#DWD -> SXEU31 DWAV 111800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Dienstag, den 15.06.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 151800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 15.06.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unter Hochdruckeinfluss zunächst meist sonnig und heiß. Im Verlauf der Woche von
Westen zunehmende Gewittergefahr mit erhöhtem Unwetterpotenzial. Im Nordosten
sehr hohe Waldbrandgefahr.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … erfasst die Kaltfront die Mitte und den Osten von Deutschland. Viel
Aktivität ist nicht zu erwarten, wie ja bereits in den vergangenen
Kurzfristvorhersagen erwähnt wurde. Mehr Feuchte in der Troposphäre sowie ein
Windsprung auf Nord bis Nordwest ist schon das höchste der Gefühle. Der
zeitweise im Radar erkennbare Niederschlag in Brandenburg verdunstet meist bis
zum Auftreffen am Boden, was sich durch einige Fallstreifen (Virga) in
Webcam-Bildern manifestiert. Einzelne Schauer erreichen aber dennoch den Boden
(z.B. Berlin-Tempelhof mit 0.3 l/qm/h um 12 UTC). Dennoch besteht in Sachsen und
Südbrandenburg am späten Nachmittag und Abend weiterhin ein sehr geringes
Restrisiko, dass mit der mehr oder weniger gut ausgeprägten Einstrahlung
ausreichend Labilität für einzelne Schauer aufgebaut werden kann und wenn alles
passt, dann kann auch ein kurzes Gewitter vor allem in Richtung Lausitz nicht
komplett ausgeschlossen werden. Das wird allerdings weiterhin nur von einer
Minderheit der Modelle gezeigt. Auch im zentralen Mittelgebirgsumfeld sind
einzelne Schauer möglich, wenngleich das aktuelle Satellitenbild (1330 UTC) nur
geringe Hoffnungen weckt, da Aufwindschlote recht schnell wieder verdunsten
(Einmischen trockener Umgebungsluft).

Abgesehen davon verläuft der Nachmittag und Abend im Süden neben einigen dünnen
Cirren meist sonnig und trocken und auch die postfrontale Kumulus-Bewölkung im
Norden hält sich meist in Grenzen und fällt nur in Schleswig-Holstein sowie im
Norden Niedersachsens kräftiger/ausgeprägter aus (bevor sie abends wieder in
sich zusammenfällt).
Die abendlichen Werte liegen postfrontal bei 17 bis 20 Grad (auf Inseln und
direkt an der Küste um 15 Grad), im Umfeld der Kaltfront über der Mitte und dem
Osten um 22 Grad und im Süden zwischen 23 und 28 Grad. Der Nordwind weht meist
schwach.

In der Nacht zum Mittwoch wölbt sich der nächste Keil über Mitteleuropa auf,
sodass einer wettertechnisch ruhigen Nacht nichts im Wege steht. Nach Abklingen
letzter/örtlicher Schauer über der Mitte und dem Osten ziehen noch teils dichte
Cirren vorüber (im Osten wohl Fortdauer des geringen Schauerrisikos bis weit in
die Nacht dank Restlabilität und Hebung entlang der Orografie bzw. entlang den
Resten der Kaltfront). Ansonsten verläuft die Nacht klar und trocken. Lokal
bilden sich einzelne Dunst- und Nebelfelder und die Tiefstwerte liegen im Norden
bei 10 bis 5 Grad und im Süden bei 16 bis 13 Grad (etwas frischer am Alpenrand).

Mittwoch … dominiert deutschlandweit der kräftige Höhenkeil mit einer weiteren
Zunahme der Schichtdicke und Temperaturwerten in 500 hPa um -10 Grad. Die
Troposphäre ist meist sehr trocken und stabil geschichtet, sodass neben
harmlosen Schleierwolken oder Haufenwolken meist die Sonne scheint. Die einzige
Ausnahme bildet der Mittelgebirgsraum ab der Mittagszeit sowie der Nordwesten ab
den Nachmittagsstunden. Hier liegt weiterhin die Restfeuchte der ehemaligen
Kaltfront, die sich im Tagesverlauf (oder bereits in der vorherigen Nacht)
auflöst bzw. aufgelöst hat. Allerdings deutet sich immer mehr an, dass sich die
feuchte Zone auf einen Bereich zwischen 700 und 800 hPa beschränkt und nach oben
zu von höhenmilder Luft gedeckelt wird. Daher fällt es schwer ein Schauerrisiko
zu erkennen, was mal wieder von GFS am aggressivsten gezeigt wird. Auf jeden
Fall besteht entlang der Orografie ein geringes Risiko und in diesem Streifen
verdecken auch noch zahlreiche Haufenwolken wenigstens zeitweise die Sonne. Im
Süden und Norden bleibt es hingegen freundlich oder sonnig und trocken.

Die 850 hPa Temperaturwerten liegen zwischen 12 bis 18 Grad (von Nord nach Süd),
was Höchstwerte im gesamten Südwesten/Westen und der Mitte von schweißtreibenden
29 bis örtlich 34 Grad bedeutet. Im Süden und Osten bleibt es mit 26 bis 29 Grad
nur geringfügig weniger warm, genauso wie in der Norddeutschen Tiefebene.
Interessant wird die Temperaturvorhersage im äußersten Norden und da besonders
entlang der Küsten. Tagsüber liegt das Bodenhoch noch recht nahe über der
südlichen Ostsee/Nordpolen und wandert bis zum Abend unter Abschwächung je nach
Modell in die Region zwischen der Bucht von Riga und Kaliningrad. Diese Lage der
Antizyklone sorgt für eine schwache südöstliche Windkomponente, sodass meist
ablandiger Wind weht. Wo sich jedoch der Seewind durchsetzen kann wird deutlich
frischere Meeresluft an Land geführt, sodass die Höchstwerte hier auf engstem
Raum zwischen 17 und 26 Grad liegen können. Nimmt man die Mittags- bzw. frühe
Nachmittagszeit, dann weht der Wind z.B. im Umfeld von Rostock mit Bft 2-3
ablandig bei einem regionalen Temperaturgradienten von 7 bis 9 Kelvin zwischen
Wasser und Land, was einer Wahrscheinlichkeit von 40 bis 60% für das Auftreten
des Seewindes entspricht. ICON-D2 stützt dies mit teils 9K Temperaturdifferenz
auf wenigen Kilometern im Umfeld der Küste.
Ansonsten weht der Wind deutschlandweit schwach aus Südost, im Westen zunehmend
aus Süd.

In der Nacht zum Donnerstag wandern der Keil und das Bodenhoch noch geringfügig
nach Osten. Zwar sickert von Frankreich im Verlauf der Nacht eine immer
feuchtere Luftmasse in den Westen Deutschlands (PPWs um 30 mm), doch sollte noch
alles gedeckelt bleiben. Wachsam sollte man dennoch nach Westen schauen, was
sich tagsüber und in der Nacht über Frankreich entwickelt. Diese Konvektion
könnte ohne Weiteres bis in den Grenzbereich zu Deutschland driften. Solch ein
Szenario wird aber noch nicht einmal von GFS gestützt, sodass die Nacht aus
heutiger Sicht komplett trocken verlaufen sollte. Mit Einsickern der feuchten
Luftmasse in den Westen kühlt es hier nur noch auf Tiefstwerte von 19 bis 16
Grad ab, in einigen Ballungsräumen Westdeutschlands reicht es wohl für die erste
Tropennacht. Ansonsten gehen die Werte auf 17 bis 11 Grad zurück, wobei
besonders in Bayern nochmal gut durchgelüftet werden kann.

Donnerstag … wandert der Schwerpunkt der Höhen- und Bodenantizyklone noch
weiter nach Osten und liegt über Osteuropa. Grundsätzlich bleibt die
Höhenströmung in weiten Bereichen Deutschlands antizyklonal geprägt und weist
erst nachmittags/abends im äußersten Westen leicht zyklonal geprägte Konturen
auf.
Daher scheint besonders von der Ostsee bis zum bayerischen Alpenrand die Sonne
von einem meist wolkenlosen Himmel, während im Westen wenigstens zeitweise
ausgedehnte Wolkenfelder durchziehen (Reste der nächtlichen Aktivität über
Frankreich/Benelux). Auch hier gilt das Achtungszeichen, dass bis in den
Vormittag Reste französischer Konvektion in Form absterbender Konvektionscluster
dem Westen regional einzelne Gewitter/Schauer bringen können, die der aktuell
angedachten trockenen Vorhersage für die Vormittagsstunden einen Strich durch
die Rechnung machen würden. Dem Tagesgang folgend sollte diese Konvektion
(sollte sie auftreten) jedoch erst einmal abklingen.

Etwas mehr Spannung baut sich im Tagesverlauf im gesamten Westen/Südwesten auf.
Die vergleichsweise trocken aus der Antizyklone auslaufende Luftmasse (östliche
bis südöstliche niedertroposphärische Strömung) trifft im Westen auf südliche
bis südwestliche Bodenwinde, was sich in einer Nord-Süd ausgerichteten
Konfluenzzone äußert (Feuchteflusskonvergenz). Etwas mächtigere niedertrop.
Feuchteakkumulation sowie die Advektion einer abgehobenen nordafrikanischen
Mischungsschicht ermöglichen den Aufbau von 800 bis 1500 J/kg MLCAPE, lokal auch
etwas mehr und das bei 5 bis 10 m/hochreichender Scherung.
Die Hebung ist das größte Manko, denn aktuell ist kein richtiger
synoptisch-skaliger Mechanismus auszumachen. Angedeutete Kurzwellen/IPV Maxima
könnten Relikte von Konvektionsereignissen über Frankreich sein, wenngleich
mehrere solcher Impulse wiederholt in variabler Lage/Intensität gezeigt werden.
Tageszeitliche Einstrahlung, Orografie, die Feuchteflusskonvergenz
(niedertroposphärisch) sowie die möglichen synoptischen Wellen sind alle Foki
für einzelne, teils heftige Schauer und Gewitter, die im Tagesverlauf regional
gar zu kleinen Clustern zusammenwachsen können (z.B. Umfeld der
Alb/Schwarzwald). Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Hagel und Starkregen
(markant bis unwetterartig bei PPWs zwischen 30 und über 40 mm!).
Im äußersten Nordwesten (Westen Niedersachsens) dürfte die Nähe zur Frontalzone
die hochreichende Scherung auf bis zu 15 m/s ansteigen lassen, sodass hier neben
Multizellen auch einzelne Superzellen nicht ausgeschlossen sind. Hagel und
Sturmböen sowie Starkregen sind die Begleiterscheinungen dieser Konvektion
(markant bis unwetterartig).

Die Höchstwerte legen dank nochmals zunehmender Schichtdicke noch weiter zu und
liegen deutschlandweit bei 29 bis 35 Grad. Dank ablandiger Windkomponente
schließt das z.B. auch Schleswig-Holstein mit ein. Einzig im Küstenumfeld bleibt
es etwas frischer und sollte der Luftdruck im Westen Niedersachsens nachmittags
wirklich so stark fallen wie von ICON angedacht, dann könnte von der Deutschen
Bucht frischere Meeresluft im Nachmittagsverlauf landeinwärts vorankommen und
die Temperatur auf teils unter 25 Grad drücken.

Der Wind weht im Osten schwach aus Südost, sonst aus Südwest mit keinen
nennenswerten Böen abseits der Konvektion.

In der Nacht zum Freitag liegt der Fokus klar im Südwesten und Westen, denn hier
könnten nun größere Gewittercluster nach Deutschland reinlaufen, die sich im
Jura/entlang der Vogesen und in Frankreich tagsüber gebildet haben. Dank der
nächtlichen Ausstrahlung nimmt zwar die bodengebundene Labilität ab, doch bei
PPWs von 35 bis 45 mm und mäßigen lapse rates in der Höhe bleibt die abgehobene
Labilität mit MUCAPE-Werten von mehr als 1000 J/kg bis weit in die Nacht
bestehen.
Mit Annäherung eines kräftigeren Randtroges von Südfrankreich in den Pariser
Raum ist die Clusteraktivität recht plausibel, die bei der Labilität auch noch
lange (die gesamte Nacht über?) überleben dürfte.
Daher besteht vom Schwarzwald über das Saarland/Rheinland-Pfalz bis nach NRW die
Nacht über das Risiko für heftige Schauer/Gewitter mit Starkregen, Hagel und
Sturmböen. Besonders der Regen kann bei Zellinteraktionen bzw.- Verclusterung
lokal als „Unwetter extrem“ ausfallen! Inwieweit sich die Aktivität nach Osten
ausweitet muss abgewartet werden, allerdings trocknet die Luftmasse östlich von
Hessen soweit ab, dass dort die Wahrscheinlichkeiten sukzessive nachlassen.

Im gesamten Osten bleibt es klar und trocken.

Die Tiefstwerte liegen zwischen 19 und 15 Grad, mit etwas geringeren Werten in
Bayern und etwas höheren (tropischen) Werten im Westen und vereinzelt in
Ballungsräumen des Nordens/Nordostens.

Freitag … wird hier noch recht allgemein gehalten, da vieles von der
Konvektionsaktivität der vorherigen Nacht abhängt. Die Höhenantizyklone
verbleibt weiter im baltischen Raum, während das Bodenhoch nach Westrussland
weiterwandert. Somit kann sich eine umfangreiche Bodentiefdruckrinne von
Frankreich/Benelux immer weiter nach Deutschland voran arbeiten.
Sehr instabil geschichtete Luftmassen mit PPWs von 35 bis 45 mm erfassen weite
Bereiche Deutschlands – davon ausgenommen der Osten.
Somit beginnt der Tag im Westen sicherlich mit kräftigen Schauern/Gewittern aus
der Nacht, die sich vorübergehend abschwächen, um dann im Tagesverlauf wieder an
Intensität zuzulegen und dann auch den Süden erfassen. Die hochreichende
Scherung liegt im Nordwesten bei rund 15 m/s, nach Süden zu bei 4 bis 10 m/s.
Dank 1000 bis 2000 J/kg MUCAPE können sich intensive Aufwinde entwickeln, die
großen Hagel, Starkregen und Sturmböen mit sich bringen. Es besteht erhöhte
Unwettergefahr!

Besonders im Nordosten ist davon nichts zu merken und dort wirkt sich zunehmend
der Einfluss der trockenen Böden auf die Temperaturvorhersage aus, denn es
reagiert auch die Überadiabate am Boden, sodass dort Spitzenwerte von 36 oder 37
Grad durchaus denkbar sind. Ansonsten liegen die Höchstwerte je nach
Gewitteraktivität bei schweiß-treibenden 28 bis 33 Grad. Abseits der
Gewitterböen weht der Wind nur schwach aus Südost, im Westen aus Süden.

Im gesamten Nordosten herrscht am Mittwoch regional, ab Donnerstag verbreitet
sehr hohe Waldbrandgefahr. Allgemein wird auch mit einer immer weiter
zunehmenden starken Wärmebelastung in weiten Bereichen Deutschlands zu rechnen
sein.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Numerik erfasst die allgemeinen synoptischen Komponenten weiterhin sehr gut
(auch von Lauf zu Lauf). Die große Frage bleibt, wie Konvektionscluster in das
Wettergeschehen eingreifen und wo/wann Kurzwellen für die Entwicklung möglicher
Konvektionsschwerpunkte sorgen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy