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SXEU31 DWAV 291800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 29.06.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Heute Nacht über der Mitte teils Unwettergefahr durch Gewitter mit Starkregen.
Mittwoch im Nordosten hohes Potenzial für teils extremes Unwetter durch
Starkregen. In der Folge im Norden und teils über der Mitte nur noch regional
erhöhte Unwettergefahr durch Schauer/Gewitter mit Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … ist bereits viel geboten mit laufenden Unwetterwarnungen und
Vorabinformationen, sodass das Hauptaugenmerkt auf der heutigen Nacht und morgen
liegt.

Kurze Übersicht der synoptischen Entwicklung während dieser Kurzfrist:

Mit dem leicht progressiven Wellenzug über Europa gelangen wir nun zunehmend in
den direkten Einflussbereich des nun seit mehreren Tagen über Westeuropa
liegenden Höhentiefs, das ausgangs der kommenden Nacht zum Mittwoch
vollumfänglich auf den Südwesten Deutschlands übergreift. Dieses Höhentief
wabert am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag allmählich über die Mitte
Deutschlands nach Osten und verlässt Deutschland am Donnerstag (1. Juli) unter
Abschwächung nach Tschechien/Österreich. Dabei kommt es zur Dipol-Bildung mit
einem weiteren Höhentief, das über Südschweden nach Dänemark geführt wird,
sodass wir zum Ende dieser Kurzfrist zunehmend zwischen den Stühlen liegen –
jedoch weiterhin unter einem breiten Höhentrog liegend. Aber keine Bange, das
nächste Höhentief liegt bereits über dem Nordostatlantik bereit.

In Verbindung mit der Höhentiefpassage wird auch ein diffuses Bodentief mit
zahlreichen Fronten einmal quer von West nach Ost gedrückt, sodass die Kurzfrist
auch aus dieser Perspektive spannend verläuft. Heute Abend und in der ersten
Nachthälfte überquert eine Kaltfront den Süden, während eine sich
strukturierende Okklusion mehr den Westen/die Mitte beeinflusst und am Mittwoch
allmählich über den Süden nach Osten geführt wird. Diese Okklusion ist zunehmend
in einen gut strukturieren Bodentrog platziert, der sich am Mittwoch von Polen
ausgehend in den Norden Deutschlands ausweitet. Derweilen driftet eine Warmfront
über den Nordosten in Richtung Deutsche Bucht und Dänemark, wo sich ihre
Konturen zunehmend verwaschen (im Zuge der dann dominierenden Okklusion weiter
südlich).

Heute Nachmittag und Abend fällt der Druck thermisch (gute Einstrahlung) und
dynamisch (Überströmung der Alpen mit markanter Höhendiffluenz/-divergenz) in
einem breiten Bogen vom Alpenraum über Tschechien bis nach Polen und bildet
abends/in der Nacht zum Mittwoch eine umfangreiche Bodentiefdruckrinne, die je
nach Modell ein Hauptzentrum oder mehrere diffuse Minima aufweist. Stromauf
dieser Entwicklung steigt mit einsetzender KLA der Druck über
Südwestdeutschland, was in Verbindung mit einer Kaltfrontpassage und der bereits
aktuell linienhaft organisierten Konvektion über den Vogesen/dem Jura deutliche
Signale für eine markante Druckwelle sind.
Die Konvektionslinie an sich hat präfrontal rund 800-1500 J/kg MUCAPE zur
Verfügung, in Richtung Niederbayern noch etwas mehr. Hochreichende Scherung von
15 m/s mit mäßiger 0-3km Scherung deuten auf das Potenzial organisierter
Konvektion hin (Multizellen), die Hagel und Sturmböen bringen können.

Der nördliche Bereich des MCS läuft abends über der Mitte Deutschlands in
schwächere Höhenwinde mit exzellenter Ventilation oberhalb von 6-7 km AGL,
sodass hier der Starkregen durch langsame Zellverlagerung immer mehr in den
Vordergrund rückt (PPWs um 30 mm in Verbindung mit zunehmend komplexer Orografie
und „cell merging“). (Extremes) Unwetter ist daher abends vom nördlichen
Rheinland-Pfalz über Hessen/weite Bereiche NRWs bis nach Nordbayern und
Westthüringen möglich und wird im ICON-D2 EPS mit vergleichsweise hohen
Wahrscheinlichkeiten hervorgehoben. Lokal sind natürlich bei kräftigen Zellen
auch Hagel und Sturmböen möglich.

Der Südrand des MCS hingegen läuft über der Mitte und vor allem Südbayern in
eine immer labilere Schichtung und auch die 0-3 km Scherung nimmt am Alpenrand
auf mehr als 15 m/s zu. Dominant jedoch dürfte besonders in Richtung Alpen der
isallobarische Gradient sein, einerseits angetrieben durch einen sich
manifestierenden cold pool, andererseits durch den raschen Druckanstieg
postfrontal. Daher durchquert dieser MCS (in Form eines sog. „Bogenecho“) den
Süden Deutschlands und sollte abends bereits Tschechien/Oberösterreich erfassen.
Dies lässt den Wind in den Vordergrund rücken und auch das ICON-D2-EPS liefert
solide Signale für Bft 9-10 Böen (strichweise) und besonders vom südlichen
Oberbayern bis ins südliche Niederbayern und nach Oberösterreich mehren sich die
Anzeichen für Bft 11-12 Böen (Unwetter). Dies passiert teils in Verbindung mit
großem Hagel. Starkregen ist zwar in kurzer Zeit zu erwarten (besonders bei
Zellinteraktionen) und kann ebenfalls das Unwetterkriterium erreichen.

Schwenken wir nach Norden, wo sich über den Ostfriesen eine schwache zyklonale
Zirkulation befindet, die vom ICON-D2 weiter abgeschwächt wird und von einer
neuen Zirkulation über den Nordfriesen abgelöst wird. Zum Abend befinden sich
noch die Reste einer durch diese Konfiguration ausgelöste niedertroposphärischen
Konfluenz mit feucht-labilem 0-3 km Inflow (aus Südost) über Schleswig-Holstein
bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Vorhersage-Soundings aus dieser Region zeigen
abends noch dominante 0-3 km Scherung mit deutlich nachlassender Scherung
darüber – prädestiniert für rückwärts anbauende Zellen mit eng begrenzt teils
sehr hohen Regenmengen (aktuell gestützt durch gemessenen Mengen im (extremen)
Unwetterbereich). Die deutschen EPS Verfahren heben dies durch allmählich
nachlassende Wahrscheinlichkeiten hervor (Unwetter bis Unwetter extrem). Und ja,
ein lokales Tornadoereignis kann man bei erhöhter niedertroposphärischer
Richtungsscherung und niedrigem Hebungskondensationsniveau nicht ausschließen.

Am ruhigsten verläuft der Abend wohl über Sachsen-Anhalt sowie in Teilen
Brandenburgs – wenngleich auch hier nicht durchweg trocken.

Die abendlichen Werte liegen im Umfeld der Oder um 30 Grad, sonst zwischen 22
und 26 Grad und im Südwesten etwas unter 20 Grad.

In der Nacht zum Mittwoch schwächt sich die Konvektion im Norden bis Mitternacht
allmählich ab mit entsprechend nachlassender Unwettergefahr.

Die progressive Konvektionslinie (MCS) rauscht im Süden nach Tschechien und
Oberösterreich mit postfrontaler Wetterberuhigung.

Der Fokus liegt nun eindeutig im Umfeld der sich um das Drehzentrum des
Höhentiefs wickelnden Okklusion, die über der Mitte Deutschlands verläuft.
Weiterhin gibt es Fragen bei der Ausprägung der Bodentiefdruckrinne (siehe
Modellvergleich), die jedoch noch keine größeren Auswirkungen auf die
Wetterentwicklung haben.

Die Frage wird sein, wo genau die Okklusion zonal ausgerichtet über der Mitte
zum Liegen kommt. Im IFS Spaghetti Plot der Fronten ist ein recht homogenes Bild
über der Mitte Deutschlands zu erkennen und auch die Numerik insgesamt zeigt ein
überraschend einheitliches Bild (mit guter Lauf-zu-Lauf Konsistenz). Demnach
wäre die gesamte Mitte von Deutschland von der Eifel bis zur Lausitz mehr oder
weniger stark betroffen. Die Realität zeigt jedoch, dass organisierte Konvektion
nicht selten progressiver ist als in der Numerik angedeutet, sodass ggf. eine
Nordverschiebung möglich ist (Nowcast!).
Die Scherung in allen Niveaus fällt auf unter 10 m/s mit weiterhin
hervorragender Ventilation durch kräftige Winde im Niveau des Höhenjets. Langsam
ziehende Zellen/kleinräumige Schauer- und Gewittercluster bringen weiterhin
regional sehr hohe Regenmengen, die im Unwetter- aber auch lokal im extremen
Unwetterbereich liegen können. Zunehmend rückt auch der mehrstündige Starkregen
in den Fokus. Die 6-std. Regensummen im ICON-D2-EPS heben besonders die Eifel,
Nord-RP bis nach Südniedersachsen mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten hervor
(teils deutlich mehr als 60 l/qm in 6h). Viel wird jedoch im Nowcast
entschieden, die entsprechende Vorabinformation ist bereits ausgegeben worden.

In Richtung Lausitz ist noch die Frage, wo und mit welcher Intensität sich ein
Bodentief über Südwestpolen/Tschechien entwickelt, dessen Zirkulation dort
ebenfalls langsam ziehende Gewitter hervorrufen könnte. Ob das ICON-D2-EPS nun
darauf, oder auf die Option des möglicherweise von Südostdeutschland über
Tschechien nach Ostsachsen ziehende MCS anspringt ist noch unsicher (immerhin
20-30% für mehr als 60 l/qm in 6h). Momentan wird die Lösung mit dem nordwärts
ausgreifenden MCS eher zurückgestellt, da dieser eher nach Oberösterreich ziehen
sollte, peripher wird jedoch ein „Streifschuss“ nicht ausgeschlossen.

Der Norden Deutschlands liegt weiterhin in einem breiten Warmsektor (Warmfront
nach IFS-EPS über der Deutschen Bucht/Schleswig-Holstein liegend), der zudem
feucht-labil ist (PPWs um 35 mm und 400-800 J/kg MUCAPE). Vorübergehend gelangt
diese Region in synoptisch-skaliges Absinken, dies jedoch sollte nur hemmend,
nicht unterdrückend wirken, denn im Nordosten befindet sich laut dem Großteil
der Numerik eine breite niedertroposphärische Konfluenzzone. Im Umfeld dieser
Konfluenz (Mecklenburg bis ins westliche Brandenburg) kann es im Nachtverlauf
wiederholt zünden, wobei die langsame Verlagerung erneut den Starkregen (lokal
auch Hagel) bis in den Unwetterbereich in den Fokus rücken lässt.

Deutlich entspannter verläuft die Nacht im Süden, wo postfrontal eine trockenere
Luftmasse einfließt (PPWs 19 bis 25 mm). Im Zuge einer kräftigen
Kurzwellenpassage (über die Schweiz, Bayern nach Sachsen verlagernd) setzt im
Süden skaliger Regen ein, der dort 5 bis teils 10 l/qm Nass bringen kann
(Oberschwaben nach Bayern). Viel fehlt nicht für ausreichende Labilisierung,
sodass im Umfeld dieses skaligen Niederschlagfeldes auch einzelne Gewitter nicht
ausgeschlossen werden. Insgesamt aber verläuft die Nacht hier deutlich ruhiger.

Entsprechend dieser unterschiedlichen Luftmassen liegen die Tiefstwerte im
Nordosten und Norden bei milden 19 bis 15 Grad und gehen im Süden auf 15 bis 12
Grad, im Südwesten mit den größten Auflockerungen auf teils 9 Grad zurück. Der
Wind weht abseits der Konvektion schwach bis mäßig aus West bis Südwest.

Mittwoch … rückt dann der Bereich nördlich des Höhentiefs in den Fokus und
somit besonders der Norden und Osten von Deutschland. Alle Modelle lassen zur
Mittagszeit eine umfangreiche Bodentiefdruckrinne von Polen bis nach
Mecklenburg-Vorpommern ausgreifen, die mit einer labilen und sehr feuchten
Luftmasse gefüllt ist (PPWs von 30 bis 40 mm und MLCAPE von 400-800 J/kg).
Vorhersage-Soundings zeigen eine typische Signatur für potenziell extreme
Regenmengen mit einer höhenmilden Luftmasse (geringe mid-level lapse-rates),
hochreichend sehr feuchten Verhältnissen und einem Wind-/Scherungsfeld bis 6km
AGL nahe des Nullpunkts des Hodographen (hochreichende Scherung weniger als 10
m/s mit 1-2 m/s Scherung in den untersten 3 bis 4 km AGL).

Die Frage wird nun sein, ob ein kräftiges Bodentief, wie GFS es andeutet, den
Nordosten erfasst, oder ob das eher eine diffuse Bodenrinne sein wird. Der
jüngste 06Z GFS-Lauf ist dahingehend ein Ausreißer, da bis dahin das Minima bei
GFS deutlich östlicher über Polen lag. Dabei kann es sich um ein
Konvektions-feedback Problem des Modells handeln, das dank der immensen
Konvektionsfreisetzung im Modell mit Massendivergenz und Druckfall reagiert.
Daher baut diese Vorhersage auf die anderen (und in sich konsistenten) Modelle
auf, die eher die diffuse Bodentiefdruckrinne bevorzugen. Dennoch ist die Lösung
vom 06Z Lauf des GFS mitnichten zu verwerfen!

Mit Annäherung der Rinne nimmt die niedertrop. Feuchteflusskonvergenz im Osten
und Nordosten im Tagesverlauf deutlich zu, die als Fokus für in der Folge
verbreitet auftretende Gewitterentwicklung sein sollte. Die genaue Lage der
Konvergenz bleibt noch abzuwarten. Aus heutiger Sicht deutet sich das westliche
Brandenburg über Mecklenburg bis nach Hamburg/Schleswig-Holstein an.

Von der Früh weg bis in die Abendstunden besteht daher im gesamten Osten und
Norden und da besonders in den genannten Regionen eine hohe Gefahr für langsam
ziehende Gewitter, die mit der Zeit verclustern (zu größeren Gebieten
zusammenwachsen) und extreme Regenmengen bringen können. Wiederholte Signale in
konvektionserlaubenden Modelle von strichweise 6-std. Mengen von 100 bis mehr
als 200 l/qm sind ernst zu nehmen und selbst im 03Z Lauf des ICON-D2 EPS liegen
die Wahrscheinlichkeiten für mehr als 60 l/qm/6h bei rund 40-50%. Zudem gibt es
in allen EPS-Verfahren Signale für mehr als 70 l/qm in 12 Stunden im Nordosten,
was für die gröbere Auflösung beachtlich ist. Die extremen Mengen werden
sicherlich nur strichweise/regional begrenzt auftreten, doch auch sonst muss
abseits der Konvergenz im gesamten Nordosten und nachmittags/abends zunehmend
auch im Norden mit unwetterartigen Regenmengen gerechnet werden. Wie weit sich
dieses Gefährdungsgebiet bis ins nördliche Niedersachsen voranarbeitet ist noch
unsicher und hängt stark von der Ausprägung/Lage der Bodentiefdruckrinne ab.
Neben dem Regen können auch große Mengen kleinen Hagels fallen, was die
Überflutungsgefahr durch verstopfte Abflüsse erhöhen kann.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass mit der momentan als Außenseiterlösung
angesehenen Variante von GFS mit einem kräftigen Bodentief flächiger Regensummen
im Unwetterbereich denkbar wären (24-36 std.), allerdings mit variablen Maxima
während der vergangenen Läufe. Diese Option sollte jedoch im Hinterkopf behalten
werden bzw. wird die Druckentwicklung über Polen die Nacht über genau verfolgt.

Ansonsten bringt eine trockenere Luftmasse dem Westen und Süden einen
vergleichsweise entspannten Mittwoch. Allerdings sorgen PPWs bis 25 mm und
300-500 J/kg SBCAPE weiterhin für das Potenzial einiger kräftiger Schauer und
Gewitter, die mit Starkregen mindestens markant, wenn nicht lokal unwetterartig
ausfallen können (langsame Zugbahngeschwindigkeit unter dem Höhentief). Das EPS
gibt von RP bis Hessen geringe Wahrscheinlichkeiten für lokale Extremereignisse
beim Starkregen – hier dank maximalem CAPE und höchster Feuchte. Diese Region
könnte sich also ebenfalls als Schwerpunkt für Unwetter herauskristallisieren,
wenngleich deutlich lokaler als im Nordosten.

Die Höchstwerte liegen im Nordosten bei schwül-warmen 21 bis 26 Grad und sonst
bei erfrischenden 18 bis 22 Grad. Der Wind weht abseits der Konvektion mäßig aus
Südwest bis West und kann im Umfeld des Höhentiefs (zentrale Mittelgebirge)
zeitweise böig auffrischen.

In der Nacht zum Donnerstag bleibt die Bodentiefdruckrinne inklusive
eingebetteter Okklusion wetterbestimmend, denn in deren Umfeld sind weiter
heftige Regenfälle zu erwarten, teils mehrstündig und konvektiv verstärkt, teils
in Gewittern in kurzer Zeit. Weiterhin ist (extremes) Unwetter durch Starkregen
möglich, was nun zunehmend Niedersachsen und abgeschwächt auch NRW/Hessen und RP
bzw. Thüringen betreffen würde (je nach Lage des Höhentiefs und der Rinne). Eine
weitere (feinere) Lokalisierung macht jedoch jetzt keinen Sinn und auch die
EPS-Verfahren beginnen breit zu laufen/stärker zu streuen. Dennoch sind
weiterhin Signale für mehr als 70 l/qm/12h vorhanden.

Im Südosten und Osten verläuft die Nacht abgesehen von einzelnen Schauern meist
trocken mit geringer Nebelgefahr. Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 13 und 8
Grad, im Hochschwarzwald auch etwas darunter und im Oderumfeld etwas darüber.

Donnerstag … streuen die Modelle zunehmend bei der Lage des Höhentiefs, sollte
dies überhaupt noch als ein solches anzutreffen sein (GFS öffnet es z.B. zu
einem breiten Trog). Daher treten deutschlandweit Niederschläge auf, die um das
Höhentief/Höhentrog und/oder entlang der Okklusion fokussieret anzutreffen sind.
Meist fallen die Niederschläge im Süden schwach aus und bringe nur wenige Liter
auf den Quadratmeter. Spannender bleibt es im Westen und Norden, wo bei PPWs um
30 mm weiterhin eine latente Unwettergefahr durch langsam ziehende
Schauer/Gewitter besteht (Starkregen). Das gilt auch für jegliche Konvektion im
Osten von Deutschland, die in Zentrumsnähe des Höhentiefs/Troges entsteht.

Die Höchstwerte liegen zwischen 18 und 23 Grad und der Wind weht schwach bis
mäßig aus West bis Nordwest

In der Nacht zum Freitag ändert sich wenig, auch wenn die Hebungsmechanismen
weiter nachlassen. Dennoch können sich in einer labilen Luftmasse mit PPWs um 30
mm besonders im Norden weitere Schauer und Gewitter mit Starkregen bis in den
Unwetterbereich entwickeln. Dies jedoch mit verminderter Häufigkeit und regional
begrenzt. Sonst deutet sich eine ruhige Nacht mit etwas Niederschlag und vielen
Wolken an. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 8 Grad.

Freitag … verbleibt Deutschland unter tiefem Geopotenzial, sodass sich bei aus
heutiger Sicht schwachen Hebungsverhältnissen regional teils kräftige Schauer
und Gewitter entwickeln, die bei PPWs um 30 mm erneut mit Starkregen auftreten
können. Mehr als das lässt sich jedoch noch nicht sagen, da die Numerik stark
streut. Die Höchstwerte ziehen etwas an und liegen bei 20 bis 24 Grad, entlang
des Oberrheins sind lokal wieder sommerliche 25 Grad möglich.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik hat mit dieser Phasenverschiebung der Welle inklusive dem
eingebetteten Höhentief doch etwas zu kämpfen.

Zwar wird die Verlagerungsgeschwindigkeit und -richtung des Höhentiefs bis
Mittwoch recht einheitlich gezeigt, allerdings bestimmt deren genaue Geometrie,
wo die kräftigsten Hebungsvorgänge ansetzen und somit auch die Frage möglicher
Gewitterschwerpunkte.
Die sich während dem Beginn der Kurzfrist über Polen etablierende
Bodentiefdruckrinne wird weiterhin einheitlich bis in den Nordosten Deutschlands
gebracht, allerdings mit variabler Ausdehnung nach Westen. Zudem entwickelt GFS
ein recht kräftiges Bodentief innerhalb der Rinne, was jedoch von anderen
Modelle bisher nicht mitgetragen wird. Trotz dieser Unsicherheiten deutet sich
an, dass ab Mittwoch zunehmend der Norden/Osten in den Fokus der Warnaktivität
rücken.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy