#DWD -> SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Donnerstag, den 17.06.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.06.2021 um 10.30 UTC

Anfangs heiß und schwere Gewitter, ab Dienstag von Westen her Wetterberuhigung
und leichte Abkühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 24.06.2021

Am Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums, am Sonntag, wird der Trog vor
der Iberischen Halbinsel durch ein Höhentief, das vom mittleren Atlantik nach
Osten vorstößt, regeneriert. Der Trog greift auf die Iberischen Halbinsel und
Westfrankreich über, wobei das regenerierende Höhentief am Abend am westlichen
Kanaleingang liegt. Für die Strömung bei uns bedeutet das, dass sie zunehmend
auf Süd dreht und damit starke WLA auf Deutschland übergreift. Dadurch steigt
die T850 im Osten teilweise über 20 Grad. Am Boden greift in der zweiten
Tageshälfte die Kaltfront eines Tiefs über dem Kanal auf Deutschland über.
Vorderseitig ist auch die Entstehung einer Konvergenzlinie möglich. Die Folge
sind in der zweiten Tageshälfte in der Westhälfte schwere Gewitter mit
Starkregen und Sturmböen, sowie auch Hagel auftreten werden. Im Osten ist die
Strömung noch leicht antizyklonal konturiert, sodass erst in der Nacht zum
Montag die Gewitter auf den Osten übergreifen können. Die Tageshöchstwerte
überscheiten außer im Nordwesten überall die 30 Grad. Vor allem im Osten ist bei
Höchstwerten über 35 Grad auch mit einer starken Wärmebelastung zu rechnen.

Am Montag kommt der Trog nur langsam weiter östlich voran. Die Front inklusive
möglicher Konvergenz erreicht den Osten und daher verlagert sich der Schwerpunkt
der Gewittertätigkeit in die Mitte und den Osten. Wie am Vortag muss erneut
aufgrund der günstigen Randbedingungen (hohe CAPE und PPW Werte, sowie Scherung)
mit schweren Gewittern gerechnet werden. Wahrscheinlich steht aber aufgrund der
langsamen Verlagerung vor allem der Starkregen im Fokus.

Am Dienstag erreicht der Trog den Westen Deutschlands und vorderseitig davon
eine weitere Kaltfront. Dadurch wird etwas kühlere Luft (T850 < 10° C) in
unseren Vorhersagebereich geführt. Das Wetter gestaltet sich wechselhaft mit
Schauern und auch Gewittern. Die Gewitter sind aber im Gegensatz zu den Vortagen
nicht mehr so heftig, sodass auch die Wahrscheinlichkeit für unwetterartige
Entwicklungen nachlässt. Die Höchsttemperaturen liegen noch verbreitet über 25
Grad.

Am Mittwoch schwenkt die Achse des Langwellentrogs in die Mitte Deutschlands. Im
Tagesverlauf schiebt sich im Bodendruckfeld ein Keil des Azorenhochs in den
Süden vor. Somit beruhigt sich dort im Tagesverlauf das Wetter. Vorher gibt es
dort und in der Mitte Deutschlands weitere Schauer und Gewitter.

Am Donnerstag schwenkt die Achse des Troges über den Osten hinweg in Richtung
Polen und danach deutet sich eine leichte antizyklonale Krümmung der
Höhenströmung an. Das stützt am Boden die Stärkung eines Hochs über den Alpen
und Süddeutschland und unterstützt damit die Wetterberuhigung. Lediglich im
Norden ist noch mit etwas Regen zu rechnen, weiterhin besteht in den Alpen noch
die Gefahr durch Gewitter, allerdings mit geringer Unwettergefahr.

In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag wird der Trog in seiner
Ostwärts-Verlagerung weiterhin blockiert. Außerdem erfolgt von Westen her eine
Regeneration des Troges durch ein Höhentief. Der neu entstandene Langwellentrog
weitet sich in Richtung Süden aus und daher dreht die Höhenströmung zunehmend
auf Süd. Korrespondierend dazu bildet sich über Westeuropa eine Tiefdruckrinne
in deren Bereich kräftiger Niederschlag simuliert wird. Bei uns ist davon
höchstens der äußerste Westen betroffen. Ansonsten ist es heiter bis wolkig mit
gelegentlichen Schauern, teilweise auch Gewittern und bei im Norden mäßig
warmen, sonst warmen Tageshöchsttemperaturen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Insgesamt gehen kann man die Konsistenz des aktuellen Laufs im Verglich zu den
Vorläufen als recht gut bezeichnen. Zwar gibt es von Seiten der Vorläufe
kurzfristig abweichende Lösungen, an der Grundstruktur der Entwicklung gibt es
aber weitgehend Konsens.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis Dienstag stimmen die Modelle recht gut überein. Am Dienstag lässt IFS ein
Bodentief über GB nach Nord wandern. Auch GFS folgt mehr oder weniger dieser
Entwicklung. ICON dagegen simuliert einen Cut-Off inklusive Bodentief über der
Biskaya. Diese Entwicklung ist relativ persistent und lässt sich bis zum Ende
der Vorhersagezeit verfolgen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalysen zeigen für Sonntag und Montag 6 Cluster, wobei der aktuelle
IFS Hauptlauf dem Cluster 1 zugeordnet wird. Ansonsten unterscheiden sich die
Cluster vor allem in der Konturierung des Troges über Westeuropa. Für den
Zeitraum Dienstag bis Donnerstag werden 3 Cluster gerechnet. Der IFS Lauf
befindet sich in Cluster 2, der einzige Cluster der die Regenerierung des Troges
durch ein Höhentief in die Westflanke simuliert. Bei Cluster 1 verbleibt die
Achse des Troges westlich von uns, bei Cluster 3 ist der Trog deutlich
abgeschwächt.

Für die erweiterte Mittelfrist werden 4 Cluster gerechnet, wobei 1, 2 und 4 die
Variante mit einem unterschiedlich konturierten Trog im Bereich West- und
Mitteleuropa vertreten, der Cluster 3 hingegen eine weitgehend antizyklonale
Lösung bei uns vorsieht.

Die ENS Meteogramme geben im Westen für Sonntag und Montag Signale für kräftige
konvektive Entwicklungen, danach schwächt sich die konvektive Aktivität ab um am
darauffolgenden Wochenende wieder zuzunehmen. In den Meteogrammen für
Ostdeutschland sind die stärksten Entwicklungen eher am Montag und Dienstag zu
erkennen.
Das Temperaturniveau befindet sich bis Dienstag deutlich über dem Mittel des
Modellklimas. Mittwoch und Donnerstag befindet sich die Temperaturen im Bereich
des Modellklimas und steigen am Wochenende wieder an. Dabei sind heiße Tage eher
die Ausnahme.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

EFI gibt am Sonntag im Westen Signale für Wind, daneben auch am Montag noch
Signale für Hitze. In den Folgetagen stehen laut EFI keine markanten Wind- oder
Niederschlagsereignisse auf der Karte.
Aufgrund der hohen prognostizierten CAPE und PPW Werte sowie Scherung ist vor
allem am Sonntag und Montag mit heftigen Gewittern zu rechnen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMix, EZMW-IFS, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Rolf Ullrich