#DWD -> SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Dienstag, den 22.06.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 22.06.2021 um 10.30 UTC

Überwiegend wechselhaft mit teils kräftigen, lokal unwetterartigen Schauern und
Gewittern. Voraussichtlich vorübergehende Wetterberuhigung am Wochenende.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 29.06.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Freitag liegt Deutschland
auf der Vorderseite eines umfangreichen Troges über großen Teilen Europas, die
Trogachse erstreckt sich von Skandinvien über Ostdeutschland in Richtung
Schweiz. Nach wie vor lagert über der Südosthälfte eine deutlich feuchtere und
instabilere Luft mit mindestens markantem Gewitter- und Starkregenpotenzial,
nach Nordwesten bleibt es in einer trockeneren Luftmasse und unter leichtem
Zwischenhocheinfluss ruhiger. Bei den Britischen Inseln kommt es zu einer
neuerlichen Austrogung mit Bildung eines Höhentiefs, das auch im Nordwesten zu
mehr Bewölkung führt. Dazwischen liegt ein Streifen kompensierenden Absinkens,
dort dürfte es tagsüber dann recht freundlich und trocken sein. Auch die Schauer
und Gewitter im Südwesten werden im Tagesverlauf durch den Abzug der Trogachse
nach Osten weniger wahrscheinlich. Die Luftdruckgegensätze sind gering. Im
Tagesverlauf setzt sich zumindest in der mittleren Troposphäre eine
nordwestliche Strömung durch, die 10-Grad-Isotherme in 850 hPa wird zunehmend
ostwärts abgedrängt, so dass dort das Temperaturniveau dann meist zwischen 5 und
10 Grad liegt.

Am Samstag wölbt sich ein flacher Keil zwischen dem Höhentief westlich der
Britischen Inseln und der Trogachse über dem östlichen Mitteleuropa
(Ostsee-Polen-Ungarn) auf. Evtl. zieht noch ein Kurzwellentrog über den
Osten/Südosten Deutschlands hinweg, so dass dort die Schauer- und
Gewittertätigkeit nochmals auflebt, lokaler Starkregen kann nochmals auftreten.
Mit Aufwölbung des Keils gelangt von Süden auch wieder eine leicht wärmere
Luftmasse nach Deutschland, die 10-Grad-Isotherme in 850 hPa schiebt sich von
Süden wieder nordwärts und erreicht etwa die Mainlinie. Nach Norden macht sich
durch das Frontensystem, das sich vom Tief westlich der Britischen Insel
ausgehend Richtung Südskandinavien erstreckt, mehr Bewölkung bemerkbar. Vor
allem im Nordwesten kann es im Tagesverlauf dann örtlich Schauer oder Gewitter
geben. Die Luftmasse ist dort ebenfalls recht feucht, so dass lokaler Starkregen
nichts ausgeschlossen werden kann.

Am Sonntag wölbt sich mit Verlagerung des Höhentiefs gen Süden Richtung Biskaya
und weiterer Ostverlagerung des östlichen Troganteils der Keil weiter auf. Der
antizyklonale Einfluss nimmt noch etwas zu und der Zustrom milderer Luftmassen
von Süden setzt sich bis nach Norddeutschland fort. Die 10-Grad-Isotherme in 850
hPa erreicht die dänische Grenze, die 15-Grad-Isotherem liegt über
Süddeutschland. Der Westen kann noch von Wolkenfeldern des westeuropäischen
Tiefs gestreift werden, es bleibt aber voraussichtlich meist trocken. Über dem
Alpenraum lagert eine noch etwas feuchtere Luftmasse, orografisch bedingt und im
Zusammenspiel mit einem Kurzwellentrog können ggf. vor allem über dem Alpenraum
erneut Schauer und Gewitter ausgelöst werden. Sonst überwiegt freundliches und
meist sommerlich warmes Sonntagswetter. (Unsicherheiten bestehen hier
allerdings, da der gestrige IFS-Lauf noch eine deutlich zyklonalere Variante im
Programm hatte.)

Am Montag verlagert sich das Trog-Keil-Muster ostwärts, damit zieht das
Höhentief ebenfalls leicht ostwärts und Deutschland gelangt zunehmend auf die
Vorderseite des Höhentiefs bzw. des westeuropäischen Troges. Die sich
einstellende Südwestströmung sorgt für den Zustrom noch wärmerer Luftmassen
(Achtung: Beschreibung anhand des aktuellen IFS-Laufes, Betrachtung der
Unsicherheiten/Variationen zu den zurückliegenden IFS-Läufen siehe
Konsistenzbetrachtung). Die 15-Grad-Isotherme erreicht die Mitte Deutschlands,
auch ganz im Norden werden 12 Grad in 850 hPa erwartet. Es wird also sommerlich
warm und von West/Südwest sowie im Alpenraum kommen im späteren Tagesverlauf
wieder Schauer und Gewitter auf. Aufgrund weiterhin relativ schwacher
Luftdruckgegensätze dürfte der Starkregen erneut die markanteste
Begleiterscheinung sein. Im Norden und Osten noch trocken.

Am Dienstag nähert sich das Höhentief weiter an, das Zentrum liegt dann über der
Normandie. Außerdem bildet sich auch im Bodenniveau ein flaches Tief über
Frankreich bzw. eine von dort ausgehende Tiefdruckrinne, die sich auch in den
Süden/Südwesten Deutschlands erstreckt. Damit werden im Tagesverlauf zunehmend
Schauer und teils kräftige Gewitter von Südwesten her erwartet, die in der
warmen, labilen Luftmasse und auf der Trogvorderseite dann lokal auch
unwetterartig ausfallen können. Hauptunwetterkriterium voraussichtlich erneut
der Starkregen.

Erweiterte Mittelfrist:
Sehr unsichere Entwicklung, da auch an den Vortagen schon sehr große
Diskrepanzen innerhalb der vorliegenden Modellläufe des IFS. Nach Lesart des
aktuellen Laufes zunächst zyklonal geprägte Witterung aufgrund Trog
Mitteleuropa. Unter Beteiligung warmer, von Süd/Südost einfließender, feuchter
Luftmassen muss mit Schauern und Gewitter mit zumindest lokalem
Unwetterpotenzial gerechnet werden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen IFS-Modelllaufes zu seinen Vorgängern ist relativ
dürftig, insbesondere im Vergleich zum gestrigen 00-UTC-Lauf zeigen sich sehr
große Unterschiede. Der gestrige 12-UTC-Lauf des IFS hingegen ging zumindest zu
Beginn der Mittelfrist bereits in die Richtung des aktuellsten Laufes.

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Freitag liegt Deutschland
auf der Vorderseite eines umfangreichen Troges über großen Teilen Europas, eine
erneute Austrogung über Westeuropa wird von den neuen Modellläufen bei den
Britischen Inseln, vom gestrigen 00-UTC-Lauf deutlich weiter westlich,
vorhergesagt. Im weiteren Verlauf streckt sich der Trog mit veritablem Höhentief
weit nach Südwest, so dass der europäische Trog zwei Schwerpunkte erhält. Zum
einen das Höhentief über dem nahen Ostatlantik/Biskaya, zum anderen eine
Trogachse, die von der Ostsee gen Balkan gerichtet ist. Der IFS-Lauf von gestern
00 UTC regenerierte den Trog erneut über Mitteleuropa mit markanten Höhentief
direkt über Mitteleuropa von Skandinavien Richtung Südfrankreich ziehend.
Während sich also nach Lesart des aktuellen Modelllaufs im Laufe des Wochenendes
eine zunehmend antizyklonal geprägte Situation (zwischen den Trogzentren/Achsen,
flacher Keil) einstellen soll, sieht der gestrige Luft das Höhentief und
unbeständiges Wetter direkt über Deutschland. Zu Beginn der kommenden Woche
setzt der aktuelle Lauf auf eine weitere Aufwölbung des Keils mit Achse über dem
östlichen Deutschland, der Westen liegt wohl im Einflussbereich des
westeuropäischen Höhentiefs. Der gestrige 12 UTC-Lauf rechnet das
westeuropäische Höhentief schwächer, den Keil flacher und eine erneute
Austrogung über Nordeuropa und damit ginge weitgehend ruhiges Wetter im Süden
und Tiefeinfluss im Norden einher. Der gestrige 00-UTC-Lauf hingegen zeigte
einen Trog, der sich von Nordskandinavien bis ins westliche Mittelmeer
erstrecken soll und einer Schwachstelle im Westen aufweist, dann würde im Westen
leicht antizyklonaler Einfluss herrschen, im Süden und Osten/Nordosten würde
Tiefeinfluss und wechselhaftes Wetter dominieren.
Diese deutlich variierenden Modelllösungen setzen sich natürlich auch in der
erweiterten Mittelfrist fort.

Fazit: Die Wetterentwicklung im Mittelfristzeitraum zeigt große Unsicherheiten,
die sich zum einen in großen Unsicherheiten bzgl. der Niederschläge und deren
Schwerpunkte und sich ab Wochenbeginn auch zunehmend in der Temperaturprognose
niederschlagen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bei der Betrachtung anderer Globalmodelle, namentlich GFS und ICON, zeigt sich
vom Prinzip her eine sehr ähnliche Struktur. Allerdings ist das Trog-Keil-Muster
beim GFS etwas nach Norden, beim ICON etwas nach Osten verschoben. Damit geht
mit Blick auf das GFS ein etwas höheres Temperaturniveau einher. Hinsichtlich
der ICON-Lösung zeigt sich ein früherer Einfluss des Höhentiefs auf die
westlichen Landesteile, da dieses eben etwas weiter östlich gerechnet wird und
daher bereits im Laufe des Sonntags mit Schauern und Gewitter von West/Südwest
gerechnet werden müsste.
Erstaunlich ist diese relative Einigkeit hinsichtlich der Tatsache, dass ja IFS
selbst eine eher schlechte Konsistenz aufweist, das GFS aber bereits gestern
eine dem aktuellen IFS-Lauf sehr ähnelnde Lösung zeigte…

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS-EPS liefert für den ersten Vorhersagezeitraum (+72
bis +96 h, also Freitag) 5 Cluster mit 18, 10, 9, 9 und 5 Membern. Sowohl der
Haupt- als auch der Kontrolllauf werden dem am stärksten Besetzten Cluster 1
zugeordnet. Die anderen Cluster behandeln die Trogkonstruktion etwas anders
(andere Intensität (weniger/mehr) des Höhentief bei den Britischen Inseln, gar
kein Höhentief, sondern relativ markante Austrogung direkt über Deutschland).
Allen gemein ist aber die leicht antizyklonale Tendenz
(Hoch-/Zwischenhocheinfluss) von Westen her und der noch eher zyklonal geprägten
Osthälfte. Im Folgezeitraum von Sonntag und Montag (+120 bis +168 h) werden 6
Cluster mit 15, 11, 9, 9, 4 und 3 Membern gezeigt. Alle werden eigentlich dem
Blocking-Regime zugeordnet, das allerdings über Osteuropa liegt. Haupt- und
Kontrolllauf werden Cluster 1 zugeordnet. Im Vergleich zu Cluster 1 mit dem
Hauptlauf verlagert sich das Höhentief, so es dies denn gibt, progressiver und
eher nach Süd/Südost denn nach Osten wie im Hauptlauf. In einigen dieser
Varianten wäre der Einfluss des Höhentief auf Deutschland dann wohl geringer und
die wiederauflebenden Schauer/Gewitter zu Wochenbeginn würden vielleicht etwas
geringer in ihrer Ausdehnung und Intensität ausfallen. Wirklich markante andere
Entwicklungen sind aber nicht zu entdecken.
Für die erweiterte Mittelfrist deutet sich mittels 2 Cluster (34 und 17 Member,
Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1) die Abschwächung/Auflösung des Höhentiefs
bzw. die Verschiebung des Trog-Keilmusters nah Osten an, die zum Ende der
kommenden Woche in der Aufwölbung eines Keils über Mitteleuropa mündet. Mal
schauen…

Die Rauchfahnen ausgewählter Städte in Deutschland zeigen ein
Niederschlagsminimum am Wochenende, dies entspricht der avisierten leichten
Wetterberuhigung. Ansonsten sind die Rauchfahnen bzgl. Temperatur in 850 hPa und
Geopotenzial in 500 hPa bereits zu Beginn der Mittelfrist und zunehmend im
weiteren Verlauf recht breit gefächert. Zwar ordnen sich Haupt- und Kontrolllauf
entweder im Bereich der Mehrzahl der Modelllösungen ein bzw. im Verlauf dann
eher im Bereich des Medians, aber insgesamt deuten sich große Unsicherheiten an.
Es gibt eine Vielzahl von Membern mit deutlich abweichenden Lösungen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER/STARKREGEN, teils UNWETTER:
Am Freitag im Süden und Osten (noch etwas erhöhte EFI-Cape), am Samstag vor
allem im Osten und im Alpenraum örtlich kräftige Gewitter mit Starkregen, lokal
Unwetter. Vor allem Freitag gebietsweise auch mehrstündiger Starkregen möglich
(EFI-Signale vom Saarland-Schwarzwald bis nach Thüringen-Sachsen-Nordbayern,
EPS-Signale von IFS und vor allem Cosmo-LEPS). Am Samstag auch im Nordwesten
einzelne, voraussichtlich aber nicht ganz so kräftige Gewitter. Nach
Gewitterminimum am Sonntag, geringe Gewitterwahrscheinlichkeit am ehesten im
Alpenraum, im Laufe des Montags von Südwesten wieder zunehmendes Gewitterrisiko.
Erneut Starkregen das Hauptkriterium für Unwetterpotenzial.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, IFS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger