#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 02.07.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 02.07.2021 um 10.30 UTC

Nächste Woche in der Südosthälfte wieder zunehmend heiß und vor allem dort
wieder starke Gewitterneigung mit Unwetterpotential.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.07.2021

Am Montag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegt nach IFS die Frontalzone
für die Jahreszeit recht weit südlich, nämlich im nördlichen Mittelmeerraum.
Gleichzeitig befindet sich ein abgeschlossenes Höhenhoch mit Schwerpunkt über
Finnland und sorgt für eine Blockierung. Diesem steht ein Langwellentrog
westlich unseres Kontinents gegenüber, in dessen Bereich ein Höhentief Richtung
Keltische See schwenkt. Ein anfangs noch über Deutschland liegender
Kurzwellentrog wird durch Potentialanstieg auf der Vorderseite des
Langwellentroges im Tagesverlauf zugeschüttet. Dies resultiert auch in
zunehmendem Zwischenhocheinfluss, allerdings liegt vor allem über dem Osten des
Landes noch viel Feuchte, so dass es dort noch zu etwas schauerartigen
Regenfällen und vor allem im Nordosten auch zu Gewittern kommen kann. Bei
850-hPa-Temperaturen um 10 Grad ist das Temperaturniveau durchschnittlich.

In der Nacht zum Dienstag und am Dienstag schwenkt der Langwellentrog weiter
ostwärts und das Höhentief zieht über Großbritannien hinweg zur Nordsee. Auf der
Vorderseite lässt WLA einen immer stärker werdenden Rücken entstehen, dessen
Achse bald östlich unseres Landes liegt und der Kontakt zu dem Höhenhoch im
Nordosten aufnimmt. Auch ein kräftiges Bodentief zieht über Großbritannien
hinweg und lässt den Wind in Deutschlands Nordwesten ordentlich auffrischen.
Zudem zieht eine Kaltfront mit Schauern und Gewittern in den Westen und
Nordwesten und später in die Mitte des Landes, während in den Südosten eine sehr
warme Luftmasse gelangt, in der es von einzelnen Gewittern abgesehen einen
freundlichen Sommertag gibt.

In der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch bleibt die Kaltfront schräg über
Deutschland liegen. Die Achse des Langwellentroges schwenkt dabei bis zur
französischen Atlantikküste. Damit kommen wir in eine Südwestströmung. Während
es im Nordwesten des Landes nur mäßig warm und bewölkt ist mit vielleicht etwas
Regen, steigt zur Mitte und vor allem nach Südosten hin die Temperatur und das
Gewitterrisiko.

Bis Donnerstagabend erreicht die Achse des Langwellentroges den Westen
Deutschlands und die Kaltfront den Osten und Südosten des Landes. In diesem
Zusammenhang muss dort mit schweren Gewittern und heftigem Starkregen gerechnet
werden.

In der Nacht zum Freitag und am Freitag soll dann der Trog über Deutschland
hinweg ziehen und überall eine mäßig warme Meeresluft einfließen, in der es zwar
nicht ganz trocken bleibt, aber die Unwetter ein Ende finden. Vor allem die
Nacht ist aber im Südosten und ganz im Osten noch stark unwettergefährdet. (Bis
zu 70 l/m² Regen in 6 Stunden in der Oberlausitz!).

Danach simuliert IFS einen schwachen Rücken zum Samstag etwas
Zwischenhocheinfluss, dem am Sonntag aber schon wieder ein neuer Trog folgt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der jüngste Lauf des IFS zeigt sich inkonsistent zu den beiden Vorgängerläufen,
da er ab Mittwoch bzw. der Nacht zum Donnerstag – wie oben beschrieben – den
Langwellentrog recht flott nach Osten vorankommen lässt. Die Vorgängerläufe
ließen den Trog dagegen weiter nach Süden ausgreifen, so dass die Warmluftzufuhr
bei uns noch forciert wurde. Insgesamt kann man sagen, dass das Ende dieser
neuen schwülheißen und gewitterträchtigen Lage noch sehr unsicher ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch ICON, GFS und GEM zeigen ein etwas langsameres Heranschwenken des
Langwellentroges in der zweiten Wochenhälfte und lassen den Trog auch etwas
weiter nach Süden ausgreifen. Dabei lässt GFS im weiteren Verlauf den Trog nach
Oberitalien abtropfen, während GEM den Trog in der Nacht zum Samstag
durchschwenken lässt und danach auf eine westliche Strömung umstellt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Für den Zeitraum von Mittwoch, 00 UTC bis Freitag, 00 UTC verteilt sich das
IFS-EPS auf drei Cluster. C1 und C2 (in Summe 39 Mitglieder, Hauptlauf,
Kontrolllauf) ähneln sich sehr stark und zeigen vor allem einen leichten
Timingunterschied beim Hereinschwenken des Troges, wobei sie beides etwas
langsamer sind als der Hauptlauf. C3 (12 Mitglieder) zeigt den am Donnerstag und
Freitag hereinschwenkenden Trog wesentlich breiter. Alle Cluster zeigen die
starke Blockierung über Nordosteuropa. Daran ändert sich auch im weiteren
Verlauf nicht viel. Die drei Cluster für den Folgezeitraum zeigen hohes
Potential im Nordosten Europas, dagegen eher Trogstrukturen bei uns.

Die Rauchfahnen des IFS zeigen über dem Nordwesten Deutschlands (Referenzpunkt
Bremen) ein zwischen 5 und 9 Grad mäandrierendes Temperaturniveau in der
nächsten Woche und auch am Wochenende und damit nur mäßig warmes
Temperaturniveau. Dabei gibt es nur einzelne Ausreißer nach oben. Auch das
Geopotential pendelt bei der Mehrheit der Läufe nur recht schwach. Es gibt immer
wieder Niederschlagssignale. Im Südosten Deutschlands (Referenzpunkt München)
zeigen sich etwas größere Schwankungen mit Spitzen bei Potential und Temperatur
von Dienstag bis Donnerstag und noch einmal am Samstag. Auch dort zeigen sich
viele Niederschlagsspitzen. Beim Blick auf die GFS-Meteogramme zeigt sich im
Nordwesten kein Unterschied. Im Südosten dagegen zeigt sich zum Mittwoch und
Donnerstag noch etwas mehr Hitze (Ensembleschwerpunkt bei 20 Grad in 850 hPa,
dagegen fällt der Spitze am Samstag aus.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
Nachdem am Montag vor allem im Nordosten noch Gewitterneigung besteht, muss ab
Dienstag zunächst vom Nordwesten bis zur Mitte, im weiteren Verlauf vor allem
von der Mitte bis in den Südosten mit einer hohen Gewittergefahr gerechnet
werden, wobei die Unwettergefahr deutlich zunimmt. Dabei kommen prinzipiell
sowohl Hagel und Sturm als auch Starkregen als Unwetterkriterien in Frage.

STURM (abseits von Gewittern):
Am Dienstag besteht nach Cosmo-LEPS eine geringe Wahrscheinlichkeit für
stürmische Böen im westlichen Bergland und an der Nordsee. Am Mittwoch werden
für die Nordseeküste noch einmal geringe Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen
simuliert.

EFI:
Der EFI zeigt am Dienstag im Westen Deutschlands ein deutliches Signal für Wind.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX von 03 UTC; IFS-EPS; IFS-Hauptlauf von 00 UTC ist ein Ausreißer.

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann