponente am Boden liegt der Fokus aber wohl eher auf durch Aufgleiten
induzierte skalige Niederschlagsgebiete – mitunter mit eingelagerten konvektiven
Verstärkungen. Mehrstündiger Starkregen ist dabei im Osten und Süden nicht
ausgeschlossen. Weiter westlich lockern die Wolken auf und es gibt nur
vereinzelte Schauer oder kurze Gewitter im Randbereich des Troges. In 500 hPa
kommen aber gerade mal Temperaturen knapp unter -15 Grad rein. Da das Bodentief
seinen Schwerpunkt Richtung Schottland verlagert, weicht der Gradient an der
Südflanke über Deutschland auf und es kommt zu keinen warnrelevanten Böen mehr.
Die Temperaturverteilung gestaltet sich inzwischen einheitlicher bei 22 bis 27
Grad.

Am Donnerstag erreicht der Trog den Westen, bis Freitag Früh auch den Osten
Deutschlands. Richtung Ems ist vorübergehend sogar eine kleine -20 Grad
Isotherme in 500 hPa auszumachen. Die Labilität nimmt entsprechend etwas zu. Am
Boden dehnt sich von der Biskaya ein schwacher Hochkeil bis nach Süddeutschland
aus, der von den Resten des längst achsensenkrechten Tiefs über der Nordsee
respektive dem Nordmeer flankiert wird. Mit der westlichen Strömung hält der
Zustrom erwärmter Atlantikluft mit T850 hPa zwischen 6 und 10 Grad an und es
entwickeln sich im Tagesverlauf zahlreiche Schauer und kurze Gewitter, die aber
allenfalls lokal eng begrenzt mit Starkregen, stürmischen Böen und kleinkörnigem
Hagel einhergehen können. Meist wird es sich wohl um Gewitter der Marke „gelb“
handeln.
Da die Front über dem Alpenraum rückläufig wird und die Trogspitze im
Tagesverlauf zu den Westalpen vorstößt, sind dort Hebung und Richtungsscherung
günstig für die Entwicklung/das Zusammenwachsen schauerartig verstärkter
Niederschläge zu größeren Komplexen. Inwieweit diese dann auch mit warnwürdigen
Mengen verbunden sind, bleibt abzuwarten.

Am Freitag und Samstag schwenkt der Trog nordostwärts ab und im Vorfeld eines
neuen Cut-Offs über den Britischen Inseln wölbt sich vorübergehend ein Rücken
auf. Damit lassen die Schauer immer mehr nach und ziehen sich in den Norden und
Nordosten zurück. Die Luftmasse kann sich unter schwachem Hochdruckeinfluss
zögernd erwärmen, so dass die 30 Grad im Süden wieder in Reichweite gelangt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Auch wenn sich durch die vergleichsweise komplexe Struktur des westeuropäischen
Troges mitsamt nahezu strömungsparalleler Kaltfront am Boden mit Anacharakter
kleine Veränderungen bereits große Auswirkungen haben, so halten sich die
laufübergreifenden Unterschiede doch arg in Grenzen und die Konsistenz muss als
gut bezeichnet werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS lässt den Trog verzögert auf Deutschland übergreifen. Demnach wäre es am
Mittwoch in der Südosthälfte auch noch heiß und trocken.
ICON lässt den Trog am Freitag nicht nordostwärts schwenken, sondern südostwärts
abtropfen. Folglich wären Restschauer eher auf den Südosten begrenzt und das
Geopotential würde rascher ansteigen. In jedem Fall kündigt sich auch bei den
meisten anderen gängigen Globalmodellen eine vorübergehende Wetterberuhigung in
der zweiten Wochenhälfte an.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen sind bis zum Ende der Mittelfrist erfreulicherweise gut
gebündelt, sowohl was die Geopotential- als auch die Temperaturverteilung in 850
hPa anbelangt. Die Niederschlagssignale sind im Mittel nicht überbordend und
konzentrieren sich im Wesentlichen auf die konvektiv geprägten Schwerpunkte in
der ersten Hälfte des Mittelfristzeitraums und zeigen zum Freitag/Samstag hin
ein deutlich abflachendes Signal. Der kurze Hitzepeak mit bis zu 20 Grad in 850
hPa im Südosten (Beispiel Passau) ist sowohl vom Haupt- und Kontrolllauf als
auch vom EPS am Dienstagabend anvisiert und wird bis Freitag auf etwa 10 Grad
reduziert. Wie schnell dieser „Abstieg“ vonstattengeht, ist noch mit größeren
Unschärfen behaftet, was aber auch der zur Wellenbildung neigenden
Luftmassengrenze zuzuschreiben ist.

In der Clusteranalyse ist sowohl im Zeitraum 120-168h (Do-Sa) als auch in der
erweiterten Mittelfrist 192-240h (So-Di) lediglich ein Cluster mit Blocking
Regime zu finden. Da das Blocking östlich von uns über Osteuropa ansetzt,
bleiben wir mehr oder weniger anfällig für atlantische Trogvorstöße, die dann
letztlich über Mitteleuropa zum Erliegen kommen.

FAZIT: Nach zögernder Frontpasage mit teils gewittrigen Regenfällen bis zur
Wochenmitte setzt sich postfrontal wechselhaftes Schauerwetter durch, das zum
Ende der Mittelfrist Fr/Sa allmählich abklingt. Das Temperaturniveau liegt dabei
im angenehm sommerlichen Bereich unweit des im Mittel zu erwartenden Spektrums.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
Laut IFS-EPS liegen die Wahrscheinlichkeiten für Windböen (Bft 7) am Dienstag im
Westen und Nordwesten bei 40-80% mit den höchsten Werten an der Belgischen und
Niederländischen Grenze. Dort sind auch signifikante Wahrscheinlichkeit für
stürmische Böen (Bft 8) von 20-30% vorhanden. Dabei springt sogar der EFI an,
der mit Werten von 0.6 bei knapp positiver SOT reagiert. Für Nordfrankreich und
Benelux (für den Englischen Kanal und die südwestliche Nordsee sowieso) scheint
ein sommerliches Sturmereignis so gut wie sicher.

GEWITTER/STARKREGEN:
Für großflächige, schwere Konvektion sind sowohl die beteiligten Luftmassen als
auch die Dynamik nicht ausreichend genug. Entsprechend reagiert auch der EFI
CAPE SHEAR als auch EFI Niederschlag so gut wie nicht. Dennoch müssen lokal
unwetterartige Entwicklungen einkalkuliert werden, insbesondere aufgrund
heftigen, teils mehrstündigen Starkregens, da von einer raschen Verclusterung
der Zellen aufgrund der günstigen Scherungsbedingungen ausgegangen werden muss
und die PPW’s mit 35-40 mm ausreichend hoch sind. In den EPS‘ finden sich bis
dato lediglich schwache Signale (rund 10%) für markante Regenmengen größer 30
l/qm binnen 24 Stunden vor allem am Mittwoch und Donnerstag vom Südschwarzwald
bis zum Alpenrand. Hier ist mit Annäherung an das Ereignis von den
hochauflösenden Modellen eine deutliche Zunahme der Wahrscheinlichkeiten zu
erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen