SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST Mittwoch, den 07.04.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 07.04.2021 um 10.30 UTC

Wieder zunehmend wechselhaft und zum Wochenwechsel erneuter Kälterückfall. Dabei
Dauerregengefahr und möglicherweise erneut Schnee bis in tiefe Lagen.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 14.04.2021

Konnten in den letzten drei Jahren im April immer deutlich überdurchschnittlich
hohe Temperaturen in Deutschland genossen werden, „glänzt“ der April 2021 bisher
mit deutlich zu kühlem Wetter. Auch in der ab Samstag beginnenden Mittelfrist
kündigt sich nach einem vorübergehendem „Höhenflug“ der Temperaturen spätestens
zum Anfang der kommenden Woche ein erneuter Kaltlufteinbruch an.

Hauptmerkmal der Mittelfrist ist ein umfangreicher Langwellentrog, der sich am
Samstag von Grönland und dem Nordmeer über Skandinavien bis zu den Britischen
Inseln erstreckt und als Ausgleichsbewegung eines blockierenden Höhenhochs über
der Labradorsee und Neufundland verstanden werden kann. Knapp nordwestlich der
Britischen Inseln findet sich darin ein Randtrog, der im weiteren Verlauf
abtropft, fortan sein Leben als Höhentief fristet und gen zentrales Mittelmeer
wandert.

Am Boden unterstützt der Randtrog/das Höhentief zunächst ein Tief, das am
Samstag mit Zentrum über dem Ärmelkanal liegt und von Sonntag bis Dienstag über
Benelux und Norddeutschland Richtung Skandinavien weiterzieht. Danach sorgt das
Höhentief zu Wochenbeginn über dem zentralen Mittelmeer und auch knapp
nordwestlich des Alpenhauptkammes für Zyklogenesen (Vb lässt grüßen), wobei die
dort entstehenden Tiefdruckgebiete miteinander gekoppelt sind. Außerdem haben
sie Verbindung zum nach Skandinavien wandernden Tief, womit sich eine
langgestreckte Tiefdruckrinne ausbildet. Diese liegt am Dienstag bereits knapp
östlich von Deutschland, beeinflusst mit ihren Feuchtefeldern aber noch den
Südosten und Osten Deutschlands, während nach Westen hin durch einem dem
Höhentief von Westen nachfolgenden Rücken der Druck steigt.
Am Mittwoch setzt sich der Hochdruckeinfluss fast überall durch.

Strömungstechnisch herrscht dabei über Deutschland am Wochenende zunächst
Südwest vor, mit der milde Luft mit T850 hPa von 0 bis 7 Grad einließt. Mit der
Tiefdruckrinnenentwicklung gelangen wir jedoch zusehends auf deren Rückseite in
eine neuerlich nördliche Strömung, die über dem Meer erwärmte Polarluft mit T850
hPa von -3 bis -7 Grad zu uns führt.

In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag bringt ein neuer Randtrog wieder
Tiefausläufer mit milderer und feuchterer Luft aus dem Süden und Südwesten nach
Deutschland. Im Sommer würde man bei solch einer Wetterlage bestimmt von einem
„Schaukelsommer“ sprechen, zu diesem Zeitpunkt mutiert dieser aber zu einem
„Schaukelfrühling“, wenn es denn so kommt. Oder macht der April doch, was er
will?

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Montag ist der heutige 0 UTC-Lauf des EZMW im guten Einklang mit den
Vorläufen. Danach akzentuiert der neueste Lauf das zum Mittelmeer abtropfende
Höhentief deutlicher, wobei es außerdem zeitlich gesehen etwas zurückhängt.
Damit dürfte sich der Dienstag im Osten und Südosten unter dem Einfluss der
Tiefdruckrinne deutlich nasser gestalten, als es der gestrige 0 UTC-Lauf noch
wollte. Der gestrige 12 UTC-Lauf hingegen ging bereits in die Richtung des
heutigen 0 UTC-Laufs.
In der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch sehen die Modelle die Entwicklung mit
Zwischenhocheinfluss am Mittwoch und nachfolgend wieder zyklonalem Einfluss zwar
ähnlich, im Detail treten aber größere Unterschiede zutage. So werden nicht nur
die Niederschlagsverteilungen und -intensitäten unterschiedlich simuliert,
sondern auch die Erwärmung infrage gestellt. Der gestrige 12 UTC-Lauf
beispielsweise brachte nur im äußersten Süden eine nennenswerte Milderung.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON und GFS zeigen ähnliche Strukturen wie das EZWM. Allerdings wird das
Höhentief noch mehr betont als vom neuesten EZMW-Lauf, womit der nachfolgende
Rücken flacher ist oder westlicher bleibt. Das hätte zur Folge, dass der
Hochdruckeinfluss erst später zunimmt und die Tiefdruckrinne sich länger bei uns
hält.
GEM ist der EZMW-Lösung sehr nahe. Beim zunächst auch ähnlichem NAVGEM hält sich
das Höhentief ab Dienstag länger über dem zentralen Mittelmeer, was vor allem
dem Süden mehr Niederschläge bringen würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:
Die EZMW-Rauchfahnen diverser deutscher Städte sind bis Samstag (T850 hPa) bzw.
bis Sonntag (GeoPot 500 hPa) eng gebündelt. Am Sonntag und Montag nehmen die
Kurven bei T850 hPa einen größeren Spread ein, der darauf schließen lässt, dass
der genaue zeitliche Verlauf der allerdings wohl sicheren Abkühlung noch nicht
feststeht. Bis Dienstag sollte die Abkühlung jedoch abgeschlossen sein, dann
zeigen die meisten Städte bei wieder engerem Spread T850 hPa von -4 bis -8 Grad.
In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag verbleiben die meisten Member vor
allem in den Städten im Norden und in der Mitte im unteren Bereich der Streuung
bei den niedrigen Temperaruten, allerdings bei dann erneut deutlich
auseinandergezogenem Spread. Die Geopot 500 hPa-Kurven öffnen sich im weiteren
Verlauf zunehmend, wobei sich Haupt- und Kontrolllauf ziemlich genau in der
Mitte der Streuung wiederfinden.

CLUSTER:
Von Montag 0 UTC (12.4) bis Mittwoch 0 UTC (14.4) gibt es nur einen Cluster des
Regimes positive NAO.
Von Donnerstag 0 UTC (15.4) bis Samstag 0 UTC (17.4) werden drei Cluster
angeboten. C1 spiegelt den deterministischen Lauf wider (SWz), C2 formiert ein
Hoch über Skandinavien (HNFa). C3 platziert einen Rücken und damit ein Hoch über
den Britischen Inseln (HB).

FAZIT:
In der Mittelfrist steht ein wechselhafter und gebietsweise feuchter
Witterungsabschnitt an, wobei die anfangs noch milde Luft bis Dienstag wieder
durch deutlich kühlere Luft ersetzt wird. Niederschläge können vor allem nachts
erneut bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Zur Wochenmitte kündigt sich
vorübergehend trockeneres Wetter bei weiterhin niedrigen Temperaturen an. Ob
danach in der erweiterten und zunehmend unsicheren Mittelfrist wie vom
EZMW-Hauptlauf angeboten eine Milderung erfolgt, ist keinesfalls sicher, da die
Ensembles das vor allem für die Mitte und den Norden nicht stützen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

DAUERREGEN:
EFI zeigt am Samstag und am Sonntag sowie mit Abstrichen auch noch am Montag
Signale für gebietsweise überdurchschnittlich viel Niederschlag. Die Ensembles
schlagen darauf bisher jedoch nur bedingt an. In einigen Staulagen der Gebirge
ist Dauerregen nicht ausgeschlossen.

SCHNEEFALL:
Während EFI nicht auf überdurchschnittliche Schneefälle hinweist, reagiert zum
Teil allerdings der SOT. So beispielsweise am Sonntag im Nordwesten und am
Montag und Dienstag in den zentralen und südlichen Mittelgebirgen. Wenn es also
besonders „günstig“ läuft, könnten überdurchschnittliche Schneefälle vorkommen.
In den Ensembles werden jedoch meist nur leichte Schneefälle simuliert, diese
aber zum Teil bis ins Tiefland (vornehmlich in den Nächten). Im höheren Bergland
sind markante Schneefälle nicht ausgeschlossen, am deutlichsten ist das Signal
für die Alpen am Montag.

TEMPERATUREN:
EFI liefert am Dienstag vor allem im Südwesten Deutschlands Hinweise für
unterdurchschnittliche Temperaturen (nicht warnrelevant).

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW, EZMW-MOS, zum Ende hin eher MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler