#DWD -> SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Donnerstag, den 03.06.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 03.06.2021 um 10.30 UTC

Frühsommerlich warm mit Schauern und teils kräftigen Gewittern (vor allem
Starkregen), die sich kommende Woche mehr und mehr in den Süden und Südwesten
zurückziehen.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 10.06.2021

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Sonntag befindet
sich Deutschland unter einer extrem flauen Potenzialverteilung, die durch einen
Randtrog ausgehend von einem Höhentief über der Ukraine, also zyklonal geprägt
ist. Als Antipode steht ein schwacher Rücken über Frankreich und Benelux zur
Verfügung, dessen antizyklonaler Einfluss erheblich limitiert ist. Ohnehin muss
man sagen – und das gilt auch für die Folgetage -, dass aufgrund sehr luschiger
Strömungsverhältnisse keine nennenswerten Antriebe aus der Höhe zu erwarten
sind. Luschig aber konfluent sind die Strömungsverhältnisse auch am Boden, wo
wir am Rande einer vom nahen Atlantik bis hoch zum Nordmeer reichenden
Hochdruckzone liegen. Dabei bestimmt recht warme (T850 um 10°C), aber auch sehr
feuchte, nicht überbordend labil geschichtete Luft das Wettergeschehen, was in
weiten Landesteilen (außer im trockeneren Nordosten) schauerartige Regenfälle
und einige kräftige Gewitter zur Folge hat. Dabei stehen Starkregen mit
regionalen Überschwemmungen sowie größere Hagelansammlungen ganz weit oben auf
der Agenda, während das Thema „Wind/Sturm“ vergleichsweise kleingehalten werden
kann.

Am Montag dehnt sich der o.e. Rücken bis nach Deutschland aus, wobei man den
Abstand schon auf 2 gpdam runterfahren muss, um über dem Vorhersageraum eine
Isohypse anzutreffen (574 gpdam) – so viel zur Höhen“strömung“. Von Nordwesten
her nimmt der Hochdruckeinfluss etwas zu, was eine Abtrocknung der weiterhin
warmen Luftmasse bedingt. In der Mitte und im Süden macht sich diese aber nur
bedingt bis gar nicht bemerkbar, was weitere schauerartige Regenfälle und
Gewitter mit den oben bereits genannten Begleiterscheinungen bedeutet.

In den Folgetagen bis zum Donnerstag ändert sich relativ wenig an dieser
Konstellation. Luftdruck- und Potenzialgegensätze bleiben sehr gering, die Luft
warm und relativ trocken im Norden/Osten respektive sehr feucht im Süden und
Südwesten (=> weitere Schauer, schauerartige Regenfälle und Gewitter mit
Starkregengefahr und größeren Hagelansammlungen). Ob es am Donnerstag im Norden
und Osten im Zuge eines von der Ostsee auflaufenden Kaltlufttropfens auch mal
für einzelne Schauer oder Gewitter reicht, bleibt abzuwarten.

In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag soll sich aus dem breiten Höhenrücken
über dem nahen Atlantik ein eigenständiges Höhenhoch über der Nordsee und
Südskandinavien etablieren. Es stützt ein Bodenhoch mit Zentrum über dem
Nordmeer, dem tiefer Luftdruck über Südwesteuropa gegenübersteht
(„High-over-Low“). Bei uns resultiert daraus eine östliche Grundströmung, mit
der weiterhin teils trockene (Norden), teils feuchte und labil geschichtete
Warmluft advehiert wird (leichter Anstieg T850 auf rund 12°C).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Vergleicht man den heutigen 00-UTC-Lauf des IFS (ECMF) mit der Version von vor
24 Stunden, findet man ähnliche, wenn auch nicht zu 100 % kongruente Muster
wieder. Das ist aber auch nicht zu erwarten in dieser Jahreszeit, wenn sowohl
Luftdruck als auch Geopotenzial von schwachen Gradienten geprägt sind. Die
Quintessenz, sprich, warmes aber unbeständiges Wetter bleibt erhalten, wobei der
meiste Regen bzw. die meisten Gewitter in der kommenden Woche im Süden und in
der (westlichen) Mitte auftreten sollen. Gegenüber den Vorläufen hat der
aktuelle Lauf hinsichtlich der Niederschlagsintensität einiges draufgepackt, was
die Wahrscheinlichkeit für regionalen Starkregen (mit oder ohne Gewitter)
erhöht. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass die Parameter Regen und Gewitter
sehr unsichere Kantonisten sind (räumliche Verteilung und Intensität), was
übrigens auch schon auf die kurzfristige Prognose zutrifft.

Noch ein kurzer Satz zum gestrigen 12-UTC-Lauf, der im ersten Teil der
Mittelfrist ähnliche Ergebnisse geliefert hat wie seine „Freunde“ von der
00-UTC-Front. In der zweiten Wochenhälfte wurde dann allerdings der Übergang in
eine kühlere West-Nordwestlage mit einem Trog über Mitteleuropa simuliert, was
heute aber nicht bestätigt wird (zumindest nicht vom Hauptlauf des IFS).

Rein aus der Konsistenzbetrachtung wird die Vorhersage in Bezug auf die
Temperatur als relativ sicher eingestuft. Hinsichtlich Niederschlag und Gewitter
gibt es hingegen größere Unsicherheiten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen etablierten Globalmodelle (ICON, GGS, GEM, UKMO) haben keine
grundlegend andere Idee als IFS. Natürlich offenbaren sich Unschärfen, wenn man
die Basisfelder übereinanderlegt, hier gilt die gleiche Aussage zur Kongruenz
wie bei der Konsistenzbetrachtung. Auch beim Niederschlag – logisch – stimmt
nicht alles überein. So fällt z.B. auf, dass GFS am Anfang (trifft übrigens auch
schon für die Kurzfrist zu) mit den Schauern und Gewittern progressiver in den
Nordosten reicht als die anderen Modelle. Im Laufe der nächsten Woche kann aber
an der Kernaussage festgehalten werden, dass sich Niederschlag und Gewitter mehr
und mehr auf den Süden und die Mitte konzentrieren bei gleichzeitig geringer
Streuung der Isothermen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte, zeigen sowohl beim
Potenzial (500 hPa) als auch bei der Temperatur (850 hPa) einen konstant
seitwärts verlaufenden Chart. Dabei ist die Streuung bei Pot500 bis nächsten
Donnerstag extrem gering, was gut zu der weiter oben beschriebenen Entwicklung
passt. Bei T850 ist der Spread in der nächsten Woche zwar etwas, aber nicht
signifikant größer. Nennenswerte Ausreißer nach oben oder unten sind nicht
erkennbar, die Kurven schwanken meist um 10°C (mit mehr Lösungen etwas darunter
als darüber). Auffallend ist die hohe Signaldichte beim Niederschlag von – je
nach Region – Freitag bis Sonntag. Danach dünnt sich das Ganze außer im Süden
und Südwesten aus, was auch recht gut zur Geschichte vom Hauptlauf passt.

Vor dem Hintergrund des beschriebenen Kurvenverlaufs verwundert es nicht
wirklich (auch wenn man in der Vergangenheit schon anderes erlebt hat), dass die
Clusterung für die Zeiträume T+72…96h (Sonntag/Montag) und T+120…168h (Dienstag
bis Donnerstag) lediglich eine einzige Schublade aufmacht, die dem Klimaregime
„Blocking“ zugeordnet ist. Es zeigt Deutschland bei geringen Potenzial- und
Druckgegensätzen am Rande bzw. unter einem Höhenrücken bzw. schwachen Hochkeils,
was aktuell ja auch schon der Fall ist. Dass das nicht zwingend trockenes und
störungsfreies Sommerwetter bedeutet, zeigen ebenfalls die Gegenwart sowie die
Kurzfrist.

Ab Freitag (T+192…240h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf sechs, wobei das
„Blocking“ das Maß der Dinge bleibt. Deutschland wäre mal mehr, mal weniger vom
Rücken über dem nahen Atlantik respektive Nordeuropa beeinflusst. Lediglich CL 6
(4 Fälle) tendiert zum Ende in Richtung „NAO positiv“, was etwa der
12-UTC-Lösung von gestern entsprechen würde.

FAZIT: Der Generalkurs scheint zu stehen. Die nächste Woche verläuft weiterhin
warm mit vor allem im Süden und Südwesten (bedingt auch noch in der Mitte)
auftretenden schauerartigen Regenfällen und Gewittern.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Aufgrund der geschilderten Rahmenbedingungen richtet sich der Blick des
„Warnmahners“ auf zwar undynamische (wegen fehlender synoptischer Antriebe),
gleichwohl aber kräftige Gewitter und Starkregenfälle. Treten diese am Sonntag
noch vergleichsweise großflächig auf (Süden/Mitte), ziehen sie sich im Verlauf
der kommenden Woche mehr und mehr in den Süden und Südwesten zurück. Dabei ist
tendenziell eine Abschwächung erkennbar, trotzdem muss lokal weiterhin mit
Starkregen (lokale Unwetter) und größeren Hagelansammlungen gerechnet werden. Im
Anfangsstadium der Gewitter ist auch mal größerer Hagel denkbar. Stürmische Böen
oder Sturmböen sind zwar nicht kategorisch ausgeschlossen, dürften sich aber auf
wenige Einzelfälle beschränken.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix mit IFS-EPS und Modell-Mix.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann