#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Montag, den 28.06.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 28.06.2021 um 10.30 UTC

Unter Tiefdruckeinfluss gebietsweise Schauer und Gewitter, lokale Unwetter nicht
ausgeschlossen. Mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 05.07.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Donnerstag wird das Wetter
in Mitteleuropa von einem Höhentief bestimmt, das sich Donnerstagmittag von der
südlichen Nordsee über Deutschland hinweg bis nach Tschechien erstreckt und
dessen Drehzentrum etwa über dem Nordwesten Deutschlands zu finden ist. Im
Bodendruckfeld korrespondiert dieses Höhentief mit einer Tiefdruckrinne, die von
Osteuropa über Dänemark hinweg bis zur Nordsee reicht und dort in einem flachen
Tief endet. Eingelagert in diese Rinne ist eine Luftmassengrenze. Deutschland
befindet sich postfrontal und damit in der Zufuhr mäßig warmer (T850 hPa 3 bis 9
Grad), aber feuchter Luft. Durch den dynamischen Antrieb des sich kaum
verlagernden Höhentiefs können sich in der feuchten Luftmasse Schauer oder
Gebiete mit schauerartigem Regen entwickeln. Auch einzelne Gewitter sind nicht
ausgeschlossen.

Am Freitag verlagert sich das Höhentief ein wenig ostwärts und reicht
schließlich von der Mitte Deutschlands über Polen bis zur Ostsee, wobei es nun
mehrere Drehzentren aufweist. Im Bodendruckfeld kommt die Rinne mit
eingelagerter Luftmassengrenze in Form einer Okklusion von Dänemark wieder ein
wenig südwärts voran und verläuft schließlich am Abend über den Norden und
Nordosten Deutschlands hinweg. In deren Umfeld entwickeln sich dort konvektiv
durchsetzte Niederschläge, die teils kräftiger ausfallen können. Auch abseits
davon muss in der Mitte und im Süden mit einzelnen Schauern und eventuell
Gewittern gerechnet werden.

Am Samstag bleibt uns der Einfluss des Höhntiefs weiterhin erhalten. Dabei
verlagert es sein Hauptdrehzentrum wieder ein wenig westwärts und liegt
schließlich am Abend über der südlichen Ostsee, von wo aus es in der folgenden
Nacht allmählich Kontakt zu einem bis zu den Britischen Inseln reichenden
Höhentrog aufnimmt. Aus der Rinne entwickelt sich ein eigenständiges flaches
Tief, das von der südlichen Ostsee bis nach Dänemark zieht. Darin eingelagert
ist weiterhin die Luftmassengrenze, die sich beginnt um das Tief herumzuwickeln
und somit im Tagesverlauf über den Osten südostwärts schwenkt. Da sich an den
Luftmasseneigenschaften wenig ändert, kann es dort weiterhin punktuell kräftiger
regnen. Wie an den Vortagen kann es auch am Samstag in den weiteren Landesteilen
einzelne Schauer und Gewitter geben. Allerdings ist der Süden und Südwesten
weitgehend ausgenommen, da sich hier ein schwacher Rücken bemerkbar macht.

Am Sonntag und Montag ändert sich am Wettercharakter in weiten Teilen des Landes
wenig. Das ehemalige Höhentief schwenkt nun als Randtrog über die Nordhälfte
Deutschlands hinweg Richtung Skandinavien. Ihm folgt in der Nacht zum Montag ein
weiterer Randtrog von Frankreich kommend, der schließlich über den Alpenraum
hinwegschwenkt und am Montag Richtung Adria abtropft. Im Bodendruckfeld
herrschen nur schwache Luftdruckgegensätze. Somit wiederholt sich der
Wetterablauf am Sonntag mit gebietsweisem Regen bzw. Schauern und einzelnen
Gewittern.
Am Montag hingegen zeichnet sich der Südwesten und Süden Deutschlands als
Niederschlagsschwerpunkt heraus. Dabei gibt es Signale für kräftigere und teils
länger anhaltende Niederschläge.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Donnerstag gibt es eine große Übereinstimmung des aktuellen
EZMW-Modelllaufs mit seinen Vorläufen. Nachfolgend nehmen die Unterschiede zu.
Dabei ist noch unklar, wohin sich der Schwerpunkt des bis dato bereits unser
Wetter beeinflussenden Höhentiefs verlagert. Die Tendenz, dass sich das
Höhentief allmählich wieder westwärts bewegt und von dem Höhentrog eingefangen
wird, zeigte auch der gestrige 00 UTC Lauf, allerdings etwas langsamer.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Großen und Ganzen wird die Wetterentwicklung der nächsten Tage von den
betrachteten Globalmodellen übereinstimmend prognostiziert. Ähnlich zur
Konsistenzbetrachtung zeigen sich aber auch hier Unterschiede bezüglich der
genauen Lage und räumlichen Ausdehnung des Höhentiefs. Das wiederum macht die
Vorhersage der Niederschlagsschwerpunkte aus heutiger Sicht noch schwierig.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Unsicherheit der Vorhersage spiegelt sich in der Rauchfahne für Offenbach
zunächst nicht wider. Bis einschließlich Samstag ist der Spread für die
Temperatur in 850 hPa und für das Geopotential 500 hPa sehr gering. Vorhandene
Niederschlagssignale sprechen zwar für den wechselhaften Charakter, die Mengen
sind aber gering. Dies bestätigt, dass die Hauptniederschlagstätigkeit wie o.e.
eher im Osten und teils auch im Süden zu erwarten ist bzw. aufgrund des
konvektiven Charakters schwer zu erfassen ist. Ab Sonntag nimmt der Spread
insbesondere beim Geopotential deutlich zu. Wenige Member zeigen einen Anstieg
desselbigen. Die meisten Member und darunter auch Haupt- und Kontrolllauf setzen
aber weiterhin auf den Einfluss von tiefem Geopotential.

Die Clusterung des EZMW zeigt für den Zeitraum von 72 bis 96 h fünf Cluster, die
alle unter die Kategorie „blockierende Wetterlage“ fallen. Unabhängig davon ist
in allen Clustern das für uns wetterbestimmende Höhentief zu erkennen.
Für den Zeitraum von Samstag bis Montag gibt es drei Cluster. Zwar ist das
Höhentief als solches meist nicht mehr zu erkennen, eine durchgreifende Änderung
der Wetterlage lässt sich daraus aber ebenfalls nicht ableiten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der Lage des Höhentiefs ist es schwierig,
die genauen Schwerpunkte der Niederschläge/Gewitter festzulegen. Aus heutiger
Sicht erscheint für die folgenden Tage folgendes Szenario am wahrscheinlichsten:

Am Donnerstag besteht vornehmlich im Süden und Osten die Gefahr einzelner
Gewitter in Verbindung mit markantem Starkregen. Einzelne unwetterartige
Entwicklungen aufgrund von heftigem Starkregen sind nicht ausgeschlossen.

Am Freitag gibt es im Osten und Nordosten sowie vereinzelt im äußersten Süden
einzelne Gewitter mit Starkregen. Im Osten und Nordosten ist die
Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Entwicklungen aufgrund von Starkregen
gering.

Am Wochenende gibt es wenig Änderung. Gebietsweise sind weiterhin Gewitter und
kräftigere Niederschläge möglich, wobei sich in der Nacht zum Montag bzw. am
Montag der Süden und Südwesten als Schwerpunkt andeutet. Dort können auf Basis
des EZMW dann 24-stündige Mengen zwischen 40 und 80 l/qm fallen. Bislang wird
dies in diesem Ausmaß aber von keinem anderen Modell unterstützt.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger