#DWD -> SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Mittwoch, den 23.06.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 23.06.2021 um 10.30 UTC

Am Wochenende leichte Wetterberuhigung, aber im Norden und Osten teils nur mäßig
warm, an der Nordsee auch kühl. In der neuen Woche von Südwesten her erneut
Schauer und teils kräftige Gewitter mit vereinzelten Unwettern, die bis Mittwoch
etwa die Elbe erreichen. Dabei aber auch im Norden und Osten wieder deutlich
wärmer.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 30.06.2021

Am Samstag liegt Deutschland im Randbereich eines Troges, der zwei Cut-Off-Tiefs
enthält. Das eine zieht von der Keltischen See zur nördlichen Biskaya und das
andere vom Raum Trondheim in den Raum Skagen. Zwischen den Tiefs schiebt sich
ein Höhenkeil nach Benelux vor. Dabei wird ein Bodenhochkeil gestützt, der vom
Nordatlantik über Schottland nach Nordwestdeutschland reicht. Dabei strömt von
der Nordsee her kühlere Luft nach Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen zwischen
8 Grad an der See und 12 Grad am Alpenrand.

Am Sonntag verlagert sich das östliche Höhentief zur östlichen Ostsee und das
andere zur westlichen Biskaya. Dazwischen verstärkt sich der Höhenkeil, ohne
dass er sich signifikant verlagert. Auf seiner Vorderseite verstärkt sich der
Hochkeil bei uns noch etwas und der Zustrom der kühlen Luft von der Nordsee her
bleibt bestehen, so dass im Nordosten die Temperatur in 850 hPa vorübergehend
sogar auf unter 5 Grad sinkt. Dort ist auch der Trog über Osteuropa in Form von
konvektiven Regenfällen spürbar.

Die Lage ändert sich am Montag nur wenig: Das Biskaya-Tief kommt etwas nach
Osten voran und das 2. Höhentief erreicht den Westen von Weißrussland.
Dazwischen verstärkt sich der Höhenkeil nach etwas und liegt weiter über
Benelux. Auch der Hochkeil reicht weiter von der Nordsee bis nach Tschechien.
Bei leichtem Absinken und zunehmender Sonnenscheindauer kann sich auch im Norden
und Osten die Luft erwärmen (Temperatur in 850 am Nachmittag um +10 Grad).

Am Dienstag zieht das Höhentief über Westeuropa zur nördlichen Biskaya und das
zweite Tief zur Ukraine. Dazwischen verstärkt sich der Höhenkeil noch etwas und
erreicht mit seiner Achse den Westen Deutschlands. Damit würde bei uns weiter
meist sonniges und trockenes Sommerwetter herrschen.

Mit leichter Progression des Trog-Keil-Musters am Mittwoch steigt im Südwesten
das Gewitterpotential geringfügig an. Ansonsten ändert sich nicht viel an dem
sommerlichen Wetter auf der Südseite der nunmehr hoch reichenden Antizyklone
über Südskandinavien.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der IFS-Modelllauf von heute und die beiden gestrigen Modellruns laufen bereits
ab Sonntag auseinander, was allerdings bei recht hohem Geopotential sowie
Luftdruck und einem schwachem Gradienten passiert.
Im gestrigen 00-UTC-Lauf verstärkt sich auf der Vorderseite eines Cut-Off-Tiefs
über der Biskaya ein kräftiger Höhenrücken über Mitteleuropa und entsprechend
gibt es nur geringe Schauersignale bei uns. Im heutigen Lauf erreicht die
Keilachse lediglich Ostfrankreich und wir liegen anfangs noch im Randbereich des
osteuropäischen Höhentroges (mit Cut-Off-Tief über der Ostsee), so dass es vor
allem im Osten und Nordosten noch rege Schauertätigkeit gibt. Im gestrigen
12-UTC-Lauf gibt es noch ein kleines Höhentief, das von der südwestlichen
Nordsee nach Holland zieht und daher werden kräftige Regenfälle von NRW und
Niedersachsen bis zur unteren Oder simuliert.
Am Montag verstärkt sich der Keil im alten 00-UTC Lauf bei uns weiter und
schwenkt zum zentralen Deutschland, so dass meist trockenes Sommerwetter
herrschen würde. Abends werden aber im Westen und Südwesten erste Gewitter
simuliert.
Im 12-UTC-Lauf zieht das kleine Cut-Off-Tief von Holland nach Sachsen und
insofern werden Schauer und Gewitter vor allem in der Mitte, im Osten und im
Südosten simuliert. Im aktuellen Modell-Run verstärkt sich der Höhenkeil und
schwenkt nach Benelux, so dass sonniges Wetter bei allerdings etwas niedrigeren
Temperaturen simuliert wird im Vergleich zum alten 00-UTC-Lauf.

Am Dienstag zieht das kleine Höhentief zum Karpatenbogen ab und bringt im
äußersten Osten und im Alpenraum noch einzelne Schauer und Gewitter, ansonsten
setzt sich H-Einfluss durch.
Im alten 00-UTC-Lauf schwenkt der Höhenkeil zum östlichen Deutschland, so dass
in schwülwarmer Luft im Westen und Südwesten sowie in der Mitte Schauer und
Gewitter aufkommen. Ursache hierfür ist die Annäherung des Höhentiefs über der
Biskaya.
Im aktuellen Lauf bleibt es unter Hochdruckeinfluss noch trocken (Höhenkeilachse
erreicht den äußersten Westen).

Am Mittwoch nähert sich das Cut-Off-Tief über Westeuropa Deutschland an.
Am weitesten voran kommt das Tief im alten 00-UTC-Lauf und Regenfälle breiten
sich bis nach Südbrandenburg und bis zum zentralen Niedersachsen aus, nur ganz
im Nordosten bleibt es trocken. Im 12-UTC-Lauf erreichen die Schauer und
Gewitter nur den äußersten Südwesten, da das Höhentief schwächer ist und in
Südfrankreich anlangt. Am weitesten im Westen liegt das Höhentief im aktuellen
Lauf, so dass es meist trocken und sonnig bleibt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Nach ICON greifen bereits am Samstag erste Schauer und Gewitter auf den
äußersten Westen Deutschlands über, da das Höhentief bereits an der Westküste
Frankreichs anlangt. Am Sonntag erfassen die konvektiven Regenfälle bereits den
gesamten Westen und Südwesten (ähnlich wie es auch GFS und GEM zeigt) und am
Montag die östlichen Mittelgebirge (auch bei GFS und GEM ähnlich). Am Dienstag
wird sogar das südliche Norddeutschland erfasst. Dann entspricht die Lösung in
etwa der vom gestrigen 00-UTC-Lauf.

Bei CMA kommt ab Dienstag das Höhentief bzw. der Trog voll rein und sorgt für
kühles Schauerwetter.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse vom IFS zeigt heute in Wochenfrist 4 Cluster, die allesamt
als blockierend eingestuft werden, wobei Kontrolllauf und deterministischer Lauf
in den 3. Cluster eingeordnet werden. Es fällt auf, dass der erste Cluster mit
15 Läufen über Westeuropa bzw. über dem nahen Nordostatlantik nur ein Höhentief
aufweist! Alle anderen Cluster besitzen über der Biskaya ein Cut-Off-Tief und
etwa 3000 km westlich von Portugal ein Höhentief. Dies ist auch die einzige
realistische Entwicklung, da alle operationellen Läufe bereits bis morgen das
Abtropfen des westlichen Höhentiefs zeigen. Am Freitag erfolgt dann das
Abtropfen des östlichen Höhentiefs nach Großbritannien. Insofern kann der erste
Cluster eigentlich aus der Betrachtung heraus genommen werden. Nördlich des
Cut-Offs über der Biskaya entwickelt sich ein teils abgeschlossenes Höhenhoch,
das dann die Bodenhochdruckzone über der Nordsee und Mitteleuropa stützt.
Cluster 2 und 3 zeigen mit insgesamt 28 Modell-Runs im Verlauf die leichte
Annäherung des Höhentiefs von Frankreich her, so dass Schauer und Gewitter auf
die Südwesthälfte übergreifen würden, während im Nordosten noch
Hochdruckeinfluss überwiegt. Im 4.Cluster mit 8 Modellläufen bleibt das
Höhentief an der Biskay liegen und insofern herrscht hier Hochdruckeinfluss.
in der Rauchfahne von Offenbach startet zunächst mit recht niedrigen
850-hPa-Temperaturen um 8 Grad, um dann im Mittel langsam anzusteigen. Bei
allerdings vor allem am Sonntag und Montag großer Streuung. Bei 6 Modellruns
geht die Temperatur im Laufe des Sonntags vorübergehend sehr weit nach unten.
Offenbar findet der Abtropfprozess dann genau über uns statt. Ab Dienstag ist
die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass sommerliches Wetter einkehrt mit
850-hPa-Temperaturen zwischen 9 und 16 Grad.

In den EPS-Meteogrammen erkennt man somit nach einem leicht unterkühlten
Kurzfristzeitraum bereits am Samstag durchschnittliche bis leicht
überdurchschnittliche Temperaturen. Ab Dienstag liegen die Temperaturen dann im
Mittel 2 bis 5 Grad über den normal üblichen Temperaturen. Im Nordosten ist die
Regenwahrscheinlichkeit deutlich geringer als im Südwesten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Wochenende nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit vorübergehend ab. Starkregen
ist dann am Samstag im Südosten noch gering wahrscheinlich und am Sonntag im
äußersten Westen und Südwesten.
In der neuen Woche steigt dann das Gewitterpotential zunächst im Westen und
Südwesten, ab Dienstag dann auch in der Mitte und im östlichen
Mittelgebirgsraum. Die Gefahr von lokal schweren Gewittern (Unwetter) nimmt
ebenso zu.
Flächige Windereignisse sind angesichts der blockierenden Wetterlage nicht zu
erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden