#DWD -> SXEU31 DWAV 091800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Mittwoch, den 09.06.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 091800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 09.06.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Über der Mitte und dem Süden Schauer und Gewitter mit Unwettergefahr durch
heftigen Starkregen. Langsam in den Süden zurückweichend.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … liegen wir am Rand eines Höhenrückens über Westeuropa und der
Nordsee unter einer schwachen nördlichen Höhenströmung. Dazu gehört auch eine
Hochdruckzone im Bodendruckfeld, die sich vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa
erstreckt. Sowohl am Boden als auch in der Höhe sind die Gradienten
ausgesprochen dürftig und an der Verteilung der Luftmassen ändert sich vorerst
nicht viel.

Im Westen, Norden und Nordosten liegt eine trockenwarme und meist stabile
Luftmasse, während ansonsten schwülwarme und leicht instabile Luft anzutreffen
ist, in der sich Schauer und Gewitter gebildet haben, die bei fehlender Dynamik
vor allem von teils sehr heftigem Starkregen begleitet sind.
Insgesamt findet eine leichte Südverlagerung der Hochdruckzone statt, womit die
Luftmasse von Nordwesten her etwas stabilisiert. Die Schauer und Gewitter
klingen zunächst mal dem Tagesgang folgend ab, was aber über dem
Südosten länger dauern kann, eventuell bis in die zweite Nachthälfte, wobei sie
dann aber in teils nicht gewittrigen Starkregen übergehen können. Dieser besitzt
aber immer noch (vereinzelt) Unwetterpotential.

In den übrigen Gebieten lockern die Wolken teils stärker auf, wegen des
vorangegangenen Regens kann sich teils dichter Nebel bilden. Die Tiefstwerte
liegen meist zwischen 16 und 11 Grad, im Westen und Norden bei geringer
Bewölkung und trockener Luft teils auch etwas unter 10°C.

Donnerstag … kommt die Achse des Höhenrückens von der Nordsee her nur wenig
nach Südosten voran, wobei er sich, infolge kräftiger Warmluftadvektion auf der
Vorderseite eines Troges stromauf, kräftigt und über Skandinavien nach Nordosten
ausdehnt. Deutschland liegt unter seiner Vorderseite unter einer flauen
nördlichen Höhenströmung. Die Bodenhochdruckzone schwächelt derweil, ist aber
trotz zusehends diffuser Struktur auch im Tagesverlauf über der Mitte und
Norddeutschland erkennbar.
Die trockenere Luft breitet sich über der Mitte etwas weiter südwärts aus und
auch da, wo sich die insgesamt feuchtere Luft hält, nimmt die Feuchte durch
Einmischen etwas trocknerer Luft ab und es stabilisiert etwas. Dafür breitet
sich die feuchtere Luft über der Mitte zur Elbe hin nach Osten aus.

Dies macht sich zunächst mal auch in den Sonnenscheinstunden bemerkbar. Vom
Oberrhein über Westerwald und Eifel bis zur Nordsee gibt es ohnehin nur wenige
Wolken, etwas größere Sonnenanteile als zuletzt werden im Südosten erwartet,
etwas weniger Richtung Ostsachsen und Lausitz.

Im den Regionen mit anhaltender Einstrahlung steigt die Temperatur auf bis zu
28°C, ansonsten stehen meist 21 bis 27°C auf der Karte, was mehr oder weniger
deutlich über den Auslösetemperaturen liegt.

Dabei werden wieder ML Cape Werte zwischen 500 und 1000 J/kg generiert bei einem
Wassergehalt um 25 mm PPW. Insgesamt also etwas weniger günstige
Entwicklungsbedingungen als an den Vortagen. Dennoch bilden sich im Tagesverlauf
wieder Schauer und Gewitter, lokal auch wieder Unwetter vor allem durch heftigen
Starkregen mit Mengen um 30 l/qm. Auch extreme Unwetter sind nicht
ausgeschlossen, die Wahrscheinlichkeit für deren Auftreten ist aber geringer als
beispielsweise noch am Mittwoch.

Bei den weiteren Begleiterscheinungen ist kleinerer Hagel zu nennen und
stürmische Böen, Sturmböen bleiben die Ausnahme.

In der Nacht zum Freitag ändert sich nicht viel an der synoptischen Lage. Die
Gewitter lassen nach, über der Südhälfte bildet sich bei Tiefstwerten zwischen
15 und 8°C gebietsweise Nebel. Im Südosten kann das Abklingen der Gewitter durch
einen Kurzwellentrog verzögert werden, eventuell lebt die Schauerneigung dort im
Laufe der Nacht auch wieder etwas auf.

Freitag … setzt sich die Frontalzone über Nordeuropa nach Osten durch, was den
Höhenrücken unter Abflachung über Deutschland nach Süden drückt. Damit weicht
auch die Bodenhochdruckzone nach Süden aus und die Strömung dreht bei uns im
Norden auf westliche, sonst auf nördliche bis nordwestliche Richtungen.

In der Frontalzone nach Osten ziehende Tiefausläufer streifen dabei in
abgeschwächter Form den Norden, tagsüber mit etwas Bewölkung, in der Nacht zum
Samstag im Norden auch mit leichten Regenfällen. Der westliche Wind lebt zwar
etwas auf, dürfte aber auch an der See noch unter den Warnschwellen bleiben.
Im Bereich der Hochdruckzone setzt sich die trockenere und stabile Luft nach
Süden durch und entsprechend steht in weiten Landesteilen ein freundlicher,
teils sonniger und meist niederschlagsfreier Tag an.

Die Grenze zu den Resten der labilen Luft liegt irgendwo zwischen Main und
Donau, sodass davon ausgehend weiter südwärts erneut einzelne Gewitter zu
erwarten sind. Da sich an den Rahmenbedingungen in der gewitterträchtigen Luft
nicht viel ändert, sind auch Unwetter durch teils extrem heftigen Starkregen
wohl weiter nicht ganz auszuschließen.

Die Höchstwerte liegen meist bei 24 bis 29 Grad, ganz im Norden und im Südosten
eher etwas darunter.

In der Nacht zum Samstag lassen die Gewitter im Süden wieder nach, örtlich
bildet sich Nebel. Über der Mitte tut sich nicht viel und der Norden wurde schon
erwähnt.

Samstag … schwenkt ein neuer Höhenrücken über die Britischen Inseln nach
Osten, was dort ein Bodenhochdruckgebiet stützt auf dessen Ostflanke die
Strömung generell bei uns nach Nordwest dreht.
Damit können die Ausläufer eines Tiefdruckkomplexes über Skandinavien auf den
Norden übergreifen und in der Folge weiter nach Südosten schwenken. Sie führen
mit einer deutlichen Gradientzunahme etwas frischere Meeresluft in den Norden
und Osten.

Über der Südwesthälfte bekommt man davon wenig mit, hier überwiegt
antizyklonaler Einfluss mit Absinken, wobei in warmer Luft häufig die Sonne
scheint. Die Temperaturen steigen meist auf sommerliche 24 bis 28 Grad.

Über der Nordosthälfte zieht stärkere Bewölkung durch und zeitweise fällt teils
schauerartiger Regen, wobei nach Passage der Tiefausläufer die Bewölkung von den
Küsten her wieder stärker auflockern dürfte.
Der West- später Nordwestwind frischt auf mit steifen Böen im Binnenland und
einzelnen stürmische Böen an den Küsten und im äußersten Nordosten.

Die Temperaturen steigen meist auf 20 bis 24°C, an den Küsten und etwas
landeinwärts werden die 20 Grad wohl nicht mehr erreicht.

Modellvergleich und -einschätzung

Die synoptischen Strukturen werden jeweils recht ähnlich simuliert, sodass im
Großen und Ganzen der Fahrplan steht. Unterschiede ergeben sich bei den
konvektiven Niederschlägen, was aber vorab auch nicht geklärt werden kann.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner