#DWD -> SXEU31 DWAV 051800 SYNOPTISCHE UEBERSICHT KURZFRIST ausgegeben am Samstag, den 05.06.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 05.06.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Am Sonntag und Montag zwar weitere Gewitter mit lokaler Unwettergefahr durch
Starkregen, von Anzahl und Fläche aber abnehmende Tendenz.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … zeigt das Geopotenzial über uns und unmittelbarer Nachbarschaft eine
Art „High-over-Low-Muster“ des kleinen Mannes. Okay, man braucht schon eine hohe
Auflösung der Isohypsen (am besten 1:1 gpdam), um überhaupt was zu erkennen.
Wenn man das tut, findet man über dem Vorhersageraum einen bis nach
Südskandinavien reichenden Höhenrücken („High“), der von einem abgetropften
Höhentief über dem Alpenraum unterminiert wird („Low“). Während das Tief bis
Sonntagmorgen ganz gemütlich die Schweiz ostwärts überquert, wird der Rücken von
Südwesten her regeneriert. Klingt spannend, ist es sicherlich auch, allerdings
darf nicht vergessen werden, dass das Ganze bei sehr geringem
Potenzialgradienten und somit auch extrem schlaffer Höhenströmung stattfindet.
Oder mit anderen Worten, viel Dynamik ist aus dieser Konstellation nicht
rauszuholen, so dass der Tagesgang das Maß der Dinge bleibt.

Dieser hat uns heute ja einmal mehr ordentlich auf Trab gehalten, insbesondere,
aber nicht ausschließlich in einem von Niedersachen bis in den Südosten
verlaufenden Korridor, wo sich zahlreiche Gewitter(cluster) bis in den (lokal
extremen) Unwetterbereich wegen Starkregen entwickelten. Die räumliche
Verteilung kommt übrigens nicht von ungefähr und ist nicht allein dem Tagesgang
geschuldet. PETER heißt der Übeltäter, ein flaues Tief der Marke „Rinne“ mit
ausgeprägter Windkonvergenz, in der sich sehr feuchte und labil geschichtete
Subtropikluft befindet und in der nebst unmittelbarer Peripherie die stärkste
konvektive Aktivität gemessen werden konnte. Östlich davon wurde und wird
deutlich trockenere Warmluft advehiert, in der tagsüber verbreitet die Sonne
schien bei bis zu 28/29°C. Und auch die weiter west-südwestlich einströmende,
nicht mehr ganz so warme (T850 8 bis 10°C) Meeresluft taugt nur noch bedingt für
konvektive Umlagerungen, da sie zum einen weniger feucht, zum anderen stabiler
ist als die Luftmasse im Konvergenzbereich.

In den nächsten Stunden nimmt die Gewitterneigung sukzessive ab, was aber nicht
ausschließt, dass es nicht auch noch in der zweiten Nachthälfte oder am frühen
Morgen hier und da mal blitzt (Labilisierung an Wolkenobergrenze). Ansonsten
muss in dem neuralgischen Streifen vom Ostteil der Deutschen Bucht bzw. SH bis
hinunter nach Westsachsen und Südostbayern noch mit Schauern respektive
schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, die z.T. das Starkregenkriterium
(markant, anfangs lokal vielleicht auch WU) reißen. Auch westlich des besagten
Streifens kommt es vornehmlich in Süddeutschland (restliches Bayern, BW) noch zu
überwiegend nicht gewittrigen Regenfällen, die auf die Wirkung des o.e.
Höhentiefs zurückgehen. Im Westen und Nordosten bleibt es hingegen trocken mit
dem Unterschied, dass im Nordosten häufig die Sterne zu sehen sind, während es
weiter westlich meist wolkenverhangen bleibt.

Sonntag … regeneriert sich der Rücken über Deutschland weiter, während das
kleine Höhentief den Tag weitgehend bei unseren österreichischen Nachbarn
verbringt. Am Boden beginnt der Luftdruck von Westen her zu steigen, was uns an
den Rand einer vom Azorenhoch bis nach Westeuropa reichenden Hochdruckzone
(XENIA) bringt. Die Rinne PETER wird dadurch etwas weiter in den Osten gedrängt,
wobei sie gewisse Konturverluste hinnehmen muss. Fast wichtiger als das ist
allerdings die Tatsache, dass von Osten her weiterhin stabilere und deutlich
trockenere Luftmassen die Expansionsgelüste der „Gewitterluft“ innerhalb und
knapp hinter der Rinne erfolgreich blocken und durch kontinuierliches
Entrainment sogar eine gewisse Abtrocknung bewirken. Berücksichtigt man nun
noch, dass auch die Labilität weiter abnimmt, versteht man spätestens jetzt,
warum es am morgigen Sonntag sowohl von der Fläche als auch von der Anzahl
konvektiver Umlagerungen nicht mehr so leicht von der Hand geht wie das heute
oder gestern noch der Fall war.

Man könnte auch sagen, dass die Zone potenzieller Gewitter immer mehr in die
Zange genommen wird, weil nicht nur von Osten dagegengehalten wird, sondern auch
im Westen durch weit nach Süden einströmende kühlere und wolkenreiche
Nordseeluft die Unlust zu unorganisierter Sumpfkonvektion klar und deutlich zum
Ausdruck gebracht wird. Was bleibt ist ein Areal, das etwa von Bayern und dem
Ostrand BWs bis nach Thüringen/Westsachsen und – mit geringerer
Wahrscheinlichkeit – hoch bis nach ST und das östliche Niedersachsen reicht, in
dem sich erneut – sei es orografisch, sei es durch schwache Windkonvergenzen –
einzelne Gewitter entwickeln. Dabei steht aufgrund geringer
Verlagerungsgeschwindigkeit erneut Starkregen (PPWs immer noch zwischen 30 und
35 mm) ganz weit oben auf der Agenda potenzieller Begleiterscheinungen, wobei
örtlich auch wieder Unwetter am Start sein können. Trotzdem, für eine Vorabinfo
nach dem Vorbild von gestern und heute reicht das nicht mehr aus.

Und sonst so? – Während von Ostsachsen hoch bis zur Ostsee verbreitet die Sonne
scheint bei 24 bis 28°C (unmittelbar an der See durch vorwiegend auflandigen
Wind etwas weniger warm), bleibt die die Wolkendecke im großen Rest des Landes
weitgehend geschlossen. Im äußersten Norden (vor allem SH) regnet es ebenso
zeitweise wie in BW, sonst bleibt es meist trocken. Mit 18 bis 24°C, in den
Mittelgebirgen noch etwas darunter, schlägt die Temperatur eher moderate Töne
an.

In der Nacht zum Montag schleppt sich das kleine, aber zähe Höhentief von
Österreich ins Dreiländereck CH-A-D, von wo aus es in Süddeutschland gegen den
Tagesgang für leichte Hebungsprozesse und schauerartige, teils bis in die Mitte
ausgreifende Regenfälle sorgt. Gewitter sind zunächst auch noch mit von der
Partie, sollten im Verlauf aber mehr und mehr ihre Präsenzberechtigung
verlieren. Weiter im Norden und Nordwesten bleibt die Wolkendecke weiterhin
geschlossen, ein paar Tropfen fallen aber nur sporadisch. Dagegen klart es
zwischen Erzgebirge und Ostsee erneut auf, wobei sich im Grenzbereich zur
feuchteren Luft weiter westlich flache Nebelfelder bilden können.

Montag … startet zwar eine neue Woche, in puncto Wind und Strömung fällt der
Atmosphäre aber nicht viel Neues ein. Die Potenzial- und Druckgegensätze bleiben
extrem flau, wobei weite Teile des Landes weiterhin unter dem flachen Rücken
verbleiben. Derweil steuert das kleine Höhentief entlang der deutsch-schweizer
Grenze nach Westen, wobei es zusehend um seine Existenz kämpfen muss.

Während man also in der mittleren und oberen Troposphäre noch einigermaßen
Strukturen detektieren kann, fällt das im bodennahen Bereich zusehends schwerer.
Weder die o.e. Hochdruckzone XENIA noch die ehemalige Rinne (das PETERLE) sind
in der Lage, ein einigermaßen taugliches Muster auf die Wetterkarten zu
projizieren. Am Ende bleibt eine unmotivierte 1020-hPa-Isobare über Deutschland
übrig, die am Mittag leicht wellend den Vorhersageraum in eine Nordwest- und
Südosthälfte teilt.

Ansonsten lässt sich konstatieren, dass die Labilität der zunehmend alternden
Luftmasse wieder etwas zunimmt, während die gesamttroposphärische Feuchte eher
abnimmt. Davon ausgenommen bleiben die Regionen zwischen Erzgebirge und Ostsee,
wo auch die neue Woche trocken, sonnenscheinreich und warm (24 bis 29°C, an der
See etwas darunter) beginnt. In den übrigen Regionen verläuft der Tag
unbeständiger, weniger warm (17 bis 24°C) und ungleich wolkenreicher mit
schauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern, die sich von Süddeutschland
über die Mitte bis in den Westen erstrecken. Bei den Gewittern besteht lokale
Unwettergefahr durch Starkregen. Inwieweit einzelne Schauer oder Gewitter auch
noch weiter in den Norden und Nordwesten ausgreifen, steht noch nicht fest.
Externe Modelle sind diesbezüglich etwas progressiver als ICON.

In der Nacht zum Dienstag kommen die Reste des vormaligen kleinen Höhentiefs als
Randtrog zurück, gepusht von einem weiteren, von UK nach Benelux schenkenden
KW-Trog. Der Süden und Westen bekommen dadurch ein zyklonaleres Setup verpasst
bei freilich immer noch schwachen Höhenwinden. Es reicht aber aus, um auch
nachts schauerartige Regenfälle und Gewitter zu initiieren, wobei hinsichtlich
Intensität und genauer räumlicher Verteilung noch gewisse Modellunterschiede
vorliegen. Was man aber ohne großes Risiko sagen kann, im Osten und Nordosten
bleibt es weiterhin trocken – modellübergreifend.

Dienstag … kommen die beiden o.e. Tröge bzw. Trogreste noch etwas nach Osten
voran. Anhand der IPV-Verteilung lässt sich eine Art wohldefinierter Trogachse
ableiten, auf deren unmittelbarer Vorderseite durch schwache PVA ein schmales,
meridional von Süd nach Nord exponiertes Band mit etwas Hebung generiert wird.
Dieses scheint mit Unterstützung des Tagesgangs und potenzieller
Windkonvergenzen (die derzeit noch sehr unterschiedlich simuliert werden)
auszureichen, um in einem breiten Streifen schauerartige Regenfälle und teils
kräftige Gewitter auszulösen, die beim Starkregen einmal mehr das
Unwetterkriterium reißen können. Auch mehrstündiger Starkregen muss ins Kalkül
gezogen werden. Für Details, auch hinsichtlich von Überlappungen bei der
Zutatenmethode, ist es definitiv noch zu früh.

Fakt ist, dass es im äußersten Osten und Nordosten trocken und warm (bis zu
28/29°C) bleibt, auch wenn GFS die Schauer- und Gewitterzone recht progressiv
simuliert. Im äußersten Westen und Nordwesten besteht ebenfalls die Chance für
auflockernde Bewölkung ohne Niederschlag, das Ganze aber auf niedrigerem
Temperaturniveau (20 bis 23°C)

Modellvergleich und -einschätzung

Das Hauptproblem bei vergleichsweise strukturarmen Wetterlagen wie wir sie
aktuell haben sind die Niederschlags- und Gewitterprognosen. Dabei haben die
EPS-Verfahren wie z.B. ICON-D2-EPS in den vergangenen Tagen und auch heute keine
schlechte Vorarbeit geleistet. Der Feinschliff erfolgt freilich nach wie vor im
Nowcasting mit vergleichsweise geringen Vorlaufzeiten, was sich auch in den
nächsten Tagen nicht ändern wird. Es ist aber erkennbar, dass die
Gewitteraktivität zumindest in den nächsten beiden Tagen trotz zunehmender
Prognoseunschärfe abnimmt, was eine Vorabinformation nicht zwingend erforderlich
macht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann